Seit über einem halben Jahr nutze ich nun Flattr. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit dem Dienst beschäftigt. Ich habe ein Interview geführt, mehrere Artikel zum Thema auf CARTA und auf meinem Blog, sowie einen Text dazu auf Spiegel Online verfasst. In dem halben Jahr ist auch einiges passiert.
Die geschlossene Beta (schon einige Zeit lang) ist vorbei, das Design der Buttons hat sich geändert, die Möglichkeit „Things“ automatisch monatlich zu flattr (Abo) wurde eingeführt und auch die Zahlungsmöglichkeiten wurden verfeinert. Letzteres allerdings noch lange nicht ausreichend.
Was habe ich geflattert?
Ich habe wohl am häufigsten bei der taz und bei CARTA auf „flattr this“ geklickt. Aber natürlich nicht nur dort. Erfreulicher Weise bin ich bei vielen Blogs, die Themen in meinem Interessengebiet behandeln, auf Flattr-Button gestoßen.
Wenn ich etwas flattrte dann meist, weil es aufwändige Recherche waren (gemessen an den Möglichkeiten, sprich bei einem Blogger gilt ein anderer Maßstab als bei der taz) und/oder der Inhalt mich in irgendeiner Weise berührte. Meist waren das Dinge, von denen ich es gut fand, dass ihnen mal jemand Zeit gespendet hat, (um darüber zu berichten). Aber auch reine Kommentare/Gedankengänge sind unter den von mir honorierten Dingen. Dann meist, wenn der Inhalt auch mich auf neue Gedanken brachte.
So habe ich in der letzten Zeit einige Texte zu wikileaks geflattrt, die Aspekte beinhalteten, die ich so bislang nicht bedacht hatte. Auch würde ich Beiträge flattrn, die mir in eigenen Recherchen helfen. Das ist aber bislang noch nicht vorgekommen. Die Zahl der geflattrten Dinge lag bei mir pro Monat bislang zwischen sechs und 12 Dingen. Bis auf eine Sache waren alles Texte.
Wie sieht es auf der Einnahmen-Seite aus?
Mittlerweile habe ich aufgegeben, die Einnahmeseite verstehen zu wollen. Vielleicht komme ich in ein paar Monaten noch einmal darauf zurück. Fürs erste ist sie aber absolut unkalkulierbar: Als ich im Juni einstieg, bekam ich sehr viele Flattr-Klicks und gleichzeitig war der Klickwert im Schnitt mit 0,74 Euro sehr hoch. Im Monat drauf waren die Klicks noch mehr, der Klickwert aber bei 0,26 Euro, somit die Einnahmen geringer.
Auch in den Folgemonaten schwankte der Durchschnittswert massiv (siehe Grafik). Den Effekt kann man auch in den Revenue-Reports innerhalb des eigenen Angebots erkennen. Ich hatte bereits Klicks die über 2 Euro wert waren- und welche die nur 2 Cent wert waren. Das macht die Einnahmeseite unvorhersehbar.

Bei Angeboten mit mehr Lesern, wie zum Beispiel taz.de, gleicht sich das mehr aus, eine Prognose fällt somit einfacher. Wenngleich man manchmal dennoch staunend vor dem Berg steht, wenn ein Müsli-statt-Terrorangst-Text von Ranga Yogeshwar 600 Mal geflattrt wird. Die Anzahl der von mir erhaltenen Klicks ist hingegen weiter eher zu vernachlässigen.
Am häufigsten geklickt wurde der Button für das ganze Blog (oben rechts). Doch das hat klar nachgelassen: Wurde er in den ersten Monaten noch fast 10 mal geklickt, sind es nun meist nur 1-2 Klicks darauf. Das mag daran liegen, dass die Nutzung von Flattr nun spezifischer geworden ist. Das ist jedoch nur eine These.
Die am häufigsten honorierten Beiträge sind mein mehrteiliger Essay zu Flattr aus dem Sommer, sowie die vorausgegangene Umfrage, ob größere Nachrichtenseiten mit dem Dienst planen. Ebenfalls häufig geflattrt wurde mein Beitrag „Volontariat: Wenn der Ausgebildete eine Ausbildung sucht“, in dem es grob gesagt über die Ausbildung in der Journalismus-Branche geht.
Weitere Beiträge in diesem Klickbereich hatte ich bislang kaum. Ob ein Beitrag Flattr-Klicks erhält, ist auf meinem Blog aktuell schwer vorherzusehen. Vielleicht liegt das daran, dass viele der Leser keine Stammleser sind. Allgemein sind die Flattr-Zahlen bei mir stark gesunken und damit auch (wenn auch mit mehr Schwankungen) die Einnahmen (siehe Grafik).

Das muss nicht an Flattr liegen: Im August und September war ich im Praktikum bei Spiegel Online, ab Oktober bei der taz. Ich habe mich in für mich fremden Städten aufgehalten und in einer 40 Stunden-Woche gearbeitet. Dementsprechend ist mein Blog, insbesondere was aufwändigere Beiträge angeht, etwas hinten angestanden. Das wird sich womöglich nun wieder ändern, wo ich zurück an der Hochschule bin. Mal sehen, ob es sich auf Flattr bemerkbar macht.
Wie geht es 2011 mit Flattr weiter?
Aktuell sehe ich keinen Grund, den Dienst zu verlassen. Er ist bei vielen, die mit Medien zu tun haben, angesehen. Das habe ich zum Beispiel auf dem netzpolitischen Kongress der Grünen bemerkt. Die Frage ist, inwiefern Medien bereit sind, bei der Verbreitung von Flattr zu helfen. Auch Blogger sollten in meinen Augen wieder mehr tun, um den Dienst interessant zu machen.
Social Payment hat Perspektive und wird uns auch 2011 weiter begleiten. Ob das in Form von Flattr ist, ist eine andere Frage. Facebook halte ich für diesen Markt weiterhin für den schlafenden Riesen. Meine Prognose ist, dass die größeren Angebote, die Social Payments nutzen, verstärkt auch andere Möglichkeiten zur freiwilligen Bezahlung anbieten werden. So wollen sie auch die Leser erreichen, die nicht Flattr nutzen möchten. Die taz hat dies bereits angekündigt.
Solche Tendenzen werden es für Flattr selbst sicherlich schwieriger machen. Nicht unproblematisch - denn ich glaube weiterhin, dass nur ein Monopol (oder zumindest Oligopol) auf diesem Markt funktionieren kann. Nichtsdestotrotz halte ich es für realistisch, dass 2011 weitere Anbieter versuchen werden, den Markt zu besetzten. Wenn sie klug sind, dann in Zusammenarbeit mit einem Medienpartner, jedoch ohne Begrenzung auf diesen.

Pingback: Tweets that mention Ein halbes Jahr Flattr – eine kleine Bilanz: -- Topsy.com
Pingback: Pottblog
Pingback: Ich werde aus Flattr nicht schlau « Andreas Grieß // Blog