Nach den TV-Duell Rüttgers-Kraft: Ja wer hat denn nun gewonnen?

Was wissen wir nach dem Duell, was wir vorher nicht schon wussten? Schulden durch Studiengebühren sind keine Schulden, Dortmund-Vörde wurde unter Rüttgers gegründet und Koalitionen… ach die gibt es?

Etwas wirr? Ok, dann der Reihe nach:

Das TV-Duell war auf jeden Fall zu kurz und die ganze „Zeitkonten-Sache“ war wie immer überflüssig wie sonst nichts. Die Moderatoren machten ihren Job aber gut. Sie hielten sich in Dialogphasen heraus, harkten aber auch nach, wenn es Sinn machte. Das „Studio“ legte den Akzent auf die Teilnehmer und wirkte nicht so „Show-Haft“ wie beim Kanzlerduell.

Und inhaltlich? Da hatten beide so ihre Schwächen. Rüttgers versuchte sich als soziales Gewissen darzustellen. Vieles, was er sagte, klang mehr nach SPD als nach CDU. Wenn man jedoch bedenkt, dass er am schwarz-gelben Koalitionsvertrag im Bund maßgeblich mitgewirkt hat, klafft eigentlich eine Lücke zwischen Schein und Sein. Aber: Kraft gelang es nicht, dies herauszustellen.

Allgemein lieferte Rüttgers mehre Angriffsflächen, die Kraft meist ungenutzt ließ:

  • Bei der Rente mit 67 sagt er in einem Satz, dass die Regel noch nicht voll umgesetzt sei, sich jedoch bereits bewährt habe
  • Er besuchte, ganz landeskundig, den Stadtteil Dortmund-Vörde. Den gibt es aber gar nicht. Vermutlich meinte er Dortmund-Hörde. Oder doch Voerde, ohne Dortmund?
  • Mehrfach wirkt Rüttgers wie die Opposition, sagt was Kraft tun müsste
  • Rüttgers beklagt, dass der Wahlkampf nicht um Inhalte gehe, sondern um Koalitionsfragen. Hier hätte Kraft deutlich auf die CDU-Kampagne, insbesondere die Wahlspots hinweisen müssen
  • Rüttgers sagt, dass es keinen Sinn mache, Schulden von heute auf morgen zu schieben, spricht kurz davor aber noch von nachgelagerten Studiengebühren

Weil Kraft diese „Einladungen“ jedoch nicht nutzt, um zu attackieren und weil sie sich selbst bei ihrem Schulkonzept und der Frage zur Linken verhaspelt, geht das Duell meiner Meinung nach „nur“ unentschieden aus.

In der Koalitions-Frage hätte Kraft deutlichere Worte verlieren müssen. Wenn sie eine Koalition mit der Linken nicht ausschließt, dann kann sie das auch sagen. Dass sie die nicht will, glaubt man ihr auch so, zumal wenn sie es noch einmal betont. Durch ihr „Rumgeeier“ glaubt nun eh jeder, dass sie eine Koalition nicht ausschließt. Ich denke, mit einem „wenn es sein muss, aber ich will es nicht“, hätte sie nicht mehr Stimmen verloren als so. In diese Wunde hat Rüttgers natürlich ordentlich Salz gestreut. Aber Krafts Kontra, dass auch er nicht sage, wie er es mit den Grünen halte, der saß.

Also keine klaren Worte in der Koalitionsfrage, genauso wie beide nicht sagen, wo sie sparen wollen. Besonders Rüttgers wollte partout nicht raus mit der Sprache, wo er die 12.000 Stellen einsparen möchte.

Nebenher verfolgte ich noch zwei Liveblogs und Twitter. Bei letzteren nervten mich unzählige „platte“ Kommentare, die keinen Bezug zum Duell hatten, sondern sich anhörten wie Plakatsprüche. Vor allem FDP- und JU-Leute stachen negativ hervor. Ähnlich platte Kommentare fand ich nach dem Duell unter Artikeln zum Duell.

Fazit: Im Netz gibt es natürlich die verschiedensten Meinungen zum Duell (Beispiel, Beispiel, Beispiel). Ich sehe es so: Kraft hat es verpasst das Duell klar für sich zu entscheiden. Beide hatten ihre Schwächen. Ich bezweifle, dass es große Auswirkungen auf die Wahl haben wird. Vielleicht wird der Mittwoch (Spitzenrunde) noch einmal Schwung in das Rennen bringen. Und dann werde ich Twitter definitiv auslassen.

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Ein Gedanke zu “Nach den TV-Duell Rüttgers-Kraft: Ja wer hat denn nun gewonnen?

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