Nachdem ich im ersten Teil bereits ein paar Sätze zu den Plakaten von CDU, Linken und Grünen verloren habe, soll es in diesem Teil mit der SPD und der FDP weiter gehen. Zunächst aber noch ein Schmankerl aus der grünen Plakat-Reihe. Gemeint ist das „Du bist verdächtig“-Plakat, das Wolfgang Schäuble attackiert. Hier versucht man definitiv die vielen „Stasi 2.0“ und „Zensurslua“ Protestanten im Internet anzusprechen. Auf jeden Fall ist das an die US-Propaganda aus dem Zweiten Weltkrieg angelehnte Plakat ein besonderer Hingucker im Wahlkampf.
FDP mal wieder still
Wie schon bei der Europawahl findet man die Wahlplakate der FDP im Internet so gut wie gar nicht. Im Online-Shop kann man sie sich sehr klein ansehen, das war es bisher. Aber viele Gründe, sie groß zu zeigen gibt es eh nicht. Konventionelles Design, langweilige Sprüche, Gesichter der Spitzenkandidaten. Das war es.
Die Wahlslogans sind sehr vom Leistungsdenken geprägt. Bei den Liberalen heißt es „Arbeit muss sich wieder lohnen“ oder „Leistung wählen“. Was genau man sich darunter vorstellen soll, bleibt jedoch dem Wähler überlassen. Konkrete Inhalte oder Ziele findet man nicht. Ob die Sprüche auf den Plakaten wirklich das herz der Wähler erobern ist ohnehin fragwürdig, wünschen sich doch laut Umfragen viele derzeit eher eine solidarischere Gesellschaft.
Deshalb wählt er oder sie SPD
Ich lege mich schon einmal fest, das schönste Gesicht des Wahlkampfs ist auf einem SPD Plakat zu finden. Leider steht die abgebildete Person nicht zur Wahl,
zumindest nach meinem Kenntnisstand. Das liegt daran, dass auf den meisten Plakaten der aktuellen Kampagne der SPD keine Politiker abgebildet sind, sondern „Unterstützer“. Diesen wird in Zitatform in den Mund (bzw. aufs Plakat) gelegt, warum sie die SPD wählen. Im Falle des von mir gekürten schönsten Gesichts klingt das wie folgt: „Atomkraft war gestern. Saubere Energie ist die Zukunft. Und deshalb wähle ich SPD.“
Weitere „Gründe“ sind „Die SPD kämpft für Arbeitsplätze. Für meinen und auch für Ihren“, „Gesundheit darf kein Luxusprodukt werden“ und „Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen“. Letztgenanntest wird im übrigen ebenfalls von einer für männliche Jungwähler sehr ansehnlichen Frau beschmückt.
Ich halte diese Plakate für das beste, was bisher zur Bundestagswahl präsentiert wurde. Zum einen weil sie gestalterisch ansprechend sind (nicht nur wegen dem netten Mädel), zum anderen, weil sie zumindest ein klein wenig Inhalte transportieren. Union und FDP tun sich dabei im Vergleich ja etwas schwer. Außerdem sind die Plakate nicht nur an unentschlossene Wähler gerichtet, sondern auch an die SPD-Wähler. Sie liefern ihnen Argumente für die Stammtische, denn SPD-Wähler müssen sich als Randgruppe zunehmend rechtfertigen!
Neben den Unterstützer-Plakaten gibt es natürlich auch Plakate mit dem Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Der Slogan lautet hier zum einen „Frank-Walter Steinmeier will mehr für die Menschen in Deutschland“ und zum anderen „Anpacken. Für unser Land“. Der zweite Spruch ist bereits seit einiger Zeit als SPD-Slogan bekannt.
Ganz auf direkte Attacke gegen den (noch) Koalitionspartner verzichten will man bei den Sozialdemokraten jedoch nicht. Es gibt zwei Aktionsplakate zur Atomkraft, auf denen der CDU/CSU einmal ein Sicherheits- und einmal ein Müllproblem
attestiert wird. Jeweils schließend mit der Frage, ob der Bürger helfen könne. Die Antwort ist logischer Weise jedes Mal „nein“. Ob die Plakate ihr Ziel erreichen und zur Frage führen „will ich den Atomausstieg wirklich abwählen?“ kann ich jedoch nicht beurteilen. Einen kurzen Moment zum nachdenken regen sie schon an. Alle aktuellen Plakate kann man hier in voller Größe betrachten.
Soweit meine ersten beiden Teile zu den Wahlplakaten der großen Parteien. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten weitere Plakate auftauchen werde ich vermutlich Teil 3 verfassen. Aber auch so gibt es bis zur Wahl hier sicher noch einiges zum Wahlkampf!
Update: Teil 3 über Plakate der SPD ist seit einiger Zeit online! Hier zu finden!
Grüne Plakate beleben: Wie war das doch mit dem Po-Plakat der Grünen, das dann zurückgezogen wurde? oder das “Verwendet Kondome mehrmals”-Plakat, das es bislang nur hierhin schaffte:
http://swiss-lupe.blogspot.com/2009/08/grune-wollen-kondome-mehrmals-verwenden.html
Pingback: Wahlkampf so heiß, dass bei einigen die Drähte durchbrennen? « Andreas Grieß // Blog
Ich finde die Plakate der FDP und der SPD sehr ansprechend.