Heute –immerhin vier Tage nach meinem Text (der schon eher ein Echo war)- schreibt rp-online über die SPD-Europawahl-Plakate. Reichlich spät, aber das Thema ist ja lange noch nicht tot. Das sehe auch ich an den Klickzahlen hier und den Diskussionen die vielerorts laufen.
Nachdem ich im letzten Beitrag recht nüchtern berichtet habe, möchte ich an dieser Stelle ein wenig meine Meinung zum ganzen nennen. Dafür nehme ich den RPO-Text als Aufhänger.
Der Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen schüttelt den Kopf. […] „Die Genossen setzen auf pure Negativwerbung und beschädigen damit die politische Kultur in Deutschland“, kritisiert der Wermelskirchener.
Dies ist faktisch schon einmal falsch und wird an vielen Stellen auch falsch behauptet. Die Plakate sind keine reine Negativwerbung, sie sind eher vergleichend. Denn wer einmal rechts unten in Richtung SPD-Logo sieht, entdeckt die Botschaft, wofür die SPD (nach eigener Betrachtung) steht. Zu finden ist hier z.B.: „Für ein Europa der fairen Löhne“.
Und eine Beschädigung der politischen Kultur? Ich weiß nicht, da sehe ich es als kritischer an, wenn Schröder in der Elefantenrunde pöbelt (sicher noch bekannt), in Hessen neu gewählt werden muss, weil keiner mit keinem koalieren will oder im CDU-Forum über die „Heilbarkeit“ von Homosexualität diskutiert wird- fünf Tage lang.
„Die Buchstaben SPD stehen heute offensichtlich für Schimpfen, Pöbeln und Dreckwerfen“, sagt Hendrik Wüst, der Generalsekretär der NRW-CDU. „Was sollen diese Mätzchen in Zeiten der Krise? So was verschreckt doch nur und erzeugt Verdrossenheit.“
„Wie lange hat der Herr denn an der Übersetzung für SPD gesessen?“, war meine erste Reaktion. Aber der zweite O-Ton ruft bei mir noch mehr Verwunderung aus. Wie soll ich mir das vorstellen? Ich geh auf der Straße rum, überlege grade, ob ich zur Europawahl gehen soll und plötzlich sieht mich ein Finanzhai an, der angeblich FDP wählen würde. Sofort bin ich angewidert und verschreckt. Ich denke mir „Nein, bei so einer politischen Kultur geh ich gar nicht erst wählen. Nie wieder, ich bin jetzt Politik-verdrossen!“
Ja ne, ist klar. Ach ja und zum Wort Krise, sei auf diesen Beitrag hingewiesen…
In der Fachwelt ist der Erfolg der Abgrenzungs-Strategie indessen umstritten. „In Krisenzeiten wollen die Menschen eher wissen, wofür Politiker stehen – und nicht wogegen sie sind“, ist sich der Medienexperte Joe Groebel sicher. „Negativ-Botschaften kommen erfahrungsgemäß nicht so gut an“, weiß der Professor aus Erfahrung.
Endlich mal ein Part, den ich bestätigen kann, aus vielen Diskussionen! Tatsächlich kommen die Plakate fachlich bei den meisten eher schlecht an, auch wenn sie unterhalten. Aber ich möchte betonen, dass die Leute, bei denen die Plakate schlecht ankommen vermutlich auch keine SPD-Anhänger sind. Dazu passt auch:
Die eher konservativen Slogans „Für Deutschland in Europa“ (FDP) und „Wir in Europa“ (CDU) seien zwar auch nicht optimal, würden aber „zumindest die eigenen Anhänger mobilisieren“.
Auch das versuche ich mir bildlich vorzustellen. Ich bin also CDU-nah. Laufe erneut eine Straße lang und lese plötzlich „Wir in Europa“ und sehe eine schwarz-rot-gelbe Frachtkiste. Sofort stößt mir ein Gedanke in den Kopf „Ich muss unbedingt am 7. Juni wieder die CDU wählen!“
Irgendwie wieder nicht so recht nachvollziehbar. Und „nicht optimal“ ist wohl auch sehr verschönernd ausgedrückt für „langweilig, gewöhnlich und vor allem national“. Vor allem über letzteren Punkt sollte man sich besser mal aufregen, statt über Finanzhai-Plakate. Und noch eine Anmerkung: Schon einmal darüber nachgedacht, dass die SPD-Plakate auch die eigenen Anhänger mobilisieren sollen? Schließlich ist das derzeit das Kernproblem der SPD. Nicht neue Wähler zu gewinnen, sondern die „eigenen“ wieder an die Urne zu bringen.
Marion Müller, Professorin für Massenkommunikation an der privaten Jacobs University Bremen, beurteilt die SPD-Kampagne kritisch. […]Der Kampagne fehle der konkrete Bezug zur Europa-Abstimmung. „Den Wählern ist mal wieder nicht klar, was und wen sie bei der Europawahl wählen – daran ändert auch die neueste SPD-Kampagne nichts.“
Vollkommen richtig, Frau Müller. Aus diesem Grund habe ich folgendes Plakat entworfen, das alle Probleme lösen wird:

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Wahlplakate generell kaum Wirkung auf die Wahlentscheidung haben. Wenn überhaupt!
“Aber ich möchte betonen, dass die Leute, bei denen die Plakate schlecht ankommen vermutlich auch keine SPD-Anhänger sind. ”
ACH JA? Ich bin SPD MItglied (und Marketingdozent) und finde diese Plakate einfach dumm, dumm, dumm. Primitiv und blamabel. Sieht eher nach einer Verzweifelungstaktik aus. Wer sich das ausgedacht hat!