Nachdem ich zuletzt die Spots von CDU und FDP sehr kritisch kommentiert habe, möchte ich in diesen Beitrag auf die Wahlwerbe-Clips der Grünen Bezug nehmen. Ich bemühe mich, ebenso kritisch zu sein, aber hey, das hängt auch immer von meiner Tagesform ab
Doch die unprofessionelle Präsentation der sonst unterhaltsamen Clips lädt tatsächlich zur Kritik ein.
Fangen wir positiv an: Die Spots sind zweifellos humorvoll. Und: Sie sind kurz, gerade einmal 30 Sekunden lang. Das begründen die Grünen selbst wie folgt:
90 Sekunden lang wird der Zuschauer gelangweilt, für spritzige Werbespots ist das Format einfach zu lang, für handfeste Inhalte zu kurz. Deshalb gehen wir ganz neue Wege: Wir haben kurzweilige 30 Sekünder produziert, die im TV dann einfach hintereinander laufen.
Dieses Konzept bietet vor allem für das Internet Potential, was die Grünen auch versuchen zu nutzen: Die Spots werden auf der Homepage der Grünen NRW präsentiert. Dort kann man sich in den kurzweiligen 30 Sekunden für ein Thema begeistern lassen. Das Schema ist immer gleich: Überspitzt wird karikiert, was die Grünen kritisieren. Ein Link unter dem Video führt dann zu einer näheren Erläuterung der grünen Position.
Doch diese eigentlich gute Idee wird schlecht umgesetzt: Das Schema wird bei den Themen Schulpolitik und Klimaschutz eingehalten, die Links beim Thema Datenschutz und Unipolitik führen aber zu ganz anderen Themen. Von der Uni geht es erneut zum Klimaschutz und von der Thematik Datenschutz führt der Link „Wir wollen den Überwachungsstaat verhindern und den Datenschutz eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin stärken“ zum Thema Gleichberechtigung. (Stand 20.04. 13 Uhr, gut möglich dass der Fehler korrigiert wird). Wenn das gewollt ist, kann ich es nicht nachvollziehen. Ist es ungewollt, ist es unprofessionell. Dabei sind die Grünen bisher doch mit am besten im Internet aufgestellt.
Soweit zum Internet. Im Fernsehen, wofür die Spots ja eigentlich gemacht sind, wird es logischer Weise gar keine Links geben. Die Spots müssen also für sich stehen. Und genau da wird es schwer. Wie gesagt teasern die Spots jeweils ein Thema an, die grüne Position wird nur mit einem Schlagwort oder einer Frage am Ende ins Spiel gebracht. Vom reinen TV-Wert her liefern die Grünen somit sehr wenig Inhalt, anders als SPD oder FDP. Hier stehen sie eher auf einem Niveau mit der CDU, die ebenfalls fast ausschließlich kritisiert.
Technisch sind die Videos auf einem sehr hohen Niveau und definitiv witzig. Hier einmal mein Lieblingsspot „Sponsoring“:
Die anderen drei Videos inklusive der (derzeit teils falschen) Links kann man hier auf der Seite der NRW-Grünen ansehen. Ich denke, dass die Videos aufgrund ihres Unterhaltungswertes die Partei durchaus sympathisch erscheinen lassen. Gut möglich, dass man bei ihnen tatsächlich bewusst nicht wegschaltet. Ich persönlich sehe das alles jedoch eher von einer künstlerischen Warte aus. Politische Gründe liefern die Spots nicht und die große Chance, das Potential zumindest im Internet zu nutzen, wurde zumindest fürs erste klar vertan. Aber es sind bekanntlich ja nicht nur rein politische Inhalte, die die Wahlentscheidung beeinflussen.
PS: Eigentlich wollte ich auch (einen) Spot der Linken kommentieren. Im Internet habe ich aber bisher keinen gefunden. Das fügt sich gut an die Kritik aus der ZDF login Sendung „Erst fragen, dann wählen“ an, in der die Spitzenkandidatin der Linken damit konfrontiert wurde, kaum im Internet präsent zu sein. Ihre Reaktion darauf: Dies sei nicht so wichtig. Ahja…
Hallo Andreas, ich habe einmal die Bielefelder Plakatschlacht unter die Lupe genommen:
http://nixzen.wordpress.com/2010/04/21/nrw-wahlkampf-in-bielefeld/
Die Grünen, kommen wie in deinem Video noch am kreativsten davon.
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