Plädoyer für Arroganz

Heute Abend findet meine offizielle Studiums-Abschlussveranstaltung statt. An einigen Hochschulen ist es üblich, zum Abschluss des Studiums ein paar mehr oder weniger weise Worte zu verfassen. Und da ich nun mein Diplom im “Online-Journalismus” erlangt habe, liegt es nahe, bei der Adaption dieser Idee den entsprechenden Text zu bloggen. Mein “Plädoyer für Arroganz” richtet sich somit in erster Linie an meinen Studienjahrgang – darüber hinaus aber auch an alle anderen.

Ich bin überzeugt davon, dass es die Aufgabe einer jeden Generation ist, die Welt ein Stück weit besser zu machen.

Selten wurde es einer Generation so einfach gemacht, wie der unseren.

Wir leben im Frieden. Wir können das ganze Jahr über fast alles bekommen, was wir wollen. Für das meiste müssen wir dabei nicht einmal mehr die Wohnung verlassen. Wir leben, arbeiten und studieren mit Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Mit nur ein paar Klicks und ein paar Tastendrücken, können wir unsere alten Schulkollegen und unsere Kommilitonen über alles informieren, was wir tun. Wo es früher schwer fiel, Kontakt zu halten, wird es uns heute sogar von Algorithmen empfohlen. Wir leben im Gegenteil von Einsamkeit.

Das Gegenteil von Einsamkeit. Davon schrieb auch Marina Keegan. Die 22-jährige US-Amerikanerin wollte damit zum Ausdruck bringen, was sie zum Abschluss ihres Studiums empfand. Eben das Gegenteil von Einsamkeit, ein Gefühl, für das es kein Wort gibt.

Als Online-Journalisten würden wir ihr vielleicht entgegnen, dass online dieses Wort sein könnte. Das ist freilich nicht das, was Marina meinte, als sie den Zusammenhalt in Yale beschrieb. Aber irgendwo ist es doch das, was sie uns zeigte: Die 22-Jährige starb kurz nach dem Verfassen ihres Essays bei einem Autounfall. Sie wollte übrigens Journalistin werden, so wie vielen von uns.

Dass ihre Worte nach diesem tragischen Unfall um die Welt gingen und so auch uns erreichten, zeigt, in was für einer Welt wir leben. Einer Welt, in der wir nicht einsam sind.

Das ist die eine Seite. Aber es gibt noch eine, wenn wir uns fragen, in was für einer Welt wir leben: Wir leben in einer Welt, die Angst hat. Hier herrscht Unsicherheit, Furcht, schiere Panik. Die Menschen wissen nicht, was aus ihrem Geld, was aus ihrem Job wird, ob ein Krieg im Nahen Osten droht, ob sie Benzin und Strom noch bezahlen können. Mehr: Sie haben Angst vor einer saisonallen Grippe, weil sie einen Tiernamen trägt, sie kaufen Geigerzähler, weil am anderen Ende der Welt ein AKW in die Luft geht.

Auch wir haben Angst: Angst vor dieser Prüfung, Angst vor jener Arbeit, Angst vor diesem Vorstellungsgespräch und Angst von davor, mit der dort von dem und der gesehen zu werden.

Bologna, Eurokrise, Schweinegrippe, Schwerpunktwahl: Aber wir sind immer noch da!

Wenn wir diese Welt wirklich besser machen wollen, dann sollten wir ihr die Angst nehmen. Weil Angst von innen zerfrisst, weil sie hemmt, weil sie Konflikte schürt.

Auch wenn es uns vielleicht nicht immer bewusst ist: Den Leuten ihre Angst zu nehmen – genau dafür wurden wir ausgebildet: ihnen zu zeigen, was passiert, was wirklich ist. Sie vertrauensvoll zu informieren, was Schlechtes, aber auch was Gutes passiert. Ihnen die Sachverhalte zu erklären und die Zusammenhänge aufzuzeigen. Wenn die Welt nicht mehr so kompliziert erscheint, wird sie auch besser erscheinen. Wir haben immer eine Wahl, doch erst wenn wir zeigen, was welche Wahl bedeutet, ist es eine zwischen Alternativen statt einer zwischen Pest und Cholera.

Marina Keegan rief ihre Leser auf, etwas in dieser Welt zu verändern. Diesem Aufruf sollten wir folgen. Ihr Text war ursprünglich nicht an uns adressiert, aber er ist bei uns angekommen. Und auch wenn Marinas tragischer Tod uns in Angst hüllen könnte, sollte er uns vielmehr mit Mut segnen. Denn dass uns ihre Worte erreichten, zeigt uns das Potential unserer Generation.

Es gibt keinen Grund, Angst zu haben!

Das hier ist unsere Welt. Und sie wird sein, was wir aus ihr machen. Und deshalb wird sie sogar noch besser. So arrogant sollten wir sein.

Denn Arroganz ist immer noch besser als Angst. Und außerdem: Diese Arroganz werden wir schon wieder verlieren – wenn unsere Kinder uns zeigen, wie viel besser diese Welt noch sein kann!

Mein Dank gilt allen Professoren, Lehrbeauftragten, Mitarbeitern und vor allem auch Kommilitonen, die meine Studienzeit in den vergangenen vier Jahren begleitet haben.

Bald gibt es unser erstes Bloggertreffen Südhessen

Bald soll es soweit sein. JUICEDblog, Medienkonsument, openairbrain, outofmessel und YOUdaz laden ein zum ersten Blogger-Treffen für Südhessen. Ort wird Darmstadt sein, der Zeitpunkt vermutlich Mitte kommenden Monats.

Nachfolgend ein paar weitere Informationen aus der Offiziellen Ankündigung von Pascal:

Wir haben uns das so vorgestellt: In lockerer Atmosphäre tauschen wir uns über die Themen aus, die uns bewegen. Es geht nicht um die Diskussion eines bestimmten Themas, sondern um das Kennenlernen von Menschen. Menschen wie wir, die sich ein bisschen (mehr) im Netz rumtreiben und sich als „in Südhessen lokalisiert“ beschreiben würden. Was nicht heißt, dass sich irgendjemand ausgeschlossen fühlen soll.

Das Ganze orientiert sich lose am Vorbild des “netzpolitischen Bier Berlin (#npbb)”, auch wenn wir uns thematisch nicht auf Netzpolitik festlegen wollen.

Sobald sich ein Trend herauskristallisiert, werden wir alle Eingetragenen (sofern erwünscht) über Ort und Zeit des Treffens informieren. Wir dachten vorerst an eine Location in Darmstadt.

Wozu das führen soll? Wir hoffen, dass sich die Onliner im Raum Südhessen auf diese Weise auch mal offline begegnen. Ob sich die Gespräche um Netzkultur, Journalismus oder … Sport drehen, ist dabei zweitrangig.

Wenn sich unser erstes Treffen gut angefühlt hat und jeder was daraus mitnehmen konnte, haben wir den Plan ein „regelmäßiges“ Ritual daraus werden zu lassen.

Hier noch ganz wichtig der Link zum Formular für Interessierte: http://bloggertreffen.youdaz.com.

Dort kann man sich eintragen, wenn man dabei sein will, helfen will oder informiert bleiben will – vollkommen unverbindlich. Auch direkt einmal notieren: Das Hashtag #btsh (Bloggertreffen Südhessen). Infos gibt es darunter, über den Twitter-Account @youdaz_com sowie vermutlich in den beteiligten Blogs.

Ich würde mich freuen, viele interessante Gesichter zu sehen – und natürlich wenn ihr die Nachricht weiter verbreitet!

Weil Online so Offline ist

Derzeit befinde ich mich in den letzten Tagen meiner Berlin-Zeit. Zumindest vorerst, denn man weiß ja nie, wohin einen das Leben so verschlägt. Aber letzte Tage bedeutet (bei mir) immer so ein wenig Reflexion und außerdem ist ja Jahresende und so, da passt das ja alles ganz gut (Satz merken!).

Reflexion heißt in diesem Fall: Was habe ich in Berlin so gemacht. Genauer: Was nehme ich aus dieser Zeit mit, welche Erfahrungen, Kontakte, Verhaltensweisen (der gemerkte Satz z.B. ist durch die Art zu sprechen einer hier kennen gelernten Person inspiriert). Aufgefallen ist mir besonders eines:

Online ist sehr offline. (Vor allem in Berlin.)

Was meine ich damit? Ich meine, dass die Wahrnehmungsschwelle im Internet stark von der Offline-Präsenz beeinflusst wird. In Berlin schlägt nun einmal der wohl größte Teil der deutschen Online-Welt. Viele bekannte Blogger stammen von hier, oder sind regelmäßig in der Stadt. Das gleiche gilt für Netzaktivisten/ Netzpolitiker, so sie denn nicht sowieso mit den Bloggern identisch sind.

In meiner Zeit hier war ich auf zwei offiziellen netzpolitischen/medienpolitischen Treffen. Dabei habe ich einige Kontakte geknüpft. Außerdem war ich mehrfach beim #npbb. Das steht für netzpolitisches Bier Berlin und ist ein lockerer und zwangloser Abendvertrieb, bei dem nicht nur, aber auch über das Internet, Journalismus, Netzsperren, Wikileaks und was es sonst gerade im www gibt, geredet wird. Vor allem aber herrscht gute Stimmung.

Derjenige, der sich „nur ein bisschen für das Internet interessiert“ wird dabei genauso beachtet wie der bekannte Journalist oder Blogger. Man interessiert sich für einander. Ok, viele sind eh ständig währenddessen online. Aber wenn man es nicht ist, kann man sich eigentlich einem sicher sein: Wenn man daheim den PC anmacht, hat man einige neue Follower und neue Leser im Blog. So wie bei mir.

Ich habe auch in Berlin über das gleiche Themenspektrum gebloggt und getwittert wie in Darmstadt und Hamburg. Die Resonanz darauf war (wenn man mal die üblichen Ausreißer wegdenkt) in der Hauptstadt jedoch gefühlt höher. Durchbricht man schneller die Grenze, ab der man beachtet wird (von möglichen Mutliplikatoren, ach ja, das sind wir ja alle)? Oder kommt einem das nur so vor, weil man einen höheren Satz der Leser beim Bier trifft?

So oder so: Für das online sein, ist es nicht unbedeutend, wo man offline ist (Offlinegeotagging). Ich bin gespannt, ob ich auch von Darmstadt aus weiterhin oberhalb der Wahrnehmungsschwelle bleiben werde. Vielleicht ist die Motivation umso größer, „sich“ im Gespräch zu halten. Die Treffen hier werden jedenfalls weiter stattfinden, auch ohne mich. Andere Treffen warten an ihrer Stelle.

Nur kurz zum Herrn Sarrazin…

…eigentlich ist es mir zu blöd zu den populistisch-einseitigen Aussagen des Herrn Sarrazin etwas zu schreiben. Aber eine Gegenfrage stellte sich mir eben auf dem Campus schon:

Wenn Türken kaum eine produktive Funktion in Deutschland einnehmen sollten, warum höre ich dann auf der Hochschule in Darmstadt so viel Türkisch? Die Leute die da rum laufen haben und Türkisch sprechen haben eine Hochschulzulassung (Abitur) und einen Studienplatz! Den Studiengang Obst- und Gemüsehandel gibt es an meiner Hochschule auch nicht!

Magenkrämpfe wegen Mensa-Essen?

Normalerweise konfrontiere ich euch in meinem Blog nicht mit privaten Dingen, aber das folgende liegt im Grenzbereich und muss einfach niedergeschrieben werden:

mensa_diSeit Sonntag hatte ich leichte Darmbeschwerden. Nichts Wildes und auch schon fast vorbei aber seit heute Mittag habe ich richtige Magenschmerzen. So stark, dass ich mein Training abbrechen musste.

Vor ein paar Stunden erfahre ich dann durch Zufall folgendes: Meine liebe Kommilitonin Sarah hat seit heute Mittag Magenkrämpfe. Das Bemerkenswerte an der Sache: Sie aß heute mit mir in der Mensa- genau wie ich ein Cordon Bleu.

Ich will hier keinen „Gammelfleischskandal“ oder ähnliches ausrufen, aber unerwähnt lassen wollte ich es auch nicht. Wenn jemand von euch ebenfalls heute in der Mensa Dieburg gegessen hat und nun Probleme hat, meldet euch. Würde mich sehr interessieren. Vielleicht sind wir auch die einzigen, dann sieht es wieder eher nach Zufall aus.

Es ist übrigens nur Zufall, dass heute zeitgleich der neue Darmspiegel mit der Titelstory über die Darmstädter Mensen rauskam. Also keine billige PR, mein Magen schmerzt wirklich.

PS: Ja, mein Blog hat (derzeit) ein neues Outfit. Ich experimentier da noch ein wenig mit rum. Ob es so bleibt weiß ich noch nicht, ihr könnt mir gerne eure Meinung sagen.

Wahlkampf- Auftakt!

Es ist soweit, der Wahlkampf hat begonnen! Vorgestern wurde der Landtag aufgelöst, nun gibt es kein Zurück mehr. Nachdem es die fünf Parteien nicht geschafft haben, irgendeine Koalition auf die Beine zu stellen, soll der Bürger wieder ran. Es sei direkt gesagt: Eine Garantie, dass im Anschluss eine Koalition möglich sein wird, gibt es nicht. Zumal nur Andrea Ypsilanti nicht mehr als Spitzenkandidatin fungiert. Alle anderen Parteien gehen mit den gleichen Personen in die Wahl- und weitestgehend auch mit den gleichen Inhalten!

In den kommenden zwei Monaten bis zur Wahl will ich an dieser Stelle (natürlich nur ergänzend zu anderen Themen) in unregelmäßigen Abständen meine Meinung oder alternative Denkweisen zu manchen Dingen abgeben und auf Sachverhalte hinweisen, die in den Medien nur ein begrenztes Echo haben.
Seid euch sicher, dass ich alle Parteien gleichermaßen kritisch betrachte. Hoffen wir nur, dass das Endfazit dann nicht lauten muss „man kann niemanden wählen!“, was durchaus realistisch erscheint im Hessen des Jahres 2008.

Derzeit plane ich für das Ende des Wahlkampfes dann ein 5-teiliges Fazit. Aber bis Januar ist ja noch lange hin…
Auf die kommende Wahl weisen im Übrigen in Darmstadt schon die ersten Wahlplakate hin. Direkt dort, wo grade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wird, hängen die ersten Plakate der Linken und verderben die Adventsstimmung. Denn die reißerischen roten Teile passen nicht wirklich zum Tannenbaum und zur Weihnachtspyramide