Volontariat nach dem Journalismus-Studium?-Bilanz einer Diskussion oder: Was ein Blogbeitrag bewirken kann

Am 8. September veröffentlichte ich auf meinem Blog einen Kommentar zur im Titel genannten Frage. Meine These darin: Absolventen von Journalistenschulen sowie dem von mir besuchten Studiengang Online-Journalismus brauchen nach ihrer Ausbildung kein Volontariat mehr. Dass ihnen vielerorts jedoch maximal dieses, fast aber nie eine normale Redakteursstelle angeboten wird, halte ich für falsch.

Ich schrieb unter anderem:

Von Journalistenschülern und uns ausgegangen, kann ich nur sagen: Diese Absolventen sind in der Regel fertig ausgebildet. Es ist ein Weg in den Journalismus, ein Volontariat ein anderer. Beides hat Vor- und Nachteile.

Vor allem nahm ich uns Journalismus-Schüler/Studenten ins Visier. Denn: Nur solange genügend sich mit einem Volontariat „abspeisen lassen“, weil es „halt so ist“, funktioniert das System.

Der Kommentar hat sehr viele Reaktionen hervorgerufen und wurde mehrfach verlinkt. Ich hatte zwar mit Echo gerechnet, aber nicht mit so großem. In den über 50 Kommentaren (zum Teil auch Antworten von mir) traten vor allem folgende Positionen hervor:

  • Zustimmung zu meinen Aussagen
  • Kritik, es sei überheblich, als angehender Journalist eine Festanstellung zu fordern. Hierbei wurde häufig drauf verwiesen, dass im Journalismus eine Hierarchie existiere
  • Der Hinweis, dass nicht jeder Absolvent gleich gut qualifiziert ist
  • Der Hinweis, dass die Studiengänge zum Teil noch sehr jung sind und sich erst bewähren müssem
  • Weitere Ausführungen, die sich zum Teil um Detailfragen drehen

Besonders wertvoll war ein Kommentar von Christian Lindner, dem Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Der hatte bereits früh auf den Text hingewiesen und auf Nachfragen via Twitter (auch von mir) zugesagt, seine Sicht der Dinge darzulegen. In seinen Kommentar spielt er den Ball an die Dozenten und Hochschulen weiter. Er betont, diese müssten Leuten wie ihm die Inhalte ihrer Ausbildung verdeutlichen. Er schreibt zum Beispiel:

KEIN Studiengang, KEIN Journalismus-Prof hat je versucht, mir seine Ausbildung transparent zu machen, mich vom Stellenwert seiner Ausbildung zu überzeugen – um mir auf dieser Basis später vielleicht auch mal Talente zu vermitteln.
Die Frage „Gleich Redakteur“ oder „erst mal Volontär“ stellte sich mir nie – weil diese Unis und Institute schlicht keinen Kontakt zu unserer Medienhauswelt aufnehmen.

Und weiter

Ich habe auch nie mitbekommen, dass die Chefredakteurs-Runden, denen viele Redaktionsmanager von Regionalzeitungen angehören, von Journalisten-Unis kontaktet und mit Hintergründen versorgt worden sind. […]
Folge: Ich weiß schlicht nicht, welche Journalismus-Uni oder -Schule wofür steht. Ich ahne nur, dass die Bandbreite dabei groß ist – von miesen Beutelschneider-Instituten über spannende Praxisschmieden bis zu abgehobenen Theorie-Biotopen.

Persönlich möchte ich ergänzen, dass neben den Dozenten auch wir Studenten selbst gefragt sind. Das ist zumindest die Erkenntnis, die meine Kommilitonen und ich in den letzten Tagen aus dem Kommentar gezogen haben. Und da wir gerade im Praxissemester sind, gibt es kaum einen passenderen Zeitpunkt.

Nach dem Kommentar von Christian Lindner lag der Ball bei den Dozenten. Auch hier fragte ich per Twitter nach, war mir aber sicher, sie würden die Diskussion ohnehin schon verfolgen. Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, und zwar keine aus theoretischen Thesen, sondern eine sehr pragmatische.

Prof. Dr. Peter Schumacher ergriff die Initiative. Er ist seit neustem Leiter des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus an der Hochschule Darmstadt, mit seinen Seminaren aber auch im Studiengang Online-Journalismus vertreten. Peter Schumacher lud den Chefredakteur in unsere Hochschule ein, zum beidseitigen Dialog. Dieser sagte auch prompt zu. Peter Schumacher kommentierte das unter meinem Blogartikel wie folgt:

Nägel mit Köpfen sind doch das beste Resultat einer Debatte: Christian Lindner kommt im Wintersemester nach Dieburg, um die Journalismus-Studiengänge kennen zu lernen (und sich den Fragen der Studierenden zu stellen).

Auch Christian Lindner hat sich zu diesem, wie ich finde erfreulichem, Ergebnis noch einmal geäußert. In seinem privaten Blog schreibt er unter dem Titel „Magisches Web2.0“ wie eins zum anderen führte. Das Ergebnis nannte ich bereits. Lindner schreibt:

Ich besuche die Hochschule. Gerne. Im November. Und spreche darüber, warum und wie wir bei der Rhein-Zeitung Social Media einführen. Noch wichtiger aber: Ein Medienhaus und eine medienaffine Hochschule werden mehr voneinander erfahren.

Persönlich werde ich leider nicht dabei sein können, da ich mich im November in Berlin aufhalte, der zweiten Station meines Praxissemesters. Trotzdem freue ich mich sehr, dass ein handfestes Ergebnis aus meinem Text entstanden ist. Da sage noch einmal jemand, Kommentare, respektive Blogs könnten nichts bewirken.

Natürlich kann es nur ein Anfang sein, aber es ist ein Anfang. Ich hoffe, der Dialog geht weiter, auch mit anderen (Hoch)schulen und anderen Redaktionen. Lasst uns reden. Wir können alle nur gewinnen.

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8 Gedanken zu “Volontariat nach dem Journalismus-Studium?-Bilanz einer Diskussion oder: Was ein Blogbeitrag bewirken kann

  1. Juhe. Es kommt also das zustande, was teils in anderen Studiengängen schon gang und gebe ist (und mir scheint, es ist häufig so, dass andere Studiengänge bereits Bewährtes haben, aber selten unter den Fachbereichen mal Wissen ausgetauscht wird).
    So ist es durchaus “normal”, dass es in der Fachrichtung Informatik Studiengänge gibt, die nicht nur zusammen mit Firmen und Betrieben designt wurden, sondern auch aktiv unterstützt , gar mitgestaltet werden, sodass die Firmen sogar soweit gehen können und am Ende zumindest Prozentzahlen der Abgänger Jobs versprechen können.

    Was ich mich noch frage bei dem Problem, dass Studiengänge relativ verschiedene Inhalte vermitteln, ist, inwieweit beim Journalismus da die Akkreditierung mitspielt oder eben nicht mitspielt?
    So sitzen bei Akkreditierungskomissionen ja studentische Vertreter, Professoren/Dozenten und eben auch Vertreter aus der Wirtschaft und des freien Marktes.

    lg

  2. Naja, zu sehr an ein Unternehmen sollte man sich auch nicht binden. Uni soll ja schon immer etwas mehr sein, als eine reine Job-Qualifizierung (Arbeiterschaffung). Womit wir aber mitten in der Bologna-Diskussion wären.

    Es gab auch bisher immer wieder mal Austausch in unserem Studiengang. Aber auszubauen ist das sicherlich. Nicht nur in Darmstadt

  3. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Die Darmstädter Journalismus-Studiengänge pflegen seit der Gründung vor fast zehn Jahren intensive Verbindungen in die Medienpraxis: In Projekten mit Redaktionen, über Lehrbeauftragte, über Gastreferenten und die Kontakte der Lehrenden auf Tagungen, Seminaren und in der Weiterbildung. Darauf bauen die Studiengänge zu einem großen Teil auch auf. Jetzt gibt es eben AUCH einen Draht nach Koblenz.

  4. Vollkommen richtig. Alle Unternehmen erreicht man jedoch freilich nie. Dafür muss sich ein Ruf verselbstständigen – im positive Sinne

  5. Pingback: CARTA

  6. Pingback: Jahresrückblick in Texten 2010 « Andreas Grieß // Blog

  7. Pingback: Tage, wie dieser – Volo versus Studi | Daniels On-Life

  8. So richtig sehe ich jetzt kein Ergebnis der Debatte. Das marode System bleibt auch, solange wir kostenlose Praktika machen, z.B. Und was machen wir gegen Sparmaßnahmen, die immer das Personal betreffen? Und Sicherung der Qualität? Da fühlen sich die Chefs leicht auf den Schlips getreten, wenn sie überhaupt mit einem reden…

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