Desertec- Saubere Energie aus der Wüste

20. Dezember 2008

Kohlekraftwerke verschmutzen die Umwelt. Gas- und Ölkraftwerke sind da nicht viel besser. Atomenergie birgt stets enormes Risiko und dazu ist noch immer nicht geklärt, was mit dem Atommüll passieren soll. Wirkliche Alternativen gibt es aber nicht.
Doch genau hier liegt der Irrtum! Es gibt Projekte, die keine Gefahren mit sich bringen, die Umwelt nicht verschmutzen und dennoch finanzierbar sind. Eines davon möchte ich euch hier vorstellen: DESERTEC.

Grob zusammengefasst handelt es sich dabei um ein Projekt zur Erzeugung elektrischen Stroms mittels solarthermischer Energie. Doch nicht nur Strom würde erzeugt, zeitgleich könnte man arme Regionen mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln versorgen.

Europas Stromversorgung- nur durch grüne Energie

Ein Desertec-Plan

Nun fragt man sich natürlich, warum ein so vielversprechendes Programm nicht umgesetzt wird. Die Antwort:
Der politische und wirtschaftliche Wille fehlt!
Viele Wirtschaftler (und auch Politiker) verdienen gut am Status Quo, der da heißt Öl, Gas, Kohle und Uran.  Nur wenige setzen sich für Programme wie Desertec ein!

Damit sich etwas ändert, muss dieses Programm bekannter werden. Nur so kann Druck entstehen, in der Energie- und Klimapolitik wirklich eine Kehrwende einzuleiten.
Daher dieser Blog-Eintrag. Und ich bitte euch: Verlinkt, erzählt weiter, schreibt selbst etwas dazu! Denn du willst doch auch in einer lebenswerten Welt leben, oder?

Nun aber zum Projekt selbst:
Desertec ist ein Projekt der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC). Diese ist eine Initiative des Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz- Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrums.
Würde Desertec Wirklichkeit, würde hauptsächlich mittels solarthermischer Kraftwerke genug Energie erzeugt, um ganz Europa zu versorgen- CO2- Ausstoß-frei.

wie Solarthermik funktioniert

wie Solarthermik funktioniert

Was ist solarthermische Energie-Gewinnung? Dies ist nicht zu verwechseln mit den allseits bekannten Solarzellen. Bei der Solarthermik wird Licht gebündelt und eingesetzt um Wasser, oder Öl, zu erhitzen, welches dadurch eine Turbine antreibt- wie es auch in jedem AKW oder Kohlekraftwerk passiert. Die nötige Hitze kommt dabei jedoch nicht von gefährlichen Elementen oder zu verbrennenden fossilen Brennstoffen, sondern aus den Sonnenstrahlen. Die gesamte benötigte Technologie existiert bereits. Zudem ist sie unkompliziert, so genannte Low-Tec. Denn jeder kennt das Prinzip, mit dem ein Schulkind mit einer Lupe ein Stück Papier zum brennen bringt.

Durch Speicher kann auch bei Nacht weiter elektrische Energie erzeugt werden. Die Technik der solarthermischen Energiegewinnung wurde bereits in den achtziger Jahren eingesetzt. Sie wurde damals nur nicht weiter verfolgt, da der Klimawandel noch kein Thema war und fossile Brennstoffe deutlich billiger waren. Damals…

Nun werden Kohle, Öl und Gas zunehmend knapp- die Sonne scheint jedoch weiterhin. Im Nahost und Nordafrika (den sogenannten Mena-Staaten) gehen pro Jahr 630.000 Terawattstunden (TWh) ungenutzt nieder- 4000 TWh Strom brauchte Europa 2008. Da in den Mena-Staaten doppelt soviel Solarenergie gewonnen werden kann wie in Südeuropa planen die Entwickler von Desertec hier Anlagen zu errichten. Die Übertragungsverluste würden dank moderner HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) trotz der Entfernung bei nur 10-15% liegen.

so sieht es aus

so sieht es aus

Für die Mena-Staaten würde natürlich auch für den Eigenverbrauch genug Energie abfallen. Außerdem gewännen sie ein kostbares Exportgut (saubere Energie) und natürlich Arbeitsplätze. Beides könnte neben der Infrastruktur auch die politische Lage stabilisieren.
Zudem könnten sie die Kraftwerke gleichzeitig zur Entsalzung von Mehrwasser, und somit zur Trinkwassergewinnung nutzen. Doch das entsalzte Wasser wäre nicht nur für den Trinkbedarf von Vorteil- man könnte damit auch kostengünstig Flächen bewässern und so für Landwirtschaft nutzbar machen. Bisher ungenutzte Orte könnten der Nahrungsmittelproduktion dienen oder der Erzeugung wirklichen Bio-Diesels. Mit wirklichem Bio-Diesel ist solcher gemeint, für den zuvor nicht Wälder weichen mussten oder Nahrungsplantagen aufgegeben wurden. Beides passiert derzeit aufgrund von Subventionen.

Meist gibt es jedoch einen großen Einwand: Desertec brächte eine Abhängigkeit mit sich. Dies schreckt viele Politiker und Investoren ab, trotz der möglichen win-win Situation. Aber man sollte bedenken: Auch jetzt besteht eine Abhängigkeit. Öl und Gas kommen fast nur aus Arabien und Russland. Muss man immer auf die 100%-Lösung warten? Wie realistisch ist eine saubere, billige Energie ohne Abhängigkeiten? Noch dazu in naher Zukunft? Sollte man daher nicht zumindest das, was bereits geht, tun? Und selbst wenn der multilaterale Schritt zu weit geht, könnte man die Technologie zumindest in Südeuropa verstärkt einsetzen.

Derzeit ist solarthermisch erzeugter Strom noch teurer als „gewöhnlicher“. Aber die Experten gehen von weiter steigenden Energiepreisen aus- der solarthermische Strom hingegen würde mit dem Bau jedes Kraftwerkes billiger. Spätestens 2020 würde der Preis so gewonnener Energie mit fossil erzeugtem gleichziehen- und billiger als Atomstrom sein.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Projektes:
http://www.desertec.org

Macht Projekte wie dieses bekannt. Sprecht darüber, schreibt darüber, informiert darüber!

Update (16.06.09): Laut Sueddeutsche.de und Spiegel-Online wird das Projekt durchgeführt!

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6 Comments Add your own

  • 1. Ernst Wilhelm  |  21. Dezember 2008 at 08:20

    Die Experten sind das Problem. Wo ist die vorhergesagte Preisentwicklung? In absehbarer Zeit wird diese Technologie nur dann eine weite Verbreitung finden, wenn der politische Wille dazu existiert. Und da habe ich wesentliche Zweifel:

    http://ernstwilhelm.wordpress.com/2008/12/20/no-rescue-from-technology/

    Ausserdem sollte man bedenken, dass die MENA-Staaten politisch aehnlich zu bewerten sind, wie heute der Nahe Osten, Arabien, Russland und Zentralasien.

  • 2. Marcel Mack  |  23. Dezember 2008 at 08:49

    Ich denke nicht dass wir hier in eine starke Abhängigkeit geraten. Da ja gerade in erster Zeit die alten Strukturen weiter bestehen werden und so bei Bedarf einfach wieder ein wenig stärker auf diese Umgestellt werden kann. Zum anderen wären wir hier ja auch nicht auf ein Land als Energielieferant angewiesen, sonderen es würde sich auf mehrere Länder verteilen und die müßten wir schon alle auf einmal verärgern.

    Ich denke dass die Kraftwerke vor 2020 konkurrenzfähig sein werden. Der Ölpreis wird nicht sehr lange auf diesem Stand bleiben da viele Förderländer sich dass gar nicht werden leisten können. Die meisten haben heute durch den niedrigen Preis eine Haushaltsschieflage und werden alles tun damit sich das wieder schnell ändert. Auch werden in jüngster Zeit verstärkt solarthermische Kraftwerke in den USA geplant, was sich ja unter Obama mit Sicherheit nicht abschwächen dürfte; und dies wird den Preis für weitere Projekte in tiefere Regionen bringen.

    http://blalog.wordpress.com/

  • [...] Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Projektes (http://www.desertec.org). Zudem habe ich vor einiger Zeit auf meinem Blog eine Zusammenfassung zum Projekt verfasst: http://griess.wordpress.com/2008/12/20/desertec-saubere-energie-aus-der-wuste/ [...]

  • 4. Andreas  |  16. Juni 2009 at 09:19

    DESERTEC wird ausgeführt. Siehe Update!

  • [...] Juni 2009 Wie sicherlich schon viele mitbekommen haben, soll das von mir vor einiger Zeit bereits vorgestellte und befürwortete Wüstenstrom-Projekt Desertec nun tatsächlich umgesetzt werden. Zumindest planen einige große [...]

  • 6. Still Rescue from Technology? « Ernst Wilhelm  |  27. Juni 2009 at 19:52

    [...] The project aims to build solar power plants in several locations in North Africa. The technique to be used is called “concentrating solar power” or CSP. It uses banks of mirrors to focus the sun’s rays in a central column producing steam, which is then used to drive turbines which generate carbon-free electricity. The generated electricity would then be fed via high-voltage direct current transmission lines over thousands of kilometers to Europe. Traditional AC lines are far too inefficient. [...]

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