Fresse halten, Wahlen gewinnen!

Die FDP schmiert in Berlin ab und was tut der Generalsekretär im TV: Er redet – und sag dabei etwas. *tröööt* wieder falsch gemacht! Vielleicht hätte er mal bei seinem Ex-Vorsitzenden und (noch?) Außenminister nachfragen sollen, wie man das richtig macht.

Man kann über Westerwelle ja sagen was man will, aber er hat die FDP bei der letzten Bundestagswahl zu einem Rekordergebnis geführt. Der Absturz kam danach, als keine Woche verging, in dem die FDP nicht zu irgendetwas Stellung nehmen musste: Hotelsteuer, Atomkraft, Rüstungsexporte, Libyen, u.v.m.

Ich glaube es ist falsch, zu behaupten die FDP habe 2009 gewonnen, weil sie Steuersenkungen als Thema hatte. Sie hat 2009 so gut abgeschnitten, weil sie sonst KEIN Thema hatte.

Die Partei DIE PARTEI (Satire-Partei, die aber wirklich antritt und etwa halb so viele Stimmen wie die FDP bekam) hat in Berlin ein Plakat aufgehängt, auf dem zu lesen war: „Inhalte überwinden!“ Das klingt frech und bescheuert, ist aber Satire auf hohem Niveau. Zu Satire steht in der Wikipedia sie sei „eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt.“ Und in diesem Fall legt sie den Finger tief in die Wunde.

Schauen wir doch auf einige der letzten Wahlen:

  • Bundestagswahl 2009: Merkel wird kritisiert, einen inhaltsleeren Wahlkampf zu führen. Die FDP hat nichts anderes zu sagen, als Steuersenkungen. Beide gewinnen die Wahl – weil die anderen sie verlieren
  • Nachwahl in Hessen: CDU und FDP reden mit „Wortbruch, Lügilanti, Wortbruch“ alle Inhaltlichen Themen kaputt. Eigentlich schon abgewählt sitzen sie so eine Wahlniederlage aus, die FDP legt massiv zu.
  • Berlin: Künast macht Wahlkampf, die Linke macht Wahlkampf, Wowereit macht gute Laune und Party – und bleibt Bürgermeister. Ja, die Grünen haben im Vergleich zur letzten Wahl gewonnen, seit ihr Wahlkampf mit Künast begann haben sie aber noch kräftig in der Zustimmung verloren.

Das muss doch eigentlich jeder PR-Berater, Image-Berater und Projektmanager in den Parteien bemerken. Die Devise, vor allem für kriselnde Parteien, muss sein: Klappe halten. Inhalte verwischen, sich in der Öffentlichkeit rarmachen. Und vor allem: Keine Positionen beziehen!

Andernfalls macht man sich angreifbar oder setzt sogar noch Themen, die anderen in der Mobilisierung mehr nutzen, als einem selbst.

Die schlechte Nachricht ist also: In Deutschland gewinnt man Wahlen, indem man möglichst inhaltslos ist. Denn so hat man die beste Chance, die Partei zu sein, die der Deutsche am liebsten wählt: Das sogenannte geringste Übel.

Aber da ich nicht PR-Berater sondern Journalist bin, entdecke ich auch eine gute Nachricht: Viele unsere Politiker kriegen genau das nicht hin. Gut, möglicherweise sind die PR-Abteilungen der Parteien inkompetent (was ich nicht ausschließen will). Aber es ist auch möglich, dass die Politiker sagen, was sie sagen, weil sie davon überzeugt sind, es sei richtig. Und das hieße, dass sie wirklich hinter dem stehen, was sie sagen und dem Wähler nicht nach dem Mund reden – bzw. schweigen. Sogar, wenn sie so unter die fünf Prozent fallen.

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