Bald im Handel: Werwulffe – das Rollenspiel für bis zu 80 Millionen Personen

Am besten spielen Sie Werwulffe in großen Räumen wie diesem

In Anlehnung an das beliebte Rollenspiel Werwölfe von Düsterwald aus gegebenen Anlass eine neue Variante des Spiels, für noch mehr Spaß und Abwechslung:

Werwulffe

An den Spielregeln ändert sich nicht viel. Dafür gibt es neue Charaktere:

  • 1 ARD oder ZDF-Moderator (moderiert das Spiel, mischt sich nicht ein)
  • 2 Werwulffe (ruft jede Nacht jemanden an, der danach ausscheidet)
  • 1 Banker (bestimmt in der ersten Nacht zwei Charaktere, die in einer geheimen Geschäftsbeziehung stehen (kann auch sich selbst wählen), im weiteren Verlauf ist er einfacher Bürger)
  • 1 Investigativ-Reporter (kann sich jede Nacht die Seite eines Spielers anzeigen lassen)
  • 1 Chefredakteur (kann schauen, wer vom Werwulff angerufen wurde und einmal im Spiel die Mobilbox abrufen und damit den Spieler retten. Zudem kann er einmal einen Leitartikel schreiben mit dem er einen beliebigen Spieler diffamiert, der dann ausscheidet)
  • Der Spiegel-Reporter (hat die gleiche Fähigkeit wie der Investigativ-Reporter kann diese aber erst einsetzen, wenn dieser bereits veröffentlicht hat)
  • Der Kanzler (wird er gestürzt wählt er eine Person, die mit untergeht)
  • Der Staatssekretär (spielt auf der Seite der Werwulffe. Wird dem Reporter als Bürger angezeigt. Die Werwulffe wissen nicht, wer ihr Sekretär ist, dieser jedoch wer die Werwulffe sind)
  • Bürger (alle weiteren Mitspieler. Haben keine besonderen Fähigkeiten)

Wird einer der Spieler, der vom Banker als Geschäftspartner ausgewählt wurde, getötet, stirbt der andere direkt mit, da er pleitegeht.

Die Werwulffe rufen jede Nacht jemanden an, während sie auf dem Weg zum Emir sind. Der gewählte Spieler scheidet aus dem Spiel aus (es sei den der Chefredakteur rettet ihn). Alle Spieler können am Tag jemanden lynchen. Das Spiel endet wenn nur noch Werwulffe oder nur noch Bürger über sind.

Viel Spaß ;)

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5. Januar 2012 at 13:45 1 Kommentar

Gute kriegen einen Link, Böse werden geguttenbergt?

Gerade las ich Stefan Niggemeiers Artikel „Wulff und die „Bild“-Zeitung: Das Band ist zerschnitten“ auf Spiegel Online. Offenbar ist das Band aber nicht nur zwischen Wulff und Bild zerschnitten, sondern auch zwischen Spiegel und Bild.

Denn es fällt auf: Im Text, in dem es darum geht, wie wohl die Nachricht vom Chritian Wulff auf Kai Diekmanns Anrufbeantworter an FAZ und SZ gekommen ist, gibt es externe Links auf Beiträge der beiden genannten Tageszeitungen. Das ist (leider) eher unüblich, das „Große“ sich untereinander verlinken. Einen Link zur Bild findet man im Text jedoch nicht. Zumindest keinen richtigen.

Die Erklärung der Bild „in eigener Sache“ ist im Beitrag nämlich sehr wohl verlinkt, aber nicht zu bild.de sondern auf ein Vollzitat innerhalb von Spiegel Online. Dies ist ein eigener Beitrag in dem es einen Teaser gibt und danach einzig die zitierte Stellungnahme der Bild. „SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Erklärung im Wortlaut“, heißt es.

Ich weiß nicht, ob es sich um eine Entscheidung des Autors (und Bildblog-Gründers) handelt oder ob es redaktionelle Linie bei Spiegel Online ist/war. Auf jeden Fall finde ich es bemerkenswert. Gedruckt macht so etwas ja Sinn. Online halte ich es aber für eine sehr billige Möglichkeit, das eigene Angebot und damit die Klickzahlen zu vergrößern. Es mag rechtens sein, aber die feine englische Art ist es sicher nicht.

Oder was meint ihr?

PS: WDR 5 hat übrigens ein sehr amüsantes Spaß-Audio gemacht. Der Anrufbeantworter von Kai Diekmann. Enjoy!


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2. Januar 2012 at 21:33 Hinterlasse einen Kommentar

Der Drohnenkrieg der Liebe

Der nachfolgende Text ist das Vorwort zu einer Hausarbeit, die ich in den vergangenen Tagen im Rahmen meines Studiums geschrieben habe

„Sex ist eine Schlacht, Liebe ist Krieg“, heißt es im Rammstein-Song „Wollt ihr das Bett in Flamen sehen“. Ein Vergleich, der passender ist, als man denken mag. Vor allem dann, wenn man die Entwicklung der Kriegstechnologien betrachtet und die Entwicklung der Liebe. Beide verfolgen den gleichen Trend: Durch den Einsatz von Technologie wird versucht, die Distanz zwischen den Akteuren zu erhöhen und das eigene Risiko zu minimieren.

Wenn man so will ist die Urform eines jeden Kampfes der Nahkampf. So kämpfen die meisten Tiere auch heute. Der „Nahkampf der Liebe“ ist das persönliche Gespräch oder zumindest die unmittelbare Kommunikation miteinander, die auch nonverbal auskommen kann. Sieg oder Niederlage entscheiden sich häufig unmittelbar und vor allem an Ort und Stelle. Die Gefahr der Niederlage ist daher unmittelbar. Der Kämpfer kann in der Aktion sterben, der Flirtende in der Öffentlichkeit seine Absage erhalten.

Der Mensch hat deshalb relativ früh Distanzwaffen erfunden. Mit Pfeil und Bogen ist es möglich, den Feind aus dem Hintergrund anzugreifen. Im besten Fall ist man dabei selbst in sicherer Distanz, kann auch bei einem ausbleibenden Treffer noch unbemerkt entkommen, ohne selbst Schaden davon zu tragen.

Was im Kampf Pfeil und Bogen, ist in der Liebe die Schrift. Mit der Schrift und wenn man so will der Einführung der Briefpost war auch die Möglichkeit zum Flirt aus der Distanz geschaffen. Beides sind frühe Formen des Distanz“kampfes“. Sie erfordern ein gewisses sich „heranschleichen“. Der Bogenschütze hat eine beschränkte Reichweite und der Autor des schmachtenden Liebesbriefes wird seine Angebetete zuvor auch irgendwo getroffen haben, ihren Namen und ihre Anschrift in Erfahrung gebracht haben. Gerade letzteres macht ziemlich klar deutlich: Die Aktion bedingt zunehmende Vorbereitung.

Nun bedeutet eine zunehmende Spezialisierung der Gesellschaft auch, dass Vorbereitung zum Teil in Arbeitsteilung geschieht. Pfeil und Bogen können von jemand produziert werden, ein Weiterer späht den Feind vielleicht aus. Und im anderen Fall verrät mir vielleicht ein Freund den Namen der attraktiven Arbeitskollegin.

Die Weiterentwicklung von Pfeil und Bogen wird vermutlich die Feuerwaffe sein und irgendwann kommen wir bei Interkontinentalraketen und Drohnen-Kriegsführung an. Im Bereich des „emotionalen Kampfes“ lautet die Entwicklungslinie vermutlich grob Telefon-Mobiltelefon-Social Networks (Internet).

Die bereits zuvor festgestellten Entwicklungen haben hier ihre Fortsetzung gefunden. Die Arbeitsteilung ist immer stärker. Wohl kaum einer von uns könnte selbst eine Atomrakete bauen, Facebook programmieren würde ebenfalls den meisten schwer fallen. Auch die Distanz nimmt zu. Die moderne Kriegsführung ermöglicht es, Menschen zu töten, die man nie zuvor gesehen hat. Partnersuchen mit Hilfe von neueren Kommunikationstechnologien zeigen einen ähnlichen Weg. Hier steigt vor allem die Effizienz und Zielgenauigkeit. Am Telefon werde ich auf die Date-Anfrage deutlich wahrscheinlicher direkt eine Antwort bzw. überhaupt eine Antwort bekommen, als per Brief und bleibe dennoch in der Distanz.

Social Networks haben zuletzt die Hemmschwelle gesenkt. Eine Kontaktaufnahme unter der Voraussetzung gemeinsamer Freunde wirkt weniger aufdringlich in Zeiten des WWW. Mehr noch: Es gibt die Möglichkeit Leute „anzusprechen“, die man gar nicht kennt. Weil man gemeinsame Interessen hat zum Beispiel. Die Digitalisierung übernimmt weitere Aufgaben, oder kann es zumindest.

In der Kriegsführung wird die nächste Stufe aller Voraussicht nach die Kriegsführung mit Drohnen sein. In dieser Arbeit soll es um ein, um im Bilde dieses Vorworts zu bleiben, Äquivalent in der Partnersuche gehen. Zunächst jedoch ein genauerer Blick auf den Status quo in Sachen Social Networks und Partnerbörsen.

29. Dezember 2011 at 13:03 1 Kommentar

Kausalität und Genauigkeit sind doch was für Wichtigtuer!

Wer mich kennt, weiß, dass es ein kleines Hobby von mir ist, aus Texten herauszulesen, was

  1. Suggeriert wird
  2. Tatsächlich gesagt wird und
  3. Bewusst nicht gesagt wird.

Wer mich weiter kennt weiß, dass ich derzeit so meine Probleme mit dem DLV habe. Gestern kam beides zusammen.

In einer Pressemi… ich meine in einem redaktionellen Beitrag wurde auf leichtathletik.de (und per e-Mail als DLV-Presseservice) über den Kartenverkauf zu den Deutschen Meisterschaften berichtet. Der läuft offenbar fantastisch. Über die Hälfte der Tribünenplätze sei bereits verkauft und dies ein „sensationeller Wert“.

Nun kann man schon mal fragen: Wie groß ist die Kapazität der Tribünen in Wattenscheid und ist dieser Wert in Vergleich zu anderen Verkäufen wirklich so gut.

Vielmehr hat mich jedoch der dritte Absatz des Artikels aufgeregt. Ich zitiere:

Als besonderen Zuschauer-Service betrachtet Frank Kowalski auch das neue Meisterschaftskonzept des DLV, das in den Läufen 24 und in den technischen Disziplinen 14 Teilnehmer/-innen  vorsieht.

Womit fangen wir an? Zunächst einmal wird hier suggeriert, der gute Kartenverkauf hätte etwas mit dem Meisterschaftskonzept zu tun. Um das aber wirklich sagen zu können, müsste man die Käufer – oder zumindest eine repräsentative Größe hiervon – zu ihren Kaufmotiven befragen. Denkbar wäre ja auch, dass unter einem anderen Konzept noch mehr Karten verkauft worden wären oder – was ich denke – die Reform hierauf gar keinen Einfluss hat, zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt.

Vielleicht haben gerade auch mehr Leute (wenn es überhaupt mehr Leute als sonst sind) ihre Karten schon bestellt, weil die Verbände früher geordert haben. Oder weil es noch nicht geschneit hat. Oder weil im nächsten Jahr zufällig keine Frauenfußball-WM in Deutschland stattfindet. Oder vielleicht haben auch 2000 rechte Hooligans Karten geordert, weil die Sicherheitskontrollen im Fußball zu groß geworden sind?

Was geschrieben ist, ist in diesem Punkt (ein anderer kommt gleich) nicht falsch. Aber die suggerierte Information ist nicht korrekt. Richtig wäre es gewesen, klarzustellen, dass ein Bezug der Meinung von Herrn Kowalski und den Kartenverkäufen nicht gesichert ist.

Noch was zum gleichen Absatz: Dort ist die Rede von 24 bzw. 14 Teilnehmern. Zum einen gibt es Läufe (wie meine 800m) in denen nur 20 Leute zugelassen werden. Zum anderen werden hier einmal mehr – ob bewusst oder fahrlässig – Teilnehmerzahlen mit Meldezahlen verwechselt. So kann man ein Problem auch aus dem Weg räumen! Wer aber glaubt, dass Meldezahlen und Teilnehmerzahlen Synonyme sind, der denkt das vermutlich auch über Bruttolohn und Nettolohn und ist herzlichst eingeladen, mir die Differenz monatlich zu überweisen!

Ich meine, es ist okay. Eure Aufgabe als PR-Agentur ist es, eurer Produkt rosarot darzustellen. Aber meine Aufgabe als Journalist ist es nun mal, diese Informationen für die Bevölkerung richtig einzuordnen.

Merkt jemand den Fehler? Richtig! Wir haben es hier nämlich eigentlich nicht mit eine PR-Agentur zu tun, sondern einem Sportverband. Man muss es leider erwähnen.

Wo wir gerade bei Sportverband sind. Da gibt es ja nicht nur Funktionäre, sondern auch Trainer. In der „Leichtathletik“ vom 30. November (in der auch ich zu Wort komme) gibt auch Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp eine Einschätzung zur DM-Reform. Er sagt unter anderen: „Als Bundestrainer habe ich aber weiter die Möglichkeit, eine Sonderzulassung zu beantragen, sofern es die Entwicklung der Nationalmannschaft begünstigt. Diese Option werde ich auch weiterhin nutzen.“

Klingt für mich auf den ersten Blick super, denn ich bin ja grundsätzlich dafür, möglichst vielen einen Start bei den Deutschen zu ermöglichen. Beim weiteren darüber nachdenken fällt mir aber auf: Bedeutet das nicht, dass eine Weitspringerin künftig besser 1-2 Stunden die Woche damit verbringt, sich beim Bundestrainer einzuschleimen, statt z.B. die Sprungkraft zu trainieren? Die Qualifikation wird ein Stück weit subjektiver. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste der Fehler dieser Reform…

8. Dezember 2011 at 10:21 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Castor-Organisatoren,

ich habe da mal eine Frage: Warum plant ihr den Castor immer so, dass er am Wochenende im Wendland eintrifft? Zu der Zeit also, zu der die Demonstranten frei haben? Zu der Zeit also, zu der die Polizisten aufgrund von Wochenendschichten noch mal eine Schippe schlechter gelaunt sind? Zu der Zeit also, zu der politisch meist sonst nichts los ist und dem Castor die volle Aufmerksamkeit sicher ist?

So richtig schlau werde ich daraus nicht. Deeskalierend ist es auf jeden Fall nicht.

26. November 2011 at 19:37 1 Kommentar

Gespräch mit dem DLV: „Ergebnisse“ und Gedanken

Gestern Abend fand ein Gespräch mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), als Reaktion auf den Offenen Brief an ihn bezüglich der Art der Ausführung der Deutschen Meisterschaften und deren Reform statt. Das Gespräch dauerte mehr als drei Stunden und fand in einer sehr freundlichen Atmosphäre statt. Für den DLV dabei waren Frank Kowalski (Direktor Veranstaltungsmanagement), Manfred Mamontow (Leiter Wettkampforganisation ) und Peter Schmitt (Mediendirektor). Krankheitsbedingt absagen musste Frank O. Hamm (DLV-Präsidium). Wir waren mit vier Personen vor Ort, zwei davon aus dem Gehsport. Ursprünglich wollten mehr kommen, sagten aber zum Teil ab, nachdem vergangene Woche „Fakten geschaffen“ wurden, als der DLV sein Konzept noch einmal offiziell vorstellte. „Wenn die Ergebnisse bereits feststehen, bringt das nichts!“, war eine Aussage. Eine Aussage, die leider nicht ganz daneben lag.

Ich denke, dass wir Gestern zwar ernst genommen wurden, gleichsam ließ man aber keinen Zweifel daran, dass man vom eigenen Weg überzeugt sei und ihn auf jeden Fall gehen wolle. Auch Kompromisse sind dahingehend nicht geschlossen worden (mit vielleicht ganz kleinen Ausnahmen).

Nun zu einigen einzelnen Punkten. Entschuldigt, dass der Text dadurch recht lang wird, aber ich möchte nichts unterschlagen.

Zunächst einmal zum Motiv des DLV für im Grunde alle kritisierten Punkte. Die Worte „Dramaturgie“ und „Drehbuch“ sind hier Keywords. Man will Meisterschaften „attraktiv“ und „kurzweilig“ sowie „spannend“ präsentieren. Dazu gehört, dass man den Zeitplan nicht nur aus organisatorischen Gründen anpasst, sondern auch, um die besagte „Dramaturgie“ zu haben. Deutsche Meisterschaften folgen einem – auch so bezeichneten – „Drehbuch“(!). Es soll eine Spannungskurve aufgebaut werden, bestmöglich mit einem Höhepunkt wie dem 100 Meter Finale. Dafür müsste jedoch möglichst sekundengenau geplant werden. Das Ziel: Ein so inszenierter, spannender und kurzweilige Wettkampf soll die Zuschauer vor dem TV und im Stadion vom Sport begeistern, damit

  • mehr Leute –vor allem nicht Sportler – ins Stadion kommen (die Ticket-Verkaufszahlen scheinen den Verantwortlichen sehr wichtig zu sein)
  • mehr Leute sagen „der Sport ist toll, davon will ich mehr oder ihn selber machen“
  • mehr Sponsoren sich für ein Engagement in der LA interessieren

Ob das in sich der richtige, falsche, einzige Weg ist will ich zumindest jetzt und hier mal nicht bewerten, sondern lediglich weitergeben. Interessant war in diesem Zusammenhang eine Aussage von Herrn Kowalski, der sich klar gegen Deutsche Meisterschaften mit mehr Teilnehmern aussprach. Er sagte, dass Deutsche mit klar mehr Teilnehmern spätestens nach zwei oder drei Jahren nicht mehr finanzierbar seien. Es wurde auch darauf verwiesen, dass der DLV zu über 80 Prozent auf Einnahmen von außen angewiesen sei (z.B. Sponsoreneinnahmen).

Weil es zum gerade genannten Punkt passt, komme ich als nächstes auf den Punkt „Athletenpräsentation“. Hier war ich von der Haltung des DLV sehr enttäuscht. Eine Zusage „Wir stellen soweit eben möglich alle Athleten und deren Verein kurz vor“, gab es nicht – dabei halte ich gerade das als Zeichen des Entgegenkommens für am leichtesten umsetzbar. Als Gründe dagegen wurden die benötigte Zeit(!) und die bereits aufgeführte „Dramaturgie“ genannt. Ein Aufzählen von Bahn eins bis acht sei sinngemäß langweilig und würde den aufgebauten Spannungsbogen zerstören. Als einziges Entgegenkommen wurde signalisiert, dass man ggf. künftig nicht nur die Spitzenathleten vorstellen würde, sondern auch noch den Fokus auf die Teilnehmer setzen könnte, die Chancen auf eine Endlaufqualifikation besitzen. Ignorieren der Teilnehmer zugunsten von „mehr Drama“ also.

Nächster Punkt: Wenigstens dieser ist positiv. Hier zitiere ich Herrn Kowalski einmal direkt, er sagte mir, man könne ihn da beim Wort nehmen „Eine Zuschauer-Animation mit einem Medienpartner wie in Kassel wird es nicht mehr geben.“

Zum Thema Gehen kann ich persönlich weniger sagen, das tun die entsprechenden Kollegen. Beim Gehen will man wohl zumindest mittels des Modelversuchs einer Terminbörse die Termine besser abstimmen und es wurde wieder betont, dass die Geh-Veranstaltung, in die die jetzigen Wettbewerbe ausgelagert werden, eine „wertige“ Veranstaltung mit einem gelungenen Rahmen erhalten soll. Die Argumente, die dafür sprechen, die Geher im Verbund der Deutschen und auch Deutschen Jugend zu behalten, blieben aber unbeantwortet.

Punkt Transparenz: Die Athletensprecher sollen präsenter werden, interessanter Weise fragte man mich, wie das gelingen könnte. Beschlüsse bzw. Protokolle mit Abstimmungsverfahren auf die DLV-Seite einsehbar zu machen stieß jedoch auf wenig Gegenliebe. Die Protokolle würden ja an die Landesverbände gehen und so weiter…

Ein großer Punkt im Gespräch waren freilich die Qualifikations-Verfahren mit A- und B-Norm. Ich habe in dem Gespräch für mich noch immer nichts rausnehmen können, was dieses Verfahren so unabdingbar macht. Die Nachteile für die Athleten wurden bereits mehrfach genannt und überwiegen für mich noch immer alle Vorteile, die… Moment… Welche Vorteile? Hier wurde erneut von Planbarkeit der Meisterschaft geredet, wenngleich zugegeben wurde, dass ein Stabhochsprung-Wettbewerb beispielsweise unabhängig der Teilnehmerzahl nie planbar sein wird.

Dennoch will man das Verfahren auf jeden Fall ausprobieren. Und zwar direkt in allen Disziplinen und Geschlechtern. Ein „Einzelttest“ kommt nicht in Frage. Ähnlich verhält es sich mit der Bestenliste, die im kommenden Jahr eine enorme Bedeutung haben wird. Sie muss möglichst stundenaktuell sein und alle Ergebnisse sofort umfassen. Ob das klappt wird direkt dann „getestet“, wenn es unabdingbar ist. Also nächstes Jahr. Sinnvoller wäre gewesen, es zuvor parallel zum guten und bewährten Qualifikations-Verfahren zu probieren.

Natürlich würde man auch Änderungen vornehmen, wenn man bemerke, das System bedürfe Verbesserung, sagten die DLV-Verantwortlichen. Ich hoffe, dass dieser Testcharakter auch entsprechend nach außen kommuniziert wird, denn dann werden Feedback und „Problemberichte“ umso zahlreicher sein. Der erste Testlauf werden übrigens die Hallenmeisterschaften sein und man behalte sich vor, bereits danach „Anpassungen“ für die Freiluft-DM auszuführen.

Interessant fand ich, dass offenbar die Planungssicherheit für die Athleten keine so große Reaktion hervorrief. Als ich jedoch sagte, dass ich es auch moralisch bedenklich finde, dass man künftig mit seiner Leistung anderen womöglich einen DM-Startplatz wegnimmt und das so durch „Fakemeldungen“ die Tür zum Missbrauch geöffnet wird, wurden die Stifte gezückt. Diesen Punkt hatte man offenbar bisher nicht bedacht. Inwiefern er jedoch berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten.

Vor allem eine Detailfrage machte diese Problematik sehr anschaulich. Auch im kommenden Jahr, sollen in den Landesverbänden, in denen die Landesmeisterschaften nach Meldeschluss für die DM liegen, noch dort die Qualis „nachgereicht“ werden können. Darauf meine Frage: Kämen solche Teilnehmer zusätzlich hinzu oder würden sie nach Meldeschluss(!) noch jemanden den Startplatz wegnehmen. Die enttäuschende Antwort: Zweites wäre der Fall. Die Bedenken dem gegenüber wurden notiert. Ich hoffe wenigstens in diesem Detail (man wolle noch einmal darüber sprechen) beharrt man nicht auch noch auf die maximalen Teilnehmerzahlen, denn es wird wohl eh nur um 3-4 Fälle gehen. Ach ja: Es werde noch geprüft ob auch Athleten anderer Landesverbände bei den Landesmeisterschaften nach Meldeschluss ihre Qualis nachreichen können.

Für so spät sich noch Qualifizierende soll es übrigens ein Hotelkontingent zur Verfügung stehen. Wohlbemerkt: Für die spät Qualifizierten, nicht für die, die spät von ihrer Qualifikation erfahren.

Eine Überraschung zu den A- und B-Normen gab es auch. Herr Mamontow, der im September auf leichtathletik.de noch in folgenden Zusammenhang indirekt zitiert wurde:

… Manfred Mamontow, weist darauf hin, dass es bei den Deutschen Meisterschaften 2012 für die Athletinnen und Athleten eine A- und eine B-Norm geben wird. Wer die A-Norm, die sich an Platz acht der DLV-Bestenliste orientiert, erfüllt, hat seine Teilnahme an den Titelkämpfen auf jeden Fall sicher. Problematischer wird es bei den B-Norm-Erfüllern. Ab Platz 15 der laufenden Bestenliste zählen sie zu den Wackelkandidatinnen bzw. –kandidaten…

sagte uns, dass 75-80 Prozent der Athleten sich über die A-Norm qualifizieren sollten. Die B-Norm würde sich an Platz 30 der deutschen Bestenliste zum Zeitpunkt der DM 2011 orientieren. Wir dürfen gespannt sein ob das hinkommt, wenn die Zahlen demnächst bekannt werden. Das soll in der nächsten Woche der Fall sein, Die noch nicht beschlossenen Zahlen wollte man uns nicht nennen.

Zum Thema Klein-Sponsoren: Ich sagte, dass die gleichen Finanzierungsprobleme, wie sie der Dachverband hat, jeder kleine Verein, bzw. jede kleine Abteilung auch hat – wenn auch in kleinerem Maßstab. Wir müssten dies zusammen lösen und uns nicht gegenseitig kannibalisieren. Hierauf gab es lediglich die Anmerkung, dass wenn durch die Fokussierung auf die Spitze der Sport allgemein mehr Wahrnehmung finde, er auch in den unteren Klassen mehr Anziehungskraft ausüben könne. Ob das den Sportladen vor Ort vertröstet, wenn sein geförderter Athlet bei den Deutschen nicht dabei ist oder nur unbemerkt auf der Bahn steht, wenn er „die so beliebte Sportart“ fördert, mag ich jedoch bezweifeln.

Und dann kam am Rande noch das Thema „Staffelmeisterschaften“. Die gebe es noch nicht, aber es wurde deutlich, dass man bereits darauf schielt. Ziel solle es sein, einen weiteren (medienwirksamen) Höhepunkt zu generieren. Ich verwies darauf, dass es für mich als Jugendlicher das größte war, bei den DM Männer/Frauen mit der Jugendstaffel mitzulaufen. Aber der Höhepunkt schien mehr zu zählen, so dass ich vermute, sobald die Sponsoren dafür da sind, wird die Meisterschaft erschaffen.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass das Gespräch zwar offen und wohl auch ehrlich war, leider aber kaum etwas Handfestes dabei herauskam. Ich hoffe, der DLV bessert zumindest an einigen Stellen noch nach und spricht offen von einem Testlauf. Problematisch wird sein, dass viele der negativen Folgen nicht kurzfristig sind, sondern mittel- bis langfristig und in einer späteren Analyse vielleicht noch gar nicht auffallen werden.

Ich möchte alle Teilnehmer bei den Deutschen, alle Leichtathleten, die darauf hinarbeiten, es aber ggf. nicht schaffen und alle Zuschauer darum bitten, ihre Probleme offen und möglichst wahrnehmbar zu äußern. Schickt sie an den DLV, bloggt darüber, sprecht viel darüber. Auch mir dürft ihr diese gerne weiter schildern. Auch bei den Athletensprechern bietet sich (demnächst) sicher eine Möglichkeit, Feedback zu geben.

Ich bin nachwievor davon überzeugt, dass die Pläne für die Meisterschaften und auch einige Punkte, die jetzt schon kritisiert wurden (Athletenpräsentation, Siegerehrung) nicht der richtige Weg sind. Sie sind schädlich und unfair einigen Athleten gegenüber und schaffen Probleme in der Breite. Der DLV will diesen Weg aber gehen. Also muss er erleben, dass er irrt.

Wir waren über 500 Unterzeichner des Offenen Briefs und ich weiß, dass noch weitere Unterstützer da draußen sind. Lasst uns alle die Augen offen halten und alle Kanäle der Kritik und des Feedback nutzen, die wir zur Verfügung haben. Wenn der DLV schon unbedingt seinen Feldversuch haben will, so soll er nachher nicht sagen können „Lief doch alles gut“, weil diejenigen, die geschädigt wurden, den Mund nicht aufgemacht haben!

3. November 2011 at 16:52 4 Kommentare

DLV will uns nicht berücksichtigen

Kommende Woche Mittwoch findet unser Gespräch mit DLV-Verantwortlichen statt. Dabei wird aber wohl nichts rumkommen. Denn bereits heute, sprich eine Woche vorher, verkündet der DLV offiziell seine Planung für die kommende Saison, mit limitierten Teilnehmerfeldern und A- und B-Norm (ohne diese konkret zu nennen).

Wie soll ich das anders bewerten, als dass unsere Meinung maximal zur Kenntnis genommen werden wird, wenn man eine Woche vorher nochmal so tut, als gäbe es keinen Widerspruch? Ich bin sehr sauer gerade, muss ich sagen. Nach der Gesprächseinladung hatte ich zumindest ein wenig Hoffnung, nun befürchte ich, man will uns nur ruhig stellen.

Hier der Link zur Konzept-Vorstellung.

26. Oktober 2011 at 16:43 1 Kommentar

Wahlumfragen und Hypes: Orange ist das neue Grün

Im vergangenem Jahr habe ich für die taz einen Artikel über die Umfrageergebnisse des Instituts Forsa geschrieben. Damals hatte ich bemerkt, dass Forsa regelmäßig Extremwerte lieferte und die Medien sich daher reflexartig auf diese stürzten. Die Umfragen anderer Institute waren demgegenüber verhältnismäßig langweilig und wurden kaum beachtet.

Das besondere Highlight damals waren die Grünen, die ausschließlich bei Forsa vor der SPD lagen.

Mittlerweile ist ein Jahr vergangen, eine vorgezogene Neuwahl um die Umfrageergebnisse auf ihre Qualität zu überprüfen gab es (leider) nicht.

Trotzdem hat sich seit dem natürlich eine Menge getan. Die Piraten sind da. Und Orange ist das neue Grün.

Heute ging die Meldung in die Welt, die Piratenpartei habe erstmals bundesweit ein zweistelliges Umfrageergebnis erzielt: 10 Prozent sind es in der aktuellen Forsa-Umfrage. Davon las ich heute in beinah allen Online-Medien. Und wenn morgen die Zeitungen über heute berichten, wird die Meldung sicher auch noch viele Haushalte erreichen.

Ebenfalls heute kam jedoch auch das Umfrage-Resultat von Allensbach heraus. Darin kommen die Piraten auf 5,5 Prozent. Das ist immer noch viel, aber dennoch eine ganz andere Hausnummer.

Nun muss man so fair sein zu sagen, dass auch Emnid und Infratest dimap mit 9 bzw. 8 Prozent auf hohe Werte für die Piraten kommen. Der „Extremwert“ mit der magischen Grenzüberschreitung jedoch kommt einmal mehr von Forsa. Und die Medien haben sich einmal mehr auf diese spektakulären Werte bezogen und in den meisten Fällen die dem widersprechenden anderen Zahlen gar nicht erwähnt.

So wird die Wirklichkeit verzerrt. Und deshalb rate ich einmal mehr: Vorsicht beim Konsum von Wahlumfragen.

19. Oktober 2011 at 16:32 2 Kommentare

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