Europawahl: Warum wählen gehen?

Foto: Pixelio.de (Gerd Altmann)

Sonntag ist Europawahl und ich bitte alle: Geht wählen! Zuletzt lag die Wahlbeteiligung bei 43%, dieses Mal könnte sie noch geringer sein. Peinlich für die größte Demokratie in Europa! Nachfolgend möchte ich die acht gängigsten Argumente nicht zur Wahl zu gehen entkräften:

1. Argument: Die Politik in Brüssel sei vollkommen bürgerfern
Die Wahrheit: Das wird sie bleiben, wenn die Politiker keine Angst vor den nächsten Wahlen haben müssen. Solange sie denken „Es interessiert sich eh niemand für die Wahl, nur die treuen Parteiwähler gehen hin“ besteht kein Bedarf, mehr Bürgernähe zu zeigen!

2. Argument: Die EU sei zu bürokratisch
Die Wahrheit: Wie soll sich das ändern, wenn niemand gewählt wird? Einige der Parteien treten für Bürokratieabbau in Brüssel ein, warum nicht ihnen eine Stimme geben?

3. Argument: Das EU-Parlament habe kaum Befugnisse
Die Wahrheit: Auch hier gilt, was ich bereits zum ersten Argument schrieb: Warum sollte die Politik daran etwas ändern, wenn der Anschein besteht, das Parlament interessiere eh keinen?

4. Argument: Das EU-Parlament sei nicht demokratisch legitimiert
Die Wahrheit: Ist es sehr wohl, eben deshalb gibt es ja die Wahlen!

5. Argument: Es gehe ja eh kaum jemand hin!
Die Wahrheit: Eher ein Grund hin zu gehen, als weg zu bleiben. Bei niedriger Wahlbeteiligung wiegt jede einzelne Stimme umso mehr!

6. Argument: Man kenne die kleinen Parteien nicht genug
Die Wahrheit: Vor allem (aber nicht nur) im Internet gibt s viele Möglichkeiten sich über alle Parteien zu informieren. Besonders die Bundeszentrale für politische Bildung sticht hier hervor. Die Links habe ich unter meinem Artikel über „kleine Parteien“ zusammen gefasst.

7. Argument: Man will die großen nicht wählen und Stimmen für die kleinen Parteien brächten eh nichts
Die Wahrheit: Wenn jeder so denkt dann bestimmt. Aber was kostet es, es zumindest mal zu versuchen, wenn man eine der kleinen Parteien für gut befindet?
Selbst wenn die Partei nicht über 5% kommt, sind die Stimmen nicht verschenkt: Umso mehr Prozent die Sonstigen im Allgemeinen und die betreffende Partei im speziellen bekommt, umso größer wird auch das Medieninteresse für sie sein. Das bedeutet zum einen bessere Chancen für die nächste Wahl und zum anderen wird es dadurch sehr wahrscheinlich, dass sich die „großen Parteien“ den Themen der Partei annehmen, da hier Wählerpotential liegt!

8. Argument: Man habe keine Zeit/Lust
Die Wahrheit: Wählen gehen dauert nur wenige Minuten, die kann man aufbringen, unabhängig von Wetter oder anderen Einflüssen. Warum nicht Freunde oder Familie direkt mit nehmen und anschließend gemeinsam etwas unternehmen? Wer nur Zuhause sitzt, kann sich nicht beschweren. Und wer die Europawahl für unwichtig hält, kann sie durch seine Stimme wichtig machen!

Wie man sieht, es spricht eigentlich nichts dagegen, wählen zu gehen, aber vieles dafür!
Für Deutschland, für Europa und für die Demokratie:
Am 7. Juni, wählen gehen!

PS: Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat eine Video-Wahlaufrufkampange gestartet. Hier kann sich jeder ein personalisiertes Video machen. Schaut hier selbst!

10 Gedanken zu “Europawahl: Warum wählen gehen?

  1. Pingback: News Digest: Europawahlkampf und die Rolle Medien, Argumente für die Wahl | Erika Mann

  2. Wählen kann richtig Spaß machen!

    Wir haben die Kandidatinnen für die Europawahl eingeladen, sich in unserem Blog zu präsentieren – und sehr viele sind der Einladung mit Foto und Text gefolgt!

    Also: Frauen wählen
    (und Männer auch…)

    blog.anaundanda.de

  3. Die angeführten Kritikpunkte (#5) sind nichtalle korrekt, bzw ohne Kontext zu beleuchten, sprich kein konkretes EU Problem. Und auch hier gilt: Jeder hat das Recht Parteien zu wählen, die gegen den EU-Vertrag sind.

  4. warum ist 5 nicht korrekt? und warum sind die anderen aufgeführten punkte kein konkretes eu- problem? deine argumentation hakt ein wenig, weil sie einfach unbegründet ist. natürlich kann jeder parteien wählen, die gegen den vertrag von lissabon sind, das werde ich auch tun. aber: erstens machen das viel zu wenige menschen, weil sie gar nicht wissen, was dieser vertrag real bewirkt und weil dieser vertrag in den medien einfach falsch dargestellt wird (angeblich wird demokratie gestärkt, das stimmt einfach nicht, bzw. die eu wäre die erste demokratie, in der es keine gewaltenteilung gibt und das parlament keine gesetzgebende funktion hat). zweitens sind den eu- vertretern die meinungen von bürgern ziemlich egal, siehe die unbeachteten “Nein”- referenden von frankreich, den niederlanden und irland (in anderen ländern wie deutschland hat man sich gar nicht getraut die bürger zu fragen). und obwohl der vertrag von lissabon offiziell noch nicht ratifiziert ist, werden bei dieser wahl schonmal 15 abgeordnete mehr ins parlament geschickt, so wie es laut vertrag vorgesehen ist. das ist nicht nur arrogant, das ist eine völlige missachtung demokratischer spielregeln!

  5. corrdoba, ich meinte nicht Argument 5 sondern bezog mich auf Kommentar 5, also dich ;)
    Wenn du schreibst, dass wenige andere Parteien wählen, dann ist das demokratisch erstmal so hinzunehmen und garde für Gegner des Lissabon-Vertrags ein Argument mehr, Leute zum wählen zu motivieren.
    Es ist allgemein ein großes Problem, dass viele sich nicht informieren, bzw. Leute trotz informationen oft Parteien wählen, die ihre Interessen gar nicht vertreten. Traurig aber wahr.

    Insofern seh ich die Argumentation nicht als falsch an, es wäre definitiv besser, wenn die Leute sich informieren würden und ihre Stimme abgäben.

    Und warum keine EU-Probleme: Da die meisten dieser DInge auch in Deutschland ohne EU oder anderen Ländern schon der Fall sind oder angedeutet sind. Das eine Lux-Stimme mehr zählt ist gut, sonst würde sie gar nicht zählen- ich will keine EU in der die kleinen förmlich assimiliert werden.

  6. So dass die Politik drauf wartet, sich dem Wählerwillen anpassen zu können, ist es doch nun wirklich nicht. Vielmehr wird durch Wahlen der Wählerwille angepasst und die Zustimmung zum feststehenden politischen Programm eingeholt.
    Die EU ist ohne demokratische Teilhabe zustandegekommen und funktioniert auch wunderbar ohne sie weiter. Zustimmung dazu hätte man aber doch gerne, weswegen auch jeder offizielle Wahlaufruf von Werbung für das segensreiche Wirken der EU-Organe lebt. Dass sich das Stimmvieh allgemein desinteressiert zeigt – dadurch lassen die sich doch von nichts abhalten!

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