Street View: Wer hat meine Hauswand geklaut?

Heute ist Google Street View gestartet. Cool dachte ich mir, endlich kann ich meinen Freunden und meiner Familie mal zeigen, wo ich in Hamburg untergekommen war – und in Berlin untergekommen bin. Immerhin gehören die beiden größten deutschen Städte zu den Startregionen von Street View in Deutschland. Aber ich kann keines von beiden Häusern zeigen.

In Hamburg ist genau jene Straße, in der ich wohnte, gar nicht erfasst, man kann nur von der Querstraße aus reinschauen. Und die komplette Nachbarschaft besteht überwiegend aus verpixelten Häusern. Viele dort gehören eher zu den Besserverdienern, ob es daran liegt? Warum die Straße nicht erfasst ist, habe ich Google nicht gefragt.

Und in Berlin? Da ist das Haus in dem ich wohne verpixelt (siehe Bild). Wer das war, weiß ich nicht. Aber ich finde es doof. Wieso darf ein Anderer mir die Möglichkeit nehmen, mein Haus in Street View zu zeigen? Das ist für mich ebenfalls ein Eingriff in die Informationelle Selbstbestimmung. Ich will auch bewusst etwas zeigen dürfen.

Überhaupt: Wer hat das Recht zur Verpixlung? Könnte ich das als Unter- und Zwischenmieter machen, bin dann Ende des Jahres weg und der Rest des Hauses müsste seine Online-Existenz weiter verpixelt verbringen? Muss ich Mieter sein? Hauptmieter? Oder: Kann ich als Bäcker hingehen und einen Bewohner des Hauses ein Stück weiter, in dem unten ein weiterer Bäcker seinen Laden hat für 5€ bitten, einen Verpixel-Antrag zu stellen, damit auf diese Weise mein Konkurrent auf Street View nicht mehr zu finden ist?

Ich kenne mehrere Leute (Beispiel, Beispiel), die sich heute bereits darüber beklagten, dass ihr Haus verpixelt ist. Laut Kay Oberbeck von Google Deutschland haben einige schon darum gebeten, zu entpixeln. Das sei jedoch angeblich nicht möglich. Ich schreibe bewusst angeblich, weil die Panne von vor einigen Wochen Zweifel daran aufkommen ließ, ob wirklich an den Rohdaten gearbeitet wurde.

So oder so, es macht kaum Spaß, sich Gegenden anzuschauen. Das ist wohlmöglich auch genau das, was einige erreichen wollten. Doch wird dabei nicht ein Stück öffentlicher Raum geklaut? Eine Frage, die ich vor kurzem auch auf dem netzpolitischem Kongress der Grünen mit einigen diskutierte. Google Street Burka nennen einige im Netz das, was man derzeit sehen kann scherzhaft oder fordern – in Anlehnung an Axel E. Fischer – ein Vermummungsverbot für Häuser im Internet.

Ich werde nun versuchen herauszufinden, wer im Haus das Pixeln angeordnet hat, ob der Rest des Hauses darüber Bescheid weiß und ob noch andere wie ich ihre informationelle Selbstbestimmung eingeschränkt sehen. Let the games begin…

PS: Keine Angst, ich werde niemanden „entpixeln“ und werde auch jede Meinung respektieren. Denn – und das ist doch der eigentliche Punkt – es gibt definitiv wichtigeres, worüber man sich aufregen kann.

Bild: Screenshot Google Street View (Pixel… ähm… Haus in dem ich z.Z. wohne)

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6 Gedanken zu “Street View: Wer hat meine Hauswand geklaut?

  1. Da bist du ja hart getroffen worden. ;)

    Ich muss sagen, dass die verpixelten Häuser einem schon von weitem regelrecht ins Auge springen. Ob das im Sinne der Verpixeler war?

    Mich intetessiert da auch die Sicht des Vermieters: Wenn ich ein Haus mit mehreren Wohneinheiten vermiete znd einer der Mieter lässt mein Haus verpixeln, was kann man da machen? Das ist ja für das Haus schon ein potentieller Wertverlust, denn für alle “Netzbürger” sinkt die Attraktivität ja extrem. Kann ich dann vom Mieter Regress fordern? Wird von Google das Verpixeln rückgängig gemacht, wenn der Mier auszieht?
    Das war von Anfang an mein Problem mit der Hausverpixeungsidee, insbesondere, dass es auch Mieter dürfen erscheint mir keinesfalls durchdach…

  2. Naja, Rückgängig machen geht ja angeblich nicht. Und rechtlich ist soweit ich weiß nichts geregelt, weil alles auf freiwillige EIngeständnisse von Google zurück geht.
    Was bedeutet, dass man sich erst recht von Google vorgeben lässt, was sache ist

  3. Pingback: Mein Mietshaus wurde verpixelt… Wie krieg’ ich das wieder hin?

  4. Wenn Du Deinen Verwandten/Freunden unbedingt zeigen möchtest, wo Du wohnst oder gewohnt hast, tut’s dann nicht auch ein ganz altmodisches Foto? (Oder gar eine noch altmodischere Einladung? ;-) )

  5. Michaela, ich wusste, dass der Kommentar kommt. Ist natürlich vollkommen richtig. Aber trotzdem nicht alles. Und wie lange dauert es dann, bis Leute mir das auch verbieten wollen?

  6. Pingback: Google Street View ist da und alle haben ihren Spaß (nur ich nicht)

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