DM-Reform: What for? (Update 21.09.)

Hinweis: Dieser Beitrag und die Grafiken wurden aktualisiert. Auf der Seite der LG Regensburg gibt es ein Interview mit Frank O. Hamm zu dem Thema. Demnach werden in den Mittelstrecken nicht 24, sondern nur 20 Teilnehmer zugelassen. Das ändert natürlich noch einmal die Zahlen! Die aktualisierten Teile sind rot markiert.

Noch kurze Zeit läuft mein Offener Brief an den DLV. Die darin kritisierte Reform der Deutschen Meisterschaften schein beschlossen. Und sie bringt einige Nachteile mit sich:

  • Für Sportler wird die Qualifikation schwieriger
  • Für Sportler wird es fast nicht zu kalkulieren, welche Leistung für die Qualifikation nötig sein wird und damit auch wie viele Wettkämpfe sinnvoll sind (noch verbessern oder auf die DM hin trainieren)
  • Die Sportler wissen mitunter erst kurz vor den Deutschen, ob sie sich qualifiziert haben (schlecht, wenn es z.B. um die Planung der Unterbringung geht)

Die Frage ist: Womit werden die genannten, neu geschaffenen Nachteile gerechtfertigt? Der DLV will seine Veranstaltungen “straffer und planbarer” machen. Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt aber: Die Reform ist vollkommen unnötig.

Um die vom DLV gewünschten Teilnehmerzahlen zu erreichen, braucht er in den meisten Fällen gar keine solche Reform. Hier einmal eine Gegenüberstellung der Melde(!)-Limits für das kommende Jahr mit den Meldezahlen und Teilnehmerzahlen 2011 in Kassel:

Frauen:

Männer:

Wir stellen also fest: In den seltensten Fällen ist die Teilnehmerzahl über der für 2012 als Limit gesetzten Meldezahl.

Da meist aber weniger starten als melden (was bisher auch legitim ist, ab kommenden Jahr aber anderen Startplätze wegnimmt), dürfte die Teilnehmerzahl häufig niedriger sein, als die gewünschten drei/zwei Vorläufe. Man blicke hier vor allem auf die 100m und 200m, sowie die 1500m . Bei den Frauen ist in einigen Disziplinen noch Luft nach oben. Werden die Teilnehmerzahlen also steigen?

Das wäre ja eine positive Nachricht für die Athleten und könnte einige Nachteile der Reform aufwiegen (wenngleich steigende Teilnehmerzahlen auch einfacher zu erzielen werden, eben mit einer Lockerung der Norm). Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Teilnehmerfelder (deutlich) größer werden. Dafür sprechen zwei Dinge:

1. Ist dies so nie vom DLV kommuniziert worden, sondern wurde stets das Gegenteil als Ziel ausgegeben und
2. gibt es eine B-Norm

Diese ist eigentlich nicht nötig. Will man die 24, bzw. 20 bzw. 14. Meldungen als Limit und defakto als neue “Norm” haben, reicht eine reine Bestenliste. Dies ist aber nicht der Fall. Somit kann man davon ausgehen, dass (zumindest intern) damit kalkuliert wird, die volle Meldezahl eben nicht (überall) voll auszuschöpfen! 

Noch eine andere Frage ist interessant: Die Reform wird unter anderen auch immer mit dem vermeintlichen Wegblieben der zweiten Reihe begründet (so auch zu lesen im sehr interessanten Thread im leichtathletik.de-Forum zur Debatte). Ich habe eine – zugegeben nicht zwangsläufig repräsentative – Stichprobe gemacht. Über die 100m Männer sind dieses Jahr 5 Leute nicht angetreten, die gemeldet waren. Namentlich: Kosenkow, Menga, Reus, Helmke, Keller. Das sind die Meldeplätze 1, 4, 8, 11 und 13. Die “zweite Reihe” ist angetreten. Hätte man auf 24 Meldende begrenzt wären die genannten nicht weggefallen, wohl aber Leute, die angetreten sind! 

Fazit: Vielleicht werden in einigen Disziplinen mehr Teilnehmer als bisher möglich sein. Das wäre aber auch das einzige positive, was man der Reform abgewinnen könnte. Diesen Effekt könnte man jedoch auch einfacher erreichen: Durch eine Senkung der betreffenden Normen. In vielen Disziplinen werden die Teilnehmerzahlen aufgrund der sinkenden Meldezahlen aber zurückgehen.

Die Ziele, die der DLV offiziell verfolgt (24. bzw. 20, bzw. 14 Teilnehmer pro Disziplin) hingegen benötigen gar keine Reform, wie ein Blick auf die Teilnehmerzahlen in Kassel zeigt. Was bleibt sind also nur die Nachteile und der Mehraufwand für den Verband.

Hier noch einmal die genauen Zahlen der DM und die Grafiken zum durchklicken…

3 Gedanken zu “DM-Reform: What for? (Update 21.09.)

  1. Andreas, ich gebe dir recht, dass die (geplante) sog. Reform zur “Erhöhung der ‘Attraktivität’” der Meisterschaft nicht nötig ist; denn der eigentliche Grund ist, den Forderungen der TV-Anstalten gerecht zu werden.
    Dass es in den vergangenen Jahren trotz moderater Teilnahme-Normen keinen Teilnehmerzuwachs gab, lag vielleicht auch daran, dass die “zweite Reihe” ob ihrer generellen Nichtbeachtung in unserem Verband und wegen der sehr großen und immer größer werdenden Divergenz der Leistungen (Hochleistungssportler leistungsorientierter Wettkampfsportler [der 2. ... 3. Reihe]) davon absehen, z. B. wegen 2 … 3 Sprünge weit zu reisen und hohe Kosten auf sich zu nehmen.
    Wenn dieses Klientel aber über Qulifikationswettkämpfe die Chance erhielte (ggf. am Freitagabend) um die Teilnahme am Vorkampf zu kämpfen, sehe die Situation anders aus, und mancher Begeisterter würde dann noch als Zuschauer die verbleibenden Tage vor Ort sein.

    Wie negativ sich die N i c h t durchführung eines Qualifikationswettkampfes auswirken kann, sah man übrigens zur DM in Kassel: man lies a l l e Weitspringer zum Vorkampf zu (23). Das war leistungsmindernd und (selbst für Kenner) anfangs langweilig. Richtig los ging der Wettkampf eigentlich erst nach fast 80 Minuten, im Endkampf…
    Meine Vorstellung von einer DM ist: Möglichst viele Teilnehmer, Eliminierung in Q.-Wettkämpfen, Finali am Sa.- / So.-Nachmittag in einem 2 … 3-Stundenprogramm mit gleichzeitiger Austragung von mehreren Wettbewerben (ohne unangemessen lange “Vorstellungen” oder gar Unterbrechung der anderen Wettkämpfe !!!)

    Aber w i r haben ja nichts zu sagen, ‘s wird wohl bei den “Reform”gedanken bleiben – und die LA wird weiter in Richtung Höchstleistungspräsentation mutieren. “Lieber Hundert, die 13.0s laufen als einer, der 10,0s läuft!”, diese Prämisse ist im DLV nicht up to date.

  2. Helmuth, ich mag dir durchaus zustimmen, wobei ich nicht weiß, ob alle Athleten für eine Quali am Freitag-Abend (z.B.) anreisen würden. Ich bin Läufer/Sprinter. Wenn mein Vorlauf ansteht bin ich da. Aber ich kann nicht für alle sprechen.
    Rückläufige Teilnehmerzahlen und Leistungen sind im Übrigen bei wachsendem Sportangebot (vor allem für Frauen) und rückläufigen Geburtenzahlen auch keine Überraschung. Noch ein Wort zur vermeintlich nicht antretenden zweiten Reihe, Ich habe es eben schon im leichtathletik.de-Forum geschrieben und kopiere es kurz hierher:

    Ich habe gerade mal eine – zugegeben nicht zwangsläufig repräsentative – Stichprobe gemacht. Über die 100m Männer sind 5 Leute nicht angetreten, die gemeldet waren. Namentlich: Kosenkow, Menga, Reus, Helmke, Keller. Das sind die Meldeplätze 1, 4, 8, 11 und 13. Die “zweite Reihe” ist angetreten. Hätte man auf 24 Meldende begrenzt wären die nicht weggefallen, wohl aber Leute, die angetreten sind! (wobei ich jetzt davon ausgehen muss, dass einige der genannten Vorjahreszeiten gemeldet hatten), womit wir schon bei einen der Nachteile für Athleten wären – das geht ebenfalls nicht mehr.

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