Erfahrungsbericht: Stromanbieter wechseln

14. Oktober 2009

Stecker_SteckdoseEines direkt vorweg: Ich schreibe diesen Text nicht in Auftrag eines Energie-Anbieters oder einer anderen Interessengruppe und erhalte auch kein Geld dafür. Der Beitrag ist lediglich als persönlicher Tipp zum Geldsparen und ggf. Umweltschutz zu verstehen.

Ich wohne im Großraum Darmstadt. In diesem Gebiet ist Entega der Strom-Grundversorger. Als ich hierher zog, wurde ich automatisch Vertragskunde. Nun hat man, irgendwo frisch eingezogen, in der Regel andere Sorgen, als sich unzählige Stromanbieter anzusehen. Also ließ ich das ganze zunächst laufen, auch als Entega im Dezember die Preise erhöhte.

Vor einiger Zeit habe ich mich dann intensiver mit Sparmöglichkeiten befasst. So kam ich auch auf das Thema Strom. Ich fragte in meinen Bekanntenkreis rum, wer Erfahrungen mit einem Anbieterwechsel gemacht habe, aber das waren nur sehr wenige. Auch deshalb entschied ich mich, über meine positiven Erfahrungen zu schreiben, um Leuten, die wie ich etwas unsicher sind, die Angst zu nehmen.

Es gibt ja die übelsten Vorstellungen, bis hin zur Befürchtung, ohne Strom da zu stehen. Das ist vollkommen unberechtigt. Der Wechsel verläuft nahtlos, den Stromzähler behält man auch. Letzterer ist zwar Besitz des örtlichen Versorgers, der ist jedoch verpflichtet, ihn bereitzustellen. Der Netzbetreiber (in der Regel der Grundversorger) ist auch nach einem Anbieterwechsel weiterhin für die Instandhaltung des Netzes verantwortlich, sprich muss mögliche Schäden an Stromnetz oder Zähler beheben.

Sollte der gewählte Anbieter seinen Pflichten nicht mehr nachkommen können, zum Beispiel, weil er Pleite geht, steht man trotzdem nicht im Dunkeln. Man würde in diesem Fall automatisch wieder beim Grundversorger Kunde sein (zunächst unter der sogenannten Ersatzversorgung). Wie man sieht: Passieren kann eigentlich nichts.

Anbietersuche
Sind diese Unsicherheiten und Zweifel ausgeräumt, kommt man natürlich zur Frage: Lohnt sich ein Wechsel und wie groß ist der Aufwand? Zunächst die Antwort auf letztgenannte Frage: Der Aufwand ist denkbar gering. Man füllt einen Vertrag beim neuen Anbieter aus (oft online möglich). Dafür sind nur wenige Daten notwendig. Den Rest macht der neue Anbieter, also auch die Kündigung beim alten Anbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Dies muss (und sollte) man nicht selbst übernehmen!

Nun zur Frage, lohnt sich ein Wechsel: In den meisten Fällen ja, zumindest was den Tarif angeht! Denn die Anbieter wissen natürlich, dass viele zu faul für einen Anbieterwechsel sind, Angst davor haben, oder einfach zu wenig darüber wissen. Deshalb sind die Standard-Tarife, wie beispielsweise mein alter Entega-Tarif, meist deutlich überteuert. In meinen Fall lag der Preis pro Kilowattstunde bei 21,90 Cent. Zum Vergleich: Nun bezahle ich 19,90 Cent!

Also mein Tipp: Zunächst einen Blick auf die letzte Stromrechnung werfen (vor allem auf den Namen des aktuellen Tarifs) und danach ins Internet sehen. Im Netz gibt es verschiedene Dienste, bei denen man Strompreise vergleichen kann. Den derzeit vielleicht besten gibt es auf verivox.de.

Postleitzahl und Jahresverbrauch (zur Not geschätzt) eingegeben und vergleichen. Auf der nächsten Seite hat man dann direkt den Preisvergleich zur Standard-Versorgung. Ist man bereits bei einem anderen Anbieter oder hat man einen Spezial-Tarif, stellt man entsprechend um.

Die einzelnen Anbieter sollte man sich natürlich genauer ansehen, denn der Preis setzt sich aus Preis pro Kilowattstunde und einem Grundpreis zusammen. Je nachdem, wie konstant der Stromverbrauch ist, sollte man das besonders bedenken. Empfehlenswert ist es auch, auf möglichst lange Preisgarantien und natürlich die Vertragsdauer/Kündigungsfrist zu achten. Bei vielen Anbietern kann man jeden Monat aus dem Vertrag aussteigen, das bietet eine hohe Flexibilität, um bei Preiserhöhung wieder die Fliege zu machen. Bei Preiserhöhungen, für die nicht der Staat (also z.B. durch Steuererhöhungen) zuständig ist, kommt man in der Regel aber sowieso schnell wieder aus Verträgen raus! Auch empfehlenswert ist ein Blick auf die Kundenbewertungen.

Ökostrom
Für viele interessant ist auch die Zusammensetzung des Stroms. Denn ein Anbieterwechsel ermöglicht es nicht nur Geld zu sparen, sondern auch aktiv ein effektives Zeichen gegen Klimawandel und Atomenergie zu setzen. Grade die neusten Berichte über Machenschaften der Atomwirtschaft (hier und hier) dürften einen solchen Entschluss erhärten!

Wenn man an Strom aus erneuerbaren Energieträgern interessiert ist, sollte man auf jeden Fall einen unabhängigen Anbieter wählen. Zwar haben die meisten normalen Anbieter mittlerweile einen „Öko-Tarif“, aber der ändert nur selten etwas am Strommix. Der Grund ist denkbar einfach: Wird viel „Ökostrom“ verlangt, sinkt der Anteil erneuerbarer Energien im „Standard-Tarif“. Außerdem ist Ökostrom-Anbieter nicht gleich Ökostrom Anbieter. Oft wird auch getrickst. Für mehr Infos darüber empfehle ich: www.atomausstieg-selber-machen.de

Natürlich kommt, egal welcher Anbieter oder Tarif, stets der gleiche Strom aus der Steckdose. Allerdings ist jeder Anbieter verpflichtet die Menge an Strom ins Netz zu speisen, die seine Kunden verbrauchen. In meinem Fall kommt der Strom faktisch vermutlich noch immer aus Entega-Kraftwerken. Aber mein neuer Anbieter (Naturstrom) muss so viel Strom wie ich verbrauche ins deutsche Netz speisen- und zwar im Fall meines Anbieters aus erneuerbaren Energiequellen.

Anbieterauswahl
Ich wählte also wie grade erwähnt Naturstrom als neuen Anbieter. Warum? Beim angesprochenen Preisvergleich stieß mir dieser Anbieter ins Auge, da er zum einen ein Ökostrom-Anbieter ist, zum anderen von verschiedenen Umweltverbänden empfohlen wird und zu guter Letzt auch unter den günstigsten Anbietern zu finden war. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt einen Monat, die Kündigungsfrist sechs Wochen, sprich ich kann jeder Zeit sehr schnell wieder den Anbieter wechseln. Zudem gibt es aktuell eine Preisgarantie bis Dezember 2010. Meine gilt bis Juni 2010. Danach wird der Strompreis voraussichtlich steigen. Zumindest fand ich im Internet Erfahrungsberichte, wonach „Altkunden“ mehr zahlen müssen. Aber zum einen ist dieses „mehr“ immer noch weniger als ich beim alten Anbieter zahlte und zum anderen kann ich, wie eben erwähnt, sehr schnell zu einem anderen Anbieter wechseln.

All das zusammen hat mich überzeugt, zumal die Anbieter, die noch günstiger waren, teilweise keine Preisgarantie haben und/oder längere Mindestvertragslaufzeiten. Beides wäre mir zu unsicher gewesen. Zwei weitere Ökostromanbieter (Elektrizitätswerke Schönau und Lichtblick) haben aktuell ähnliche Konditionen wie Naturstrom, jedoch nur eine Preisgarantie bis Ende des Jahres. Die beiden werde ich also sicher im Auge behalten.

Der Wechsel
Ich füllte also auf der Homepage von Naturstrom den Vertag aus und bekam wenige Minuten später eine Bestätigungsmail. Einige Tage darauf bekam ich per Post eine weitere Bestätigung, zusammen mit meinen Vertragsdaten und dem voraussichtlichen Wechseldatum, welches knapp über einen Monat in der Ferne lag. Auch dass ich noch keinen vollständigen Jahresverbauch hatte, war kein Problem, verursachte aber ein, zwei Mails mehr, als wenn ich schon eine genaue Zahl hätte nennen können. Rechtzeitig vor dem Wechseltermin gab es einen weiterer Brief, in dem mir die Abschlagszahlungen beim neuen Anbieter bekannt gegeben wurden, die im Übrigen bei nur noch 25 € liegen (vorher zahlte ich 33 €). Nachdem ich vom örtlichen Netzbetreiber aufgefordert wurde, meinen Zählerstand (kostenlos) abzulesen dauerte es auch nicht lange und ich erhielt meine Abschlussrechnung beim alten Anbieter- und der Wechsel war komplett.

Fazit
Ein Stromanbieterwechsel lohnt sich in den meisten Fällen, denn viele bezahlen zu viel. Und wenn man darüber hinaus auch etwas für erneuerbare Energien tun will, ist ein Anbieterwechsel die vielleicht beste Möglichkeit dazu, zumal „Ökostrom“ nicht unbedingt teurer sein muss! Doch man sollte unbedingt nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Preisgarantien und Vertragslaufzeiten achten. Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Ich hoffe, ich konnte den Lesern helfen und würde mich freuen, wenn ich einige dazu bewegen konnte, zu einen der Ökostrom-Anbieter (Naturstrom, Elektrizitätswerke Schönau, Lichtblick, Greenpeace Energy) zu wechseln. Gerne würde ich weitere Erfahrungen in den Kommentaren lesen!

Nachfolgend noch ein paar Links, die nützlich sein könnten:

Auf den Seiten der Stromanbieter finden sich meist auch Antworten auf Fragen zum Anbieterwechsel!

Bild: Quelle: Pixelio.de Fotograf: Andreas Morlok

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