Warum Wahlprognosen irren, auch in Hessen

Schon häufiger haben wir beobachtet, dass deutsche Wahlprognosen sich irrten. Und mittlerweile glaube ich einen Grund dafür gefunden zu haben: Prognosen verlaufen nach einem gewissen Schema. Dabei wird versucht, die Befragten „repräsentativ“ auszuwählen, d.h. es sind X Prozent Männer/Frauen, Jungwähler, Rentner, Arbeitslose, etc. Die Befragten sollen alle Wahlberechtigten im Maßstab abbilden. Eines wird dabei jedoch nicht berücksichtigt, da es aus normalen Daten nicht hervorgeht: Das Internetnutzungsverhalten! 

Wir alle wissen, dass das Internet ein stark meinungsgeprägtes und stark meinungsmachendes Medium ist. Und Internetnutze ist nicht gleich Internetnutzer. Ein kleines Beispiel:

A. liest RP-Online, Spiegel Online und vergleichbares
B. informiert sich über die Meinungen anderer in Blogs und diskutiert vielleicht auch mit
C. besucht die Internetseiten der Parteien, um sich zu informieren

Diese drei Optionen sind darüber hinaus natürlich frei kombinierbar und B. könnte man auch weiter aufsplitten, je nach Communities. Es spielen also Faktoren eine Rolle, die wenn überhaupt dann nur schwer in Prognosen berücksichtigt werden können. In der Vorauswahl der Befragten ist es vollkommen unmöglich.

Wir stellen also fest, die Grundlagen und Informationsquellen der (politischen) Meinungsbildung hängen heutzutage stark von Faktoren ab, die (zumindest nach derzeitigen Datenschutzrechten) schwer in Prognosen zu berücksichtigen sind. Dieser Effekt dürfte sich weiter verstärken, da einige Politiker verstärkt das Web 2.0 nutzen, allen voran ein gewisser Thorsten-Schäfer Gümbel, der sich im hohen Umfang Youtube und Twitter bedient.

netzprognose1Freilich, solche Dinge werden vermutlich nicht 10% oder mehr ausmachen, aber spürbar sein könnten sie durchaus. Das „ZDF-Politbarometer“ hat neulich in diesem Bereich eine Analyse machen lassen. Und siehe da, es Ergebnis bestätigt meine Vermutung. Und auch hier gilt: Das Nutzungsverhalten der „Vielnutzer“ ist nicht spezifiziert!

Ich habe per Mail die Ersteller der oben genannten Analyse (Forschungsgruppe Wahlen) angeschrieben und nach ihrer Einschätzung zu dem, was ich auch hier beschreibe gebeten. Wenn ich eine Antwort bekomme, sag ich bescheit!

Edit: Die Forschungsgruppe Wahlen antwortete mir, dass sie davon ausgeht, dass die repräsentativ ausgewählten automatisch auch den repräsentativen Schnitt von Netz(nicht)nutzern darstellt. 

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