Dieses Blog zieht um…

Die Stammleser werden es schon bemerkt haben: Die Schlagzahl der Blogposts hier hat deutlich abgenommen in den letzten Monaten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen poste ich schon länger vieles, dass ich vor Jahren noch alleine hier geschrieben hätte unter der Dachmarke meines Projekts YOUdaz.com. Zudem bin ich seit Mitte letzten Jahres kein Student mehr, sondern ganzzeiitlich (was nicht gleichbeudetend mit vollzeitig ist) in journalistischen Tätigkeiten unterwegs. Einiges, aus dem früher ein Blogpost geworden wäre, wird heute zu einem Beitrag auf Meedia oder an anderer Stelle.

Hinzu kommt, dass ich schon seit einiger Zeit unzufrieden damit bin, dass mein Blog bei WordPress.com gehostet ist. Das war damals, als ich noch keine Ahnung von PHP hatte, bequem. Mittlerweile habe ich einige Seiten aufgesetzt. WordPress.com hat sich seitdem in meinen Augen verschlechtert, was die Bedienbarkeit angeht. Hinzu kommt, dass mittlerweile Werbung eingebunden ist. Und Beispiele wie Posteours oder Google Reader zeigen, dass ein Dienst auch schnell eingestellt werden kann und dann steht man mit leeren Händen da.

Weiterhin will ich aber eine eigene Plattform haben, auch wenn ich sie seltener nutze. Einiges passt eben nicht auf YOUdaz.com und einiges sollte dadurch, dass es unter meinem “Dach” erscheint, noch deutlicher als meine Meinung gekennzeichnet sein. Deshalb habe ich mich entschlossen meinen Blog in meine Website zu integrieren.

Ich habe mich dagegen entschieden, dies in einem eigenen WordPress oder eigenen Theme stattfinden zu lassen, da ich glaube, die Trennung zwischen Blogposts, Artikeln aus meinem Privatleben, meinem Sport und Neuigkeiten aus dem Job braucht nicht zu stark unterstrichen werden. Außerdem sind die Blogposts ja auch Teil der Marke “Andreas Grieß”, welche meine Website zeigen soll. Deshalb ist das Blog nun eine “Kategorie” auf meiner Seite.

WordPress macht es einem recht einfach: Das Blog hat eine eigene Index-Seite, im Widget-Bereich sind die Beiträge separat aufgelistet und wer möchte, kann auch den RSS-Feed meiner Blogeinträge abonnieren, ohne mit Berichten von Wettkämpfen oder Umzügen behelligt werden zu müssen. Wer alles in seinen Reader haben will, kann aber auch alles abonnieren.

Ich hoffe, meine Leser von hier bleiben mir treu. Die alten Beiträge bleiben hier stehen, die aus diesem Jahr sind auch “drüben” zu finden und alle Neuen künftig nur noch dort. Die URL blog.andreasgriess.de verlinkt ab sofort direkt auf das “neue” Blog, sprich die entsprechende Kategorie auf meiner Website. Den Feed müsst ihr neu einpflegen, er lautet: http://www.andreasgriess.de/category/blogbeitrag/feed/

Ach ja: Flattrn könnt ihr mich auch drüben weiter. Für die Abonnenten: Der Hauptbutton bleibt der selbe.

PS: Auf meiner Seite gab es noch ein paar andere Updates, dazu schreibe ich dort die Tage etwas.

PPS: Schade ist es eigentlich nur um das Header-Bild. Aber das bleibt ja bei Twitter bestehen.

Vortrag bei der Social Media Week Hamburg

Allen Hamburgern und allen Besuchern der Social Media Week Hamburg ein kurzer Hinweis in eigener Sache:

Am Dienstag, den 19.02. bin ich beim Pannel “Öffentlichkeit im Wandel – Next Media” dabei und halte für 30 Minuten einen kurzen Vortrag zum Thema “Next Media Players”.

Inhalt: Verlage in der Krise, öffentlich-rechtliche Anstalten unter Expansions-Auflagen: Für wen arbeitet der Journalist in Zukunft? Eine mögliche Antwort: für seine eigene Firma. Der neuen Generation Journalisten werden immer mehr Fähigkeiten ans Herz gelegt. Das umfasst nicht nur Kenntnisse in den Bereichen Fotografie, Bildbearbeitung, Schnitt und Programmierung, sondern auch Wissen über Unternehmensführung, PR und Businessplanung. Das klingt zunächst einmal nach deutlicher mehr Belastung, kann in der Praxis aber auch bedeuten, mehr Freiheiten zu haben, das zu tun, woran man Spaß hat und statt um den Job zu bangen, sogar Jobs zu schaffen.

In diesem Teil der Veranstaltung sollen einige Beispiele für innovativen, unternehmerischen Journalismus vorgesellt werden und ein Blick auf die mögliche zukünftige Job-Struktur für Journalisten geworfen werden.

Mehr zum Vortrag und die Möglichkeit sich anzumelden findet ihr hier.

Die Grammatik des #aufschrei

Seit ich vergangenen Freitag über #aufschrei geschrieben habe, denke ich viel über das Thema nach. Ich habe zur generellen Debatte viele Artikel gelesen, viele Blogposts, aber auch eine ganze Reihe an Artikeln in Zeitungen bzw. auf deren Online-Angeboten. Dankbar bin ich vor allem den vielen Frauen, die in den letzten Tagen Texte geschrieben haben, die daran erinnerten, dass es kein schwarz-weiß in dieser Debatte geben kann. Die betonten, dass man miteinander, statt übereinander reden muss. Die deutlich machten, dass Grenzen, die auf subjektiven Empfinden beruhen, nach Situation und Person variieren können.

Es gibt keine reinen Opfer. Es gibt keine reinen Täter. Und es ist auch falsch vereinfachend, wenn man fordert, die Gesellschaft müsse sich ändern. Denn die Gesellschaft ist kein eigenständiges Wesen, sondern ein komplexes System, das sich durch die Summe all unserer individuellen Einzeltaten ergibt. Wir sind die Gesellschaft, wenngleich die Gesellschaft in komplizierter Art und Weise wiederum eine Wechselwirkung auf individuelles Handeln hat.

Die Fragen, die viele – die schiere Zahl an Blogbeiträgen und #aufschrei-Tweets zeigt es – behandelt und diskutiert wissen wollen, sind nicht einfach. Sexismus hat mit Machtfragen zu tun. Feminismus ebenso. Gesellschaftliche Stellung, Einfluss, Ansehen und die Intimsphäre kollidieren. Wer sich auf die Diskussion wirklich einlässt, lässt sich darauf ein, in diesen Punkten angegriffen und verletzt zu werden.

In den vergangenen Tagen musste ich mehrfach an eine Situation aus meiner Schulzeit denken, auch wenn sie nichts mit Sexismus zu tun hat. Ich war verwickelt in eine Auseinandersetzung, wie es wohl täglich unzählige an deutschen Schulen gibt. Es gab böse Worte von Lehrern, einige Mitschüler standen naturgemäß auf der anderen Seite. Das tat alles weh. Doch was mich am meisten verletzte und was ich wohl auch nie vergessen werde, ist dass ich in einer Situation, in der ich etwas zur Lösung des Konflikts beitragen wollte, doch allen Ernstes von meiner Lehrerein hörte: „Du darfst nicht vergessen, du bist hier Täter, nicht das Opfer.“

Ich habe noch keinen Spruch gehört, der so ungeeignet ist, irgendwelche Konflikte zu lösen.

An vielen Stellen wird gesagt, man müsse mehr miteinander reden. So richtig das auch ist, so sehr glaube ich, dass ausgerechnet unsere Sprache uns dabei einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn wir uns fragen, weshalb Debatten so selten brauchbare Ergebnisse abwerfen, lohnt ein Blick auf die altehrwürdigen Sprachwissenschaftler. Man lese Whorf, Leibnitz.

Subjekt –Prädikat – Objekt. So funktioniert unsere Sprache – und mit ihr unsere Gedanken. Oder anders ausgedrückt: Täter – Tat – Opfer. Unsere Sprache ist kausal, stringent, rundenbasiert. Sie hat keine Wechselwirkung. So funktioniert ein Flipper, aber keine Gesellschaft.

Wir müssen eine neue Form der Sprache nutzen, wenn wir Probleme lösen wollen, an denen wir beteiligt sind. Denn sonst werden wir immer in irgendeiner Situation innerhalb der Debatte der Täter sein oder uns droht, dass wir es sind. Und dann verteidigen wir uns. Debatten werden deshalb schnell von Eigeninteressen gelenkt. Man belauert sich, statt aufeinander zuzugehen. Glücklicher Weise gibt es diese Sprache. Bevor ich darauf komme, jedoch zunächst noch ein anderer Gedanke:

Die Situation rund um #aufschrei erinnert mich nämlich an eine andere gesellschaftliche Großdebatte: die Situation rund um das Buch von Thilo Sarrazin. Augenscheinlich haben beide Themen nicht viel miteinander zu tun. Wo die Parallele ist, will ich erklären.

Damals wie heute fuhr ich viel mit dem öffentlichen Nahverkehr. Der Unterschied: Damals hatte ich zur Arbeit meist einen Deutschland-Rucksack dabei. Während der Sarrazin-Zeit habe ich mich damit sehr unwohl gefühlt. Ständig hatte ich den Verdacht, dass jemand mit ausländischen Wurzeln den Verdacht haben könnte, ich wolle damit etwas ausländerfeindliches zum Ausdruck bringen. Der Verdacht eines Verdachtes, der das Handeln bestimmt.

Wie eingangs erwähnt, denke ich zur Zeit viel über #aufschrei nach. Wenn ich mich in der Bahn neben eine Frau statt neben einem Mann setze – was denkt die Person? Und schon gibt es den Verdacht, dass es den Verdacht geben könnte, ich wolle damit etwas bezwecken. Jeder Blick, jede Handlung – sie wird zum Verdacht eines Verdachtes.

Nun könnte man behaupten, dass wenn jemand aus Angst, etwas könnte ausländerfeindlich, respektive sexistisch rüberkommen und deshalb kränken, diese Handlung unterlässt, würde es auch weniger unbeabsichtigte(!) Konflikte geben. Aber der Antrieb dahinter wäre kein guter. Es wäre Angst und es wäre eine Beschneidung von Freiheit. Jeder der glaubt, die Gesellschaft durch das Reduzieren von Freiheiten verbessern zu können, bewegt sich auf Glatteis.

Wir wollen – zu Recht – unsere Freiheiten nicht beschneiden lassen. Also wehren wir uns. Und wieder gibt es Opfer uns Täter, Hass statt Lösungen. Die Sarrazin-Debatte hat für viel Streit und erhitze Gemüter gesorgt – aber hat sie uns voran gebracht?

Wenn wir die Gesellschaft, wenn wir Menschen ändern wollen, müssen wir mit ihnen reden, ohne dass sie Angst haben müssen, als Täter dargestellt zu werden und in Folge dessen als Verlierer aus der Debatte zu gehen. Das geht nur, indem wir nicht über uns selbst reden. Wir müssen Geschichten erzählen. Gute Geschichten sind die Sprache, die wir benötigen.

Gute Geschichten, mit tiefgründigen Charakteren, die nie nur Opfer, nie nur Täter sind. Ich habe immer gerne Dr. House gesehen und auch nach Ende der Serie kann man noch immer nicht sagen, ob dieser Charakter ein guter oder ein schlechter Mensch war. Und dennoch konnte man viel für sich selbst mitnehmen.

Literatur, Theater, Musik, Film. Hier können wir andere unsere Fehler begehen lassen und an ihnen erkennen, dass wir es besser machen wollen. Catharsis nannte man das früher. Wahre Veränderung von Menschen und damit langsam aber sicher auch von Gesellschaften passiert immer aus der eigenen Erkenntnis. Zu dieser muss jeder Mensch selbst gelangen – und das wird er nur selten, wenn er dafür einen Schutzpanzer durchdringen muss, den er automatisch aufbaut, wenn man ihn in Rechtfertigungsdruck bringt.

Klar: Diese Sprache zu nutzen ist ein langwieriger Prozess. Die Aufklärung war eine Epoche, kein Tweet.

Leistungsschutzrecht für ARD und ZDF?

Ganz ehrlich, hierauf komm ich noch immer nicht ganz klar. Kurz zum Sachverhalt: Die Axel Springer AG, genauer die TV Digital, hat am Freitag eine Pressemitteilung versendet. Darin werben sie stolz für ihre neue TV Digital iPad-App. Der besondere Clou daran: Mit ihr kann man auch Live-TV via Stream sehen. Ermöglicht wird das durch eine Kooperation mit dem Stream-TV-Anbieter Zattoo.

Soweit so gut. Aber abgesehen davon, dass man einen Zattoo-Account dafür braucht und dass dieses Angebot, wie ich mir sagen ließ, zumindest in sehr ähnlicher Form bereits vorher bestand, hat es einen großen Haken:

Mangels Kooperationen bietet Zattoo nämlich weder die RTL- noch die ProSiebenSat.1-Sendergruppe an. Die auch von Axel Springer beworbenen “51 Sendern aus Deutschland und dem Ausland” bestehen überwiegend aus ARD, ZDF, deren Digital-Kanälen und den Dritten. Dafür verlangt die TV Digital im Monat 89 Cent.

Heißt mit anderen Worten: Axel Springer verdient Geld damit, das Programm der Öffentlich-Rechtlichen zu vertreiben. Die Firma, die die Digital-Kanäle und den neuen Rundfunkbeitrag scharf kritisiert, will mit eben jenen Digital-Kanälen und dem gebührenfinanzierten TV Geld machen. Die Firma, die ein Leistungsschutzrecht haben will, weil sie behauptet, Google würde mit ihren Inhalten (Auszüge von Texten) Geld machen, will Geld mit den Inhalten von ARD und ZDF machen.

Die Moral muss man mir erst noch erklären…

Update 23.01.13
Christoph Keese von Springer hat via Twitter bezugnehmend auf den Beitrag oben etwas geantwortet:

Der doppelte Littger im Bildblog – oder warum sich Diskussionen im Kreis drehen

Ich hatte schon immer die These, man müsse nur etwas über die Zukunft der Presse in Thesen packen, das schon jeder x-mal gehört hat und wird in der Branche gefeiert, weil “es endlich mal wer sagt.” Diese These ist heute belegt worden:

Den bei 6vor9 im Bildblog ist heute der erste Link: Peter Littger mit fünf Reformvorschlägen für die Verlage. Erschienen ist der Text bei Vocer. Vor einer Woche ist der identische Text bereits bei Meedia erschienen (Vocer kennzeichnet ihn als “Crosspost”). Bereits vor einer Woche war der Text im Bildblog in der Kategorie 6vor9 verlinkt. Sieben Tage später ist der Beitrag offenbar wieder lesenswert.

Man kann nun entschuldigend dabei sagen, dass die Links derzeit von täglich anderen Schülern der DJS gesammelt werden. Aber eigentlich sollten die dennoch schauen, was die Kollegen bereits veröffentlicht haben.

Sei es drum: Die Texte (bzw. der Text) wird sicher ein Klickbringer. Und so diskutieren wir weiter die Zukunft, statt sie zu kreieren.

Wie Medienhäuser Vertrauen an Anzeigekunden verkaufen

Seit einigen Tagen erhalte ich das „Handelsblatt Morning Briefing“ per E-Mail, mit persönlicher Anrede und Gruß des Handelsblatt-Chefredakteurs Gabor Steingart. Ich könnte kotzen. Nicht weil das „Morging Briefing“ schlecht ist – ich hab es ehrlich gesagt noch nie gelesen. Auch nicht, weil ich etwas gegen das Handelsblatt oder Herrn Steingart habe. Ich könnte kotzen, weil ich diesen Newsletter nie bestellt habe. Und weil man mit mir als Empfänger Geld macht. Und weil das Ganze symptomatisch ist.

Wie kommt es, dass ich diese tägliche E-Mail bekomme, von der ich bislang zu bequem war, sie abzubestellen? Vermutlich hat das Handelsblatt meine E-Mail-Adresse gekauft, als es die Abo-Datei der Financial Times Deutschland erwarb. Ich hatte mal ein Probe-Abo der FTD und ich meine mich zu erinnern, dass ich seitdem in unregelmäßigen Abständen per Post und E-Mail eingeladen wurde, die FTD wieder zu beziehen. Vermutlich habe ich damals meine E-Mail-Adresse angegeben oder angeben müssen, wobei ich da eigentlich eher eine andere angegeben hätte, als die, auf die ich jetzt die Mails bekomme. Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr genau. Es ist bereits einige Jahre her. Vielleicht hat man meine Adresse auch irgendwo anders her und will nur, dass ich es in Verbindung zur FTD sehe. Ob ich auch per Brief etwas vom Handelsblatt erhalten habe, weiß ich nicht. Die damals angegebene Wohnung bewohne ich nicht mehr.

Von der FAZ und dem Spiegel erhielt ich auch lange Zeit immer mal wieder E-Mails, die mir für die Teilnahme an einer kleinen Umfrage ein ermäßigtes Abo anboten. Die E-Mail-Adresse im Fall der FAZ: Eventuell über ein Probe-Abo dort. Im Fall des Spiegels: Keinen blassen Schimmer.

Ein weiteres Beispiel seltsamer Mails: Vor noch nicht langer Zeit bekam ich eine E-Mail-Adresse @meedia.de, da ich für die Branchenseite bekanntlich seit August schreibe. Mit der Adresse trug ich mich in ein paar Newsletter gängiger Branchendienste ein und schrieb bislang vorwiegend mit den Pressestellen einiger Medienhäuser. Und dennoch habe ich auf dieser Adresse schon ein paar Spam-Mails bekommen – thematisch grob passend, also keine typischen Viagra-Mails. Aber auch keine E-Mails, die von bisherigen Gesprächsteilnehmern versendet wurden.

Entweder hat also jemand aus einen der namentlich gekennzeichneten Beiträge von mir von Hand oder mit einem etwas komplexeren Skript die E-Mail-Adresse abgesaugt, oder einer der Branchendienste oder Medienhäuser hat die Adresse weitergegeben.

Ich bin es gewohnt, dass ich auf meine private Dienst-E-Mail-Adresse (also diejenige, die ich als freier Journalist außerhalb fester Auftraggeber verwende), E-Mails bekomme, die man grob als „Presseinfo“ einsortieren kann. Meist kann man die Nachrichten getrost ignorieren, aber da man sich zumindest damit auseinander gesetzt zu haben scheint, was ich thematisch so beackere und da es bislang keine Überhand genommen hat, ist das noch in Ordnung. Immerhin habe ich auf meiner Website die Adresse selbst hinterlegt, so dass man Kontakt mit mir aufnehmen kann.

Dass aber Medienunternehmen Adressen kaufen oder verkaufen finde ich schlimm. Sie sollen Vertrauen schaffen, vertrauensvoll sein – und keine Datenkralle. Vor allem das “Morning Briefing” ärgert mich.

Da sind nämlich auch Anzeigen eingebaut, die das Handelsblatt mit seiner Reichweite vermarktet. In den Mediadaten stehen zu den Anzeigen im Newsletter zwar keine genauen Angaben, in Beispielrechungen ist der besagte Morning-Newsletter jedoch in Paketen enthalten und kostet den Werbetreibenden dort für 2 Wochen zwischen 6.300 Euro und 8.820 Euro. Erwartete Ad Impressionen: 2.400.000. Da ich den Letter jedoch nie bestellt habe, will ich nicht als Ad Impression vermarktet werden!

Und deshalb werde ich das Dingen nun mal abbestellen!

Wenn Verlage sich über das Kleingedruckte beschweren…

Zunächst in drei Sätzen, worum es geht: In der zurückliegenden Nacht hat Apple mal eben ohne Absprache die Preise der Apps angepasst. Davon sind auch die deutschen Magazine wie der Spiegel betroffen, die nun mehr kosten. Das gefällt denen natürlich so gar nicht.

Den Sachverhalt habe ich heute auf Meedia zusammengefasst und dort später auch über die Stellungnahme der Verlegerverbände geschrieben. Am Wochenende kommt voraussichtlich noch ein Kommentar zum Thema (Nachtrag: Hier ist der Beitrag nun online), weshalb ich hier nicht zu viel vorweg nehmen will.

Gerade jedoch las ich diesen Text im Redaktionsblog des Spiegel. Dazu muss ich einfach einen Kommentar loswerden und da ich mich dafür nicht erst anmelden will, mache ich es hier im Blog.

Zunächst einmal: 5534 Zeichen ohne Absatz? Geht’s noch? Der Text lässt sich kaum lesen. Aber offenbar hat sich jemand in Rage geschrieben. Leider auch argumentativ. Denn so sehr ich den Ärger verstehe und so sehr ich dabei bin, wenn man sagt, diese Aktion von Apple ist eine Frechheit. Legitim ist sie dennoch.

Was geht es Apple an, wieviel der SPIEGEL von seinen Lesern für die Lektüre seiner Inhalte verlangt? Wer gibt der Firma das Recht, den Preis zu bestimmen?

Ihr gebt der Firma das Recht, und zwar, als ihr die AGBs angenommen habt. Die Frage ist natürlich legitim, aber ist es nicht arg scheinheilig sich erst darüber aufzuregen, dass Apple bestimmen kann wie_viel der Spiegel kostet, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? Etwas später heißt es:

Der Fall zeigt noch einmal anschaulich, wie die dominierenden Anbieter im Onlinegeschäft heute ihre Marktmacht durchsetzen – und das amüsanterweise in einer Woche, in der wir genau das am Beispiel von Google in unserer Titelgeschichte beschrieben haben. Ein Titel übrigens, der dem SPIEGEL aus Teilen der so genannten kritischen Netzöffentlichkeit die übliche reflexhafte Schelte und Kampagnenvorwürfe einbrachte. Unser Blatt berichte zu häufig und zu kritisch über den US-Konzern, hieß es

Eben, amüsanter_Weise über Google. Wie viele kritische Google-Titel gab es beim Spiegel? Und wie viele kritische Apple-Titel? Ich erinnere mich an 1 1/4 (Der iKult, der so semi-kritisch war, und die Geschichte mit Google, Apple, Facebook und Amazon). Wenn die Bevormundung in AppStore und iTunes so skandalös ist (eine Einschätzung, die ich durchaus teile), warum dann das Thema nicht mal richtig thematisieren? Stattdessen wird gekuschelt und gibt es im Schwestermedium Spiegel Online jedes Mal, wenn Apple ein neues Telefon auf den Markt bringt, einen ausufernden Live-Ticker. Ja, man wirbt schon mit allen Mitteln um die Paid Content-mögende Braut Apple, bis man auf einmal merkt, dass man von ihr nur ausgenutzt wird. That’s life – but not journalism.

Im weiteren Verlauf des Textes wird dann überwiegend gejammert und noch mal, weil man ja gerade sauer auf Apple ist, auf Google geschimpft (böser Konzern, will, wenn er für Snippes zahlen muss, auf diese verzichten). Zuvor heißt es noch:

Medienhäuser produzieren nun mal keine Schrauben oder Angry-Birds-Fortsetzungen. Sie liefern Informationen, Zusammenhänge, Nachrichten. Sie sind ein relevanter Baustein jeder funktionierenden Demokratie.

Danach wird aus dieser Argumentation geschlussfolgert, dass sie auch ihre eigenen Preise bestimmen müssten, um ökonomisch unabhängig zu sein. Ist nicht falsch, führt aber wieder zur Frage: Warum stimmt ihr dann den AGB zu? Und lässt man – wie im Zitat hier – den Ökonomie-Teil weg, ist diese Argumentation übrigens ein super Plädoyer für kostenlosen Content (der logischer Weise auch nicht teurer wurde).

So war’s das? Ach ja, eine Sache wäre da noch:

Klar lässt sich argumentieren: Wem’s im App-Store nicht gefällt, kann ja zu Googles Android

Nein, es lässt sich auch argumentieren: Dann macht Online-Journalismus. Abrufbar im Browser! App-Denken, ist digitales Print-Denken. Und jetzt gute Nacht. In doppelten Sinne.

Hinweis: Auch wenn ich mich hier am Spiegel abarbeite – weil der Blogbeitrag halt von den Hamburgern stammt – muss die Kritik für die ganze Branche gelten.