Nur kurz zum Herrn Sarrazin…

…eigentlich ist es mir zu blöd zu den populistisch-einseitigen Aussagen des Herrn Sarrazin etwas zu schreiben. Aber eine Gegenfrage stellte sich mir eben auf dem Campus schon:

Wenn Türken kaum eine produktive Funktion in Deutschland einnehmen sollten, warum höre ich dann auf der Hochschule in Darmstadt so viel Türkisch? Die Leute die da rum laufen haben und Türkisch sprechen haben eine Hochschulzulassung (Abitur) und einen Studienplatz! Den Studiengang Obst- und Gemüsehandel gibt es an meiner Hochschule auch nicht!

Impressionen zum Bildungssystem (Bildungsstreik-Reihe) Teil 3 „Abi und dann?“

BildungsstreikBisher habe ich über Dinge geschrieben, die geändert wurden und dadurch Probleme mit sich brachten (Bologna, G8). Nun zu etwas, das seit Jahren nicht geändert wurde und dadurch Probleme mit sich bringt. Zwei Stichworte: Studien-Zulassung und Numerus Clausus. Weiterlesen

Wir verschwenden Geld durch Traditionen

Derzeit ist Abi-Prüfungszeit. Vor kurzem habe ich bereits einen alten Text über Abireisen ausgekramt. Im nachfolgendem, ebenfalls etwa zwei Jahre altem Text, widme ich mich einem anderen Thema: Dem Abiball, bzw. dem Dresscode dabei. Auch das sehr kritisch und auch hier hat sich bis heute leider nichts geändert. Vielleicht kann der diesjährige Jahrgang den Text als Inspiration nehmen!

Wir schleudern Geld in Traditionen, Geld das man gebrauchen könnte
Zum Abiball „muss“ man mit Anzug oder ähnlichem kommen. „Wie sieht denn das aus, wenn man da mit Jeans ankommt!?“. Dies hat mich eigentlich schon immer aufgeregt. Wo bitte steht dies verankert, welchen logischen Grund gibt es dafür, sein Abizeugnis in einem Anzug entgegenzunehmen? Es heißt immer, es ist ja etwas Besonderes, aber es gibt vieles, das besonders ist. Der erste Kuss, die Geburt eines eigenen Kindes und und und… muss ich mich dafür besonders kleiden???

Wie so oft in unserer Gesellschaft werden Dinge, für die es keine objektive, logische Begründung gibt, mit Tradition erklärt. Aber was kann Tradition begründen? Sollte man eine Tradition immer weiterführen? Was wenn es Tradition wäre, etwas schlechtes zu tun???

Beim Kaufen der Schuhe heute kam mir eine Idee, oder sollte ich schreiben Vision? Wäre es nicht genial, wenn meine komplette Stufe auf diesen ganzen Kram verzichten würde und das Geld, was man dafür ausgegeben hätte, stattdessen in einen wohltätigen Zweck stecken würde?

Machen wir eine kleine Rechnung. Meine Stufe besteht aus mehr als 60 Leuten, also sagen wir der einfach halber 60. Sagen wir darüber hinaus, jeder gäbe 200€ aus. Dies halte ich im Durchschnitt für halbwegs realistisch. Ich habe weniger Geld ausgegeben, aber ich war ja auch sehr widerwillig. Ich denke die Mädchen bei uns haben deutlich mehr ausgegeben. Dabei ist noch nicht einmal einkalkuliert, was Verwandte und Bekannte ausgeben… Wir kämen innerhalb der Stufe überschlagen also auf 12.000 €. Was könnte man mit diesem Geld alles anfangen…

Leider bleibt diese Idee nur eine Vision, weil sich die Menschen scheinbar zu so etwas nicht überreden lassen. Im Gegenteil finden sie es oft sogar eine Frechheit, dies vorzuschlagen. Das zieht mich ein wenig runter. Sind wir so egoistisch und verkrampft? Dann gibt es noch den Vorschlag: „Mach du es doch!“ Ich würde gerne, wer macht bitte mit???

Erstmals erschienen am 04.06.2007 auf Opinio.de

System Abireise – Hab Spaß oder stirb?!

In einigen Bundesländern sind die Abi-Prüfungen schon im vollen Gange, in anderen fangen sie in kürze an. Viel der Abiturienten werden danach sicher auf Abifahrt oder Abschlussfahrt reisen. Zu diesem Anlass habe ich einen älteren Text von mir wieder hervorgekramt, in dem ich kritisch über meine Abireise berichtet habe. Ich denke, an der Thematik hat sich in den letzten zwei Jahren nichts geändert.

System Abireise – Hab Spaß oder stirb?!
Vor kurzer Zeit habe ich meine Abi- Prüfungen hinter mich gebracht. Nun nur noch auf die Ergebnisse warten und in der Zwischenzeit das tun, was wohl jährlich mehrere tausend deutsche Abiturienten machen: Eine Abireise nach Spanien, gebucht mit einer Gruppe von ca. 30 Personen meines Jahrgangs, bei JAM!, einem der größten Anbieter seiner Art. Bereits vor der Reise wurden wir von den selbstverständlich jeden duzenden Personen umgebucht, auf ein anderes Hotel. Kurz vor unserem Abflug erfuhren wir dann von den vorgereisten Busreisenden, dass wir ein weiteres mal umgebucht wurden.

Auf der kurzen Fahrt vom Flughafen zum Hotel erzählte uns eine der Reisebegleiterinnen, die im übrigen extra in Calella arbeitet, weil ihr das „nur-Party-Leben“ in Lloret nicht gefällt, alles nötige über Gotcha, Schaumparties und Alkohol und wusste über Salvatore Dali immerhin zu berichten, dass er und seine Werke „sehr interessant“ seien…

calellaAm Hotel in Calella angekommen bemerkte man dann, dass die Umbuchung keinerlei Unterschiede machte (Reisebegleiterin: „Ihr wurdet entweder ‚upgegradet’ oder ‚gleichgegradet’, aber auf keinen Fall ‚runtergegradet’!“), denn die Hotels arbeiten alle gleich: Ab ca. 10 Uhr gibt es Freigetränke, wenn man sich Cola- Rum bestellt, hat diese die Cola zumindest mal aus der Entfernung gesehen, so dass man hier durchaus ein Prinzip vermuten kann. Alkohol und leicht bekleidete andere Besucher(innen) sorgen für Stimmung und das 4- Bettzimmer (meiner Meinung nach ein Doppelzimmer mit 2 mühsam hineingequetschten Zustellbetten) „ist ja eh nur zum pennen da“. 

Das Musterbeispiel der Belustigung war dann der Abendausflug nach Lloret. Hier wurden wir in eine Diskothek geführt, die vor unserer Ankunft noch fast leer war, was dann dank vier Busladungen betrunkener Deutscher schnell anders wurde. Natürlich spielte man typisch spanische Songs wie „Cowboy und Indianer“ oder das sehr bezeichnende „Follow the leader“. Die Krönung fand das ganze jedoch, als auf der Großleinwand statt NeunLive dann ARD lief, genau genommen eine Dokumentation über notleidende Kinder in Afrika. Die Herde bemerkte dies kaum, aber mir war die Partylust erst mal vergangen. Daher ging ich nach Draußen und nutze meine Zeit für ein Gespräch mit welchen der JAM!- Reiseleiterinnen. Mich interessierte, was man in diesem Job so verdient, bzw. warum man ihn macht. Natürlich verdiene man nur „sehr wenig“, aber es sei einfach nur „fun pur“ und „das geilste, das es gibt“, so die Antwort. Eine meiner Gesprächspartnerinnen studierte im übrigen Tourismus, aber machte grade eine Woche blau um „mal wieder hier zu sein“…

Es gab aber natürlich noch ein anderes Gesprächsthema: Sex. Bereits im Vorfeld wurden uns in unseren Reiseunterlagen ein paar wichtige spanische Sätze mitgeliefert, zu denen zum Beispiel „Komm, zieh dich aus!“ (venga, quitaté la ropa) und „Ich habe meine Periode“ (Tengo el periodo) gehörten. Und auch vor Ort wurde uns immer wieder mitgeteilt, wie gut man hier doch Leute anmachen könnte. Bei unserem Ausflug nach Lloret ging man sogar ganz selbstverständlich davon aus, dass einige die Nacht dort verbringen würden und man daher weniger Leute zurück- als hinbringen müsse. Immerhin versicherten mir die Reisebegleiterinnen, dass sie mit keinen der Leute, die sie begleiten ins Bett dürften, da sie sonst direkt entlassen würden. Daher erzählte mir eine von ihnen dann auch direkt, von wem sie sich nach ihrer Heimreise „vögeln“ lassen würde, was mich selbstverständlich ungemein interessierte.

Unter all diesen Aspekten des Wahnsinns und des hab-spaß-oder-stirb bekommt man eigentlich ein schlechtes Gewissen, wenn man sagt, dass es dennoch schön war.
Es war schön.

Erstmals erschienen am 30.05.2007 auf Opinio.de