Die meisten Deutschen sind sich einig: Energiesparen ist die beste Option, sowohl das Klima zu schonen, als auch den Geldbeutel. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man im weitesten Sinne über Energiepolitik diskutiert. Ein Eindruck, der jedoch schnell wieder schwindet, sieht man sich das tatsächliche Verhalten der Deutschen an. Beispiel: Regelrechte Hamsterkäufe bei Glühbirnen!
Hintergrund ist eine EU-Verordnung, die den schrittweisen Umstieg von Glühbirnen auf Energiesparlampen vorsieht. Und da der Mensch bekanntlich ein Gewohnheitstier ist, ändert er sein Verhalten nur, wenn er dazu gezwungen wird. Heißt in der Praxis: Energiesparlampen gibt es schon lange, dennoch wurden sie von vielen verschmäht. Aus diesem Grund verbietet die EU schrittweise den Verkauf herkömmlicher Glühbirnen. Die erste „Deadline“ liegt am 1. September diesen Jahres, ab dem matte und 100-Watt Birnen vom Markt müssen.
Natürlich sehen die meisten – auch das schon fast eine Gewohnheit- darin Regelungswut der EU. Denen sei empfohlen, sich einmal die genauen Ziele der Verordnung anzusehen. Ich zitiere aus einer gemeinsamen Presseinformation von Verbraucherzentrale Bundesverband und Umweltbundesamt:
Mit der neuen EG-Verordnung zu Haushaltslampen sollen bis zum Jahr 2020 EG-weit etwa 39 Terawattstunden Energie im Verhältnis zum Trend gespart werden, so viel wie 11 Millionen Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Durch die Umstellung auf Energiesparlampen können in der EU bis 2020 mehr als 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
Daran jedoch scheinen die Bürger der Bundesrepublik kein Interesse zu haben. Im Gegenteil: Sie legen sich Reserven an herkömmlichen Glühbirnen an. Spiegel Online berichtet, dass laut GfK in Deutschland im ersten Quartal 2009 20 Prozent mehr Glühbirnen verkauft wurden. Noch krasser aktuellen Angaben einiger Baumärkte, die Spiegel Online aufführt: Hornbach habe bis zu 112 Prozent mehr matte Birnen verkauft. Bei Praktiker seien sogar 150 Prozent mehr 100-Watt Birnen verkauft worden.
Viele Bürger haben scheinbar Angst, im Dunkel stehen zu müssen, was aber vollkommen unbegründet ist. Wählt man die passenden Energiesparlampen, kann man mit ihnen problemlos Glühbirnen ersetzen- ohne dafür eine neue Leuchte oder Halterung kaufen zu müssen. Zwar muss man mit der Entsorgung etwas vorsichtiger sein und die Lampen brauchen einen (mittlerweile äußerst) kurzen Moment, um auf volle Leuchtkraft zu kommen, das war es aber bereits mit den Nachteilen.
Auf der Habenseite stehen neben sinkenden Stromverbrauch (=Stromkosten) auch eine längere Lebensdauer von Energiesparlampen. Diese variiert zugegeben stark je nach Fabrikat. Gute Energiesparlampen können laut Stiftung Warentest etwa 15.000 Stunden leuchten- der Vergleichswert normaler Glühbirnen liegt bei 1.000 Stunden.
Auch das Vorurteil, das Licht der Energiesparlampen sei unangenehmer, kann man so nicht stehen lassen, da es das Licht gar nicht gibt. Energiesparlampen gibt es in verschiedenen Lichtfarben, auch in mit normalen Glühbirnen vergleichbaren.
Warum also legen sich viele Deutsche Glühbirnen-Vorräte an? Dabei scheint es interessant, dass der Trend in anderen Ländern entgegengesetzt verläuft. Ich zitiere noch einmal aus der oben genannten Pressemitteilung:
Während in Deutschland der Absatz von Glühlampen im ersten Quartal 2009 um 17 Prozent stieg, sank er nach Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Frankreich um 8,6 Prozent, in Großbritannien um 22,5 Prozent und in den Niederlanden sogar um 34,5 Prozent.
Zusammengefasst: In Deutschland geht der Absatz je nach Quelle um 17 oder 20 Prozent in die Höhe, anderswo sinkt er. Bei Birnen-Formaten, die bald „verboten“ sind, steigt der Absatz sogar extrem.Verbraucherinformationen sind – mit Ausnahme dieses Flyers des Umweltbundesamtes – Mangelware. Das Ergebnis: Auf die EU wird geschimpft, der Energieverbauch zunächst nicht gesenkt.
Warum dieses Verhalten? Vielleicht ist es auf mangelnde Information zurückzuführen, vielleicht sind Deutsche was so etwas angeht aber auch einfach stur. Ein Bekannter sagte mir unlängst „Was soll ich denn mit Energiesparlampen, die sehen scheiße aus!“.
Was meint ihr?
Bilder: Quelle Flickr.com (1. User: gynti_46 2. User: kalamoni)
Du hast einen Nachteil außer acht gelassen – Energiesparlampen sind viel teurer als herkömmliche Glühbirnen! Und das wird der Grund sein.
Wenn sie dafür aber Strom sparen und länger halten rechnet sich das wieder auf!
Das ist nicht so leicht! Ich kann das nicht abschließend beurteilen – aber ich habe zum Beispiel auch gehört, das die beim Einschalten ziemlich viel Energie verbrauchen. Außerdem weiß ich zumindest aus eigener Erfahrung, das die Lebenserwartung nicht die Größte ist. Ab welcher Brenndauer gleicht sich der höhere Einkaufspreis denn wieder aus?
Das mit der Brenndauer kommt natürlich auf Sromverbrauch, Kosten der Lampen und co an. Grade der Preis variiert ja schon.
Ich habe selbst keine Studien betrieben und kann mich daher nur auf Zahlen anderer Verlassen. Aber laut Stiftung Warentest können gute Lampen bis zu 15x länger scheinen. Das ist anfürsich schon ein verdammt hoher Wert. Aber halt bis zu. Bei schlechten liegt der Wert bei 1,5x
Beim Einschalten verbrauchen die Lampen mehr Licht als im Betrieb, aber wirklich große Energiespitzen sind das nicht, das weiß ich noch ausm Physikunterricht.
In der zitierten pressemitteilung steht auch, dass die Lampen bis zu 30.000x an und aus geschaltet werden können. Der Wert erscheint mir auch nicht grade gering.
Meine Intention im text war auch weniger die Probleme aufzuführen, als diejenigen zu entkräften, die nur Vorurteile sind. Im Allgemeinen finde ich es sehr seltsam, dass sich an dem Thema so die Gemüter erregen, ich finde es gibt weitaus schwerwiegendere Themen
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