Im vorherigen Beitrag der Serie habe ich den ersten Wahlwerbespot vorgestellt. Der war von der SPD und hat mich sehr positiv überrascht. In diesem Beitrag geht es um zwei der CDU und einen der FDP.
Fast im gleichen Maß, wie mich der SPD-Spot positiv überrascht, ärgert mich folgender Spot der CDU. Er ist zwar optisch und technisch auf hohem Niveau, vom Inhalt kann man dies aber nicht sagen. Das „wir-in-nrw-Blog“ bezeichnet den Clip als „eine Minute und siebenundvierzig Sekunden Angstschweiß“ und kritisiert meines Erachtens nach zurecht, dass der CDU-Wahlkampf bislang nur aus Angstmacherei vor rot-rot besteht, nicht aber aus eigenen Inhalten. Normal sollte eine Regierung doch zumindest selbst meinen, eine gewisse Erfolgsbilanz würde für sie sprechen.
Hier zunächst das Video:
Auf mich wirkt das Video künstlich in die Länge gezogen. Erst nach sageundschreibe 45 Sekunden passiert überhaupt irgendetwas. So lange würde ich normal nie vor einem Werbespot sitzen bleiben. Was danach kommt ist direkt aus zwei Gründen zu kritisieren:
Zum einen wird es mit nahezu vollkommener Sicherheit nicht einmal eine rechnerische rot-rote Mehrheit geben. Wenn dann nur mit den Grünen, die die CDU aber wohl aus taktischen Gründen im Wahlkampf nicht kritisiert. Zum anderen hat Hannelore Kraft eine Koalition mit der Linken jüngst ausgeschlossen. Natürlich kann man dem eine gewisse Frau Ypsilanti entgegenhalten, dennoch ist die Kampagne in meinen Augen „platt“.
Ein Einzug der Linken ins Parlament wäre nach aktuellen Umfragen vor allem für die CDU vom Vorteil, würde das doch eine Rot-Grüne Mehrheit verhindern. Vermutlich weht eher daher der Wind für diese Form des Wahlkampf.
Ein kleines Detail am Rande noch: Auffällig, dass die Zeitungen im Werbespot klare optische Parallelen zur BILD bzw. zur Rheinischen Post aufweisen. Zwei Zeitungen, die bekanntlich eher unionsnah berichten.
Der zweite Spot ist deutlich kürzer:
Auch hier wird wieder das Rot-Rot-Gespenst aufgetischt. Zwar habe ich aufgrund meines Alters nicht viel von den Rau-Regierungsjahren mitbekommen, trotzdem finde ich den Versuch, Rüttgers als neuen Rau dazustellen, sehr dreist. Könnte man den ehemaligen Bundespräsidenten dazu noch befragen, würde sich die CDU diese Form der Werbung sicher nicht trauen. Denn dann würde Rau wohl einige Gründe aufzählen können, warum Rüttgers eben nicht wie er ist. Der von Rüttgers mit unterzeichnete schwarz-gelbe Regierungsvertrag im Bund wäre sicher mit dabei.
Nach der Betrachtung der Wahlwerbespots kann ich mich als Fazit nur dem „wir-in-nrw-Blog“ anschließen: „Haben die Christdemokraten keine eigenen Inhalte zu bieten? Wo ist die Erfolgsbilanz nach fünf Jahren Erneuerung NRW?“
Inhaltlich deutlich besser finde ich den nachfolgenden FDP-Spot. Hier kommen zunächst – vermeintlich unbefangene – Bürger zu Wort, mit „ihren“ (in Wahrheit wird es wohl abgesprochen sein) Wahlgründen für die FDP. In der zweiten Hälfte des Wahlspots taucht der Spitzenkandidat Andreas Pinkwart auf, und wendet sich direkt an mögliche Wähler. Eine solche direkte Ansprache macht auch SPD-Frau Kraft in ihrem Spot, Rüttgers lässt sie aus.
Die Ansprache von Pinkwart wirkte auf mich in den ersten Sekunden wie eine Predigt. Dann habe ich mich aber recht schnell an seine Art zu reden gewöhnt und konnte ihr durchaus einen sympathischen Touch abgewinnen. Inhaltlich ist der Beginn austauschbar, der Schlusspart aber besser gelungen. Die Gegenüberstellungen des „für“ und „gegen“ ist einprägsam.
Warum es für „Veränderung“ in NRW jedoch eine Partei benötigt, die bereits in der Regierung ist (das meint, die letzte „Bürgerin“), bleibt mir ein Rätsel. Genauso wie die Frage, warum die FDP ihr Video so mäßig produziert hat. Vor allem im ersten Teil sind unzählige Wackler der Kamera zu sehen, ohne dass dies einem erkennbar gewollten Effekt dient. Für solche Qualität hätte ich im Videokurs in der Uni sicher Abzüge bekommen- und ich bin bestimmt kein Video-Profi.
War das jetzt ein Versprecher was Siegmar Gabriel im Wahlkampf von NRW sagte: “Dann hat Rot-Rot-Grün eine eigene Mehrheit.” (Quelle: spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,689868,00.html) Oder lässt die Ypsilanti grüssen. Ich hoffe das wird vor der Wahl noch geklärt, denn eine zweite Lügerei wäre meines Erachtens das Ende der SPD. Die sollen vor der Wahl klar sagen, was sie nach der Wahl machen.
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