Der Freitag und die taz haben als bekannte, konventionelle Medienprodukte den Social-Payment-Dienst Flattr eingebunden. Bei der taz kamen so im vergangenem Monat immerhin fast 1000 € zusammen. Ob sich ein solcher Gewinn dauerhaft einstellt, ist nicht vorherzusehen. Dennoch führt er zwangsläufig zur Frage: Binden bald weitere bekannte Nachrichtenseiten Flattr ein?
Um das zu erfahren, habe ich letzte Woche Montag einige der führenden deutschsprachigen Online-Nachrichtenangebote angeschrieben und nachgefragt, wie ihre Pläne im Bezug auf Flattr ausschauen.
Gemailt habe ich:
- Bild.de
- derwesten.de (WAZ-Gruppe)
- faz.net
- Focus.de
- fr-online.de (Frankfurter Rundschau)
- kicker online
- rp-online (Rheinische Post)
- SPIEGEL ONLINE
- Sport1.de
- Stern.de
- sueddeutsche.de
- WELT ONLINE
- ZEIT ONLINE
Geantwortet haben jedoch nur die Wenigsten. Wo wären wir auch, wenn Journalisten Anfragen von Journalisten beantworten würden? Natürlich kann ich es verstehen, dass dies zum Teil Betriebsinterna sind, über die man keine Informationen nach außen geben möchte. Aber dann könnte man doch zumindest das sagen. Schließlich müssten Journalisten doch am besten wissen, wie es ist, wenn Gesprächspartner nicht antworten.
Nun aber zu denen, die mir geantwortet haben und das sogar überaus freundlich:
Bild.de
Bei bild.de bekam ich eine Antwort von Donata Hopfen, Geschäftsführerin BILD digital: „Flattr sehen wir als ein sehr idealistisches Modell, das wir zunächst nicht ausprobieren werden.“ Mit anderen Worten: Kein Flattr bei der Bild. Das wäre auch eine ziemlich große Sache gewesen. Gänzlich ausschließen für die Zukunft will man Flattr der Antwort zufolge („zunächst nicht ausprobieren“) jedoch nicht.
WELT ONLINE
Ähnlich sieht es bei einem weiteren Produkt aus dem Hause Springer aus. Christian Garrels, Leiter Kommunikation Digitale Medien und Internationales der Axel Springer AG, antwortete mir, dass es bei WELT ONLINE derzeit keine Pläne gäbe, mit Flattr aktiv zu werden.
SPIEGEL ONLINE
Bei SPIEGEL ONLINE sagte man mir, dass man derzeit zu diesem Thema kein Statement abgebe. Dies lässt natürlich umso mehr Raum für Spekulationen. Auf newsecho.de konnte man Montag letzter Woche lesen: „Neben dem kostenpflichtigen «Spiegel»-Magazin solle es auch weiterhin den kostenlosen, werbefinanzierten Internetauftritt geben, sagt „Spiegel Online“- Geschäftsführerin Katharina Borchert. „Daher kommt ein Experiment mit Flattr für uns derzeit nicht infrage.““
Kicker online
Kicker.de ist freilich keine große Allgemeinnachrichten-Seite, aber eines der führenden Special-Interest Angebote. Schaut es hier anders aus? Nicht wirklich: Derzeit habe man keine Ambitionen, Flattr einzusetzen. „Im Moment stellt für uns weiterhin die werbliche Vermarktung die wichtigste Erlössäule dar, die aber aus unserer Sicht mit Social Payment konkurrieren würde“, schrieb mir Werner Wittmann, Leiter Neue Medien der Olympia-Verlag GmbH. Auf Nachfrage erläuterte er mir näher, was er damit meint: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen, die freiwillig eine Website durch monetäre Beiträge unterstützen, auf dieser Werbung sehen möchten.“
Soweit die Antworten, die mich bislang erreicht haben. Sollten weitere dazu kommen, werde ich diese selbstverständlich nachreichen.
Was ist das Fazit? Für mich schaut es derzeit so aus, als warten die Anbieter ab, wie sich die Sache entwickelt. Keiner möchte voreilig auf den Zug springen, aus dem Auge lassen kann die Entwicklung aber keiner. Die Nutzerzahlen von Flattr, sowie die Einnahmen der größeren Blogs und Nachrichtenseiten (taz, Freitag) werden in den kommenden Monaten vielleicht wegweisender sein, als manch ein Blogger denkt. Doch eine weitere Frage schwirrt mir neuerdings im Kopf rum:
Was passiert, wenn große Player (wie Bild.der oder SPIEGEL ONLINE) Flattr einsetzten? Gibt es dann eine Inflaktion, sprich wird der einzelne Flattr-Klick kaum noch etwas wert sein? Oder steigen die Gesamt-Einnahmen, da die„großen“ Angebote einen starken Schub bei den Flattr-Nutzerzahlen mit sich bringen? Ich gehe davon aus, dass beides passieren würde, jedoch mit daraus resultierenden Nachteilen für Seiten mit wenigen Besuchern. Was meint ihr?

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