In diesem Teil geht es nach Grünen, SPD, CDU und FDP erstmals um die Kampagne einer Partei, die zumindest aktuell nicht im Landtag vertreten ist: Die Linke. Bei den meisten der bisher vorgestellten Plakate wäre es zumindest theoretisch denkbar, sie mit nur leichten Änderungen auch bei anderen Wahlen zu verwenden. Bei denen der Linke schaut es da anders aus: Mit einige davon hat die Linke nämlich tatsächlich bereits bei zurückliegenden Wahlen geworben!
Dazu zählen die, man möchte fast sagen „Klassiker“, mit den Forderungen „Raus aus Afghanistan!“ und „Hartz 4 abwählen!“. Einige Details sind vielleicht anders, im Wahlkampf in Hessen (Januar 2009) hieß es beispielsweise „Hartz 4 muss weg!“, im Grunde sind die Unterscheide aber marginal.
Die Themenplakate haben eine ebenfalls aus vergangenen Wahlen bekannte „Die Linke-Aufmachung“. Sie bestehen aus weißem und roten (bei der Europawahl ausnahmsweise blau) Hintergrund und einer meist mit Ausrufezeichen versehenen Forderung. Darunter steht eine nähere Erläuterung der Forderung. Das ist gut gedacht, aber schlecht verwirklicht: Denn um den kleingeschriebenen Text zu lesen, muss man an der Straße stehen bleiben und sich bewusst dafür Zeit nehmen. Dies wird kaum jemand tun.
Weitere Plakatsprüche sind „E.ON, RWE entmachten!“, „Bildung gebührenfrei!“ und „Arbeit sichern, neue schaffen!“. Jede dieser Forderungen ist mit einem Ausrufezeichen versehen. Dadurch fühlt man sich von den Plakaten angeschrien. Ein solcher „Schreiwahlkampf“ wirkt unseriös und von vorne herein oppositionell. Mit den Themen Hartz 4 und Afghanistan wirb die Linke zudem einmal mehr auf Landesebene mit bundespolitischen Themen. Die Forderung der NRW-Linken nach einer Verstaatlichung der Energieversorgung wurde schon mehrfach als übertrieben oder gar irrsinnig kommentiert. Kritische Stimmen kamen sogar aus der eigenen Partei.
Ein leicht anderes Layout hat das Plakat „Gleiche Rechte für alle“. Darauf steht besagter Spruch in mehreren Sprachen. Bemerkenswert finde ich, dass definitiv kein Englisch oder etwa Niederländisch auf dem Plakat sind. Auf meine getwitterte Frage, welche Sprachen es seien antwortete Daniel vom JUICEDblog es dürften Türkisch, Russisch, Kurdisch, Französisch und Arabisch sein. Er betonte jedoch, diese Angabe sei ohne Gewähr. Wenn jemand es genau weiß, bitte kommentieren!
Die mit dem Plakat verbundenen Forderungen (z.B. Wahlrecht für alle) erfährt man nur wenn man sich die Erklärungen zu den Plakaten durchliest. Eigentlich finde ich es gut, noch einmal vertiefende Informationen zu den eigenen Plakaten zu geben. Auch die SPD macht dies in ihrem Blog, wie ich finde übrigens ansprechender als die Linke. Allerdings bezweifle ich, dass viele diese erweiterten Informationen sehen. Der Weg von Plakat zu den Erläuterungen ist dafür zu weit. Vielleicht sollte man dafür eine Extra-Domain einrichten, die auch auf den Plakaten beworben wird.
Zum Abschluss noch ein Blick auf das Großflächenplakat der Linken. Darauf ist nicht wie man erwarten würde die Spitzenkandidatin abgebildet. Genau genommen ist sie das auf bisher keinem Plakat. Zu lesen ist auf dem Großflächenplakat auf rotem Grund der Spruch „Freche Frauen wählen die Linke!“. Dazu erneut „weiterführende Informationen“. Es geht um Gleichberechtigung.
Vielleicht bin ich zu „Mann“ oder zu wenig frech, aber dass dieses Plakat eine Frau überzeugt, ihr Kreuz bei der Linken zu machen, kann ich mir nicht vorstellen. Gleichberechtigung ist zwar ein wichtiges Thema, der Kernspruch ist in meinen Augen aber furchtbar. Ein seriöser Spruch zur Forderung wäre besser gewesen.
Trotzdem: Über dieses Plakat wird man reden und das ist sicher Ziel der Aktion. Wie alle Parteien will die Linke sich mit ihrer Kampagne ins Gespräch bringen. Ob die Gespräche allerding so gut für sie verlaufen, möchte ich bezweifeln. Denn die optisch sehr schlichten Plakate mit schrillen Forderungen sprechen wohl nur die Wähler an, die sowieso schon aus Protest vor haben, die Linke zu wählen. Unentschlossene dürften eher abgeschreckt werden.
Bild-Quelle: Homepage der Linken NRW (dort sind alle Bilder in groß zu finden)
ist lustig, was du allgemein und über wahlplakate der partei die linke schreibst. bei denen kritisierst du, was du bei anderen parteien z.b. gut findest. also, die ausrufezeichen, populistische slogans usw. wer das macht, verrät eindeutig seine präferenz und gesinnung
unter diesem aspekt outest du dich zweifellos als cdu oder fdp wähler. kannst also sofort bei springer, burda, bertelsmann usw. als journalist beginnen.
@Mike: Eigentlich bin ich in alle Plakate bemüht neutral rein gegangen. Zu deinem Vorwurf: Wo finde ich den Ausrufezeichen oder populistische Aussagen bei anderen gut? Bei den meisten anderen Parteien habe ich kritisiert, dass sie nicht konkret sind. Das habe ich hier nicht, dafür gibt es hier andere Dinge zu kritisieren (s.o.). Das perfekte Wahlplakat gibt es sicherlich nicht einmal. Und der Lesbarkeit halber, habe ich auch nicht immer alles aufgeschrieben, sondern das, was mir am stärksten aufgefallen ist.
Meine politische Präferenz hast du übrigens auch falsch rausgelesen. Weiß aber nicht wie du drauf kommst, die CDU-Plakate z.b. habe ich recht stark kritisiert
Pingback: Links anne Ruhr/Links zur Wahl (05.04.2010) » Pottblog
Irgendwie erinnern die Plakate leider nicht nur von der Farbgebung her an die Bildzeitung… die Slogans sind ähnlich provokant und brechen bei genauer Betrachtung (zumindest zum Teil) schnell ein…
Positiv finde ich ganz klar, dass man den Unsinn mit dem Personenkult lässt…
Aber macht man das, weil die in Frage kommenden Personen nicht bekannt genug sind, oder weil man lieber mit “Inhalten” werben will?
Danke für den Trackback – gerade eben erst gesehen, weil der doch tatsächlich als Spam markiert war. Tztztz.
Na bisher scheine ich mit den Sprachen gar nicht so falsch gelegen zu haben, yeah.
@Andreas:
“Meine politische Präferenz hast du übrigens auch falsch rausgelesen.”
Natürlich hat mike deine Präferenz falsch herausgelesen. Dafür muss man die Serie auch von Teil 1 bis 6 gelesen haben. Du hast die Kampagnen von CDU und FDP massiv kritisiert. Meiner Ansicht nach auch zu Recht. Insbesondere die Kampagne der CDU ist einfach nur schlecht gemacht. Platte Sprüche, ein arroganter Ministerpräsident und unauffällige Farben. Jemand, der die Plakate überhaupt ließt, weiß hinterher über die Forderungen der CDU soviel wie vorher.
Ich finde die Linken haben zusammen mit den Grünen die besten Plakate. Ich fühle mich überhaupt nicht von den Plakaten angeschrien. Ausrufezeichen gehören nunmal zum Imperativ dazu. Ausserdem finde ich es auch nicht schlimm, dass man stehen bleiben muss. Man hat also durchaus eine sinnvolle, plakative Nachricht im oberen Bereich, und eine detailiertere im unteren Bereich wenn man Interesse hat. Das finde ich sehr gut, weil ansonsten fast alle anderen eben NUR die Slogans haben und Manipulative Fotos von lächelnden Bewerbern.
Finde deinen Blog hier leider auch zu platt und undifferenziert. Einzelne Aussagen sind zu stark formuliert, als wäre dahinter ein Ausrufezeichen
Die Rot-Weiße aufmachung, die in der Tat an Boulevard Presse erinnert kann man allerdings zwigespalten sehen. Die einen mögen lieber angenehme Plakate, die anderen freuen sich über knalliges. Ich freu mich eigentlich immer über Linke Plakate, weil man da druchaus auch etwas erfährt und man nicht nur auf optische Manipulation setzt. Das sit mir am wichtigsten.