Die Konsequenzen aus Saarmaika
11. Oktober 2009
Es scheint, als haben die Herren Matschie (SPD, Thüringen) und Ulrich (Grüne, Saarland) nichts verstanden. Oder zumindest nicht viel. Denn ihre Entscheidungen jeweils CDU-Regierungen an die Macht zu bringen, bzw. zu halten haben weitreichende Konsequenzen für die deutsche Parteilandschaft, eben nicht nur im (länder)lokalem Rahmen. Ganz deutlich gesagt: Wer keine CDU will kann nun nur noch die Linke wählen! Eine Situation die einem Angst bereiten sollte.
Wer in der nächsten Zeit zur Wahlurne gerufen wird und keine CDU-Regierung will, kann sich weder bei SPD (siehe z.B. Thüringen) noch bei den Grünen (siehe Hamburg und nun das Saarland) sicher sein, dass sie nicht einen CDU-Mann (wieder)wählen. Das Ergebnis: Wir haben die Linke auf der einen Seite und die CDU samt ihrer (potentiellen) Mehrheitsbeschaffter FDP, SPD und Grüne auf der anderen Seite. Ein erschreckendes Bild, entstanden dadurch, dass man die Linke durch ständige Ausgrenzung und Ignorierung zur einzigen Alternative zur (kommenden) Bundesregierung gemacht hat.
Natürlich wird mit Inhalten argumentiert. Das mag zum Teil auch stimmen, geht aber an den Empfindungen der meisten Bürger vorbei, vor allem derer, die sich nicht täglich mit Politik beschäftigen, und das ist die Mehrheit der Wähler. Sehen wir es doch so, wenn Bayern München auf dem 18. Tabellenplatz stehen würde, würden die Fans auch die Entlassung von Trainer van Gaal fordern und nicht, dass er einen neuen Co-Trainer bekommt.
Zudem weiß man bei Koalitionsverhandlungen nie wirklich, welche Inhalte auf der Strecke bleiben. Wenn man als Wähler nicht einmal sicher sein kann, wie die Koalition aussehen wird, kann man noch nicht einmal erahnen, welche Themen geopfert werden. Außerdem: Das ständige Nachgeben und Stolz darauf verweisen, dass die CDU einige Forderungen übernehme (die sie ohne Mehrheitsbeschaffer vermutlich schnell rückgängig macht) was soll das sein? Appeasementpolitik gegenüber der CDU?
Die Linke ist nun gefühlte zweite Kraft im Land
Die Linken sind in weiten Teilen der Bevölkerung schon lange nicht mehr die Schmuddelkinder. Das keine stabile Zusammenarbeit möglich sei, klingt vor allem dann fadenscheinig, wenn es von Leuten gesagt wird, die selber ihre Koalitionsentscheidungen nur vage gegenüber der Basis absichern können. Der Unmut ist nicht zu überhören und es sollte zu denken geben, dass grade die Jugendorganisationen der Parteien, sprich deren Zukunft, klar für rot-rot-grün plädiert. Besonders deutlich war das bei der Grünen Jugend Saar.
Es mag sein, dass die SPD Wähler verloren hat, welche keine Zusammenarbeit mit den Linken wollen. Nun verlieren SPD und Grüne zusätzlich noch die Wähler, die eine solche Zusammenarbeit wollen oder zumindest lieber als eine Zusammenarbeit mit CDU (und FDP). Was übrig bleibt, ist nicht viel. Außer einer noch stärker werdenden Linken. Wenn Parteiinterne Kräfte diesen Kurs nicht ändern, wird Deutschland auf lange Zeit schwarz sein, einzig der Mehrheitsbeschaffer würde gegebenen Falls gelegentlich variieren. Es sei denn natürlich, die Linke bekäme eine absolute Mehrheit. Ein Gesamtbild, was eigentlich keinem Demokraten gefallen kann.
Deutschland, ein Land ohne Opposition!
Entry Filed under: Politik. Schlagworte: CDU, Demokratie, Deutschland, FDP, Grüne, Jamaika, Jamaika-Koalition, Landtag, Linke, Matschie, Politik, Saar, Saarland, Saarmaika, SPD, Ulrich.
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1.
Björn | 11. Oktober 2009 at 23:44
in Thüringen geb ich dir recht. Die Entscheidung der SPD ist mir unverständlich.
Im Saarland sieht das anders aus: Den Grünen wurde inhaltlich ein genauso gutes Angebot gemacht, wie von rot-rot. Die Linke hat das Projekt dann auch nicht mit einer Personalentscheidung platzen lassen, bei der klar war, dass die Grünen nicht mitziehen.
Erst will Herr Lafontaine Ministerpräsident werden und die Grünen „aus dem Landtag kegeln“. Dann will er nur die Verhandlungen führen, aber zurück nach Berlin.
Und kurz vor Ende der Koalitionsgespräche, indenen klar wird das Grün mit Lafontaine nicht kann, kommt er dann wieder zurück.
Dummheit oder bewusste Taktik, um genau das von dir beschriebene Szenario „Wer links will, muss Links wählen“ zu erreichen??
2.
Andreas | 12. Oktober 2009 at 00:02
Ich halte lafontain durchaus für einen ziemlichen Taktiker. Die Sache ist aber folgende: Seine Taktik geht immer weiter auf und das sollte einem zu denken geben.
Zudem ein gescheitertes Rot-Rot-Grün nur an einem Oskar festzumachen, halte ich auch für billig. Und wenn die Inhalte gleichgroß sind, bleibt die Frage, was ist glaubwürdiger. Dass Müller z.B. Studiengebühren abschafft, weil 3 Abgeordnete dagegen sind mag zwar anfangs passieren, aber welche Substanz hat ein solches Bündins. Es geht um Machterhalt und beim nächsten Mal kegelt man die Grünen aus dem Landtag. Frag mal den Herrn Schill (auch wenn er inhaltlich nix mit den grünen gemein hat)
3.
Björn | 12. Oktober 2009 at 00:11
Schöne Homepage übrigens
Ob man das ganze an Oskar fest macht oder nicht. Warum schafft es rot-rot nicht, grün zu überzeugen? Das ist doch politisch ein Skandal.
Herr Müller wird sich hüten, die Substanz des Bündnisses auf die Probe zu stellen. Denn die Option rot-rot-grün bleibt. Damit können die drei Abgeordneten auch mal zur NOt drohen. Ob sich das gehört oder nicht ist eine andere Sache.
Ich sehe den großen Skandal nicht. Sicher wird es Leute geben, die grün nun nicht mehr wählen, sondern links ankreuzen. Es wird aber auch andere geben, die existenziell für ihre Stimmabgabe gegen die Linke sind, und sich freuen dass Grün auch für was anderes stehen kann.
4.
Andreas | 12. Oktober 2009 at 01:19
Danke übrigens
Warum die es nicht schaffen, kann ich aus der Entfernung leider nicht sagen. Merkwürdig ist es schon, das stimmt. Aber es richt einfach nach eitelkeiten, Mittelpunktsstreben (nicht politische Mitte gemeint) und ne Menge persönlicher Differenzen. Das find ich schwach.
Natürlich bleibt die rrg-Drohkullisse, wenngleich die jetzt deutlich schlechter ziehen wird. Ich gehe auch nicht davon aus das Müller es jetzt wieder kippt, aber auf die Dauer. Ich denke einfach nicht, dass er auf einmal Atomkraft für schlecht und Studiengebühren für unsozial hält und das so ewig bleibt. Es ist auch hier eine beliebigkeit, die ich als CDU-Wähler vielleicht noch schlimmer fände.
Ich leibe aber dabei, für die Grünen ist wenig neues zu holen. Die Links-Hasser holt man damit nicht zurück und von CDU und FDP wird man auch nichts wirklich was abgreifen könne.
5.
forenwanderer | 13. Oktober 2009 at 13:49
„Den Grünen wurde inhaltlich ein genauso gutes Angebot gemacht, wie von rot-rot.“ Das ist falsch. In Koalitionsverhandlungen werden gegenseitig Zugeständnisse gemacht. Auch die Grünen werden sich dessen nicht entziehen können. In einer Rot-Rot- Grün Regierung wäre z.B. Bildung kein Verhandlungspunkt gewesen. Somit hat H. Ulrich eine Karte ausgespielt, die er hätte bei Rot-Rot- Grün auf der Hand behalten können.
„Es wird aber auch andere geben, die existenziell für ihre Stimmabgabe gegen die Linke sind, und sich freuen dass Grün auch für was anderes stehen kann.“ Mag sein, doch diese Leute sind diejenigen, die seit Jahrzehnten die Korruption in unserer Demokratie unterstützen. Das Wahlprogramm der Saar- Grünen beweist die Lüge. Dabei hat sich weniger Bündnis90/Die Grünen selbst verraten, sondern inhaltlich Peter Müller und seine CDU.
Hier noch deutlichere Infos: http://www.guedesweiler.wordpress.com
6.
rabe | 25. Oktober 2009 at 13:45
zur info:
jamaika-filz an der saar
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2252095_0_6369_-koalitionsverhandlungen-im-saarland-jamaika-filz-an-der-saar.html