Ein kurzer Gedankengang zu Apple

Neulich stieß ich auf den „1984-Werbespot“ von Apple. Der Superbowl-Werbespot, der Macintosh ankündigte, verspricht Individualität, Freiheit und Co. Und ich frage mich, wie die Firma bei diesem Werbespot angesichts der aktuellen Firmenpolitik überhaupt in den Spiegel schauen kann!

Apple-User sehen sich gerne als Rebellen. Aber wie auch in der Politik gilt: Was für die einen Freiheitskämpfer, sind für die anderen Terroristen. Eine Woche Uni zeigt das mühelos: Meist sind es diejenigen, die am stolzesten auf ihre Macbooks sind, die sich im Anschluss beschweren, dass sie den Beamer oder Drucker oder oder oder nicht an ihr Gerät anschließen können. In diesen Fällen wird man den Eindruck nicht los, bei Apple gibt es nur ein Motiv „Hauptsache anders!“

Dies führt nicht nur dazu, dass unnötiger Weise Adapter und Co. produziert werden müssen, die man bei einheitlichen Anschlüssen nicht benötigen würde. Nein, auch Programmierer werden bei vielen Spielen und Programmen dazu verdonnert, gleich auch alles für die Hand voll MacUser zu programmieren, damit alles Wesentliche auch auf der Apple-Betriebssoftware läuft. Die kann aber eigentlich gar nicht so gut sein. Natürlich finden die entsprechenden Apple-Freaks sie besser (es gibt auch Schalke-Fans), aber wenn die Software so gut ist, dann frage ich mich: Warum wird sie nicht allgemein angeboten und steht als Konkurrenz zu Windows für jeden Rechner zur Verfügung? Vermutlich, weil Apple diesen direkten Vergleich nicht für sich entscheiden würde, was Bände spricht.

Dadurch kreiert Apple in der Computer- und Internetwelt seinen eigenen kleinen „Staat im Staat“, was mich zurück auf den Werbespot und die Frage nach dem in den Spiegel blicken führt. Denn kein iPod ohne iTunes und noch krasser: Der App-Store für iPhone, iPod und bald auch iPad (an dieser Stelle sei aus dem Kontext gerissen die Frage erlaubt, wann sich die Firma iApple nennt und ob der Film I, Robot nur Apple-PR war). Hier bezahlen die User für kleine Programme und Add-Ons. Soweit noch ihr Problem, interessant jedoch das Geschäftsmodel: Programmiere ich eine App, muss ich sie im App-Store von Apple anbieten und die Software-Obsthändler daran mit verdienen lassen, die zudem noch kontrollieren können, was überhaupt angeboten wird (an dieser Stelle noch mal an den Werbespot oben denken!).

Jetzt mag der Einwand kommen: Kaufe ich Adidas Schuhe, verdient der Schuhhändler auch mit. „Teilweise richtig!“, möchte ich darauf antworten, denn man kann die Schuhe ja auch direkt bei Adidas kaufen. Und zudem produziert der Schuhverkäufer zumindest den Großteil der Füße, die die Schuhe tragen, nicht selbst!

Im Grunde alles legitim, aber dieser ganze Hype um Apple ist einfach nur übertrieben. Sicher produziert die Firma ansprechende Produkte, aber in erster Linie ist es ein Unternehmen, das Gewinn machen will und nicht der einsame Streiter gegen eine gleichgeschaltete Computerwelt. Vor allem: Wer ist denn bitte mit einen iPhone noch individuell? Also bitte lasst dieses „Firmen-Fan-Sein“ bleiben. Das ist ja eigentlich bei kommerziell ausgerichteten Sportarten schon stellenweise kritisch, bei rein profitorientierten Unternehmen jedoch vollkommen verrückt. Und hört vor allem auf zu meckern, wenn eure Sachen nicht kompatibel sind- es zwingt euch ja keiner sie zu kaufen (ich bin bis auf Quicktime applefrei)!

Aber wir haben ja alle in der Schule gelernt „A apple a day, keeps the doctor away!“, und so können viele wohl einfach nicht anders und müssen der Welt jeden Tag zeigen, dass sie irgendeinen teuren angebissenen Apfel mit sich rumschleppen… i,i,i, (eieiei…)

Foto: Screenshot eines Tweets von Sascha Lobo.
Dem ist nämlich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen

4 Gedanken zu “Ein kurzer Gedankengang zu Apple

  1. Ich stand Apple zwar nie kritisch gegenüber, aber habe auch heute noch kein iPhone oder iPod. 1984 habe ich mich in Japan mit DOS Rechner und Lotus 123 amüsiert, aber auch einen Macintosh der ersten Generation, mit Lotus Jazz, bekommen. Schon damals war es, ich sage Mal: “befreiend”. Die naechsten Jahrzehnte gewann Microsoft, es hielt Apple klein und machte Lotus kaputt, auch da Apple keine Alternative für konservative Großfirmen war, und auch heute noch nicht ist. 2004 kam ein PowerBook G4 ins Haus, und erneut brach kreative Freude aus, es war schoen und angenehm mit dem Werkzeug zu arbeiten. Heute kann ich mir den iMac nicht mehr wegdenken, und warte gespannt auf den iPad. Ja, da werde ich ein early adopter sein.
    Dies wirst du sicherlich nicht verstehen können, denn du scheinst ja mit aller Kraft darauf verzichten zu wollen, die Finger um jeden preis von der “Droge” zu lassen.
    Nun, schön polemisch schreiben kannst du ja mit Windows :)

  2. Ausnahmsweise leider sehr einseitig und oberflächlich geschrieben.

    Die Laptops sind nicht wirklich teurer als vergleichbare Windowsteile, wertstabiler und “runder” ausgestattet – hohe Leistung heißt bei anderen Herstellern meist wenig Akku. Dazu kommt, dass die Macbooks einfach durchdachter sind. Das kann man schon an dem MagSafe-Anschlüssen festmachen. In engen Seminarräumen ist mir jemand schon öfter über’s Netzteil gestolpert, aber der Anschluss löst sich einfach und das Macbook bleibt stehen. Das fasziniert mich so am Apple-Design: einfach mal den Schritt weiterdenken.

    Apple argumentiert, dass man das Betriebssystem nich für alle Hersteller anbieten will, weil es eben explizit auf die Applekomponenten optimiert ist und das Beste rausholt. Akzeptiere ich auch mal, denn ich hab bisher nie Probleme gehabt und bin hochzufrieden.

    Kritik um den Apple-Hype kann ich verstehen, ich bin auch kein Fanatiker. Man darf nur nicht vergessen, dass die Produkte wirklich Vorteile haben. Auch wenn Apple/Google Bashing momentan trendy ist. Ich kenne z.B. keinen MP3-Player, der sich so einfach bedienen lässt wie der iPod.

  3. Mich stört ja in erster Linie auch die Firmenpolitik.
    Im übrigen finde ich, dass man gerade beim Ipod widersprechen muss:
    Ich halten den ipod für den überschätztesten mp3-player. Mich stört zB dass kein drag and drop möglich ist beim bestücken…
    Und Preislich hörts dann auf. Ich hab seit einiger Zeit einen 4GB-Player von Phillips. Super Akku, klein, leicht zu bedienen. Für das gleiche als iPod hätte ich sicher deutlich mehr als 20€ ausgegeben…

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