Jogger neben der Spur

Aus der Reihe: Was man in Berlin unbedingt mal nicht gemacht haben muss.

Heute: Joggen gehen

Zur Begründung:
Diese Stadt ist eine Wüste. Eine Betonwüste. Und in einer Betonwüste läuft man nicht gerne.

Als ich hier hinkam, suchte ich verzweifelt nach einer Jogging-Strecke. Ich möchte nicht nur an einer Straße entlang laufen. Und nach einem Arbeitstag will ich auch nicht noch wer-weiß-wie-lang irgendwohin fahren müssen.

Vor allem nicht mit dem Nahverkehr. Ich fühl mich nicht gut dabei, verschitzt auf dem Rückweg zwischen Menschen zu stehen. Und am Bahnhof warten ist dabei auch für die Gesundheit eher unvorteilhaft.

Mittlerweile laufe ich meist in einem Park. Klingt nach einem gelösten Problem. Aber nein… schließlich sind wir in Berlin.

Zunächst: Ich komme nicht darum herum, eine Station zu diesem Park zu fahren. Wenn die S-Bahn denn mal fährt, denn das weiß man nie genau. Alternativ muss ich gut 15 Minuten laufen (=joggen), bis ich da bin. Das mache ich meist, wenn ich einen Dauerlauf mache. Dann bin ich da, im Treptower Park.

Park in Berlin, das bedeutet in den meisten Fällen jedoch noch mehr Beton. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Wege dort natürlich wären. Wir fahren doch nicht ins Grüne, um auf Natur zu treten. Nein, das ist dem Berliner scheinbar unangenehm.

Gut nicht alle. Einige denken wohl auch wie ich und hätten gerne mit dreißig immer noch intakte Fuß- und Kniegelenke. In Folge dessen haben Jogger wie ich eine Art stillen Protest in die Wege gefräst. Genauer: Neben die Wege.

An vielen Stellen sieht man eine ziemlich ausgetretene Spur im Rasen neben dem eigentlichen Weg (siehe Foto). Das sollte doch jeden Stadtplaner zu denken geben. Aber vermutlich hagelt es eher irgendwann Anzeigen, als Waldwege.

Gelegentlich gibt es diese Wege durchaus, so ehrlich will ich sein. Aber immer nur für ein kurzes Stück. Das längste Stück auf meiner Strecke ist interessanter Weise außerhalb des eigentlichen Parks und ist gleichzeitig auch das einzig annehmbar beleuchtete.

Womit wir beim nächsten Problem wären: Licht. Laternen in Parks sind häufig kaputt, inaktiv oder schlichtweg gar nicht existent. So bleibt wenigstens mehr Strom für die flackende Werbung in der Stadtmitte, gel?

Ich weiß, ich komme vom Land und bin daher anderes gewohnt. Aber ich glaube auch Stadtbewohner könnte man an die Vorzüge von nah gelegenen und ansprechenden Grünanlagen gewöhnen.

Die Stadtplaner haben es in Berlin ohnehin versäumt, großzügige Freiräume zwischen Stadtteilen zu lassen. Es gibt nur einige verteilte Parks, die alle gewisse Nachteile bringen und zum Teil auch einfach Kilometerweit entfernt sind.

Diese Probleme verwundern jedoch wenig, waren die Architekten in Berlin historisch gesehen doch immer wieder damit beschäftigt politisch motivierte Griffe in das stadtplanerische Klo zu unternehmen:

Provokative Bauten an nicht mehr existenten Grenzen, monumentale Denkmäler und Gebäude nicht mehr herrschender Klassen, Mauern, sowie sage und schreibe sechs größtenteils inmitten der Stadt gelegene Flughäfen. Um mal nur die Highlights zu nennen…

In dieser Stadt zahlt man, habe ich von einer Kollegin erzählt bekommen, sogar eine „Niederschlagwasserabgabe“. Die Niederschlagswasserabgabe beinhaltet, dass je nach Regenmenge ein bestimmter Satz für die versiegelten Flächen der Hausanlage , also zum Beispiel das Dach, bezahlt werden muss.

Der Grund: Dieses Regenwasser muss durch die Abwasserrohre fließen, statt in lockerer Erde zu versickern. Und die Abwasserrohre müssen schließlich gewartet werden.

Muss man dazu noch etwas sagen? Ich denke nicht. Aber bevor mich jemand falsch versteht: Ich hasse diese Stadt natürlich nicht, sie hat auch viele Vorzüge.

PS: Diese Woche habe ich übrigens ungelogen zwei Menschen durch ein Einkaufszentrum joggen gesehen…

Foto von mir

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Ein Gedanke zu “Jogger neben der Spur

  1. Nett geschriebene leichte Unterhaltung… Schöne Grüße nach Berlin aus Straelen!

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