Und weiter geht es. Gedanken, Anregungen, Vorschläge zu Journalismus im Internet bzw. Online-Journalismus. Ich freue mich auf Reaktionen.
01) Erst gab es Musketen, dann gab es Schnellfeuerwaffen – Erst gab es Print, dann gab es online
02) Divorce your darlings
03) Redigiere humanum est
04) Haltet den Dieb! – Ne stopp, er hat was hier gelassen
05) Bitte machen Sie sich mit der Lage der Notausgänge vertraut.
und nun: Die Fortsetzung
06) Legalisiert den Stoff
Was macht ein Leser, den ein Film interessiert, von dem er gerade in der Kritik liest? Vermutlich wird er sich noch den Trailer reinziehen. Den findet er bei YouTube, das weiß er. Wenn er also eh auf fremden Content geht, kann ich ihm das Video besser direkt einbinden, z.B. am Ende des Textes oder an der Seite. Das nennt man Service. Und hey… Er ist dann sogar noch auf der Seite. In Kinos gibt es übrigens neben Filmen auch Getränke. Die sind meist nicht von Warner Bros. Und wenn ich kein Getränk will, hol ich mir keines. Und der uninteressierte wird das Video auch wegtolerieren. So wie er (Werbemenschen weggeguckt!) es auch schon mit den Werbebannern macht.
07) Deppen, ich brauche einen Deppen!
Seiten sollten so gestaltet sein, dass auch der DAU, der dämlichste anzunehmende User, ihre Handhabung versteht – was im Text ist ein Link, wie komm ich zur Startseite… Praktisch, wenn man den DAU persönlich kennt und fragen kann, in den meisten Fällen hat man ihn oder sie jedoch nicht zur Hand. Man könnte eine Topfpflanze im Büro fragen. Wenn die jedoch erwartungsgemäß nicht antwortet, sollte man es lieber immer eine Nummer idiotensicherer machen, als man es für nötig erachtet. Und damit man die Superbrains unter den Usern nicht kränkt, verpackt man es als Usability.
08) Die Party ist doof, ich geh! Hey, Moment: Wer ist denn Sie?
Am Anfang war die Musik (Wortwahl) ja noch cool, aber jetzt wiederholt sich doch eine Menge und die Getränke (Fakten) sind auch schon aufgebraucht. Ich verlasse diese Party (Text) bevor sie offiziell endet. Schon am Ausgang: “Hey, wer ist denn die hübsche Brünette (Zwischenüberschrift)?” Ich bleib noch mal kurz, auch wenn ich ein paar Lieder (Absätze) verpasst habe. Ich hoffe ich kann trotzdem noch mitreden (alles verstehen).
09) Am I my readers’ keeper?
Jipp.
10) Meine Meinung steht fest, verwirr mich nicht mit Tatsachen
Mir geht nichts mehr auf den Keks, als ein Moderator, der bei einem Spiel nicht gegen Schalke ist. Menschen sind so. Wir homo sapiens können so verdammt faktenresistent sein. Das ist eigentlich auch gut, sonst würde gar keine Ehe halten. Aber gut ist unser Starrsinn freilich auch nicht immer. Was ich sagen wollte: Quält den Leser nicht mit vorgeschobener Neutralität, denn allein die Frage ob und wie groß ich berichte, ist schon eine Meinung. Es braucht viel mehr Diskurs, sprich auch viel mehr Kommentare in unserer Medienlandschaft. Die Medien beklagen mangelnde Debatten, bringen aber auf vielleicht zehn Texte einen Kommentar. Und Hilfe, ich könnte Leser vergraulen? Zeitungs-Abonnementen nehmen nicht selten das Blatt, das ihrer politischen Richtung etwas entgegen kommt. Gleichzeitig hört man immer wieder von Leuten, die die Bild nur kaufen, um sich drüber aufzuregen. Langer Rede, kurzer Sinn: Leser bestätigen und aufregen klingt nach einer erfolgreichen Mischung.
Bild: Von isfullofcrap, unter CC-by-Lizenz. Via Flickr
