Vergangene Woche wurden die Ergebnisse des neuen „Deutschlandtrend“ bei der ARD veröffentlicht. Dort gab es eine Frage, die lautet wie folgt:
„Wofür soll sich die Regierung stärker einsetzen: Für eine Gesellschaft, in der Leistung stärker zählt, oder für eine Gesellschaft, in der Solidarität stärker zählt?“
Das Ergebnis:
- 61 % solidarische Gesellschaft
- 24 % leistungsbetonte Gesellschaft
Nun rufen wir uns zwei Sprüche zurück in den Sinn, die in letzter Zeit des Öfteren fielen:
- Union: „Wir müssen die Leistungsträger entlasten!“
- FDP: „Leistung muss sich wieder lohnen!“
Union und FDP kommen laut der gleichen Umfrage, in der nur 24 % eine leistungsbetonte Gesellschaft wünscht, auf 51%. Das sollte man einen Moment sacken lassen…
Wie ist dieser Widerspruch zu erklären. Meine These: Deutsche handeln in der Regel nicht nach ihren Überzeugungen. Ich gehe sogar noch ein Stück weiter und sage provokativ: Deutsche merken das noch nicht einmal und wollen es auch gar nicht merken! So sind beispielsweise auch die meisten Deutschen gegen eine Lockerung des Atomausstiegs- würden sie dies ernst meinen wäre allein dadurch eine schwarz-gelbe Mehrheit unmöglich.
Aber wenn es wirklich um die Wahl geht, machen Millionen Deutsche ihr Kreuzchen, wo sie es schon immer machten oder lassen Parteien in der Wahlentscheidung außen vor, obwohl deren Wahlprogramm genau das anspricht, was sie selber auch wollen. Oft können sie es nicht einmal begründen, oder es kommen „Argumente“ wie: „Der/die ist mir irgendwie sympathischer.“ Dienstwagen oder Krawattenfarbe werden wichtiger als Atommüll oder Steuersystem. Vermutlich nicht wirklich, sondern nur fürs Gewissen
Dies ist übrigens der gleiche Grund, warum mir Leute, die sich (gemäßigt) aufregen, zehnmal lieber sind, als die, die es nicht tun. Denn im Gegensatz zu denen, die sich nicht aufregen, sind die Aufreger schon ein Stück weiter: Sie erkennen eine Verbesserungswürdigkeit und wollen, dass etwas getan wird, gleichwohl sie oft den nächsten Schritt auch nicht gehen. Die Anderen sehen alles zwar gelassen, aber als gottgegeben an. Mit solchen Menschen ist keine Verbesserung möglich.
Aber das ist unser Land. Ein Land, in dem man sein Gewissen beruhigt, indem man sagt „ich bin gegen Atomkraft!“, aber dann weiter bei Vattenfall unter Vertrag steht und die CDU wählt. Es ist ja alles gottgegeben. Und wenn dann was schlechtes passiert, ist man unschuldig, man war ja dagegen…
…in der Theorie.
Leider Gottes hast du ziemlich recht.
Ich denke allerdings, dass das auch viel damit zu tun hat, das sich viele Deutsche gar nicht damit beschäftigen, was in den Wahlprogrammen steht und nach Tradition wählen gehen.
LG Lisa
Was willst du uns damit sagen?
Tja, Daniel, das was da steht, dass Deutsche inkonsequent sind
Vielleicht weil Du dich von Umfragen gewaltig täuschen lässt. BMU startete dieses Jahr eine Internetumfrage – BMU ist gegen Kernkraft -, wobei die Mehrheit sich für KK entschied. Ein ungewolltes Desaster für BUM!
Nur Greenpeace hat solche Umfragen, wo die Mehrheit gegen KK ist. Wer denen glaubt, glaubt auch, dass die Stromversorgung mit Spielzeugs aus der Ecke der Erneuerbaren Energien, Kohle und Kernkraft ersetzten könnten. Was sie praktisch, faktisch, physikalisch nicht können!
Thema Leistung. Wer will von Dir denn nicht NUR Leistung außerhalb Deiner Familie? Ich möchte Dich aus Deinem Dornröschenschlaf ungern wecken, aber die meisten Menschen um Dich suchen nur einen Nutzwert an Dir! Bewusst oder unbewusst ist hierbei völlig sekundär.
Eine Wahl in Deutschland (und sicher auch anderso) wird nicht primär nach Inhalten entschieden – eine richtige und sehr traurige Erkenntnis!
@mister f. Du wärst erstaunt, wenn du mein (näheres) umfeld kennen leren würdest. Aber in gewisser hinsicht hast du schon recht, viele wollen unbewusst leistung sehen, obwohl sie, wie die umfrage zeigt das eigentlich schlecht finden. Das bestätigt eher meinen text. Und genau das hätte ich gerne anders. Was im übrigen auch daniels frage beantwortet
Was aber, wenn man Leistungen für etwas sieht, was keine Leistung verdient? Viele Leute ahnen es, viele sehen es, viele wissen es. Und damit meine ich nicht das, was manche auf den ersten Blick denken könnten…
@ Andreas: Dein (näheres) Umfeld dürfte noch ziemlich jung sein, oder? Und damit auch sehr einseitig geprägt. Warte mal 10-20 Jahre, dann siehst du vieles anders, inklusive deinem Umfeld.
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