In den USA laufen einige Serienmörder frei herum. Zu ihren Opfern gehören gern gesehene Menschen, wie Daniel Jackson, Mark Benford, Laura Daughtery, Rodney McKay und Nicolas Rush. Die Serienmörder sitzen in den Führungspositionen der Unterhaltungssender ABC, Syfy und NBC, sicher auch anderswo. Auch die Liste der Opfer lässt sich um einiges erweitern.
Nun, zum Glück ist kein Blut geflossen. Auch gibt es keine trauernden Angehörigen. Die Personen, die von uns gingen sind nämlich nur fiktiv. Trauer hinterlassen hat ihr Abgang aber dennoch.
Wovon rede ich? Ich rede, wie der Titel sagt, von Serien, genauer TV-Serien. Die werden in den letzten Jahren nämlich geschlachtet, wie ein gemästetes Kalb: Zunächst wird ordentlich Kraftfutter in Form von kostspieligen Produktionsmitteln und viel Werbung hineingepumt, und dann wird das seelisch nicht einmal ausgewachsene Tier frühzeitig getötet.
Beispiele sind Serien, wie die oben bereits indirekt erwähnten Stargate (SG-1, Atlantis und zuletzt Universe), Flash Forward oder Surface. Bekamen die Stargate-Serien immerhin zehn, respektive fünf, respektive zwei Staffeln, war bei Surface und Flash Forward nach Season One bereits Schluss. Caprica, Heroes, Dollhouse, Invasion und Jericho sind weitere Beispiele für früh abgesetzte Serien.
Dass man in Falle von Stargate nach zehn oder fünf Staffeln aufhört ist eigentlich akzeptabel. Aber nur eigentlich. Da SG-1 und SG Atlantis über Jahre zum Leben der Fans gehörten, trifft hier eines noch mehr zu, als bei den deutlich früher „ermordeten“ Serien:
Es kommt drauf an, wie man eine Serie beendet!
Genau dies ist nämlich das Kernproblem heutzutage. Die Drehbuchautoren konzipieren bei guten Serien einen Handlungsverlauf, der sich über viele Folgen, meist mehrere Staffeln hinwegzieht. Um die Leute an die Serie zu klammern wird vor Pausen (zur Midseason und vor allem am Staffelende) meist ein Cliffhanger gemacht. Das bedeutet: Die Geschichte bricht mitten an der spannendsten Stelle ab – „Fortsetzung folgt“.
Leider folgt die Fortsetzung häufig nicht. Der Zuschauer wird allein gelassen.
Die Sender, die die Serien beauftragen, lassen sich durch offene Handlungsstränge nicht erpressen. Sie schauen nur auf die Quote und den Gewinn. Das Problem: Auch Serien, deren Einschaltquote über dem Senderdurchschnitt liegt, werden abgesetzt. Warum? Weil eine Kosten-Nutzen-Rechnung gemacht wird.
Dumm nur: Die meisten Serien werden immer teurer, durchaus auch bedingt durch den Kampf um Aufmerksamkeit. Wenn ständig neue Serien hervorsprießen, muss man besonders auffallen. Hinzukommt, dass immer mehr Leute Serien on-demand schauen, sprich im Internet.
Manchmal geschehen auf Druck der Fans kleine Wunder: Dann werden die Sender-Bosse noch einmal umgestimmt oder es springen andere Sender ein, wenn ihnen das erlaubt wird. Oder es wird noch eine Miniserie oder ein Film (vielleicht auch nur direct-on-DVD) drangehangen, die oder der die wesentlichen Rätsel auflöst. So ist es zum Beispiel bei Stargate SG-1 geschehen (Film: Stargate –The ark of truth).
So ist es in möglich, den Fans einen versöhnlichen Abschied zu geben. Fans, die sich auf die neue Folge freuen, die über die Handlung diskutieren, die sich mit den Akteuren identifizieren, kurzum: für die die Serie ein angenehmer Teil des Lebens geworden ist.
Für uns in Deutschland ist die schwierige Lage bei Serien direkt doppelt unbefriedigend. Denn in den meisten der Fällen ist der US-Markt entscheidend, weil für ihn produziert wird. Läuft eine Serie dort nicht, bringt es meist nur wenig, wenn sie später in der Synchronfassung Spitzenwerte erzielt. Und selbst wenn der Wille da ist: Nach einer Verzögerung ist es meist unmöglich, den Cast wieder komplett zusammen zu bekommen. Die Schauspieler verdienen sich dann ihre Brötchen oft schon in anderen Produktionen.
Ich als Zuschauer habe oft schon gar keine Lust mehr, eine neue Serie anzuschauen, weil ich befürchten muss, dass irgendwann mittendrin Schluss ist, und ich wieder sauer bin. Und man kann ja auch nicht jedes Mal Nüsse verschicken.
Was bleibt? Zwei Dinge: Zum einen die Hoffnung, dass die Sender-Bosse sich darauf besinnen, dass sie Unterhaltung liefern sollen und nicht nur Geld machen. Vielleicht sollten sie ihr TV-Programm häufiger selbst schauen (dann liefe vielleicht auch weniger Schrott), damit sie merken, dass Serien nicht nur Beiwerk zu Werbezeit sind, sondern auch Lebensgefühl.
Das andere das bliebt, ist der Rat an die Produzenten: Erpressung mit Cliffhangern funktioniert nicht (mehr). Vielleicht sollte man mutiger sein und die Serien selbst beenden, vielleicht auch mal nach bereits einer Staffel, mit einem guten Ende. Vielleicht schaut dann auch mal der Sender-Boss dumm und merkt, wie es ist, wenn eine Serie zu früh endet.
