Es gibt in der Journalismus-Branche einige Sauereien. Ich möchte mich hier auf eine beschränken: Den Umgang mit Volontariaten. Es ist weit verbreitet, zu sagen: Stellen oder Ausbildungsplätze im Journalismus sind schwer zu bekommen. Mittlerweile würde ich sagen: Daran sind wir angehende Journalisten zu guten Teilen selbst schuld.
Volontariate sollten eigentlich eine Art Ausbildung sein. Eigentlich. Doch allein der Weg zu einem „Volo“ führt das ins Absurde: Eine Reihe von Praktika (teils im gleichen Unternehmen) oder Aushilfsarbeiten werden vielerorts gefordert. Mit anderen Worten: Nur Leute, die bereits etwas können, sollen ausgebildet werden?
Vielleicht ist das Wort „ausgebildet“ jedoch genau das, woran es scheitert. Wenn ich höre, dass Abgänger von Journalistenschulen oder meinem Studiengang Online-Journalismus in Darmstadt * nach ihrem Abschluss ein Volontariat bekommen wollen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Von Journalistenschülern und uns ausgegangen, kann ich nur sagen: Diese Absolventen sind in der Regel fertig ausgebildet. Es ist ein Weg in den Journalismus, ein Volontariat ein anderer. Beides hat Vor- und Nachteile. Dass fertige Abgänger von den Unternehmen jedoch auf die Schiene „Volo“ gedrängt werden, ist die in eingangs genannte Sauerei. Es handelt sich hier um Journalisten, die mindestens zwischen zwei und vier Jahre lang professionell schreiben und recherchieren gelernt haben und mit verschiedenen Medienpartnern zusammen gearbeitet haben. In unserem Fall kann ich unter anderem die Frankfurter Rundschau, die taz und den hessischen Rundfunk nennen.
Mehr noch: Im Gegensatz zu manch Festangestellten haben die meisten von ihnen auch Erfahrungen in Bild-, Ton- und Videobearbeitung gesammelt, sowie Schulungen in Medienökonomie und Medienrecht absolviert. Es sind praxiserfahrene Nachwuchskräfte (Journalismus), keine ausschließlich theorievertrauten Uni-Studenten (Journalistik).
Solche Leute brauchen kein Volontariat, sondern eine Festanstellung. Dass man das Volontariat damit erklärt, Leute in ein Unternehmen einarbeiten zu wollen, geht an der Sache vorbei. Dann müsste ja jeder, der z.B. die Zeitung wechselt, wieder als Volontär anfangen. Nein, dafür gibt es die Probezeit. Es riecht ein bisschen danach, ja, jeder denkt es, spricht es zum Teil sogar aus… …Ihr wisst, was jetzt kommt. Richtig: Ein Volontär ist billiger, als eine festangestellte Kraft.
Das mag nicht immer der Grund für die gängige Praxis sein, aber vermutlich häufig. Kann man den Unternehmen dafür etwas vorwerfen? Vielleicht moralisch, vor allem wenn es sich um öffentlich-rechtliche Medienanstalten handelt. Andererseits verlangt man auch von allen Medienunternehmen, möglichst wirtschaftlich zu sein. Das ist das System. Das Problem sind wir Nachwuchskräfte.
Solange sich genügend überreden lassen, mit der Hoffnung auf Übernahme erst noch ein Volontariat zu machen, wird dies so bleiben. Und das selbst die häufig ach so von ihrer Ausbildung überzeugten Journalistenschüler das tun, ist traurig. Schlimmer noch: Sie stellen es häufig nicht einmal in Frage (“ist halt so”). Hier sollten aus meiner Sicht auch die Dozenten klare Worte verlieren: „Ihr wisst was ihr könnt, ihr seid gut. Bewerbt euch um echte Stellen, nehmt nicht stattdessen ein Volontariat an!“
Das ist der Weg. Das muss er sein. Wenn die Absolventen sich nicht für Volontariate hergeben stehen die Medienunternehmen vor der Wahl: Will ich diese Person(en), weil sie gut sind? Dann muss ich ihnen eine richtige Stelle geben. Oder will ich Kosten sparen? Dann muss ich auf ihr Können verzichten. Angebot und Nachfrage, nicht Nachfrage und Angebot. Wenn das gelingt, gibt es auch wieder Volontariatsstellen für die, die eigentlich welche brauchen.
Das sind die Gedanken, die mir bei Gesprächen mit Kommilitonen und angehenden Journalisten anderer Hochschulen oder Journalistenschulen gekommen sind (ich betone, dass sie sich auf keine einzelne Person, Stelle oder Medienunternehmen beziehen). Tragt den Gedanken in die Welt, diskutiert mit mir und anderen darüber. Mit dem derzeitigen Verhalten schneiden wir angehende Journalisten uns ins eigene Fleisch.
* den ich entgegen anders lautender (Vor-)Urteile definitiv als mindestens gleichwertig zu einer Ausbildung an Journalistenschulen betrachten würde, sowohl von den Inhalten her, als auch von den Medienpartnern und zum Teil sogar Dozenten

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Ja. Volle Zustimmung.
Um den Kommentar noch etwas zu verlängern: Die Aussage kann man auch, was du teilweise tust, auf den Praktika-Wahn (so viele wie möglich!) und die freie Mitarbeit (für einen, im wahrsten Sinne, Hungerlohn) ausweiten. Ersteres betrifft vor allem Studenten, zweiteres eher schon ausgebildete Journalisten, die in ihrer Not jeden Job annehmen. In beiden Fällen verkaufen sich viele völlig unter Wert, weil das eben so ist. Dass sich die Zunft so ins eigene Fleisch schneidet, stimmt absolut. Was man dagegen unternehmen kann – ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich kann man aber nicht mehr (und nicht weniger) tun, als immerhin so einen Appell zu verfassen.
Der Punkt Praktika ist mir deutlich bewusst. Interessanterweise Überfüllen die “ketten-Praktikanten” nach dem Studium oft auch Plätze für Pflichtpraktika…
Ich hatte den Praktikums-Aspekt im Text, hab ihn gestern aber rausgekürzt um auf das wesentliche – nicht schon oft durchgekaute – zu beschränken. Hier als Outtake mal die beiden Absätze
Medienunternehmen sind ohnehin so etwas wie die Vorreiter der „Generation Praktikum“ von Arbeitgeberseite. Nicht selten braucht man ein Praktikum um ein weiteres „höherwertigeres“ zu bekommen. Häufig sind diese nicht gut bezahlt oder vollkommen unbezahlt. Das ist vor allem dann gelinde gesagt frech, wenn es sich bei der Praktikumsstelle um öffentlich-rechtliche Medienanstalten handelt, die doch als Vorbild voran gehen sollten.
Neben der Bezahlung sind es häufig die Inhalte, die Unmut bereiten. Von der Idee her ist ein Praktikum dazu da, etwas zu lernen. Da jeder Praktikant auf einen anderen Stand ist und andere Lernziele verfolgt, müssten sich Unternehmen dort viel flexibler zeigen, als sie es in der Praxis sind. Das ist nicht immer böse gemeint, oftmals fehlt im Tagesgeschäft dazu einfach die Zeit.
Sorry, aber das sehe ich anders. Wer allen Ernstes glaubt, nach dem Abgang von der Journalistenschule voll ausgebildet zu sein, beweist damit genau das Gegenteil. Es ist wie mit dem Führerschein: Erst Jahre, nachdem man den Lappen in der Tasche hat, stellt sich die notwendige Routine und Erfahrung ein, die man in ein paar Fahrstunden unter Aufsicht eben nicht bekommt.
Ein “fertiger” Journalist ist in meinen Augen der, der ein paar Jahre lang “am lebenden Objekt” gelernt hat, der sich auf die Schnauze gelegt hat, der Triumphe wie Niederlagen kennt. Das lernt man in Redaktionen – und weil es eben ein Lernprozess ist, sollte man sich auch nicht zu schade sein, diesen im Rahmen eines Volontariats zu absolvieren.
Damit wir uns nicht missverstehen: Die erzwungene “Generation Praktikum” finde ich genau so schändlich wie die endlose Abfolge von Volontariaten, zu denen manche Jung-Schreiber gedrängt werden. Und in der Tat: Es gibt mehrere Wege zum Ziel (ich selbst war totaler Quereinsteiger).
ABER: Sich gerade in der heutigen Zeit auf den Standpunkt zu stellen, man könne mit einem Abschluss der J-Schule eine Festanstellung erwarten, oszilliert für mich irgendwo zwischen “jugendlicher Arroganz” und “gefährlichem Leichtsinn”.
Das gilt nicht nur für Abgänger von Journalistenschulen, sondern auch Abgänger anderer Schulen oder Universitäten, die im Redaktionsbetrieb einsteigen wollen. Steht in deinem Lebenslauf nicht irgendwo “Volontariat”, dann ist man schon zweite Wahl, egal was für andere Leistungen man bereits erbracht hat und Fachkompetenz mitbringt.
Das stimmt schon. Ist allerdings auch nicht neu: Der DJV zum Beispiel vertritt genau die obige Definition einer dualen Jouranlistenausbildung, Berufs”anfänger” (darunter auch Absolventen akademischer Studiengänge wie Journalistik) machen ein Volontariat, um Redakteur zu werden, Leute mit einer praktisch orientierten Ausbildung (wie z.B. Journalismus an einer FH) gelten mit ihrem Abschluss als Redakteure. In einzelnen Redaktionen, vorwiegend im Tageszeitungsbereich, mg es vorkommen, dass das Volontariat der Königsweg ist, aber gut, sei ihnen unbenommen. Und dann gibt es eben auch Verlage, die ausrechnen, dass es günstigerkommt, einen Volontär anstatt eines Redakteurs einzustellen. (Wobei man sagen muss, dass es Volos auch nicht zum Nulltarif gibt, zumindest, wenn man den Ausbildungsgedanken ernst nimmt.)
Und ich fürchte: Solches Unbill schafft man nur ab, wenn man sich orgaisiert und solidarisiert.
Es reicht nicht, nur Fehlentwicklungen aufzuzeigen, Frau/Mann muss auch etwas für Veränderung tun, gleich ob bei euch im Journalismus oder in anderen Bereichen.
Nicht nur ihr seid i.d.R. angewiesen und abhängig auf einen Job , um zu Leben, eine Familie und Kindern zu haben, die Betriebe brauchen euch auch.
Es gibt keine Presse ohne Journalisten, keine Ökonomie ohne Schaffende.
Also Organisationen schaffen, Machtfaktoren aufbauen und um besondere Positionen -durch Verhandlungen,Verweigerun-
gen-Streik-kämpfen.
@Torsten Dewi:
Du sagst du seist Quereinsteiger, dann verwundert mich dein Pochen auf eine z.B. 7(!) Jährige Ausbildung, unter- oder unbezahlter Weise umso mehr. Wenn man alles in Volos lernt, was wichtig ist: Warum gibt es dan Journalistenschulen oder Journalismus-Studiengänge?
“Gefährlichen Leichtsinn” sehe ich eher in Haltungen wie “gerade in der heutigen Zeit”. Gemeitn ist doch, heute woe das Geld knapp ist. Damit macht man sich zum wirtschaftlichen Spielball. Werden die “Zeiten” noch schlimmer sollen wir vielleicht auch nicht mehr meckern, wenn man halt umsonst arbeitet?!
“In der heutigen Zeit” spricht für mich für etwas ganz anderes: Für eine Zeit, in der Online-Kenntnisse, Bildbearbeitung, Videoschnitt zunehmend bedeutung haben. In dem die neusten Änderungen im Medienrecht bekannt sind. Das haben junge Journalistenschüler älteren Angestellten zum Teil sogar voraus. Mit anderen Worten: Sie haben andere Stärken und Schwächen. Aber nicht nur Schwächen.
Ich glaube dass im allgemeinen Journalismus-Studiengängen (besonders) nicht vertraut wird. Vielleicht sollten sich die Medienanbieter dort mehr umhören, mehr Zusammenarbeiten anstreben. Viele Abgänger “alter Schule” sind von ihrem Weg in den Journalismus überzeugt. Doch wie gesagt, es gibt viele
Ich habe jüngst Kontakt mit der Materie gehabt, da meine Freundin nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft ein Volontariat gesucht hat. In diesem Fall finde ich die Wahl eines Volontariats richtig, da – wie Du schon geschrieben hast – Akademikern doch noch die Praxiserfahrung und -ausbildung fehlt.
Was mich dabei ärgert ist, dass der Verlag, bei dem meine Freundin seit Jahren frei arbeitet und mittlerweile zwei unbezahlte Praktika gemacht hat, für ein Volontariat verlangt, dass sie noch ein Jahr Redaktionsassistenz machen soll. Das scheint noch billiger für diesen Verlag zu sein als ein Volontär, dessen Gehalt sich am Tariflohn orientieren soll. Aber davor bestenfalls noch ein unbezahltes Praktikum. Und sicher ist die Assistenzstelle dann auch nicht. Und eigentlich kann man jetzt noch nicht sagen, ob es dann mit dem Volo was wird… Und, und, und…
Sollte es dann eine Stelle geben, ist man schon 1,5 Jahre oder länger angelernt worden. Im Volo ist man dann billige Arbeitskraft, der man nicht mehr viel beibringen muss.
Noch krasser die “Journalistenschule Ruhr” des WAZ-Konzerns, die – Meine Meinung – nur dazu ins Leben gerufen wurde, um die Schüler weit abseits jedes Tarifvertrags beschäftigen zu können.
Allerdings scheint es auch noch Verlage zu geben, die faire Angebote machen. Meine Freundin hat einen Verlag in Düsseldorf gefunden (Glücksgriff?), der ihr nach Vorstellungsgespräch und zwei Tagen Probearbeit ein Volo anbietet. Zahlung nach Tarif. Und: Nicht erst in einem oder zwei Jahren! Einen Monat nach Vorstellungstermin geht´s los. Zumindest so sollte man mit Akademikern umgehen.
Journalistenschüler, da hast Du vollkommen recht, sollten sich die Forderung nach einem Volontariat erst gar nicht gefallen lassen.
Deutliche Zustimmung mit einer Einschränkung:
Wenn jetzt jemand von uns (Wissenschaftsjournalismus in Darmstadt) zum Fernsehen will, finde ich ein Volo nachvollziehbar, einfach weil das Studium nicht so viel Fernseh-Inhalte vermittelt. Ähnliches gilt für Radio. Es mag trotzdem Studierende geben, die durch Jobben und Praktika vielseitige Erfahrungen gesammelt haben und es deshalb nicht brauchen, aber ich meine das mal generell.
Aber im Print/Online-Bereich teile ich die Meinung des Beitrags voll und ganz. Wir lernen schreiben, wir lernen recherchieren, wir arbeiten in Projekten bereits mit der Praxis. Wir sind keine Quereinsteiger, die noch alles lernen müssen.
Ich studiere doch auch nicht Elektrotechnik, um danach noch die Ausbildung zu machen… (hinkt ein bisschen, ich weiß, aber trotzdem)
Das Problem ist meiner Meinung nach, dass eben Volontariate der “klassische” Weg in den Journalismus sind und Studiengänge wie Journalismus oder Kommunikationswissenschaften noch relativ neu sind. Sprich die Arbeitgeber kennen nur das Volontariat als Einstieg. Das heißt hier überschneiden sich die Inhalte der Studiengänge und eines Volontariates. Ob sie sich aber komplett decken, kann ich nicht einschätzen.
Wie viel Praxiserfahrung man während eines Studiums hat, ist vermutlich auch sehr unterschiedlich.
Und natürlich sind Volos billig. Die traurige Wahrheit ist einfach, dass der Medienmarkt insgesamt seit Jahren am Boden ist und sich um die wenigen Stellen viele Bewerber reißen. Da können die Verlage eben die Bedingungen stellen und diktieren.
Das ist, wie Stefan schon beschrieben hat, die größere Sauerei. An die eigentlichen Vorgaben an ein Volontariat, wie zum Beispiel Gehalt, Fortbildungen oder Inhalte, halten sich die wenigsten Arbeitgeber. Aber auch hier gilt das unerbittliche Gesetz von Angebot und Nachfrage. Frei nach dem Motto: Wenn Sie nicht wollen, finden wir jemand anders, der es macht!
Bevor ich uns alle noch mehr frustriere, höre ich jetzt besser auf!
@ Andreas:
“Du sagst du seist Quereinsteiger, dann verwundert mich dein Pochen auf eine z.B. 7(!) Jährige Ausbildung, unter- oder unbezahlter Weise umso mehr.”
Daran stimmt nun gar nichts:
- Mein eigener Weg als Quereinsteiger sagt nichts über den “ordentlichen” Weg zum Profijournalisten. Ich sagte bereits: Es gibt mehrere. Du verlangst aber, dass sich Redaktionen an den von dir gewünschten halten.
- Ich poche nicht auf eine siebenjährige Ausbildung. Volontariate haben unterschiedliche Längen. Andersrum gefragt: Wer legt fest, nach welcher Zeit ein Journalist “fertig” ist? Ärzte und Schiffsbauingenieure brauchen länger.
- Ich plädiere weder für unter- noch für unbezahlte Volontariate, sondern für eine faire Vergütung.
- Wenn man alles in Volos lernt, was wichtig ist: Warum gibt es dan Journalistenschulen oder Journalismus-Studiengänge?
Auch das habe ich nicht behauptet. Du behauptest hingegen das Gegenteil: Die Journalistenschule sei vollkommen ausreichend. Schon den Gedankenansatz finde ich problematisch. Ich glaube an die Kombi Ausbildung/Volontariat.
- „Gefährlichen Leichtsinn“ sehe ich eher in Haltungen wie „gerade in der heutigen Zeit“. Gemeint ist doch, heute woe das Geld knapp ist. Damit macht man sich zum wirtschaftlichen Spielball.
Richtig. Wie in jedem anderen Beruf. Der Journalist lebt nicht im Elfenbeinturm, in dem man ihm Rosen streut, damit er dem Pöbel die hässliche Wahrheit schreibt. Zu glauben, man sei als Journalist NICHT der wirtschaftliche Spielball, läuft allen Realitäten zuwider.
- Werden die „Zeiten“ noch schlimmer sollen wir vielleicht auch nicht mehr meckern, wenn man halt umsonst arbeitet?!
Habe ich nicht behauptet. Gutes Geld für gute Arbeit. Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob man einem Jungjournalisten nach der Ausbildung noch ein bezahltes Volontariat zumuten darf.
- „In der heutigen Zeit“ spricht für mich für etwas ganz anderes: Für eine Zeit, in der Online-Kenntnisse, Bildbearbeitung, Videoschnitt zunehmend bedeutung haben. In dem die neusten Änderungen im Medienrecht bekannt sind. Das haben junge Journalistenschüler älteren Angestellten zum Teil sogar voraus.
Das stimmt. Aber es ersetzt nicht die Praxis in einer Redaktion. Die Arbeit mit Menschen. Die Routine, die man sich mit 300 Artikeln erwirbt. Die Kritikfähigkeit. Das Verständnis für die eigene Fehlbarkeit. Genau das fehlt mir in diesem Beitrag: Die Einsicht, dass man als Jungjournalist die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat.
- Mit anderen Worten: Sie haben andere Stärken und Schwächen. Aber nicht nur Schwächen.
Zum vermutlich fünften Mal: Habe ich auch nicht behauptet.
- Ich glaube dass im allgemeinen Journalismus-Studiengängen (besonders) nicht vertraut wird. Vielleicht sollten sich die Medienanbieter dort mehr umhören, mehr Zusammenarbeiten anstreben.
Das stimmt. Aber es basiert nicht nur auf Vorurteilen. Gerade dieser Beitrag zeigt doch, mit was für Forderungen Absolventen von Journalismus-Studiengängen mitunter auftauchen. Ich habe das in Redaktionen wahrlich oft genug erlebt: Frisch von der Uni/J-Schule, und dann diese Attitüde: Wo sind die Titelstorys, die ich schreiben soll?
- Viele Abgänger „alter Schule“ sind von ihrem Weg in den Journalismus überzeugt. Doch wie gesagt, es gibt viele.
Eben. Es gibt viele. Was spricht dann gegen “Abschluss plus Volontariat? Die Empörung darüber erschließt sich mir immer noch nicht.
Grundsätzlich liegst du natürlich richtig, wenn du kritisierst, dass manche Volontäre als schlecht bezahlte Ersatz-Arbeitskräfte herhalten müssen. Allerdings muss ich Torsten Dewi (#13) leider in einem Punkt zustimmen: Die Attitüde, mit der du hier daherkommst ist ein Teil des Problems. Absolventen von Journalistenschulen (oder des Darmstädter OJ-Studiengangs) haben die Weisheit eben auch nicht mit Löffeln gefressen. Ich könnte dir genügend Beispiele aus meinem eigenen OJ-Abschlussjahrgang nennen, an denen deutlich wird, dass da teilweise noch grundsätzlichste Sachen falsch gemacht werden. Rechtschreibschwächen und Probleme mit Kritik bzw. Deadlines sind da nur die Spitze des Eisberges. Es sind also keineswegs alle Absolventen bereits fertige, komplett ausgebildete Journalisten. In den allermeisten Fällen ist ein Volo da doch der bessere Weg, um die Kenntnisse weiter zu vertiefen. Dazu kommt noch, dass – wie Asja (#11) bereits festgestellt hat – wohl nur die wenigsten Studenten in der Lage sind, in Sachen Audio- und Videobearbeitung nur mit ihrem Abschluss in der Hinterhand sofort auf dem “Markt” zu bestehen. Diese Erkenntnis hat nichts damit zu tun, dass man sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern geht für mich vielmehr einher mit einer durchaus realistischen Selbsteinschätzung.
@ Torsten:
Also, wird alles halb so warm gegessen, wie kommentiert – oder wie sagt man?
Der Text (und auch der Kommentar) sind Kommentare, da bringe ich natürlich durchhaus auch mal überspitzt Sachen auf den Punkt. Ich sage nicht, dass du etwas behauptest, genauso wenig behaupte ich
Nun, noch auf ein paar deiner Einwände geantwortet:
Du behauptest hingegen das Gegenteil: Die Journalistenschule sei vollkommen ausreichend. Schon den Gedankenansatz finde ich problematisch. Ich glaube an die Kombi Ausbildung/Volontariat.
).
Ein Volontariat ist aber eine Ausbildung. Die Kombi wäre also Ausbildung/Ausbildung. Etwas crazy… Das einzige, was ich bislang wiederholt an Einwänden gehört habe, was man nach Studium noch zu lernen habe, sei Praxiserfahrung. Hier lohnt ein Blick in andere Branchen…
Richtig. Wie in jedem anderen Beruf. Der Journalist lebt nicht im Elfenbeinturm, in dem man ihm Rosen streut, damit er dem Pöbel die hässliche Wahrheit schreibt. Zu glauben, man sei als Journalist NICHT der wirtschaftliche Spielball, läuft allen Realitäten zuwider.
“Teilweise richtig” wie ein Kommilitone gerne aus den Simsons zitiert… Natürlich gibt es wirtschaftliche Zwänge, dennoch darf man (ich) ein Idealbild zeichnen. Außerdem: Im Journalismus ist nicht alles rein wirtschaftlich. Man denke an die Öffentlich-rechtlichen…
Aber es ersetzt nicht die Praxis in einer Redaktion. Die Arbeit mit Menschen. Die Routine, die man sich mit 300 Artikeln erwirbt. Die Kritikfähigkeit. Das Verständnis für die eigene Fehlbarkeit. Genau das fehlt mir in diesem Beitrag: Die Einsicht, dass man als Jungjournalist die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat.
Also mit Menschen und in der Praxis arbeiten wir durchaus auch. Wie gesagt, wir bestehen ja nicht nur aus Vorlesungen. Eher im Gegenteil. Der große Unterschied ist nur, dass man zu dem was man tut, viel mehr Feedback bekommt. Und dass ich im Beitrag unfehlbar bin, behaupte ich ja auch nicht
Ich habe das in Redaktionen wahrlich oft genug erlebt: Frisch von der Uni/J-Schule, und dann diese Attitüde: Wo sind die Titelstorys, die ich schreiben soll?
Natürlich muss es nicht die Titelstory sein. Aber nur die bunte Randspalte oder Meldungen, die nicht wichtig sind, ob sie kommen oder nicht, machen zu dürfen ist natürlich keine gute Mitarbeiter-Motivation. Natürlich wollen sich die jungen beweisen, gut möglich dass sie dabei über das Ziel hinausschießen. Aber man kann es auch positiv sehen: Als Selbstvertrauen, Ehrgeiz und Motivation. Halt immer wie man es sieht (dreht und wendet
Eben. Es gibt viele. Was spricht dann gegen „Abschluss plus Volontariat? Die Empörung darüber erschließt sich mir immer noch nicht.
Zusammengefasst: Ausbildungsdopplung und schlechtere Bezahlung. Im krassesten Fall bedeutet es sogar, das Studium wird beruflich keinesfalls anerkannt. Zudem: Durch das und blockieren Ausgebildete Ausbildungsplätze.
@Martin:
Ja und nein
Die “Attitüde” ist ja die Frage ob man von Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite schaut. Und da bin ich natürlich auf letzterer. Ganz krass übertrieben sind die positionen natürlich:
AG: Ihr könnt nix, arbeitet euer Leben lang 60h für lau
AN: ich kann alles, überschreibt mir die Firma
Zu den “Weiterbildungsnöten”. Vielleicht bin ich da mit meinem nachfolgenden (und oben zugrunde gelegnten) Anspruch zu weit von der Realität weg, aber: Ich erwatte von jmd mit Diplom schon Rechtschreibestärke (und rechnet mir nun nicht die Fehler hier vor, ich weiß, ich weiß). Wenn Absolventen noch nicht gut genug sind, kann der Ansatz doch auch lauten: Die Anforderungen im Studium müssen hochgeschraubt werden, nicht die Dauer der Ausbildung. Ich finde nicht, dass die von dir beschriebenen Dinge noch nach dem Studium gelehrt werden müssten
Eben, den Anspruch auf “Rechtschreibestärke” erwartet man eigentlich – erfüllt wird er aber nur selten. Natürlich wäre es besser, wenn während des Studiums schon genug daran gearbeitet werden würde, dort also (wie du sagst) die Anforderungen hochgeschraubt werden. In der Realität läuft es ja aber so nicht ab; man kennt ja die langsamen Hochschul-Mühlen…
Ehe sich da was tut, dauert es seine Zeit – und genau darum müssen eben viele Absolventen nach dem Studium / der Journalistenschule nochmal in den sauren Apfel beißen und eine “Ehrenrunde” im Volo drehen. Ich denke aber, dass das eher ein temporäres Problem unserer Generation (+/- 5 Jahre) ist. Die Medienbranche befindet sich eben im Umbruch und “den einen” richtigen Weg in den Journalismus gibt es heute noch weniger als früher. In ein paar Jahren sieht das ja aber vielleicht schon wieder ganz anders aus. Das (Ausbildungs-)Angebot richtet sich nach der Nachfrage und früher oder später wird es Bildungseinrichtungen geben, die ein Volontariat tatsächlich überflüssig machen. Interessant wäre mal ein Konzept für so einen “Zunkunfts-Studiengang”.
„Ihr wisst was ihr könnt, ihr seid gut. Bewerbt euch um echte Stellen, nehmt nicht stattdessen ein Volontariat an!“
Du bist ja lustig! Welche echten Stellen denn? In der Branche ist es mittlerweile so, dass du dich vom Praktikum zur Freien Mitarbeiterschaft, von der freien Mitarbeiterschaft (natürlich nach abgeschlossenem Studium) zum Volo und DANN mit viel Glück zur Stelle schaffst. Dass da jemand von außerhalb, am besten nach dem Studium an einer Journalistenschule, direkt irgendwo einsteigt, kommt so gut wie nie vor.
Die Stelle, die du dann überhaupt bekommst, ist in der Regel dann noch schlecht bezahlt, eine halbe oder eine Zeit- oder Leiharbeitsstelle. Da darfst du dann genau so viel oder sogar mehr schaffen als deine Kollegen um dich rum, bekommst aber keine Kohle dafür.
Ob das alles ungerecht ist? Klar. Aber wir bewegen uns immer mehr in die Niedriglohnsparte hinein. Die Medienhäuser haben auch (behaupten sie zumindest) gar kein Geld mehr, um sich ihre jungen, gut ausgebildeten Kräfte auch was kosten zu lassen. Die machen es ja auch fast für lau, weil jeder irgendwas mit Medien machen will.
Diese Fehlentwicklung wird in den kommenden Jahren eher noch schlimmer werden, also überlegt euch, ob ihr nicht lieber was anständiges lernen wollt…
@Einer aus der Branche:
Das es keine Stellen gibt und vieles unterbezahlt ist… …das ist ja genau das, was ich kritisiere. Sie auch die beiden an den zitierten Part anschließenden Absätze…
Und den Niedriglohnsektor… genau den gilt es abzuwenden. Sonst sind die besten Journalisten bald nur noch in PR oder sehr empfänglich für “Zuverdienste”.
Was anständiges? Ahjoar, wenns nur ums Geld ginge
In deinem Post stehen einige richtige Dinge. Aber nicht alles entspricht so der Realität.
Richtig ist deine Kritik am Praktika-Wahn und der Erwartung, nur Leute ausbilden zu wollen, die faktisch schon ausgebildet sind.
Die Gleichsetzung von Journalismus-Studiengängen und Journalistenschulen ist aber so nicht richtig. Noch vor einiger Zeit gab es sehr viele sehr theorielastige Studiengänge aus den Bereichen Publizistik, Kommunikationswissenschaft und Journalistik (wie Du schreibst). Gleichzeitig gab es Journalistenschulen wie Henri-Nannen, die DJS oder Axel Springer. Ich bin ein Absolvent einer dieser Schulen, seit zehn Jahren Redakteur und kenne viele Absolventen all dieser Schulen. Die Absolventen der letztgenannten wurden immer wie Volontäre gesehen, intern so bezeichnet und sahen sich nie mit der Situation konfrontiert, dass ihnen jemand ein Volontariat nach dem Volontariat abverlangt hätte.
Der Punkt, den Du kritisierst, kann daher eigentlich nur sein, dass inzwischen existierende praktisch orientierte Studiengänge es noch nicht geschafft haben, Arbeitgebern klarzumachen, dass die Studenten dort eine Ausbildung erhalten, die dem eines Volontariats (oder einer der etablierten Journalistenschulen!) gleichzusetzen ist.
Hallo Andreas!
Mal abgesehen von den finanziellen Aspekten des Volos für Verlage… Ich glaube, ein Teil deines – so vielleicht besser verständlichen – Unmutes ob der Sauerei krankt vor allem an einem:
Zitat: “Es handelt sich hier um Journalisten, die mindestens zwischen zwei und vier Jahre lang professionell schreiben und recherchieren gelernt haben”
Einen ehrlichen Anspruch auf den Begriff “Journalist” kriegst du draußen. Ein Volo ist praktisch, nicht blockweise, sondern jeden Tag. Man lernt dort viele Sachen. Vor allem aber: Man macht sie.
Angelehnt an diese komische PR-Weisheit: Tue – und berichte.
In der Regel haben Absolventen (und es gibt in den Bereich ja viele Möglichkeiten,” Absolvent” zu werden) wenig echte Erfahrung mit der Praxis.Praxis meint nicht, mal ein paar Wochen in Redaktionen verbracht zu haben.
Redaktion schauen sich Kandidaten für ein Volo vorher an? Bieten ein Praktikum? Die wollen wissen, ob und wie jemand arbeitet?
Schlimm, schlimm…
Vielleicht hast du oder andere hier Freunde, Bekannte, die BWL, VWL oder anderes studiert haben. Was machen die nach dem Studium wohl, wenn sie ein Trainee-Programm bekommen, das sie absolvieren MÜSSEN?
Sauerei. Bestimmt.
@Claus: Zustimmung. Nur: An wem liegt es, wer kann es ändern? Sicher ein eigener, neuer Aspekt (über den ich gedenke auch was zu machen). Einen Einspruch habe ich jedoch: DJS-Abgänger finden sich nach meinen Infos doch häufig nach dem Abschluss noch in Volos wieder…
@Toms: In Maßen ist das sich vorher anschauen natürlich legitim. Und wie hoch der Praxisanteil ist, schwankt ebenfalls von Studiengang zu Studiengang. Ich glaube aber, dass der Anteil i.d.R. unterschätzt wird.
Sehr guter Artikel. Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen. Ein Volontariat bekommt man sowieso nur, wenn man bereits einige Vorkenntnisse hat. Viel Neues lernt man dann nicht mehr.
Ich finde sowieso, dass man z.B auch bei Praktika wenig Neues lernt. Praktika macht man für den Lebenslauf und um Kontakte zu knüpfen.
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Ich habe genug Absolventen von Journalistenschulen erlebt, die im Redaktionsalltag völlig überfordert waren. Ich mag deiner Argumentantion aber nicht pauschal widersprechen, weil jeder Studiengang seine Eigenheiten hat. Nur: Vielfach ist das, was da als Praxis verkauft wird, fern von der Realität. Da wird einmal im Semester irgendein Hochglanzheft produziert, außerdem gibt es ein paar Wochen Praktikum obendrauf. Journalismus lernt man aber nur durchs Machen. Das Volo ist eine wichtige Zeit, weil man – in guten Redaktionen – ganz langsam immer mehr Verantwortung bekommt.
Schauen Sie doch noch einmal in zehn Jahren zurück, wie es sich mit den Journalistenschulen und den Volontariaten entwickelt hat. Es gibt anscheinend noch keine gesellschaftlich akzeptierten Standards für Journalistenschulen, sie sind noch zu jung und ungeprüft.
Auch in anderen Bereichen, die für eine Gesellschaft fundamental sind, werden neue Abschlüsse und Ausbildungswege hinterfragt und müssen sich etablieren.
Ich denke, wir haben unsere Ansichten ausreichend ausgetauscht. Nur drei Punkte scheinen mir noch erwähnenswert:
“Im Journalismus ist nicht alles rein wirtschaftlich. Man denke an die Öffentlich-rechtlichen…”
Klaro. Du suchst also nicht nach journalistischer Freiheit, sondern nach Beamtenstatus? Soll der Gebührenzahler halt für dein Gehalt aufkommen. Und du denkst ernsthaft, bei den ÖR ginge es weniger zwanghaft zu? Schon mal was vom PoGl gehört? Oder die Debatte um Brender verfolgt?
“Ein Volontariat ist aber eine Ausbildung. Die Kombi wäre also Ausbildung/Ausbildung. ”
Du hältst also J-Ausbildung und Volontariat für deckungsgleich? Woher hast du diese Vorstellung?
“Natürlich muss es nicht die Titelstory sein. Aber nur die bunte Randspalte oder Meldungen, die nicht wichtig sind, ob sie kommen oder nicht, machen zu dürfen ist natürlich keine gute Mitarbeiter-Motivation.”
Dir ist schon klar, dass das Gros der Zeitschriften aus genau jenen kleinen und begleitenden Beiträgen besteht? Und wer schreibt die dann voll? Alle – nur nicht der ausgebildete Jungjournalist?
Wäre nett, wenn du diese drei Fragen(komplexe) noch beantworten könntest.
Ich muss einigen “Vorrednern” recht geben – es werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Es gibt einfach qualitativ besser und schlechtere Journalismusstudiengänge, -Schulen und vor allem Volontariate.
Die besseren von ihnen sind keineswegs Ausbeute, die Sender und Verlage legen bei Henri Nannen, ARD & Co. Wert auf eine fundierte Ausbildung – und die kostet! Mal nachgerechnet, was diese Seminare an Geld verschlingen?
Eine Schande sind schlecht organisierte Volontariate, die wirklich nur einem Zweck dienen: Die Jungjournalisten ausnutzen. Von denen gibt es eine ganze Menge, vor allem im kleinen Verlagswesen.
Ich verstehe nur den Frust des Autoren nicht – für jeden guten Job muss man ordentliche Qualifikationen mitbringen. Und die gibt es im Journalismus nicht im Studium, sondern uff de Gass! Und das heisst eben auch mal 2 oder 3 Praktika zu machen. Nur vom Studieren geht es einfach nicht…
@VonFernSeher: Durchaus wahr. Sehr sogar.
@Jana: Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber dein Kommentar ist ein gutes Beispiel dafür: Das Wissen über solche Ausbildungen -speziell jetzt z.B. mein Studiengang – ist einfach nicht verbreitet genug. Und mit dem, was für das Studium gehalten wird, wird geurteilt:
“mal 2 oder 3 Praktika machen”: Allein von den Pflichpraktika im Studium kommt man auf fast ein Jahr nur Praktikum! Die restliche Zeit ist auch nicht nur “Studieren” sondern sehr viel Praxis. Ein paar DInge davon werden nur Uni-Intern produziert, der größte Teil wird aber in Zeitungen, Online-Medien, Radio etc. veröffentlicht. Das ist zwar nicht der 1:1 Arbeitsaltag, aber auch keine Weltfremde Theorie.
Ein Gedanke noch an alle die gerne vergleichen: Unser Studiengang splittet sich nach dem Grundstudium und dem Praxissemster auf: Man kann im Hauptstudium dann statt Journalismus auch Online-PR machen. Die Absolventen werden direkt eingestellt, nicht in Ausbildungen unter Vertrag genommen
@Torsten Dewi:
Wir können auch gerne weiter diskutieren. Ich hab ja nichts gegen andere Meinungen. Bisher mag ich die Diskussion auf jeden Fall, auch wenn es nur geschrieben manchmal sehr zerstritten wirken kann, so meine Erfahrung. Zu den Punkten will ich natürlich was sagen:
Die Brender-Debatte habe ich sehr intensiv und kritisch verfolgt. Die Einflussnahme auf die Rundfunkanstalten betrachte auch ich sehr kritisch. Dennoch bin ich ein Freund des ö/r-Gedankens.Ich glaube, Journalismus, der nicht auf Quote und Anzeigenkunden schauen muss, ist eine sehr wichtige und gute Idee. Was ich lieber machen würde? Privatwirtschaftlich oder ör? Das wird die Zeit zeigen. Beides nicht Ideal, weil mit Zwängen belegt, leider Gottes.
Du hältst also J-Ausbildung und Volontariat für deckungsgleich? Woher hast du diese Vorstellung?
Nicht deckungsgleich aber gleichberechtigt. Der Volo ist Praxiserfahrener, der Student/Schüler hat Einblicke in verschiedene Unternehmen, meist technischer und auch in Dingen wie Medienethik, Medienrecht, etc. voraus. Heißt: DIe Inhalte sind zwar nicht gleich, aber beide kommen an einen Stand an, von dem sie Arbeiten können und von dem sie Redaktionen weiter helfen können mit ihren Stärken. Woher ich die Vorstellung nehme: Erfahrung. Die Leute die ich kennen gelernt habe (und ich bin so dreist auch “den Müll den man täglich finden kann” dazu zu zählen. Da sind mitunter die Studenten definitiv nicht schlechter).
Dir ist schon klar, dass das Gros der Zeitschriften aus genau jenen kleinen und begleitenden Beiträgen besteht? Und wer schreibt die dann voll? Alle – nur nicht der ausgebildete Jungjournalist?
Alles eine Frage der Mischung, würde ich sagen. Sage ja nicht, dass er/sie nicht auch Kleinkram machen soll. Natürlich auch. Dass man sich jedoch auch Größeres zutraut, sehe ich eher positiv.
Sorry, jetzt muss ich doch noch mal…
“Ich glaube, Journalismus, der nicht auf Quote und Anzeigenkunden schauen muss, ist eine sehr wichtige und gute Idee.”
Eine Idee. Oder ein Ideal. Aber es kann ihn nicht geben. Weil auch Journalismus verkauft werden muss. Er richtet sich nach den Bedürfnissen derer, die ihn kaufen. Das war auch früher, in den “goldenen Zeiten”, schon so. Dass es subventionierte (und damit mindestens ebenso unfreie) quasi-staatliche Medien gibt, ist bemerkenswert. Ob es richtig ist, steht auf einem anderen Blatt.
“Der Volo ist Praxiserfahrener, der Student/Schüler hat Einblicke in verschiedene Unternehmen, meist technischer und auch in Dingen wie Medienethik, Medienrecht, etc. voraus.”
Aber daraus ergibt sich doch, dass dem Student/Schüler die Praxiserfahrung des Volos helfen würde! Was ist so unerträglich an dem Gedanken, dass sich beides ergänzen kann? Du widersprichst hier doch deiner eigenen These, dass das Studium das Volontariat überflüssig macht.
Nochmal: Wir sind uns einig, dass Volontariate nicht als billige Köder missbraucht werden dürfen. Dass Volontäre keine Hilfsarbeiter sind. Dass gute Honorierung ein Muss ist. Aber das Volontariat als solches ist ein bewährtes Mittel, und sollte wegen seines Missbrauchs nicht diskreditiert werden.
“Alles eine Frage der Mischung, würde ich sagen. Sage ja nicht, dass er/sie nicht auch Kleinkram machen soll.”
“Nicht auch”? Wie großzügig. Gib mir eine Titelstory, dann mache ich auch ein paar Zeilen Vermischtes? Ist dir klar, wie großkotzig das klingt? Und dass es genau JENE Praxisferne belegt, von der ich hier die ganze Zeit rede? JEDER, der in unseren Redaktionen schon vor 20 Jahren mit so einer Einstellung eingelaufen ist, hat sich böse auf die Fresse gelegt.
Es geht nicht um die Mischung, weil es in Redaktionen eine Hierarchie gibt. Erst schreibt man Kleinkram, dann Vermischtes, dann banale Geschichten. Wenn man sich dabei bewährt, dann empfiehlt einen das für größere Aufgaben. Früher dauerte das gerne mal fünf bis zehn Jahre, heute geht das erheblich schneller. Zu glauben, J-Studenten können von Anfang an auf Festanstellung und die eine oder andere “große Story” pochen, ist unglaublich weltfremd. Das hat nichts mit Idealismus zu tun.
“Natürlich auch. Dass man sich jedoch auch Größeres zutraut, sehe ich eher positiv.”
Zutrauen darfst du dir alles. Ob du es kannst, steht auf einem anderen Blatt. Du scheinst das bei J-Studenten vorauszusetzen. Es ist aber nun mal leider so, dass auch J-Studenten mitunter Vollspacken sind, die im Volontariat schnell beweisen, dass sie nicht mal einen EInkaufszettel verständlich schreiben können.
Die Branche ist, wie sie ist. Man kann vieles ändern, vieles ändert sich von allein. Aber mit der blanken Forderung kommt man nicht weiter, weil sie kein Weg ist, sondern im Gegenteil andere Wege versperrt. Ich kann auch sagen: “Polizisten und Krankenschwestern müssen besser bezahlt werden! Mehr Sonnentage im Sommer! Schneegarantie im Winter! Zweimal Weihnachten pro Jahr! Prosecco für ale! Freikarten fürs Freibad! Keine Macht für niemanden!”. Kriege ich Beifall für. Hilft nur nix. Wir sollten alle besser bezahlt, schöner, Brand Eins-Leser und arte-Gucker sein.
Werden wir mal konkret: Was bietest du als J-Student (im Idealfall) für eine Festanstellung als Gegenleistung? Gute Arbeit? Die solltest du als Volontär auch bringen. Wenn du erklären kannst, was der Arbeitgeber davon haben sollte, dich spontan einzustellen (beim aktuellen Arbeitsrecht sowieso ein Alptraum), kommen wir vielleicht weiter.
Jippey, es geht weiter
Dann wollen wir mal:
es kann ihn nicht geben. Weil auch Journalismus verkauft werden muss. Er richtet sich nach den Bedürfnissen derer, die ihn kaufen.
Journalismus ist ei meritorisches Gut (http://de.wikipedia.org/wiki/Meritorisches_Gut). Wenn wir nur nach Nachfrage gehen würden, wäre das sehr traurig. Mehr noch: Es würde die gesellschaftliche Aufgabe des Journalismus vernachlässigen. Das ist das Spannungsfeld in dem sich der J. befindet.
Aber daraus ergibt sich doch, dass dem Student/Schüler die Praxiserfahrung des Volos helfen würde! Was ist so unerträglich an dem Gedanken, dass sich beides ergänzen kann? […] Muss ist. Aber das Volontariat als solches ist ein bewährtes Mittel, und sollte wegen seines Missbrauchs nicht diskreditiert werden.
Ich sag ja nicht, dass sie nicht helfen würde. Und ich diskreditiere auch nicht das Volo als solches. Ich halte es für sinnvoll. Ich denke nur, dass das Volo für die Leute ist, die keine Praxiserfahrung haben (und das sind die, die kein praxisnahes Studium haben). Helfen? Maybe. Man kann immer besser werden. Thomas Müller wäre in der U21 sicher auch noch besser geworden – hat aber ne Top WM gespielt
Und wer sagt, dass man festangestellt nichts mehr lernt? Ich glaube jeder Journalist lernt täglich etwas.
Es geht nicht um die Mischung, weil es in Redaktionen eine Hierarchie gibt. Erst schreibt man Kleinkram, dann Vermischtes, dann banale Geschichten. Wenn man sich dabei bewährt, dann empfiehlt einen das für größere Aufgaben. […] Zu glauben, J-Studenten können von Anfang an auf Festanstellung und die eine oder andere “große Story” pochen, ist unglaublich weltfremd. Das hat nichts mit Idealismus zu tun.
Ich beschreibe ja auch nicht die Realität, sondern stelle meine Gedanken, wie es sein könnte/sollte zur Diskussion. Zum Thema Hierarchie: Auch die gibt es, aber ich stelle in frage ob sie in der gegenwärtigen Situation richtig ist. Beispiel: Redakteur A ist Experte in einem Thema, aber in der Hierarchie noch nicht hochgearbeitet genug. Das Interview zu dem Thema macht der Ressortleiter, der hat aber kaum Ahnung, muss sich einlesen. Ergebnis: Es geht mehr Zeit drauf als nötig, das Interview ist schlechter als es sein könnte. Nicht die Hierarchie sollte entscheiden, sondern die Story und das Können. Ich komme aus der Leichtathletik: Dort stell ich lieber die vier schnellsten in die Staffel als die vier, die am längsten im Verein sind.
Es ist aber nun mal leider so, dass auch J-Studenten mitunter Vollspacken sind, die im Volontariat schnell beweisen, dass sie nicht mal einen EInkaufszettel verständlich schreiben können.
Ohne Zweifel, gibt es Vollspacken. Ich nehme an, es gibt auch fertig Volontäre die solche sind. Sogar Festangestellte. “Ausbildung schützt vor Dummheit nicht” oder so
Wer nichts kann, muss natürlich nicht eingestellt werden, egal welcher Abschluss.
Aber mit der blanken Forderung kommt man nicht weiter, weil sie kein Weg ist, sondern im Gegenteil andere Wege versperrt.
Naja, am Anfang steht immer die Idee. Aber nur die Forderung ist natürlich Murks, womit wir zu folgendem kämen…
Was bietest du als J-Student (im Idealfall) für eine Festanstellung als Gegenleistung? Gute Arbeit? Die solltest du als Volontär auch bringen. Wenn du erklären kannst, was der Arbeitgeber davon haben sollte, dich spontan einzustellen (beim aktuellen Arbeitsrecht sowieso ein Alptraum), kommen wir vielleicht weiter.
Arbeit, die diese Anstellung rechtfertigt natürlich. Heißt: Fachkenntnisse, die andere in der Redaktion z.B. nicht haben, Qualifikation die Ausreicht, die gegebenen Aufgaben (sagen wir von kleiner Meldung bis Titelstory
) zur Zufriedenheit abzuliefern. Heißt: Arbeit die so gut oder vergleichbar gut ist, wie jemand der sein Volontariat absolviert hat – sonst wäre die zugrunde gelegte Annahme ja nonsens.
Ich behaupte, das ist möglich. Bestimmt nicht bei allen Absolventen, aber durchaus bei vielen. Ich will nicht behaupten, dass ich dazu zählen werde, wenngleich ich natürlich das Ziel habe und es für möglich halte. Mein Vorschlag wäre der: Man stellt die Absolventen zum Probearbeiten ein (vergleichbar zum Praktikum vor einem Volo). Anschließend wird entschieden -ausschließlich nach fachlichen Maßstäben:
a) ist die Person gut genug, brauch sie nichts/kaum noch lernen -> nromale Anstellung
b) reichen die Fähigkeiten (noch) nicht -> ggf. Volo oder andere Form der Weiterbildung
Wichtig muss nur sein, dass es ums fachliche geht. Oftmals wird aber prinzipiell geurteilt. Ohne individuelle Betrachtung und/oder unter wirtschaftlichen Entscheidungsgrundlagen. Im Übrigen würde die gerade beschriebene Vorgehensweise auch massiv motivierend wirken.
@ Andreas: Da sind viele gute Gedanken drin. Ich denke aber, dass du immer noch einem unerfüllbaren Ideal hinterher läufst, wenn du erwartest, dass J-Studenten auf der Basis einer behaupteten Fertigkeit eine Festanstellung erwarten dürfen. Unser grundlegender Konflikt ist in meinen Augen die Frage, ob das J-Studium zu irgendwas berechtigt – oder eben nur eine Qualifikation ist, die die Chancen erhöhen soll, ein berufliches Ziel zu erreichen.
Es ist ein freier Markt, auf dem du dich frei anbietest – niemand ist verpflichtet, dich zu deinen Konditionen anzustellen. Das zu fordern ist (ich sage das ungern) weltfremd.
“Ich denke nur, dass das Volo für die Leute ist, die keine Praxiserfahrung haben”
Du hast doch selbst gesagt, dass das Volo die Praxiserfahrung bringt, die J-Studenten mitunter fehlt. Was denn nun?
“Mein Vorschlag wäre der: Man stellt die Absolventen zum Probearbeiten ein (vergleichbar zum Praktikum vor einem Volo). Anschließend wird entschieden -ausschließlich nach fachlichen Maßstäben:
a) ist die Person gut genug, brauch sie nichts/kaum noch lernen -> nromale Anstellung
b) reichen die Fähigkeiten (noch) nicht -> ggf. Volo oder andere Form der Weiterbildung”
Damit ersetzt du nur eine Pseudo-Anstellung durch eine andere Pseudo-Anstellung. Ich dachte, dir geht es um “richtige” Festanstellung?
Übrigens wäre hier zu fragen, was das mit J-Studenten zu tun hat. Dann könnte man auch jeden Depp von der Straße “probe anstellen”. Wenn er sich als talentiert erweist, gibt man ihm die Festanstellung. Ist das weniger legitim?
(Full disclosure: Ich war so ein “Depp von der Straße”)
“Zum Thema Hierarchie: Auch die gibt es, aber ich stelle in frage ob sie in der gegenwärtigen Situation richtig ist. Beispiel: Redakteur A ist Experte in einem Thema, aber in der Hierarchie noch nicht hochgearbeitet genug. Das Interview zu dem Thema macht der Ressortleiter, der hat aber kaum Ahnung, muss sich einlesen. Ergebnis: Es geht mehr Zeit drauf als nötig, das Interview ist schlechter als es sein könnte. ”
Das kommt vor. Die Zeit, sich in der Hierarchie einer Redaktion hochzuarbeiten, ist aber nicht bloss “Zeit absitzen bis zur Beförderung”, sondern sie dient der Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu beweisen. Bis dahin ist das nämlich alles nur Behauptung und der Verweis auf “ich hab das aber studiert!”. Genau so kann es passieren, dass der Jungspund zwar mehr Ahnung von der Materie hat, aber z.B. keinerlei Gefühl für das Blatt und die Leserschaft mitbringt. Er schreibt damit an den Käufern vorbei. Das würde einem Altredakteur nicht passieren.
Der Unterschied (und Grund für die Hierarchie) ist also: Der Altredakteur hat sich wieder und wieder bewiesen, bei immer neuen Themen, in immer neuen Situationen, unter immer wieder anderen Vorzeichen. Er hat Verlässlichkeit und Autonomie bewiesen. Dieses Vertrauen der Chefetage ist durch Verweis auf ein Studium nicht zu ersetzen.
Und generell mal: Auch wenn es Jungjournalisten nicht passt, gibt es eine Hackordnung, und das ist in Ordnung. Als etablierter Kinoredakteur sehe ich nach 20 Jahren auch nicht ein, wenn bei jedem Praktikanten gesagt wird: “Lass den doch mal die große Kritik schreiben, damit wir sehen können, ob er das vielleicht besser kann als du”. Es ist kontraproduktiv für alle (und in der Branche schon viel zu sehr verbreitet), dass man sich täglich für seinen Job aufs Neue rechtfertigen muss. Und bevor das Argument kommt: NATÜRLICH muss man trotzdem immer gute Arbeit leisten. Aber Journalisten arbeiten besser, wenn sie nicht ständig die Kündigung im Nacken haben.
“Arbeit, die diese Anstellung rechtfertigt natürlich. Heißt: Fachkenntnisse, die andere in der Redaktion z.B. nicht haben, Qualifikation die Ausreicht, die gegebenen Aufgaben (sagen wir von kleiner Meldung bis Titelstory ) zur Zufriedenheit abzuliefern. ”
Du willst also bei der Bewerbung mit dem Argument auftrumpfen, dass du Sachen besser kannst als die etablierten Redakteure? Damit machst du dich sicher sehr beliebt
Wo hier immer von Fachkenntnissen (Recherche, Photoshop, Wikipedia) die Rede ist: Am Ende zählt doch nur, ob der Journalist gut schreiben kann. Alles andere kann auf Praktiletten abgewälzt werden. Und ein J-Studium beweist eben DAS nicht: Dass der Absolvent für DIESES Blatt, für DIESE Redaktion, über DIESE Themen gut schreiben kann.
Ich denke, unsere Standpunkte sind damit klar. Es ist sehr interessant, weil ich quasi den Standpunkt des “Etablierten” vertrete, während du den freien Zugang zu den Fleischtöpfen reklamierst. Auch wenn wir uns da nicht einigen werden, eins kann ich dir versprechen: Wenn du gut schreiben kannst und flexibel bist (finanziell, thematisch, stilistisch, menschlich), dann steht dir auch heute noch jede Tür offen. Photoshop hin oder her.
Lieber Torsten,
bisher hast du eigentlich nur gezeigt, dass du ein Meister im Umgang mit der journalistischen Deutungsebene bist. In die Faktenlage interpretierst du umfangreich deinen Standpunkt. Mit Andreas Standpunkt setzt du dich aber nur bedingt auseinander.
Es klingt fast so – und das wäre doch absurd, oder? – als ob ein Journalist der so fest im Sattel sitzt wie du, besorgt ist, dass nachfolgende Journalisten von Unis/Hochschulen qualifizierter sein könnten, als man das bisher gewohnt war.
Dass sie tatsächlich in eine Redaktion gehen könnten, und aufgrund ihrer Qualifikation ohne ein Volontariat auskommen. Weil sie während
ihres 4-5 Jahre andauernden Studiums nicht nur trockene Theorie, sondern auch umfangreiche Praxiserfahrung gesammelt haben. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier auch ein bisschen Neid & Angst um den Job mitspielen:
Man kann dir diesen Selbsterhaltungstrieb nicht vorwerfen, jeder will doch nur um die Runden kommen. Aber hier kann man – ich interpretiere mal so frei wie du – den Eindruck gewinnen, dass du ein generelles Problem mit Praktikanten (oder wie du weiter unten schreibst Praktikletten) hast.
Lassen wir sie ja nicht an den Speck, denn es könnte ja das unwahrscheinliche aber mögliche Ereignis eintreten, dass er durch Studium & nebenbei gewonnener Praxiserfahrung gleich gut oder sogar besser ist. Was erdreistet sich ein (vielleicht!) kompetenter Praktikant da. Sehr enttäuschend, deine Haltung, obgleich nachvollziehbar.
Ich verstehe deinen Standpunkt zwar insofern, weil du in Redaktionen offenbar nur dieses Bild vom “inkompetenten Studenten” erlebt hast. Ich kann dir ohne Probleme zustimmen, dass es heute nach wie vor so sein kann (und mancherorts wohl auch ist).
Studenten, die in ihrem J-Studium wenig bis gar keine Praxis bekommen, die nur “ein Hochglanzmagazin” 1x pro Semester aus dem Hut zaubern. Und ja, zaubern ist das richtige Wort. Was ich da gesehen/gehört – ich würde dir uneingeschränkt zustimmen.
Aber es gibt nunmal auch die andere Seite der Medaille. Sicherlich hat Bologna da einiges schwieriger gemacht – aber alles andere als unmöglich.
Er hat nichts von alledem gesagt. Dennoch interpretierst du es hinein.
Auch hier der fast schon verzweifelte Versuch, ihm das “Wort im Munde” umzudrehen. Versuchen wir Andreas Äußerung mal in verknappt festzuhalten: Volos sind in keinster Weise grundsätzlich schlecht für J-Studenten. Aber es sollte differenziert werden ob der J-Student das Volo überhaupt braucht um nach dem Studium erstmal das journalistische Handwerkszeug & Praxiserfahrung zu erhalten oder ob er diese schon mitbringt.
Es mag vor 20 Jahren alles trockene Theorie gewesen sein und mancherorts sogar noch heute. Aber genau hier gilt es zu unterscheiden: Woher kommt der Student und was kann er. Bringt er alles notwendige mit, gibt es keinen Grund für ein Volo.
Das hat er ebenso wenig gesagt. Aber wieder interpretierst du das hinein, was du aus seiner Feststellung gerne entnehmen möchtest.
Kannst du auch etwas anderes als verzweifelt versuchen, ihm die Worte zu verdrehen?
Das Arbeitsrecht bietet für Andreas “Probearbeiten” genau das passende Schema namens “PROBEZEIT”. Der Begriff ist dir vielleicht bekannt. Ein Arbeitgeber kann sich so binnen kürzester Zeit von einem neuen Mitarbeiter trennen.
Für die Medienbranche ist das – zugegebenermaßen – ein eher schwieriger Weg, aber das liegt wohl auch am Wollen. Es lässt sich doch relativ rasch feststellen, ob ein “Neuer” das notwendige Know-How besitzt oder nicht.
Und auch hier legst du ihm etwas in den Mund, was er nicht gesagt hat. Er wird auch diese Seiten vollschreiben, weil es sein Job ist. Aber – und nach 5 Jahren Studium und sollte er noch ein Volontariat machen – verstehe ich es, wenn er sich nicht mehr ohne weiteres damit zufrieden gibt.
Und wenn uns die Argumente ausgehen, da beleidigen wir mal pauschal eine gewisse Menge von J-Studenten als Vollspacken. Das lässt tief blicken.
Genau hier ist der Wurm drin. Wir sind nicht 1990 sondern 2010. Die Medienbranche befindet sich in einem massiven Umbruch und mit ihr in gewisser Weise auch der Arbeitsmarkt. Um auf dein Einkaufszettel-Beispiel zurückzukommen: Ich habe alte Redakteure erlebt, die ohne Hilfe unfähig waren ein Exceldokument zu öffnen, die sich erstmal tagelang mit der Bedienung einer kleinen Cam auseinandersetzen musste, und von guten Aufnahmen nach wie vor weit entfernt sind. Vom Schneiden und Recodieren der Clips wollen wir gar nicht reden.
Und auch wenn ich es nicht erwartet hätte:
Vollste Zustimmung.
Ein zwei Sachen mah ich dennoch noch ergänzen:
J-Studenten haben Praxiserfahrung, nur vielleicht weniger als Volos. Aber nicht keine.
Die “Pseudo-Anstellung” soll ja nicht über 2 Jahre laufen. Und rein theoretisch: Wenn der Depp von der Straße gut genug ist, so sei es. Wieder der Sportverein: Wenn der Junge schnell ist, aber in den letzten 2 Jahren keinen Sport gemacht hat- na und?
Die Hierachie zu begründen mit “Der Altredakteur hat sich wieder und wieder bewiesen, bei immer neuen Themen, in immer neuen Situationen, unter immer wieder anderen Vorzeichen.” Ist in meinen Augen aber auch realitätsfremd und sehr idealistisch…
Bewerbungsargumentation und Gründe, die man beim Arbeiten zeigt, sind auch noch mal 2erlei Dinge
Zu guter letzt:
Wo hier immer von Fachkenntnissen (Recherche, Photoshop, Wikipedia) die Rede ist: Am Ende zählt doch nur, ob der Journalist gut schreiben kann. Alles andere kann auf Praktiletten abgewälzt werden.
Ich denke, das wird sich ändern. Die Anforderungen werden sich wandeln. Schau mal bei der taz die Stellenausschreibung im Online: Voraussgesetzt werden auch Kenntnisse von/über Twitter, Flattr, etc. Social Media, Cloud-Newsing und solche Dinge werden zunehmend wichtiger. Die Leute werden erwarten, das Newssiten schneller arbeiten können als jetzt. Wenn in Twitter schon seit einer Stunde das Problem in Duisburg bekannt ist, aber die Massenmedien nicht berichten, haben sie die Augen nicht offen gehabt. Weitere Beispiele wären möglich. Vielleicht irre ich, aber ich gehe davon aus, dass Video- und Bildredaktionen zunehmend mit den “schreibenen” verschmelzen.
so ein windelweicher, lamoryanter bullshit. alleine dieses stück zeigt die offenkundigen probleme des autors auf, sich im professionellen journalismus zu etablieren.
du hast da was falsch verstanden: ein gutes volo oder journalistenschule ist eben nicht eine billige arbeitsbeschäftigung, die schon ausgelernt hat, sondern vielmehr eine umfangreiche redakteursausbildung, die das unternehmen bis zu 100.000 euro kosten kann. und ja, es gibt bundesweit nur knapp 600 ernstzunehmenede journalistische volos jährlich. und ja, die wenigen renommierten journalistenschulen suchen auch nur die besten handvoll aus mehreren tausend bewerbern aus. tough luck, dass du nicht dazu gehörst.
ein studium ist ein studium ist ein studium. egal welcher fachrichtung und ob an einer uni oder einer fh. hier lernen angehende journalisten FACHkompetenz. SACHkompetenz erwirbt man in der redaktion, die man entweder als journalistenschüler oder volontär im rahmen seiner REDAKTEURsausbildung aufsucht. alle volos (qualitätszeitungen / ÖR-rundfunk) und journalistenschüler(nannen, djs), die ich kenne, haben jahrelang als freie autoren gearbeitet.
gleichwohl war dies für alle erst das nadelöhr, um dem volo näher zu kommen. es ist ja auch kein wunder, dass man eine vielzahl an erfahrungen braucht, wenn wie beim ÖR-rundfunk gut und gerne 3.500 mitbewerber ausgestochen werden müssen. ein hochschulexamen ist ohnehin formalvoraussetzung und daher nicht sonderlich der rede wert. schon gar kein noch so dufter online-lastiger, praxisnaher studiengang in der medienmetropole darmstadt.
wer bitte glaubt allen ernstes als fernseh-autor für den ÖR-rundfunk zu arbeiten, wenn er aus der uni kommt??? welch eine hybris, ob der eigenen qualitäten und fähigkeiten, als fh-diplomer, gleich eine festanstellung anzustreben… selbst wenn man schon mal videoschnitt gemacht haben sollte: sendefähig wird es damit noch lange nicht.
erst kommt die theorie, dann die praxis, dann die alleinstellungsmerkmale gegen eine riesengroße konkurrenz für einen kleinen bedarfsmarkt, dann die professionalisierung, dann erst die autorenhandschrift, dann die redakteursstelle.
wem das nicht alles passt, soll auf lehramt studieren.such is life.
gute leute setzen sich immer durch und werden von verlagen, sendern und redaktionen auch weiterhin und in zukunft eingestellt.
kleiner tipp: zum journalist sein wollen, gehört eine grundmaß an recherche: vielleicht mal damit anfangen. als onliner bietet sich da zunächst wikipedia an: http://de.wikipedia.org/wiki/Volontariat
winke, winke und frohes weiter lamentieren
)))
ps: redaktionsassistenten, sind das, was ehedem “sekretärin” hieß und haben demzufolge mit redaktionellen inhalten so viel zu tun, wie erika steinbach mit geschichtskenntnissen.
@ Max: Du hast mich voll durchschaut – falsch, aber voll. Bist du sicher, dass Andreas jemanden braucht, der für ihn spricht?
@ Andreas: Das ist soweit richtig – ich glaube nur, die zusätzlichen Fähigkeiten werden von jedem Journalisten erlangt/erlernt, so er denn sein Tagesgeschäft sorgfältig macht. Ich habe seinerzeit mit einer klassischen Schreibmaschine angefangen, dann über DOS zu Windows, zu Redaktionssystemen, zu Mac, zu InDesign, etc. Schön, wenn man das heute von vorneherein beigebracht bekommt. Daraus zu schließen, dass ältere Redakteure da hinterher hinken? Naaahhh…
Wie bei so vielen Sachen in dieser Diskussion: Kann sein. Muss aber nicht. Ist mit Sicherheit nicht zu verallgemeinern.
Online-Journalisten kennen nicht nur Wikipedia, sondern auch IP-Adressen. Und mit den Kenntnissen ist es interessant zu sehen, aus welcher Ecke Kommentar #36 mit Wörtern wie “bullshit” und einer allgemein sehr herablassenden Wortwahl kommt. Das nur dazu…
Inhaltlich: Ich sag ja nicht, dass z.B. ich TV-Beiträge mache. Da schließe ich mich dem Kommentar von Asja, relativ zu Beginn an
*Kommentar nachträglich geändert
@ Andreas: FOUL! Ganz böser Tiefschlag! Nur, weil dir das Posting von Gergars nicht passt, musst du ihn gleich (partiell) outen? Lernt man das in der J-Schule? Mieser Stil, und auf einem Blog allemal indiskutabel. Missbrauch der Admin-Rechte. Da ist keine faire Diskussion möglich.
“Fertige” Journalisten können mit sowas umgehen.
So jung, und schon so ein Mimöschen. Jetzt bin ich aber echt enttäuscht.
Mir nicht passen… naja. Du selbst siehst, dass ich mich sehr wohl inhaltlich mit Kommentaren auseinandersetze.
Finde es in diesem Fall jedoch durchaus relevant den Kontext zu kennen. Vor allem wenn wir von hier “fertigen Journalisten” reden.
@ Andreas: “Keine Details” ist kein Argument. Demnach dürftest du auch sagen: “Der hat schwarze Haare”. Die IP-Adresse und ihre Herkunft sind privilegierte Informationen, und es gehört sich einfach nicht, diese zu instrumentalisieren. Das ist eine Frage des Mindeststandards. Hast du weiter oben nicht geschrieben, J-Schüler verstünden was von Medienethik? Dann hapert es wohl bei der Anwendung.
Ich sage es zum wiederholten Mal (und mittlerweile seufzend): Deine Kommentare beweise eine journalistische wie emotionale Unreife, die bei mir vor allem einen Eindruck hinterlässt: Du magst vieles sein, aber kein “fertiger” Journalist. Und wer bei der Wahl seiner Mittel so schnell zu fragwürdigen Methoden greift, wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht.
Vor 20 Jahren (und ja, das mag sich geändert haben) hieß es bei uns in den Redaktionen: “J-Schüler sind vor allem durchtheoretisierte Großmäuler, die viele Ansprüche, aber wenig Ahnung haben”. Ich unterstelle dir das nicht – aber es liest sich streckenweise so.
Also vor 20 Jahren gabs die DDR noch, den 11. September verband man noch mit anderen Dingen und so weiter…
Zudem bin ich ja noch kein fertiger J-Schüler, bin sogar erst in der Hälfte. Keine “Ausrede” aber ein Hinweis.
Zur IP-Sache: Hab sie leicht entschärft. Wobei ich durchaus finde, dass die Herkunft nicht zwangsläufig eine priviligierte Info ist, da sie in manchen Fällen der Bewertung einen deutlichen Aspekt verleiht. Ähnlich wie man über Anzeigen Anzeige zu schreiben hat. Und wie ich es auch richtig fand, das während der Bundestagswahl über gezielte Kommentar-Käufe einiger Parteien berichtet wurde
Und obendrauf: Du änderst auch noch ungekennzeichnet deine Kommentare! Das wird ja immer besser!
Echt jetzt? Echt?
Nein, Andreas, da kommen wir nicht zusammen. Gergars hat einen scharf formulierten, aber in der Sache absolut okayen Kommentar geschrieben, und du hast dein exklusives Wissen genutzt, um… ja, was eigentlich? Was willst du damit insinuieren?
In einer Diskussion unter Gleichberechtigten hast du dein Info-Monopol missbraucht. Es ist ja nicht so, dass du einen Enthüllungsbeitrag über Gergars schreiben sollst.
Mannometer, ist das stillos. Und sowas möchte die Speerspitze der nächsten Generation sein? Bitte erstmal die Grundlagen im fairen Umgang lernen.
So, gekennzeichnet ist es nun auch noch.
Was ich kennzeichnen wollte, ist gesagt. Dass ich die Speerspitze bin, nie behauptet. So far
So, so, die bösen Verlage sind mal wieder schuld – wenn Absolventen eines Journalismus-Studiums „nur“ ein Volontariat statt einer Redakteursstelle bekommen. Als Entscheider in einem der sich scheinbar so schäbig verhaltenden Medienunternehmen kann, ja muss man das Thema auch anders sehen.
Kurz zu mir – damit Sie meinen Kommentar einordnen können: Ich bin Chefredakteur der Rhein-Zeitung (Koblenz/Mainz). Das klingt ländlich – und doch gehören wir zu den 20 größten Tageszeitungen Deutschlands.
Wir bilden seit vielen Jahren intensiv Volontäre aus (meist zehn pro Jahrgang). Wir bezahlen unsere Volontäre übertariflich (derzeit 2100 € x 13) – und auch aufgrund unserer außertariflichen Gehaltsstrukturen (ein Jungredakteur startet mit 2800 € x 13) haben wir viele Volontäre als Redakteure übernehmen können.
Wer es in der Branche und auch in der Szene der Hochschulen mit Journalismus-Studiengängen wirklich wissen will, müsste es auch wissen: Die RZ gehört zu den Regionalzeitungen, wo auch für junge Leute etwas geht.
Und wir sind damit beileibe nicht alleine in unserer Medienrepublik: Gerade Regionalzeitungen sind für Innovation und Talente viel offener, als die (digital) veröffentlichte Meinung so gerne behauptet.
Soweit meine (zum Verständnis hilfreiche) Vorrede, jetzt meine Sicht der hier diskutierten Dinge:
Ich bin seit über zehn Jahren in der Chefredaktion eines bekanntermaßen einstellungsfreudigen und großen Medienhauses tätig – auch als Entscheider in punkto Volontäre und Jungredakteure.
Und jetzt raten Sie mal, wie oft mich in dieser Dekade Unis, Institute oder Schulen kontaktet haben, die sich der Ausbildung von Journalisten widmen, um mir ihr Wirken mal grundlegend deutlich zu machen oder Absolventen ans Herz zu legen.
Pro Jahr ein paar Besuche? Öfters mal ein Schreiben? Mal eine Einladung? Wenigstens ein paar Anrufe? Oder zumindest mal ein Mail? FEHLANZEIGE.
Es herrscht FUNKSTILLE. In jeder Beziehung. Obwohl ich empfangsbereit wäre, Professoren empfangen, Institute besuchen, Ausbildungspläne lesen würde.
KEIN Studiengang, KEIN Journalismus-Prof hat je versucht, mir seine Ausbildung transparent zu machen, mich vom Stellenwert seiner Ausbildung zu überzeugen – um mir auf dieser Basis später vielleicht auch mal Talente zu vermitteln.
Die Frage „Gleich Redakteur“ oder „erst mal Volontär“ stellte sich mir nie – weil diese Unis und Institute schlicht keinen Kontakt zu unserer Medienhauswelt aufnehmen.
Ich habe auch nie mitbekommen, dass die Chefredakteurs-Runden, denen viele Redaktionsmanager von Regionalzeitungen angehören, von Journalisten-Unis kontaktet und mit Hintergründen versorgt worden sind. Politiker sprechen gerne und oft mit uns, Wirtschaftsbosse, auch Branchenorgane wie der Presserat – die Szene, in der Ihr das Fundament für Euren Beruf legen wollt, aber nicht.
Folge: Ich weiß schlicht nicht, welche Journalismus-Uni oder -Schule wofür steht. Ich ahne nur, dass die Bandbreite dabei groß ist – von miesen Beutelschneider-Instituten über spannende Praxisschmieden bis zu abgehobenen Theorie-Biotopen.
Und da wundert Ihr Euch, wenn Verlage das wertvolle Gut einer Redakteursstelle nicht einfach so hergeben, sondern Euch und Eure Ausbildung via Volontariat kennenlernen wollen?
Vorschlag: Beschwert Euch nicht (gleich) reflexartig über die vermeintlich bösen Verlage. Sondern recherchiert mal in eigener Sache in Eurem Studiengang, bei Eurem Prof: Was für Lobby-Arbeit macht er denn wo in der Medienwelt – für sein Institut? Für seine und Eure Sache? Für Euch Absolventen?
Gut möglich, dass Ihr nach dieser Recherche Gut und Böse an der Schnittstelle zwischen medialer Ausbildung an Uni & Co. und medialer Berufswelt neu sortieren müsst.
ich arbeite in einer gänzlich anderen branche.
aus dem handwerk bin ich nicht, dennoch würde ich gerne hier eine analogie zu deiner sicht der dinge anbringen.
du bist der meinujng mit dem gesellenbrief in der tasche losziehen zu können und anderen das schreiben zu lehren.
ein meister seines faches besticht nicht nur durch sachliches knowhow sondern auch durch das einbinden von erfahrung und sozialer kompetenz innerhalb seines unternehmens.
ob journalist, polizist oder bäcker… wer irgendwo neu anfängt, und das tut ein volo, der backt erstmal kleine brötchen.
mit der zeit die man einem unternehmen schenkt wächst das vertrauen der kollegen und die verantwortung für und mit der gemeinschaft. das ist in jedem, jedem betrieb so.
wenn du also denkt du kannst alles, steht es dir doch frei also selbstständiger professioneller journalist unabhängig einer unternehmung wie der eines verlages zu arbeiten. was kümmert dich die anstellung als volontär.
Christian Lindner, vielen Dank für diesen wertvollen Kommentar. Ich muss dir vollkommen recht geben, von seiten der Hochschulen, aber auch von seiten der Absolventen/Studenten selbst muss mehr kommen. Natürlich ist es auch gut, wenn sich die Unternehmen von sich aus informieren. Aber wie immer haben alle Beteiligten noch “so viel anderes zu tun”. Und in dem Fall müssen es ja eher die Studis und Hochschulen sein, die ein Interesse haben, sprich am Zug sind.
Den Punkt habe ich in meinen gesprächen zum Teil auch schon eingebracht, im obrigen Text aber nicht weiter ausgeführt (vielleicht ist es da an einem Teil 2, ich überlege sowieso ob ich es weiter drehen soll, auch in Hinsicht auf: Was für Studiengänge gibt es eigentlich).
Ich möchte noch mal betonen, dass ich keine Schuldigen ausmachen wollte in meinem Kommentar, sondern erst einmal das Problem beschreiben. Dass es darauf ein umso sachlicheres und konstruktives feedback gibt, freut mich umso mehr.
Ich kann dem Autoren nur beipflichten.
Journalismus-Studium womöglich noch mit viel Praxisbezug – wie an FHs- und dann nochmal ein Volo und denselben Kram lernen?? Das ist eigentlich überflüssig.
Durch Praktika und freie Mitarbeiten sammeln schließlich so gut wie alle JO-Studeten jahrelang Erfahrungen am lebenden Objekt.
Ich bin in der glücklichen Lage und habe direkt eine feste Stelle bekommen ( in einer bis dato fremden Firma) und fühle mich alles andere als überfordert. Eher vermisse ich die engagierten Studenten und den täglichen Stress und muss lernen, nach dem Powerstudium drei Gänge runter zu schalten, weil ich jetzt nur noch in EINER Redaktion arbeite.
Das eigentliche Problem liegt doch gar nicht im Volontariat, sondern in der Bezahlung. Ich denke, die meisten Unternehmen sind nicht bereit die üblichen Volo-Gehälter laut DJV zu bezahlen. Würden diese nämlich zahlen, würde es nicht so weh tun ein Volontariat zu absolvieren.
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Ein sehr guter und vor allem objektiver Kommentar Herr Lindner, der auch einen anderen Blickwinkel auf die Sache offenbart. In jedem Falle sollte auch dahingehend etwas unternommen werden. PR-Arbeit / Lobby-Arbeit sollten gerade in einem medien-/kommunikationswissenschaftlichen Studiengang alles andere als ein Problem darstellen. Bedauerlich wenn davon nichts zu sehen ist.
Es liegt sicherlich auch an den Unis/Hochschulen genug Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit in ihre journalistischen Studiengänge zu stecken, damit Medienhäuser/Verlage wissen, was deren Absolventen (nicht) können.
Eine Frage muss aber gestattet sein Herr Lindner:
Braucht es wirklich volle 18 Monate (o.ä.) um “uns und unsere Ausbildung” kennenzulernen? Es dürfte sich doch relativ schnell offenbaren, was der oder die “Neue” kann. Bspw. wie von Grieß erwähnt bei einer Probearbeit von mehreren Wochen/wenigen Monaten.
Nägel mit Köpfen sind doch das beste Resultat einer Debatte: Christian Lindner kommt im Wintersemester nach Dieburg, um die Journalismus-Studiengänge kennen zu lernen (und sich den Fragen der Studierenden zu stellen).
Die differenzierte Diskussion dieses wichtigen Themas in diesen Blog hat schon etwas Konkretes bewegt.
Prof. Dr. Peter Schumacher von der Hochschule Darmstadt (Fachbereich Media, Studiengangsleitung Wissenschaftsjournalismus) hat mich nach meinem Kommentar eingeladen, aus der Perspektive eines Redaktionsmanagers vor seinen Studenten darüber zu sprechen, wie und warum wir bei der Rhein-Zeitung Social Media etabliert haben.
Und für einen offenen Austausch mit Studenten und Lehrenden über die Kompatibilität von journalistischen Studiengängen und journalistischer Arbeitswelt wird auch Zeit sein.
Zwei Welten finden via Blog im realen Leben zusammen – was will man mehr?
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Ich hatte leider eben nicht die Zeit, alle Beiträge zu lesen.
In denen, die ich gelesen habe, ist aber ein entscheidender Punkt noch nicht angesprochen worden:
Warum sollten die Journalismus-Studiengänge anderen Studiengängen überlegen sein? Jeder der z.B. eine Geisteswissenschaft studiert und dann ein Volo absolviert kommt auch auf die sieben Jahre Ausbildung. Und glaubst du, diese Leute haben vorher nur Däumchen gedreht und dann im Volo alles gelernt? Wohl kaum! Die haben genauso vorher bereits journalistisch gearbeitet, Fortbildungen besucht, Praktika absolviert etc. wie die Journalistik-Studenten auch.
Die werden schließlich auch nicht aus dem Nichts in eine Redaktion gesetzt.
la-Ac:
Du wirfst in deinem Kommentar Journalistik- und Journalismus-Studium durcheinander. Und genau da hängt der Haken, dort ist der Unterschied…
Also ich hab sogar jemanden aus Dortmund getroffen, der nach dem Studium noch ein Volo gemacht hat. Man kann es ja ggf. auf 1,5 Jahre verkürzen.
Worin liegen denn deiner Meinung nach die Unterschiede?
Und welche Richtung möchtest du einschlagen? Im Online-Sektor kenne ich mit den Einstiegsmodalitäten nicht so aus.
Der Unterschied ist das Journalistik (meist an Unis) die Lehre vom Journalismus ist, sprich Theorie.
Journalismus hingegen das tun selbst beschreibt (meist an FHs).
Der Journalist ist, wenn man so will der Astronaut – der Journalistiker der Astronom.
Astronauten haben in der Regel aber eben auch nicht “Astonautistik”, nichtmal Luft- und Raumfahrtechnik studiert, sondern eine Naturwissenschaft.
Journalisik-Studiengänge sind in meinen Augen etwa so, wie “Astronautistik” als Studienfach einzuführen. Ein bißchen Technik, ein bißchen Naturwissenschaft, ein bißchen Sport vielleicht und ab und zu dürfen sie sich auch mal ne Raumkapsel ansehen – aber ob das reicht, sie ohne Weiteres ins All zu schicken UND dort Forschen zu lassen?!
Wie gesagt, ich studier ja Journalismus, nicht Journalistik
Na ja, wann bist du fertig? In zwei Jahren? Wenn du dann ohne Volo eine tarifliche Anstellung als Journalist bekommst, lad ich dich zum Kaffee ein
wie schön wäre es doch, wenn alle entfristet und zu den bestmöglichen konditionen im journalismus arbeiten könnten.
vielleicht mal ein paar zahlen, um die diskussion zu versachlichen:
69 prozent der deutschen journalisten haben ein hochschulexamen
15 weitere prozent ihr studium ohne abschluss abgebrochen
76 prozent aller journalisten haben nach dem studium eine redakteursausbildung (volo ODER journalistenschule) absolviert
in deutschland gilt eben nach wie vor die akademische ausbildung und die praktische ausbildung als dualer idealweg. wer einen wenig wissenschaftlichen, dafür angeblich umso praktisch orientierteren studiengang (e.g. “journalismus” an der fh) absolviert, dem fehlt zumindest eine ausbildungsseite oder beide in gänze.
die ganze forderung des autors geht also gänzlich an den realitäten vorbei. die hinweise studiengänge oder journalistenschulen seien zu neu, ist schlichtweg humbug: die renommierten studiengänge journalistik wie in dortmund, hamburg, münster gibt es seit den 1970er jahren, die bekannten journalistenschulen (springer, nannen, djs) seit den 1950er Jahren. der ganze “mittelbau” (alter: 35-55 jahre // leitende redakteure und wichtige autoren) der großen redaktionen dieses landes (sz, spiegel, tagesschau etc.) hat nahezu ausschließlich diesen werdegang (studium DANN volo/journalistenschule) hinter sich. gerade weil diese institutionen etabliert sind zählt ein abschluss – aber eben nicht alleine. das ist zumindest unumstößlicher fakt für alle qualitätsmedien, ob überregionale zeitungen, nachrichtenmagazine oder den ÖR-rundfunk…
wer sich zudem noch einmal die mühe machte, normale redakteursstellenangebote zu lesen (e.g. im “journalist”), wüsste, dass bei den FORMALvorraussetzungen in den allermeisten fällen studium UND volo/journalistenschule ein faktisches einstellungskriterium ist (siehe z.b. stellenangebot des SR aus heft 5/2010), würde vielleicht nicht für den journalismus light werben, der automatisch allen uni-absolventen offen steht.
und wenn du gut bist, bist du gut. nur mit volo oder journalistenschule eindeutig noch besser und oftmals andernfalls gar nicht in der lage für das jeweilige medienunternehmen zu arbeiten.
trotzdem glück auf.
weischenberg/scholl/malik mit ihrer follow-up studie
http://www.ipsos.de/downloads/Ipsos_Journalismus_in_Deutschland_II.pdf
djv
http://www.djv-sachsen.de/kurier55/Bildung/bildung.html
djv-hauspostille
http://www.journalist.de/karriere/stellenmarkt.html
@Gergars:
Hab just heute erlebt, dass ich mitunter recht habe. Praktikantin der gesagt wurde, dass sie als Redakteurin anfangen könnte, Volo sei zu tief gegriffen…
@Gergas
Das mit dem dualen System haben Sie anscheinend falsch verstanden und Ihre allgemeine Äußerung ist so verkehrt, wie der häufig gehörte Blödsinn, ein guter Ingenieur solle doch erstmal eine Lehre machen ehe er studiert.
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Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Eitelkeiten sollen ja gerade bei Journalisten weit verbreitet sein. “Ich bin, ich habe, du solltest…” – ist der Journalismus denn aber nicht gerade bekannt dafür, dass viele Wege in eine Anstellung führen können? Und gibt es dafür nicht auch gute Gründe?
Wir, die wir uns in einer wie auch immer gearteten Journalismus-Ausbildung befinden, die, die eine wie auch immer geartete Ausbildung hinter sich haben und die, die eine wie auch immer geartete Ausbildungen anbieten, haben doch eines gemeinsam: Sie müssen mit dem Umbruch fertig werden, der derzeit die Branche beschäftigt.
Doch nicht mal das soll uns eitlen Journalisten vorbehalten sein: Als einer meiner ehemaligen Professoren eines Studiengangs mit Job-Garantie uns immer wieder erzählt hat, wir könnten ja auch alle Taxi fahren gehen, da hatte ich dann, als es für mich konkret wurde, große Auswahl: Viele haben doch jahrelang studiert, nur um dann festzustellen, dass keiner auf sie gewartet hat. Naiv wäre es, denen zu unterstellen, ihre Ausbildung sei nicht gut genug gewesen.
Natürlich, Argumente wie “Abläufe in Redaktionen sind sehr komplex, daher muss jeder ein Volo absolvieren” sind reflexartig. Reflexartig halte ich dagegen: Abläufe in Berufen, die eine akademische Ausbildung voraussetzen, sind immer komplex – keiner erzählt aber einem diplomierten Betriebswirt, dass er zum Erbsen zählen zunächst noch für ein paar Jahre auf den Acker gehen sollte.
Arbeitgeber hüten sich immer dann davor, extrem qualifizierte Fachkräfte zu verprellen, wenn sie rar sind. Wir Journalisten sind momentan leider nicht rar. Wir sind die Taxifahrer. Viele wollen “was mit Medien” machen. Wir sind die Deppen, die mit einem richtigen Berufswunsch zur “falschen” Zeit auflaufen. Wir müssen auf den Acker und Spreu von Weizen trennen.
Doch der Acker ist reichlich groß und wir treffen dort ziemlich viele, denen es genau so ergeht. Eitelkeiten sind da fehl am Platz und so kann ich mich nur wundern, wenn etablierte Journalisten, Journalismusschüler und Studenten “Königswege” der Ausbildung ausgemacht haben wollen. Es ist ja ganz richtig und wichtig gesagt worden, dass Journalismus-Studiengänge noch kaum bekannt sind. Schlimm genug. Allgemein gilt ein Studium aber nicht als die schlechteste Ausbildung, daher kann man wohl auch eine gewisse Neugierde erwarten – zumal wir hier von Journalisten sprechen.
Einerseits sind hier also dringend die Dekane und Professoren gefragt, die nicht einfach ins Blaue hinein ausbilden können – eine Wegbereitung sind sie ihren Studenten zwar nicht schuldig aber es wäre doch auch für die eigene Arbeit schöner, wenn man sie nicht umsonst täte. Gefragt sind aber auch Personaler und Arbeitgeber neue Ausbildungswege zu reflektieren.
Die Diskussion, ob Absolventen von Hochschulen genügend praktische Erfahrung haben oder nicht ist nun auch nicht neu: “Ach, Sie haben studiert. Na dann muss ich es Ihnen natürlich erklären”. Neu ist es aber indes auch nicht, dass der Anteil an Akademikern unter Führungskräften groß ist; Tendenz steigend. Demnach wäre es blauäugig, Hochschulabsolventen zu unterschätzen. Blauäugig sind aber eben auch wieder Hochschulabsolventen, die glauben, sie hätten das ihrige getan, um eine Top-Stellung frei Haus zu bekommen. “Spacken”, das wurde ja schon gesagt, gibt es unter denen so viele wie überall.
Konsens könnte also sein, dass wir Gleichmacherei betreiben, so lange wir es nicht besser wissen: Journalismusstudenten und Journalismusschüler müssen Volos machen. Aber was machen wir mit den Volontären? Noch ein Volo? Es sollte doch wohl Konsens gerade mit den Verlagen darüber herrschen, dass es ineffizient ist, ausgebildete Journalisten in ein Volontariat zu stecken, wo sie zwar den Redaktionsalltag kennen lernen, darüber hinaus jedoch an Seminaren teilnehmen, die die Verlage ohne jede Zweckmäßigkeit teuer bezahlen müssen.
Da krankt dann auch die Argumentation einiger, die da wohl mit Recht darauf hinweisen, ein Volontär sei nun kein billiger Journalist, weil man ihm ja eine teure Ausbildung finanzieren müsse. Doch wieso bitte hat ein Verlag ein Interesse daran, eine Ausbildung zu finanzieren, die zumindest bei Journalismusstudenten doch – auch durch seine Steuermittel – zuvor schon ermöglicht wurde.
Drum prüfe wer sich ewig bindet – das kann dann wohl die Motivation der Verlage sein und die kann ich ihnen auch nicht abspenstig machen. Viele Unternehmen tun dies durch Trainee-Programme oder ähnliches – gleich bei all diesen Programmen aber ist: Die Qualifikation der Absolventen wird formal anerkannt. Man hat dort bereits gelernt, dass die, die von einer Hochschule kommen, nicht die Schlechtesten sind. Man nutzt die Zeit um “Spacken” auszusortieren, vornehmlich aber auch, um den besseren das Unternehmen vorzustellen, sie einzuarbeiten, sie, wenn sie denn gut sind, zu binden.
Etwas Vergleichbares gibt es in Medienhäusern offensichtlich noch nicht. Dennoch erachtet man es für wichtig, Bewerber genau kennen zu lernen. Wenn man gedenkt, mit Volontariaten diese Lücke füllen zu können, so ist das von meinem ökonomischen Verständnis her Unsinn und wenn der Umbruch in der Medienindustrie eines erfordert, dann doch wohl einen ökonomischem Umgang mit einem Berufsfeld, welches sich naturgemäß schwer damit tut.
Nachtrag: Etwas paradox finde ich folgende Argumentation hier: Wenn ich mich recht erinnere, wird da zunächst darauf hingewiesen, es käme nur darauf an, schreiben zu können; jede weitere Kompetenz könne bei Zeiten parallel entwickelt werden. Im Fortlauf wird dann jedoch erklärt: Ohne Studium kein Volo und ohne Volo+Studium keine Jobchance.
Erstens werden Volos doch auch deshalb so hoch gehalten, weil man es sich eben leisten kann, sie zu verlangen. Es gibt genügend Bewerber. Ob ein Volo nach dem Studium die Qualifikation nun verbessert oder es nutzlos bleibt: Es ist ein formaler Selektionsvorteil für diejenigen, die es haben.
Zweitens bedeutet Studium + Volo gut und gerne 8 Jahre Ausbildung. In der Zeit sind andere Facharzt. Kurz: Hier wird die Ausbildung eines Journalisten zu der aufwändigsten Ausbildung überhaupt heraufbeschworen – und das, wo man doch eigentlich nur schreiben können muss und alles andere sowieso jeder nebenbei lernt.