Die re publica als Konferenz gewordene Filter-Bubble

Ist die re publica in ihrer jetzigen Form noch zeitgemäß? Das frage ich als jemand, der vergangene Woche nicht dabei war. Und ich frage es aus den Gründen, weswegen ich nicht da war.

Es ist mir zunächst ein Anliegen zu erwähnen, dass ich die Arbeit der Veranstalter nicht schlecht reden will, ganz im Gegenteil. Ich kann mir vorstellen, was für eine große Mühe dahinter steckt und man muss auch sagen: Sonst tut es ja keiner. Und ich kritisiere an dieser Stelle auch nicht, weil mein Sessionvorschlag nicht angenommen wurde (wenngleich ich es schade finde, weil ich mitbekam, dass dieses Thema am Rand eines Beitrags heiß diskutiert wurde).

Sascha Lobo forderte in seinem Vortrag, dass das Blog eine Renaissance erleben solle. Zu diesem Punkt hat Daniel Rehn einen empfehlenswerten Beitrag verfasst. Vor kurzem gab es zudem auf Diskurs lesenswerte Gedanken zur deutschen Blogosphäre.

Man muss feststellen, dass die Vernetzung in Deutschland nicht gerade hoch ist. Vor allem, wenn sie außerhalb von Berlin stattfinden soll. Es gibt nur eine Hand voll Blogs mit hohen Zugriffszahlen. Getreu dem Motto „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ sollten diese Blogs – vielleicht in Form von Linkempfehlungen wie 6 vor 9 im Bildblog - Aufmerksamkeit an kleinere Blogs verteilen. Da aber auch die großen Blogs nur Bruchteile der Klickzahlen der großen Nachrichtenseiten erreichen, wäre es sehr wünschenswert, wenn auch diese die Blogosphäre im Auge halten und entsprechend verlinken. Wir müssen einander auch etwas gönnen können, wie es Daniel Rehm ausdrückt. In diesem Fall sind es vor allem Leser und Aufmerksamkeit.

Was hat das nun mit der re publica zu tun? Die re publica ist die – man sollte nicht sagen größte, sondern einzige – Bloggerkonferenz in Deutschland. Hier werden Kontakte geknüpft, hier wird sich ausgetauscht, hier werden gemeinsame Pläne geschmiedet. Es finden jedoch vor allem die „Großen“ der Szene Beachtung, sowie sehr viele Speaker aus anderen Regionen der Welt. Doch ist das die Blogosphäre? Ja und nein zugleich!

Die re publica – so mein Eindruck von außen – läuft Gefahr in die gleiche Filter Bubble zu geraten, wie die Blogosphäre als solche. Netzpolitik, Spreeblick, Lawblog, Lobo und Freunde. Doch das deutsche Netz ist mehr. Sascha Lobo sagte in seinem Vortrag auch, dass die re publica die große Community der durchaus netzaffinen YouTube-Vloger nicht erreiche. Ich denke, die aktive Netzlandschaft wird allgemein sehr unrepräsentativ erreicht. Das hat zwei Gründe.

Viele der führenden Blogs kommen aus Berlin, aber nicht das gesamte Internet kommt aus Berlin. Es wäre schön, wenn man auch mal in Hamburg, München, Leipzig oder im Rhein/Main- oder Ruhrgebiet die re publica veranstalten würde. Warum sollen nicht mal die Berliner ihre Kollegen besuchen? Klar verstehe ich, dass die Organisatoren aus Berlin kommen und weiß nicht, ob etwas anderes als Berlin daher umsetzbar ist. Aber ein wechselnder Ort könnte wechselnde Impulse mit sich bringen. Die Fahrt nach Berlin ist für viele mit viel Aufwand (und auch Kosten) verbunden. Man muss lobend hervorheben, dass zum Beispiel eine Kooperation mit der Bahn ermöglich wurde und auch Live-Streams zumindest eine teil-Teilhabe ermöglichten. Aber das ist nicht das Gleiche.

Natürlich kann man auch sagen: Andere Regionen könnten selbst eine solche Konferenz auf die Beine stellen. Zum Teil wird dies ja auch getan. Und zum Teil wird es verschlafen. Dennoch sind weitere Konferenzen in gewisser Weise Konkurrenz und würden im schlechtesten Fall die Community aufspalten („gehst du zur rp oder zur XY, beides schaff ich nicht!?“).

Wie erwähnt kosten Fahrt und Übernachtung auch eine Stange Geld und da wären wir beim nächsten Punkt. Auch die re publica selbst ist alles andere als billig. Ebenso wie nicht das gesamte Internet aus Berlin kommt, kann nicht das gesamte Internet mal eben  über 100 Euro (plus Fahrt und Übernachtungen dann 300 bis 400 Euro) für drei Tage berappeln. Das überlegt man sich schon mehrfach. Und wenn man lange überlegt, weil man zum Beispiel erst wissen will, ob einen das Programm anspricht, sind die billigeren Tickets schon weg. Ohnehin sind die Early-Bird Tickets gefühlt nur verfügbar, wenn man vom letzten #npbb her weiß, wann der VVK startet um in diesem Moment online ist. Wünschenswerter als Early Bird-Tickets wären wie bei anderen Konferenzen üblich Sozialtickets für weniger Verdienende sowie Studenten.

Ich denke, mit solchen Aktionen könnte man weitere Zielgruppen erschließen und ein wenig aus der Filter Bubble „Berlin/Alphablogger/eigenesEinkommen“ heraus kommen und neue Impulse gewinnen. Bestimmt wären in anderen Städten Deutschlands auch Leute bereit, die Planung der Konferenz zu unterstützen. Für mich persönlich waren (neben privaten Gründen) vor allem der Aufwand und die Kosten der Faktor, weshalb ich nicht zur re publica gefahren bin, obwohl ich sehr große Lust dazu hatte. Ich habe lange mit mir gerungen, bin dann aber zu dem Entschluss gekommen, dass die Kosten/Nutzen-Rechnung mir nein sagt. Und ich kenne in meinem Umfeld der Blogger aus Rhein/Main und der Online-Journalismus-Studenten aus Darmstadt viele, die ebenso entschieden.

Ich bin dafür, die Blogosphäre stärke zu vernetzen (siehe dazu auch die Bloggertreffen Südhessen) und hoffe, dass die Diskussion, die Sascha Lobo angestoßen hat und Daniel Rehm ausgeführt hat, nicht verebbt. Wichtig dafür ist aber, dass die Diskussionen mit möglichst vielen geführt werden und nicht, wie leider auch viel zu viele Links in unserer Blogosphäre, in einem engen Zirkel verbleiben. Dafür könnte es auch sinnvoll sein, die Gestalt der Bloggerkonferenz in Deutschland für die Zukunft etwas zu überdenken. Immerhin ist laut Lobo 2013 das “entscheidende Jahr”. Meine Anmerkungen in diesem Beitrag seien daher als Anregungen zu verstehen und nicht als Kritik. Eine Diskussion darüber ist erwünscht, auch wenn ihr mir widersprecht.

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