Zwischen Giraffen und Gerichtskonflikten (Diplom-Notizen 2)

Will man in Hamburg zur Redaktion von tagesschau.de fährt man mit der Hochbahn am besten zur Haltestelle Hagenbecks Tierpark. Das Gelände des NDR liegt keine fünf Minuten zu Fuß vom bekanten Zoo. Sicherlich könnte man aus dieser räumlichen Nähe viele mehr oder weniger passenden Wortspiele basteln. Aber bevor man mir später mein Diplom noch aberkennt, weil herauskommt, dass ich den Tierpark genauso wenig besucht habe, wie René Pfister die Modelleisenbahn von Herrn Seehofer, stell ich diese Randnotiz einfach sinnlos an den Beginn meines Textes und mache einen harten Bruch zur Aussage:

Die Redaktion von tagesschau.de war großartig.

Zwei Tage habe ich dort reingeschaut und alle Anwesenden waren super entgegenkommend. Sie haben mir alle Fragen beantwortet, haben sich erkundigt, ob sie mir noch helfen können. Sie haben sich über die Schulter blicken lassen, mich ihre Konferenzen besuchen lassen. Die stellvertretende Redaktionsleiterin hat sich fast eine Dreiviertelstunde lang Zeit genommen, um mir ein Leitfaden-Interview zu geben. Auch der Redaktionsleiter hat sich mit mir zusammen- und auseinandergesetzt. Wie ich erfahren habe, hat er sich vorher auch hier im Blog informiert und meine ersten Notizen gelesen.

Für mich war die Untersuchung eine ungewohnte Situation. Normal arbeite ich mit, wenn ich in einer Redaktion bin. Diesmal war ich potentieller Störfaktor. Eine Rolle, die jedoch offenbar nicht zum Tragen kam, wie oben bereits erwähnt.

Dass alles so gut geklappt hat war wichtig. Immerhin habe ich nur begrenzte Zeit für meine Diplom-Arbeit. Ich habe daher nicht unbegrenzt viele Versuche, um meine Daten zusammen zu bekommen. Im Gegenteil: Alles muss am Beobachtungstag sitzen. Wenn mich also jemand fragt, ob alles gut klappte und ich antworte, dass ich froh bin, dass es so gut lief, ist das unter diesem Hintergrund zu sehen. Ich habe gemerkt, dass es schwierig ist, das auszudrücken. Man kann schnell den Eindruck erwecken, man würde auch die jeweilige Redaktion für eigentlich intransparent halten.

So wie ich die tagesschau.de-Redaktion erlebt habe, wünscht man es sich. Eigentlich erwarte ich es auch so. Die anderen Redaktionen, die ich noch besuchen will, zeigten sich bisher ähnlich entgegenkommend. Man muss aber auch sagen: Es gibt auch Redaktionen, die ich angefragt hatte und die mir keinen Redaktionsbesuch im Rahmen der Diplom-Arbeit ermöglichen.

Zurück zum eigentlichen Thema: Habe ich gewinnbringende Erkenntnisse gemacht? Das Meiste hatte ich so, wie es ist, auch erwartet. Daher gibt es heute kein „heureka“ von mir. Aber es heißt, dass meine Hypothesen bislang bestätigt wurden. Demnach gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen Online-Redaktionen von Tageszeitungen und anderen Mediengattungen. Die Einordnung dieser Unterschiede soll dann im späteren Verlauf der Arbeit erfolgen.

Die nächsten Tage und vor allem die Zeit nach meinem zweiten Redaktionsbesuch (SZ) werden davon bestimmt sein, die Beobachtungen ausgiebig auszuwerten. Die eigentliche Arbeit steht also noch bevor.

Durch die Auswahl des Themas und der Redaktionen bewege ich mich übrigens in der Nähe eines sehr konfliktreichen Feldes: Immerhin ist es der Verlag der Süddeutschen, der derzeit mit der ARD in Sachen tagesschau-App in Verhandlungen ist (mehr dazu siehe in diesem tagesschau.de-Beitrag). Es sollte mich aber überraschen, wenn später jemand mit Inhalten aus meiner Diplomarbeit für die ein oder andere Seite zu argumentieren versucht. Die Forschungsfrage ist schlichtweg eine andere.

Es würde mich freuen, wenn am Ende alle von meinen letzten drei Studiums-Monaten profitieren. Dann könnte ich den besuchten Redaktionen sogar ein bisschen etwas zurück geben.

Apropos besuchte Redaktionen: Mittlerweile sind auch die Redaktionsbesuche für den zweiten Durchlauf, den auf regionaler Ebene, weitestgehend eingetütet. Ich freue mich über freundliche Einladungen seitens der Online-Redaktionen des Hessischen Rundfunks und der Frankfurter Neuen Presse.

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