Was technisch für die DM-Reform nötig gewesen wäre

Was bisher geschah: Die Meldungen für die Deutschen Hallenmeisterschaften und kurz darauf die bereinigten Teilnehmerlisten wurden veröffentlicht – 21 Leute müssen trotz B-Norm daheim bleiben. In einigen, teilweise den gleichen Disziplinen, dürfen andere Athleten, die im Qualizeitraum gar keine Norm erreicht haben, mit Sonderzulassung antreten.

Mittlerweile haben einige Aktive ihren Start offiziell abgesagt. Ich weiß von mindestens einem Fall, in dem es eine Disziplin betraf, in der Leute gestrichen wurden. Nachrücken durfte aber offenbar keiner. Vielleicht liegt das an den Sonderzulassungen, die das Feld voll machen, vielleicht an fehlenden Ressourcen, vielleicht aber auch schlichtweg am Willen. Auf jeden Fall hat die potentiell nachrückende Person von mir davon erfahren – wird aber nicht antreten. Ob die Person es denn gedurft hätte, ist offen.

Aber wo wir gerade davon reden, dass eine weitere Person den Spannungsbogen zerstören könnte: Es gibt übrigens Einlage-Läufe für die Jugend. Das finde ich grundsätzlich schön, führt die Reform-Gründe aber ad absurdum!

Zurück zu den Meldelisten: Darin wurde bislang keiner derer verzeichnet, die auf den Start verzichten. Das führt uns einmal mehr zu dem Problem der Durchführbarkeit der Reform. Ich habe selbst ein Jahr in der Geschäftsstelle eines Leichtathletik-Verbands gearbeitet und weiß, welche Mühe die Mitarbeiter haben, Meldelisten schnell und verlässlich zu erstellen. Und nun sollen auch noch Leute aussortiert, nachträglich doch wieder zugelassen und stets kontaktiert werden?

Es ist für die Athleten zudem eher nicht vertretbar, dass die Bestenlisten nur einmal die Woche erscheinen (oder wenn jemand extra auf ein Ergebnis hinweist) und diese mit der B-Norm enden. Wenn ich knapp mit B-Norm in den Top 24 wäre, würde ich schon gerne wissen, ob hinter mit 30 Leute eine Hundertstel Sekunde hinter der Norm lauern, oder ob zwei Sekunden Platz sind bis zum nächsten Konkurrenten. Nicht auszumalen, was noch hinzu käme, wenn die betreffende Person, die die Bestenlisten fertig, mal für ein paar Wochen krank ist.

Es muss also ein anderer Zugang her. Eine technische Lösung. Wie könnte die aussehen?

  • Zu jedem Startpass gehört eine e-mail-Adresse
  • Jeder Verein bekommt ein Login zu einem Melde-System. Darin sind auch alle Athleten gelistet, die einen gültigen Startpass für den Verein haben
  • Jede Ergebnisliste einer Veranstaltung muss innerhalb weniger Stunden in dieses System hochgeladen werden. Dort liest das System sie automatisch aus und erstellt Bestenlisten
  • Diese Bestenlisten sind im Internet und in mobilen Anwendungen einsehbar
  • Fällt ein Athlet aus den Top 24 (bzw. 14) heraus, wird er per e-mail darüber benachrichtigt
  • Vor Meldeschluss muss jeder Verein über das System die Athleten auswählen, die er melden will (das System könnte zeigen, welche Athleten die notwendigen Bedingungen erfüllen)
  • Nach Meldeschluss erstellt das System automatisch die Meldeliste, veröffentlicht diese via API auf verschiedenen Seiten und mobil
  • Außerdem mailt das System automatisch jedem Gemeldeten, ob er teilnehmen darf oder nicht. Da dies sofort (0:01 Uhr) passieren würde, könnte der Meldeschluss eine Woche nach hinten verschoben werden
  • Bis 48 Stunden vor Wettkampf kann man sich abmelden, dann rückt ggf. jemand nach, der per email benachrichtigt wird und eine gewisse Zeit zum Bestätigen hat. Andernfalls wird der Startplatz dem nächst Besten angeboten
  • Denkbar wäre ebenfalls, das System im Wettkampf zu nutzen. Dann bekämen Verein und Athlet am Wettkampftag per e-mail oder SMS noch eine TAN als Stellplatzkarte, die sie vor Ort oder per SMS bestätigen könnten. Nach Stellplatz-Schluss gibt es dann direkt auch Lauf und Bahn per SMS

So einmal grob umrissen, wie so etwas aussehen könnte, will man es richtig machen. Denn jeder Athlet müsste immer wissen, wo er in der Bestenliste steht, wie viel ihm fehlt oder wie dicht ihm Leute auf den Versen sind, um seinen Wettkampfplan zu gestalten. Für die Meisterschaft selbst wäre es wichtig, die Teilnehmer und Vereine schnell und direkt zu adressieren, ob sie teilnehmen und es einfach zu machen, Nachrücker zu ermöglichen und erreichen. Und das alles sollte passieren, ohne dem Personal unzumutbaren Mehraufwand aufzulasten.

Technisch halte ich so etwas für umsetzbar. Aber ist es auch gewollt? So ein System würde auch ohne die Reform Sinn machen. Die Reform ohne ein solches System jedoch, ist eine noch größere Zumutung, als sie ohnehin schon ist.

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