Diplomarbeit: Arbeitsabläufe in Online-Redaktionen. Erste Notizen

Seit Mittwoch befinde ich mich in der Bearbeitungsphase für meine Diplomarbeit. Und am Freitag trat das Amt des Bundespräsidenten von der Person Christian Wulff zurück. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall gab mir dieses Ereignis eine sehr gute Fallstudie. Meine Diplomarbeit trägt aktuell den Arbeitstitel “Arbeitsabläufe in deutschen Online-Redaktionen unter besonderer Berücksichtigung des jeweiligen Stammmediums“. Mit anderen Worten, ich untersuche, in wieweit die Frage, ob die Online-Redaktion der Ableger einer Tageszeitung, eines TV-Senders oder eines Magazins ist, sich auf die Arbeit auswirkt.

Im Rahmen meiner Untersuchung werde ich die Redaktionen von sueddeutsche.de und tagesschau.de besuchen und befragen. Deshalb habe ich mir am Freitag vor allen diese beiden Seiten intensiv angeschaut und beobachtet, wie sie mit der besonderen Nachrichtenlage umgegangen sind. An dieser Stelle einige Notizen aus meinen Beobachtungen:

Tagesschau.de

  • Währen der Stellungnahme als Aufmacher der Link zum Livestream des ARD-Programms (darüber noch Eilmeldung)
  • Danach Livestream auf zwei runter gerückt (Erklärung der Kanzlerin), darüber Textmeldung. Erste Hintergründe, z.B. vom NDR (extern verlinkt)
  • Mittag: Text-Meldung auf eins, Erklärung von Wulff und Merkel als Video-Mitschnitt unter Weitere, Ankündigung des Livestreams Tagesschau Spezial ab 16 Uhr(!). Weitere Hintergründe, z.B. Weiterhin der NDR-Link
  • Nachmittag: Artikel zur Nachfolge auf eins und zwei, als weitere Meldungen Link zum Livestream (Tagesschau Spezial), sowie Videomittschnitte des bisherigen Programms (Experten-Interviews). Außerdem Bilderstrecke bisherige Bundespräsidenten, Audio-Kommentar, Kommentar und weitere Hintergründe als Text
  • Abend: Kaum Veränderung zum Nachmittag. Aufmacher identisch (Details im Text ggf. neu), unter weiteren Beiträgen ein Text + Audio-Beitrag vom Hörfunk aus Amman zu den Reaktionen in Arabien

Sueddeutsche.de

  • Während der Stellungnahme ein Liveblog mit zwei genannten Autoren (1x Berlin, 1x München), dazu Reaktionen (Text, Agentur), interaktive Zeitleiste (aus Bestand) + Agentur-Video
  • Mittag: Weiterhin Liveblog Aufmacher
  • Früher Nachmittag: Analyse (Text) als Aufmacher, Liveblog auf zwei
  • Nachmittag: Kommentar als Aufmacher (Text), Agentur-Video als Bild, Liveblog auf zwei, Text-Hintergründe auf drei, vier und fünf. Außerdem auf der Seite: Twitter Stream (User) und Tool wer soll Nachfolger werden, zudem eigenes Voxpop-Video (mäßige Qualität), Agenturvideos
  • Abend: Anderer Kommentar als Aufmacher (Text), als weitere: Der Tag zum Nachlesen. Weitere Hintergrundtexte auf zwei und drei, auf vier eine Fotostrecke/Abstimmung (SZ-Format, das sonst zur Spielerbewertung bei Fußballspielen genutzt wird) zur Frage: Wer soll Nachfolger werden? Im Info-Bereich das Voxpop-Video (SZ), Agentur-Video mit Politiker-Statements und eine Kombi aus Text und Infografik zu den Mehrheitsverhältnissen in der Bundesversammlung

Daraus ergeben sich diese Erkenntnisse und Fragen:

  • tagesschau.de hat mehr Ton- und Video-Formate genutzt (übernommen) und konnte so vermutlich schneller viel liefern
  • sueddeutsche.de hat die Live-Berichterstattung mit Liveblog und Agenturmaterial abgedeckt
  • Viele waren zu der Zeit im Büro: Ist die vermeintlich langweiligere Text-Variante daher vielleicht effektiver (zudem Mobil-tauglicher)?
  • Wie ist das SZ-Video aus Eigenproduktion zu bewerten?
  • sueddeutsche.de konnte vor allem ab Nachmittag viele Autoren-Beiträge liefern, vermutlich aus Print-Ressourcen (Übernahme?)
  • sueddeutsche.de hat sich stark auf Analyse und Kommentierung konzentriert
  • warum ist bei tagesschau.de am Abend kaum noch etwas passiert? Weil Analysen/Kommentare kein Schwerpunkt sind?

In meiner Arbeit werde ich diesen nachrichtlichen “Sonderfall” weiter auseinander nehmen. Aber natürlich soll auch der Standard-Betrieb beleuchtet werden.

Input, Fragen, Kommentare, Meinungen sind an dieser Stelle ausdrücklich erwünscht! Weitere Notizen auf diesem Blog sind geplant. Vielleicht gibt es auch sich im Rahmen der Untersuchung ergebende kleinere Spin-Off Texte oder Interviews auf YOUdaz.com

PS: Wer sich für die Konzeption eines Print-Magazins für Digital Natives interessiert, sollte beim Kollegen Daniel vorbei schauen. Wem die Fußball-Hessenliga am Herzen liegt, möge auf die praktische Diplom-Arbeit des anderen Daniel einen Blick werfen.

Bald im Handel: Werwulffe – das Rollenspiel für bis zu 80 Millionen Personen

Am besten spielen Sie Werwulffe in großen Räumen wie diesem

In Anlehnung an das beliebte Rollenspiel Werwölfe von Düsterwald aus gegebenen Anlass eine neue Variante des Spiels, für noch mehr Spaß und Abwechslung:

Werwulffe

An den Spielregeln ändert sich nicht viel. Dafür gibt es neue Charaktere:

  • 1 ARD oder ZDF-Moderator (moderiert das Spiel, mischt sich nicht ein)
  • 2 Werwulffe (ruft jede Nacht jemanden an, der danach ausscheidet)
  • 1 Banker (bestimmt in der ersten Nacht zwei Charaktere, die in einer geheimen Geschäftsbeziehung stehen (kann auch sich selbst wählen), im weiteren Verlauf ist er einfacher Bürger)
  • 1 Investigativ-Reporter (kann sich jede Nacht die Seite eines Spielers anzeigen lassen)
  • 1 Chefredakteur (kann schauen, wer vom Werwulff angerufen wurde und einmal im Spiel die Mobilbox abrufen und damit den Spieler retten. Zudem kann er einmal einen Leitartikel schreiben mit dem er einen beliebigen Spieler diffamiert, der dann ausscheidet)
  • Der Spiegel-Reporter (hat die gleiche Fähigkeit wie der Investigativ-Reporter kann diese aber erst einsetzen, wenn dieser bereits veröffentlicht hat)
  • Der Kanzler (wird er gestürzt wählt er eine Person, die mit untergeht)
  • Der Staatssekretär (spielt auf der Seite der Werwulffe. Wird dem Reporter als Bürger angezeigt. Die Werwulffe wissen nicht, wer ihr Sekretär ist, dieser jedoch wer die Werwulffe sind)
  • Bürger (alle weiteren Mitspieler. Haben keine besonderen Fähigkeiten)

Wird einer der Spieler, der vom Banker als Geschäftspartner ausgewählt wurde, getötet, stirbt der andere direkt mit, da er pleitegeht.

Die Werwulffe rufen jede Nacht jemanden an, während sie auf dem Weg zum Emir sind. Der gewählte Spieler scheidet aus dem Spiel aus (es sei den der Chefredakteur rettet ihn). Alle Spieler können am Tag jemanden lynchen. Das Spiel endet wenn nur noch Werwulffe oder nur noch Bürger über sind.

Viel Spaß ;)

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