Warum die AKW-Laufzeitverlängerung den Klimawandel sogar verstärkt
22. Oktober 2009
Obwohl grade passend zum Beschluss einer Laufzeitverlängerung von AKWs neue Skandale über Atommüll bekannt wurden, soll die Atomenergie weiter als geeignete „Brückentechnologie“ verkauft werden. Dabei scheint die Brücke langsam aber sicher Formate anzunehmen, wie die der Confederation Bridge in Kanada. Endlagerfrage, Leukämie-Fälle und auch der Uran-Abbau bleiben also weiter ungeklärt. Neustes Schönfärbeargument von AKW-Betreibern und kommender Bundesregierung ist daher der Klimaschutz. Doch dies ist nur ein Vorwand, sollte die Regierung nicht etwas am CO2-Handel ändern.
Der Grund ist denkbar einfach: Die Menge an CO2, die Deutschland maximal ausstoßen darf, ist über den Zertifikatshandel europaweit festgelegt. Mit anderen Worten: Wird in der Stromproduktion weniger CO2 ausgestoßen, kann die sonstige Industrie mehr ausstoßen! Die EU hat Deutschland wegen des Atomausstiegs einen höheren CO2-Ausstoß zugesprochen, als ursprünglich geplant. Wenn die Bundesregierung nicht im gleichen Atemzug mit der Aufkündigung des Atomkonsens CO2-Zertifikate stilllegt, wird folgendes passieren:
Aufgrund der sinkenden Nachfrage werden die Zertifikate billiger, also der Ausstoß von CO2 günstiger. Das steigert zum einen die Gewinne der Stromkonzerne und vor allem, und das ist am schlimmsten, senkt es den Innovationsdruck bei den Konzernen deutlich, die bisher aufgrund von Kostenersparnis danach strebten, möglichst wenig CO2 auszustoßen.
Es sei noch einmal gesagt: Der CO2-Gesamtausstoß in Deutschland (bzw. Europa) würde nicht sinken! Ohne Änderung am Handel würde der in der Stromproduktion nicht ausgestoßene CO2 einfach wo anders ausgestoßen- und das sogar billiger!
Die Bundesregierung muss also, wenn sie es ernst meint, auch den zweiten Schritt gehen und CO2-Zertifikate sperren lassen oder selber sperren. Das berichtet auch Spiegel-Online und weist zudem darauf hin, dass durch billigere Zertifikate dem Staat Milliarden verloren gingen. „Denn milliardenschwere Einnahmen aus dem Emissionshandel sind schon vielfältig verbucht, für Klimaschutzprojekte und sogar für Steuersenkungen. Geht der Preis für Zertifikate in den Keller, schrumpfen die Einnahmen für den Staat drastisch“, schreibt SpOn.
Dass die Regierung jedoch die nötigen Schritte einleitet, bezweifeln wie ich auch die Spiegel-Autoren. Daher kann es nur heißen, das Thema zusammen mit den Protesten gegen die Atomkraft mit Nachdruck zur Sprache zu bringen!
Foto: Confederation Bridge (Quelle: Flickr.com, Fotograf: gak, cc-Lizenz)
Entry Filed under: Gesellschaft und Umwelt, Politik. Schlagworte: Atomausstieg, Atomkraft, CO2, CO2-Handel, CUD, FDP, Klimaschutz, Klimawandel, schwarz-gelb.
2 Comments Add your own
Leave a Comment
Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed
1.
turboknilch | 22. Oktober 2009 at 14:17
Setzt Zeichen!
2. trueten.de - Willkommen in unserem Blog! | 22. Oktober 2009 at 14:25
Was mir heute wichtig erscheint #154…
Blamage: Schelte für die Bundesregierung für die Bemessung der Hartz IV Regelsätze.Wahlbetrüger: Gegner und Befürworter des Afghanistan-Engagements versuchen mit vermeintlicher Völkerkunde, die undemokratischen Bedingungen zu ignorieren, unter denen au…