Ich bin kein Medienphilosoph, kein Professor der Journalistik und kein Zeitungs-Mogul. Ich bin nur ein Online-Journalismus-Student. Trotzdem möchte ich zehn kritische Thesen zu Printmedien (genauer: Tageszeitungen) in den Raum werfen.
Das Zeitungssterben sorgt für Diskussionen über die Zukunft der Printmedien, ihre Stärken, Schwächen und Chancen. Ich glaube nicht, dass das Internet und die in den folgenden Thesen genannten Punkte für das Zeitungssterben verantwortlich sind. Vielmehr möchte ich in den zehn Punkten zeigen, dass es nicht so grausam ist wie viele denken, wenn Tageszeitungen durch neue Medien ersetzt werden (wichtig: nicht ersatzlos verschwinden).
Ich habe die zehn Thesen bewusst provokant verfasst, damit sie als Diskussionsgrundlage einladen. Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch Dinge, die für Printzeitungen sprechen. Ich bin gespannt auf Reaktionen und Kommentare. Nun aber die versprochenen zehn Thesen:
- Eine Printzeitung ist schon nicht mehr aktuell, wenn sie die Druckpresse verlässt, geschweige denn am nächsten Tag beim Frühstück.
- Printzeitungen sind unnötige Umweltzerstörung, weil für sie unzählige Bäume gefällt werden müssen, um das Papier herzustellen.
- Printzeitungen liefern immer nur die halbe Wahrheit, da jeder Autor stets kürzen muss, um die Zeilenvorgaben einzuhalten.
- Dadurch, dass Printzeitungen häufig im Abo genutzt werden, verleiten sie im Gegensatz zu digitalen Medien stark dazu, sich aus nur eine Quelle (im entsprechenden Medium) zu informieren. Fast alle sehen unterschiedliche TV-Sender, kaum einer liest zwei Zeitungen.
- Papier ist der am schnellsten zerfallende Datenträger unter allen für Medien genutzten Datenträgern.
- Allein ein Zeitungsabo überfordert viele Papiermülltonen
- Printzeitungen sorgen durch mangelnde Suchfunktion dafür, dass man kaum etwas schnell wieder findet
- Printzeitungen haben den Anspruch, die Welt zu erklären, sind aber in der Regel jeweils selbst nur in einem regionalem Gebiet erhältlich
- Mit Ausnahme einiger im Tabloid-Format erscheinender Zeitungen verlangen Printzeitungen in der Regel einen guten Gymnastikkurs, da der Leser andernfalls in der Öffentlichkeit nur schwer umblättern kann, ohne jemanden zu schlagen.
- Printzeitungen können sich immer nur mit mindestens einen Tag Verspätung auf ihre Kollegen beziehen
Möge die Diskussion beginnen!
Foto-Quelle: Flickr.com User: ShironekoEuro (CC-Lizenz)
zu 5: Das stimmt so nicht. Wird Papier richtig gelagert kann es mehrere Jahrhunderte überdauern. Das ist bei CDs/DVDs und magnetischen Speichermedien nicht der Fall. Ohne umkopieren sind die Daten akut vom Verfall bedroht.
2 & 6 heben sich in den meisten Fällen recht gut wieder auf- außer in der Zeitung wurden Reste vom Gemüseputzen eingewickelt… Was sollte man bloß damit machen, wenn Printmedien aussterben?
Wie schnell der Datenträger vergeht ist denke ich mal ziemlich egal,
da es für die Archivierung sowieso in andere Medien konvertiert wird.
Allgemein finde ich es auch nicht das es so grausam ist wenn manche Zeitungen durch andere Medien ersetzt werden.
Ich würde mal sagen: Da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Zeitungen werden in absehbarer Zukunft eh nicht ganz sterben, und wenn s nur ein paar weniger werden, sollte das ja kein Problem sein. So ist des halt in der Marktwirtschaft.
Benedikt
Es scheint noch immer sehr schwer zu sein, Inhalt, Gehalt, Materie und Medium voneinander zu trennen.
Content is not King!
Ganz ehrlich? Ich versteh bei keiner einzigen These, wie die zu einer vernünftigen Diskussion beitragen soll. In Zeitungen steht nur die halbe Wahrheit, weil die Autoren KÜRZEN müssen? Ich schlage Leute beim Umblättern? Zeitungen können die Welt nicht erklären, wenn/weil sie regional erhältlich sind? Das sind für mich keine provokanten Thesen, das ist z. T. komischer Populismus zum Kopfschütteln. Also für mich zumindest…
Ich möchte dir jetzt mal auf ein paar (nicht alle) deiner Thesen antworten. Bitteschön:
3. Printzeitungen liefern immer nur die halbe Wahrheit, da jeder Autor stets kürzen muss, um die Zeilenvorgaben einzuhalten.
- Von was für Zeitungen sprichst du hier jetzt? Wenn ich mir zum Beispiel Wochenzeitungen wie die ZEIT oder FAS angucke, dann sind es dort doch gerade die langen Reportagen und Dossiers, die die Zeitung ausmachen. Auch in Tageszeitungen gibt es oft große, schön zu lesende Reportagen und Hintergründe. Ich würde es eher umgekehrt sehen: Im Internet wird dazu geneigt, alles kurz zu halten, weil das Lesen am Bildschirm so wahnsinnig unbequem ist. Und dass zeitungen simple dpa-Meldungen aufs Mindeste herunterkürzen, ist ja wohl auch OK. Solange die Hintergrundberichterstattung stimmt.
4. Dadurch, dass Printzeitungen häufig im Abo genutzt werden, verleiten sie im Gegensatz zu digitalen Medien stark dazu, sich aus nur eine Quelle (im entsprechenden Medium) zu informieren. Fast alle sehen unterschiedliche TV-Sender, kaum einer liest zwei Zeitungen.
- Ich lese zwei (Wochen-)Zeitungen. Und nur weil man nur eine Zeitung abonniert hat, heißt das ja nicht, dass man mit Scheuklappen vor den Augen durch die Welt rennt. Andere Medien ergänzen ja auch das, was in Zeitungen steht.
6. Allein ein Zeitungsabo überfordert viele Papiermülltonen
- Das stimmt schon, aber dieses Opfer ist es mir wert, zumal man in Zeitungen auch den biomüll einwickeln oder sie zum Ofen-Anzünden (im Winter) benutzen kann.
8. Printzeitungen haben den Anspruch, die Welt zu erklären, sind aber in der Regel jeweils selbst nur in einem regionalem Gebiet erhältlich
- Das verstehe ich nicht. Gerade WEIL sie in einem regionalen Gebiet erscheinen, erklären sie doch die Welt – indem sie zeigen, welche Auswirkungen globale Entscheidungen für die Kommune haben (Beispiel Wirtschaftskrise, Konjunkturpakete etc.), oder, umgekehrt, welche Auswirkungen haben Entscheidungen in Kommunen auf die Bundespolitik? Gerade heute, in einer unübersichtlichen, schnellen, globalisierten Welt, erlebe ich bei vielen den Wunsch nach Halt und Orientierung im Regionalen. Das leisten vielleicht nicht alle Regionalzeitungen in dieser Qualität. Aber ihr Anspruch sollte es immer sein.
9. Mit Ausnahme einiger im Tabloid-Format erscheinender Zeitungen verlangen Printzeitungen in der Regel einen guten Gymnastikkurs, da der Leser andernfalls in der Öffentlichkeit nur schwer umblättern kann, ohne jemanden zu schlagen.
- Ah, es gibt nichts Schöneres als am Sonntagmorgen am Frühstückstisch hinter einer FAS zu verschwinden
))
10. Printzeitungen können sich immer nur mit mindestens einen Tag Verspätung auf ihre Kollegen beziehen
- Dafür bieten sie aber auch Hintergrundinfos und Reportagen, die ihre hektischen Online-Kollegen aus wirtschaftlichen Zwängen oder Zeitmangel nicht leisten können.
Und zum Schluss noch das in meinen Augen stärkste Argument für Print überhaupt: Nichts ist wertvoller als das gedruckte Wort.
Als meine erste Reportage mit meinem Namen darunter GEDRUCKT in einer Tageszeitung erschien, war das ein irres Gefühl von Glück; kurz darauf wurde ich von ganz vielen Bekannten angesprochen, die mir diesen ARtikel ausgeschnitten und mitgebracht hatten. Ich habe schon weit mehr im Internet publiziert. Dort haben die Publikationen aber nicht die selbe Qualität und Wirkunge; sie verlaufen im Sande.
So long
Nun, Populismus ist ein zu inflationär gebrauchter Begriff – ich kann aber nachvollziehen worum es dir geht, Anja.
Es wird zu sehr, in meinen Augen, auf die Onlineschiene gedrängt und dies aus mir nicht immer ersichtlichen Gründen.
Andererseits sind sie nicht ganz unwahr, wobei man auch bedenken sollt, das digitale Publikationen ebenso ihre Nachteile haben.
Diese müssen auch nicht die “Wahrheit” sagen, zudem gerade beim Bildschirmlesen zumeist nur quergelesen wird, also nicht zur Vollständigkeit, zumindest geht es mir so und soweit ich das kenne drucken sich nicht wenige längere Texte dann auch wieder aus, um sie in Händen zu halten.
Der Onlinepublikation von Zeitungen fehlt etwas zur Gänze, etwas dass ebenso für E-Books gilt, denn bei diesen elektronischen Texten sitzt man lediglich von einem kalten Bildschirm, bei dem man zumeist nach ein paar Absätzen bereits wieder vergessen hat was der eigentliche Inhalt war, daher scheuen viele lange Texte im Onlinebereich – diese überfordern zumeist, da sie kein haptisches und olfaktorisches Erleben beim Lesen vermitteln können. Beispiel Geruch: Ein Buch oder eine Zeitung riechen und Erinnerungen sind häufig an Gerüchen gekoppelt.
Man hat einfach lieber etwas reelles in der Hand, das Papier zu fühlen und den frischen Druck zu riechen.
Und so bin ich der in Kunstharz verblockt zu nennenden Aufassung, dass das Gelesene, wenn alle mit einem elektronischen Apparillo durch die Lande marschieren und ihre Zeitungen oder Bücher lesen, sich nicht ins Gedankenfach einfräsen wird.
Was in in Hinblick auf die Straßenverkaufspresse, namenhaft Bild und Express, sicherlich nicht das Schlechteste wäre.
Dahingehend muss, bei aller Presse und Meinungsfreiheit, wobei der Schreiber dieser Zeilen nicht ganz unberechtigte Zweifel daran hat, dass es z.B. nicht wenigen Zeitungen wohl nicht um Pressefreiheit und Information geht, sondern eher nur um Volksverblödung geht bzw. die Erhaltung eines gesellschaftlichen Status Quo
Zugegeben: heutige gedruckte Medien werden ihren hundertsten Geburtstag nur schwer erreichen, die Zeit der hochwertigen Papiere ist vorbei und von Büchern wird kaum noch einer erschlagen, da zu meinem Bedauern die Zeit der eisenbeschlagenen Folianten leider auch vorüber.
Zudem wird zuviel Bockmist gedruckt – andererseits steht dem die sogenannte Meinungs- und Pressefreiheit nunmal gegenüber
Andererseits: wenn morgen am Tag einer den Stecker zieht und es gäbe zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Handvoll gedruckter Medien, dann möchte ich gerne mal wissen, wie wir wieder an all das verlorene Wissen herankommen wollen. Nicht, dass ich diesen Tag herbeisehne, nur ich habe schon erlebt was ein simpler Stromausfall für ein Chaos in einer Bibliothek anrichtet, weil keiner mehr die konventionelle Ausleihe durchführte… ohne Compi geht’s halt nit.
Komisch, früher gings doch auch.
Die Aktualitätsfrage stellt sich meiner Ansicht nach nur bedingt – dies ist eher mit dem Zeitgeist einer Gesellschaft verknüpft, welche immer schneller und schneller funktionieren soll und zwar, nicht weil alle einzelnen das wollen, sondern weil alle denken, die Welt ist halt so und wer nicht die entsprechende Geschwindigkeit einlegt, der kann halt nicht am Leben teilnehmen. Oder z.B. an wissenschaftlicher Forschung. Wie haben wir früher eigentlich funktioniert, kann mir das mal einer sagen?
Ich bin kein Freund dieser Schnell-Schnell-Politik, da sich im Nachhinein, nach dem Empfang der Info auch keine Zeit nimmt, die erworbene Information auch ordentlichen mental zu verdauen – von daher sehe ich das Problem eigentlich weniger im Medium Zeitung oder Buch begriffen, sondern in einer Einstellung der Menschen.
Und Umweltzerstörung? Das Argument hinkt leider – ist das Betreiben von Serven nicht von Energie abhängig, welche wir aus Kohle- oder Atomkraftwerken gewinnen? Oder die Myriaden von digitalen Datenträgern, die irgendwann geschreddert werden, weil man die Info auf neue übertragen musste oder die Endlagerung von Computern in malerischen Schrotthalden in Afrika, in denen die Menschen rumstaksen und sich sonstwas für Krankheit holen davon, von den Schäden auf die Umwelt ganz zu schweigen?
Früher war nix besser, aber was früher gut war, wäre heute noch gut, wenn man es in Ruhe gelassen hätte wie beispielsweise die Verbilligung von Druckwerken in den 50ern, eine immer noch mental verdunkelte IIdee, durch den Zusatz von mehr Holzanteil, was zur überstarken Versauerung führt und die gedruckten Werke zu schnell zerfallen lässt.
Entsprechend sind die neuen Medien genauso wenig durchdacht, weil es nicht darum ging zu überlegen, wie sinnvoll oder zumindest praktikabel genug etwas ist, sondern ob und für was man etwas machen kann oder nicht. Beispielsweise Twittern – welche zerebral Verstorbene ist auf diesen Mist gekommen? Teeren und Federn, auf der Stelle… zumindest, da man sich das sinnfreie Gebrabbel darüber im Vorfeld hätte denken können.
Medien, gleich welcher Couleur sind nur Werkzeuge, sicherlich, aber man kann ja mal zumindest den Mut haben sich seines Verstandes zu bemächtigen und zu gebrauchen, ehe man irgendwas verzapft. Aber ich schweife ab…
Ich bin nicht gegen Online-Publikationen, nur denke ich, dass diese nicht den Markt beherrschen sollten, sondern die vorhandenen ergänzen können, stattdessen werden etablierte und durchaus bewährte Methoden bereits jetzt todgesagt, mantraartig schon, fast als wolle man Zeitung und Buch lieber in irgendeinem Keller verschimmeln sehen.
Sorry, kann ich nicht mithalten, von daher: digitale Werke schön und gut, ich publiziere ja selbst auch im privaten Bereich digital, aber diejenigen, die es lesen drucken sich das dann doch wieder aus… vielleicht aus gutem Grunde.
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Danke für die vielen Kommentare bis hierher. Natürlich haben Printmedien auch Vorteile, haben andere Medien auch Nachteile. Wie gesagt, soll der Text provozieren und so zu Diskussionen anstoßen, was, betrachte ich einige Kommentare, auch ganz gut gelungen ist. Leider fehlt mir die Zeit, auf alles einzeln einzugehen, (freue mich aber dennoch, wenn andere das weiter tun, oder neue Punkte aufbringen). ich will nur kurz zu 1-2 Dingen meine Meinung sagen (im Übrigen ist es nicht gesagt, dass ich meine obigen These zwangsläufig für korrekt halte oder ihnen zustimme).
@Meike: Zu dem Punkt 3 kann ich einfach eigene Erfahrungen nennen, wo ich kürzen musste und dadurch weitere Infos weglassen musste. Das stört mich immer schon, weil ich halt irgendwo vom Online verwöhnt bin. Klar, hält man es da so kurz wie nötig, aber das nötig bemisst sich am Inhalt, nicht am Platz.
zu #6: Klar, es lebe die zweitverwertung
zu #9+10, klar gibt Vor- und Nachteile. will ich ja nicht verneinen. Guter Journalismus bietet aber eigentlich immer Hintergründe- unabhängig vom Medium.
zu #8: Ich sag es so, ich kann hier sehr schlecht Lokalen Content aus meiner Heimat ergattern (auch weil das Internet im lokalem Bereich schläft).
@jack: Umweltverschmutzung werden auch durch Server verursacht, keine Frage. Der Vorteil ist hier, dass ich nur lese, was ich will. Bei einer FAZ schmeiße ich eine Menge Papier UNGENUTZT in die Tonne. Aber das ist keine reine Medium-Frage, sondern auch von der Nutzung und Vermarktung abhängig. Umweltschutz sollten alle verbessern.
Das mit den Gerüchen verstehe ich jedoch nicht ganz. Die Zeitung richt doch immer gleich. Wie soll ich da einzelne Erinnerungen verbinden. Und außerdem riecht es auch am PC…
Haptik und Olfaktorik sind im Zusammenhang mit Büchern und sonstigen gedruckten Erzeugnissen in Neudeutsch ausgedrückte Soft-Faktoren, welche einerseits Wohlbefinden erzeugen, andererseits das Erlebnis des Lesens entsprechend unterstützen und das Hirn anregen, im Gegensatz zum Verkümmern an einem “kalten” Bildschirm – selbst mein Monitor riecht bestenfalls nach warmen Staub (erinnert an die alten Radiogeräte, die noch magische Fächer hatten, sobald man diese einschaltete) und das auch nur, wenn ich meinen Riechkolben direkt an die Lüftungsschlitze halte.
Computer riechen nicht wirklich selbst, sie sind kalt und emotionslos, Wissen jedoch muss riechen, ein Buch hat eine eigene Note, sowohl in Papier als auch in Tinte und nicht jedes riecht genau gleich, dazu gesellen sich dann noch Umweltgerüche (was man von einem elektronischen Gerät nicht gerade sagen kann, denn mein Handy, dass ich als MP3-Player nutze ist völlig unpersönlich), hinzukommt halt noch, dass ein Buch sich auch noch anders anfühlt, jedes für sich, man blättert selbst und fühlt den Schnitt, während einem der Geruch in die Nase strömt – das muss nicht einmal ein offensichtlicher Geruch bspw. eines Neudrucks sein.
Das Gehirn verbindet automatisch Erinnerungen mit Gerüchen – ein PC oder andere moderne Geräte selbst haben keinen wirklichen Eigengeruch, die sind einfach steril, ihnen fehlt es an der Fähigkeit Informationen auch nachhaltig in die grauen Zellen zu stanzen.
Naja, und was die Frage angeht unbenutzte Zeitungelemente wegzuwerfen, ist dies, wie du richtig sagst eine Frage der Nutzung – es gab Zeiten, aus denen jene Zeitung noch stammt, da war die Morgenpost mitunter der einzige Träger irgendwelcher Infos – ergo las man alles, auch das Uninteressante, so wie wir heute völlig Uninteressantes und geistig Abgestorbenes im TV angucken – selbst wenn wir WISSEN wie hirnschreddernd das Ganze ist.
Ich habe nicht alle Kommentare gelesen. Also sorry, wenn ich hier Dinge schreibe, die schon geschrieben wurden.
Ich weiß, das ich keine Einladung für meine Beitrag, aber es musste dennoch einmal geschrieben werden…
WICHTIG !!!!
(Spätestens nach diesen GROSSBUCHSTABEN sind wieder alle Leser bei mir).
1. Eine Printzeitung ist schon nicht mehr aktuell, wenn sie die Druckpresse verlässt, geschweige denn am nächsten Tag beim Frühstück.
Ich habe Zeitung so gelernt, dass sie Neues, Wichtiges und Unterhaltsames enthält. Ist dieser Mix gewährleistet, dann scheißt der Leser auf die Aktualität. Ähnlich verhält es sich doch im Internet: Ist ein noch so alter Stoff für mich neu, wichtig und aktuell aufgearbeitet, dann lese ich ihn.
2. Printzeitungen sind unnötige Umweltzerstörung, weil für sie unzählige Bäume gefällt werden müssen, um das Papier herzustellen.
Womit laufen eigentlich Computer? Strom. Gibt es den einfach so. Ich fühle mich an die Diskussion erinnert, ob Glasflaschen oder Tetra-Packs die bessere Milchverpackung ist. Letztlich ist es ein (Lebens-)Gefühl, wofür ich mich entscheide. Ich trinke Bier lieber aus Flaschen (viel zu oft gereinigt) und lasse Dosen (so leicht und sauber sie sind) einfach im Regal liegen.
3. Printzeitungen liefern immer nur die halbe Wahrheit, da jeder Autor stets kürzen muss, um die Zeilenvorgaben einzuhalten.
Ich kenne mich im Sport aus. Natürlich ist die vorgegebene Zeilenanzahl ein natürlicher Gegner für einen guten Text. Aber sie entscheidet nicht über die Qualität. Schließlich steht einem Schreiber für eine Fußballspiel, das 0:0 endet der gleiche Raum zur Verfügung wie für ein Spiel, das 0:5 endet. Halte ich mich nur an die Fakten, um “die Wahrheit” zu schreiben, dann sind die Zeilen schnell voll. Will ich meinem Leser einen Text bieten, der neu, wichtig und unterhaltsam ist, dann habe ich unendlich viel Raum.
4. Dadurch, dass Printzeitungen häufig im Abo genutzt werden, verleiten sie im Gegensatz zu digitalen Medien stark dazu, sich aus nur eine Quelle (im entsprechenden Medium) zu informieren. Fast alle sehen unterschiedliche TV-Sender, kaum einer liest zwei Zeitungen.
Das ist falsch. Wussten hier alle schon, dass beispielsweise vor allem Print-Abo-Leser auch E-Paper-Abonennten sind. Das kling komisch. Aber es zeigt, dass Zeitungsleser von Natur aus lese-affin sind und von daher – gerade in Zeiten des Internets – die möglichen Zusatzinfoquellen wie Zeitungen, Zeitschriften, Online, TV, Radio etc. nutzen werden.
5. Papier ist der am schnellsten zerfallende Datenträger unter allen für Medien genutzten Datenträgern.
Das wurde bereits in den vorherigen Kommentaren widerlegt. Außerdem ist das Papier die Quelle, die nicht mehr geändert werden kann. Von daher wird sie im Gegensatz zu Online, in dem immer Änderungen und Korrekturen möglich sind, viel sorgfältiger genutzt-
6. Allein ein Zeitungsabo überfordert viele Papiermülltonen
Nö.
7. Printzeitungen sorgen durch mangelnde Suchfunktion dafür, dass man kaum etwas schnell wieder findet
Wer etwas in einer Zeitung gelesen hat, wird sich sehr oft und sehr häufig daran erinnern, wo es stand. Vielleicht auch nur, weil er nur eine oder zwei Zeitungen liest. Außerdem haben Zeitungen die Möglichkeit durch Layout eine Leser-/Erinnerungsführung zu gestalten. Passiert nicht immer, aber häufig unbemerkt. Wer es noch nicht bemerkt hat, ich bin ein Zeitungsfreund, aber keine Online-Verachter.
8. Printzeitungen haben den Anspruch, die Welt zu erklären, sind aber in der Regel jeweils selbst nur in einem regionalem Gebiet erhältlich
Gerade der regionale Bezug ist die große Stärke – das hat, glaube ich, auch schon einer meiner Vorschreiber angemerkt…
9. Mit Ausnahme einiger im Tabloid-Format erscheinender Zeitungen verlangen Printzeitungen in der Regel einen guten Gymnastikkurs, da der Leser andernfalls in der Öffentlichkeit nur schwer umblättern kann, ohne jemanden zu schlagen.
Desto größer das Format, umso seröser der Leser. Ausnahme die Bild-Zeitung, aber das soll sich ja auch ändern.
10. Printzeitungen können sich immer nur mit mindestens einen Tag Verspätung auf ihre Kollegen beziehen
Ganz falsch. Kollegen tauschen sich schon früher aus – manchmal zum Nachteil. Stichwort: Kampagne-Journalismus.
Von daher,
schlappe Thesen. Kurze Diskussion.
Gruß
Schön, dass diese zehn Thesen von einem angehenden Onliner kommen
– allerdings gehen sie alle am Kern der Sache vorbei, einzig das in ihnen postulierte Resultat – die zukünftige Bedeutungslosigkeit einiger Fomren der gedruckten Presse – ist richtig.
Von der “gedruckten Zeitung” zu sprechen ist leider reichlich undifferenziert und verallgemeinernd. Viel interessanter ist die Tatsache, dass sich mittlerweile jedes klassische Massenmedium (wenn es seine Definition in dieser Form überhaupt noch erfüllt) den Primat des “Online-Broadcasting” (Online first) anerkennt, die Vorteile sind hinlänglich beschrieben, und dazu übergeht, alle anderen Kanäle davon abzuleiten(natürlich auch aus Kostengründen). Das eine klassische Tageszeitung dann unter diesem Gesichtspunkt bald zu einem “Internet-Ausdrucker” verkommt und obsolet wird, wird über kurz oder lang auch in Deutschland zu beobachten sein. Thematische Dossiers in gedruckter Form haben durchaus ihre Berechtigung und werden, laut Rieplschem Gesetz, auch nicht gänzlich verschwinden.
Tja herr grieß ich würd sagen ziemlich negative rückmeldungen bis hierher
Ach was. Allein die vielen Rückmeldungen freuen mich schon. Und meine Thesen sind ja auch bewusst provokant und gehen natürlich nicht in die Tief. Glaube sie regen dennoch viele zum Nachdenken an, des freut. Und kontrovers ist meist gut…
Darum gehts doch auch im Web2.0 – wenngleich O’Reilly selbst Zweifel an der dessen “Kraft” hat, prinzipiell aber ist die Idee bspw. über einen Blog Gedanken auszutauschen, also in der Hoffnung die kollektive Intelligenz zu nutzen… was immer das auch tatsächlich heißen mag. ^^
Ich darf mal ergänzen, weil 10-Thesen Statement sowas von aus der Mode sind…
11.
Gedruckte Regionale Zeitungen brauchen lokalen Content. Aber der Kostendruck veranlasst Redakteure, die Berichterstattung den Vereinspressewarten und PR-Abteilungen der Kommunen in den Schoss zu legen: Schreibt eure Artikel für uns bitte selbst.
Wenn diese Entwicklung bei den Content-Lieferanten (Vereinen, Kleinkunstbühnen, Kinos und Event-Gastronomie) für Mikro-Interessengruppen erst mal kultiviert wurde, dann stehen den lokalen Online-Zeitungen alle Türen offen: Warum sollten die Content-Lieferanten nur der gedruckten Zeitung ihre Inhalte für nur deren Veranstaltungskalender bereitstellen, wenn die Zeitung beim ihrem Online-Auftritt einen Zaun drum hochzieht? #Fail
Die große Stunde des vernetzten Kalenders (siehe Google Kalender) naht.
12.
Gedruckte Regionale Zeitungen brauchen Anzeigen. Der Kostendruck zwingt Redakteure verstärkt, neue Artikel inhaltlich mit der Anzeigenakquise abzustimmen. Wie bei den Stopfzeitungen auch werden bei den gedruckten Zeitungen von Firmen bezahlte redaktionelle Inhalte in immer mehr Sonderbeilagen (Fest, Jubiläum, Einweihung, Gewerbeschau) eingestellt, und zur drittwichtigsten Einnahmequelle.
So jetzt ist es ein Dutzend Thesen.
Bei 1-3 musste ich noch lachen, #6 und #10 sind teils Wiederholungen (Umwelt/Müll, veraltet/verspätet). Daher: Ich hätte diesen Artikel nicht “provokant” sondern “Parodie” genannt… denn kreativ und unterhaltsam ist er allemal.
“@jack: Umweltverschmutzung werden auch durch Server verursacht, keine Frage. Der Vorteil ist hier, dass ich nur lese, was ich will. Bei einer FAZ schmeiße ich eine Menge Papier UNGENUTZT in die Tonne.”
Der Nachteil beim Online ist, dass viele schreiben und veröffentlichen, niemand aber es liest – es also genauso umsonst ist. Aber halt: Die Spam-Bots lesen es eben doch und verbrauchen damit Unmengen an Strom, rechnet man es mal hoch. Strom für etwas, was keiner liest, keinen interessiert und schon 1.000 Mal auf anderen Seiten 1:1 im Netz steht. Vollkommene Verschwendung, Minus für Online. Sorry, aber das musste ich als Online-Fan fairerweise mal zugeben.
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