Reaktionen und ausbleibende Reaktionen zum Offenen Brief an den DLV

An dieser Stelle ein kleiner, neuer Zwischenstand zum Offenen Brief an den DLV. Im letzten Beitrag hatte ich bereits die kurze Stellungnahme von Herrn Prokop verlinkt. Seitdem habe ich von Seiten des DLV nichts gehört. An mich als Absender ist noch niemand herangetreten. Mittlerweile ist das Ende der Zeichnungsfrist und das Überreichen des Briefs über eine Woche her!

Ich hoffe wirklich, dass man sich nicht entschlossen hat, die Sache zu ignorieren und totzuschweigen. Dass dies aber durchaus die Taktik sein könnte, darauf deutet leider auch das Verhalten von leichtathletik.de hin.

Auf der Seite – immerhin die erste und fast einzige Anlaufstelle für Nachrichten rund um die deutsche Leichtathletik – wurde die Aktion bislang mit keinem Wort erwähnt. Nicht nur während der Zeichnungsfrist, zu der Mann noch befürchten konnte, dass dadurch die Teilnehmerzahl steigt, sondern auch danach. Und das, obwohl mehr als ein Duzend deutscher Zeitungen das Thema nachrichtenrelevant fanden. Die Pressemitteilungen zum Thema erreichten auch leichtathletik.de.

Der SID veröffentlichte eine Meldung. Bei anderen Themen übernimmt leichtathletik.de gerne mal Beiträge dieser Agentur, die man scheinbar abonniert hat. Das Copy+Paste fand aber in diesem Fall nicht statt. Da der Aufwand dafür nicht hoch ist, nehme ich an, es handelt sich um eine bewusste Entscheidung, nicht zu berichten.

Auch wenn die Seite ihre redaktionelle Unabhängigkeit betont, lohnt ein Blick ins Impressum: Dienstanbieter ist demnach die Deutsche Leichtathletik Promotion- und Projektgesellschaft mbH, Vorsitzender des Aufsichtsrats: Dr. Clemens Prokop. Die Domain leichtathletik.de gehört dem DLV.

Ich hoffe, dass es doch noch zu offiziellen Reaktionen des Verbands kommt und unsere Kritik berücksichtigt wird. Abschließen möchte ich noch mit dem Verweis auf ein Interview, dass die taz mit mir zum Thema geführt hat (erschienen am gestrigen Donnerstag): http://www.taz.de/Leichtathelt-ueber-Sport-und-Sponsoren/!79368/

Online-Petition zur Abschaffung der Winterzeit

Der Gedanke kam mir schon, als im Winter die Uhren umgestellt wurden. Der Gedanke, sich nicht nur über die Winterzeit aufzuregen, sondern diese Aufregung in einer Online-Petition zu kanalisieren. Einer Petition zur Abschaffung der Winterzeit und ganzjährigen Gültigkeit der Sommerzeit. Nun, sicher würde diese keine Änderung bewirken (das hat ja nicht einmal bei der Netzsperren-Petition funktioniert). Aber ein gewisser Spaß wäre es allemal, vielleicht sogar ein Selbstläufer, dem sich mehr anschließen, als man denkt.

Aufgrund von zu viel Arbeit hatte ich den Gedanken wieder verworfen. Die letzten beiden Tage kam das Thema jedoch zufällig mehrfach zur Sprache. Heute zeigte mir ein Kommilitone einen Text. Dessen Inhalt: Meine Idee wird nun wohl in Russland umgesetzt. Dies ließ in mir wieder die Idee aufkommen, die Petition doch einzureichen. Zu verlieren gibt es schließlich nichts. Sofort bekam ich Unterstützung zugesprochen.

Daher nachfolgend ein erster Entwurf. Ich bin gespannt auf Feedback! Würdet ihr unterzeichnen? Habe ich etwas vergessen? Sollte etwas anders formuliert werden? Ob es eine ähnliche Petition bereits gab, müsste ich noch überprüfen, genauso sonstige bürokratische Hürden. Wenn alles hinhaut und ich genug positives Feedback hier und anderswo erhalte, gehen wir es vielleicht an. Ich denke zwar, es würden viele eher im Winter unterzeichnen, wenn sie gerade genervt sind. Aber wer weiß.

Abschaffung der Winterzeit

Der Bundestag möge beschließen, dass die Bundesrepublik Deutschland die Winterzeit abschafft. Dazu sollte die Bundesrepublik der britischen Zeitzone („Coordinated Universal Time“, kurz UTC, landläufig auch GMT) beitreten. Zugleich sollte die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit abgeschafft werden. Im Ergebnis wäre in Deutschland dauerhaft die bisherige Sommerzeit gültig. Die Bundesregierung möge zudem den Auftrag erhalten, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, die Umstellung zwischen Winter- und Sommerzeit wieder zu beenden und die europäischen Staaten westlich von Deutschland einladen, ebenfalls der Zeitzone UTC beizutreten.

Begründung:
Die Umstellung zwischen Winterzeit und Sommerzeit wurde eingeführt, um Strom zu sparen. Dieser Effekt hat sich nicht oder nur kaum eingestellt. Stattdessen gibt es halbjährlich Verwirrung und Unbehagen im Zusammenhang mit der Zeitumstellung.

Gerade die Winterzeit bringt für den Großteil der Bevölkerung einige Nachteile mit sich. Während es zu Beginn des Arbeitstages für viele Bundesbürger auch nach Sommerzeit noch dunkel ist, ist es durch die Winterzeit zusätzlich nach Feierabend bereits dunkel. Dadurch, dass die Freizeit komplett ohne natürliches Licht stattfindet, werden Winterdepressionen begünstigt.

Zusätzlich würde die Bundesrepublik näher an die Zeitzonen der USA heranrücken, was der Wirtschaft eine leichtere Zusammenarbeit mit Partnern in Übersee ermöglicht. Sollten wie gewünscht, die Staaten westlich von Deutschland und Italien mitziehen, wären zudem die wirtschaftlich stärksten EU-Länder alle innerhalb einer Zeitzone.

Aus diesen beiden Gründen geht hervor, dass

1. es sinnvoll ist, die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt wieder abzuschaffen
und
2. bei der Wahl der dann ganzjährig gültigen Zeit die Sommerzeit zu bevorzugen ist. Dies wäre gleichbedeutend mit einem Beitritt in die Zeitzone UTC zu Winterzeiten, bzw. ganzjährig, wenn auch diese Zeitzone die Uhrumstellung abschafft, jedoch die „Normalzeit“ beibehält.

Verwiesen sei zudem auf das Beispiel Russland, wo die Winterzeit jüngst abgeschafft wurde.

Geht bei Wahlen in Deutschland alles mit rechten Dingen zu?

Um direkt auf die – zugegeben etwas reißerische – Überschrift zu antworten: Ich denke schon. Dennoch habe ich ein wenig Angst. Ich will euch erzählen warum:

In meinem noch verhältnismäßig jungen Leben durfte ich bereits sechsmal wählen. Zwei Kommunalwahlen, zwei Bundestagswahlen und je eine Europa- und Landtagswahl (letztere die am Sonntag). Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich auch bei nur einer einzigen dieser Wahlen ausweisen musste.

Egal ob am Wahltag im Wahllokal oder bei Briefwahl vorher im Bürgerbüro: Wahlbenachrichtigung abgeben, Wahlschein bekommen. Mehr nicht. Ich finde das zu wenig. Oder anders gesagt: Man stelle sich vor, dies wäre in z.B. Afghanistan so. Dann würden die Wahlbeobachter bestimmt sagen, dass Wahlbetrug nicht ausgeschlossen werden kann. Und würden wir uns dann nicht zu recht tierisch darüber aufregen?

Natürlich habe ich nie ausprobiert, mit der Wahlberechtigung einer anderen Person wählen zu gehen und ich möchte auch nachdrücklich niemanden aufrufen, dies zu probieren. Daher kann ich letztlich nicht sagen, ob es wirklich möglich wäre. Aber ich kann es mir sehr gut vorstellen. Und das bereitet mir Sorgen. Wie ich finde zu Recht…

Politik beim Arzt

Neulich: Ich komm zu früher Stunde vom Arzt zurück (nichts wildes) und mecker auf Facebook in meiner Statusmeldung kurz über die Gesundheitspolitik, genauer die Praxisgebühr. Binnen kürzester Zeit erhalte ich dazu Kommentare. In der Regel bekommt ein Status auf meinem Profil wenn überhaupt nur im überschaubarem Rahmen Kommentare. In diesem Fall hat sich bis zum Mittag jedoch bereits eine kleine Diskussion entwickelt, die vor allem eines zeigt: Gesundheitspolitik ist ein Diskussionsthema, auch (gerade?) bei jüngeren Menschen. In meinem, nicht repräsentativem Fall lehnen übrigens die meisten die Pläne von Herrn Rösler ab.

Wenige Tage später bin ich noch mal kurz beim Arzt, um etwas abzuholen. Während ich auf die Sprechstundenhilfe warte, die mir einen Zettel kopiert, höre ich einigen älteren Arztbesuchern im Wartezimmer zu. Sie sind scheinbar unzufrieden mit der Politik der Bundes- und Landesregierung. Wie viele Menschen am Niederrhein scheinen sie jedoch alt eingesessene CDU-Stammwähler zu sein. CDU wählen oder nicht wählen scheint die Devise derer, die sich an anderer Stelle oft (zurecht) über Einparteien-Systeme aufregen. Weiterlesen

Niederlande: Kommunalwahl und neue Umfrage

(aktualisiert 4.3., 21:20 Uhr)

Gestern fanden in den Niederlanden Kommunalwahlen statt, ein bedingter Stimmungstest für die vorgezogenen Parlamentswahlen im Frühsommer. Bedingt, weil natürlich kommunale Themen eine entscheidend Rolle spielten, Koalitionstaktik nicht so entscheidend war und die PVV in den meisten Regionen nicht antrat, dafür jedoch häufig lokale Parteien.

Diese wurden insgesamt genommen auch stärkste Kraft bei den Wahlen. Aus einer Umfrage vorher ging hervor, dass 27 Prozent der PVV-Anhänger, die die PVV nicht wählen konnten, für solche lokale Parteien stimmen wollten. Natürlich kann man den Erfolg lokaler Parteien nicht einfach der PVV zurechnen, aber ein kleiner Fingerzeig ist es dennoch. Weiterlesen

Niederlande: Umfrage nach dem Bruch der Koalition

Da die Niederlande teilweise sozusagen meine Herkunft sind, will ich interessierten Lesern an dieser Stelle nun regelmäßig etwas Vorberichterstattung zu den anstehenden Neuwahlen liefern. Diese wurden mittlerweile auf den 9. Juni terminiert. Bevor ich zu den aktuellen Umfragewerten komme, ein Verweis auf zwei Texte zum Thema, für alle, die bislang nur wenig über Politik in unserem Nachbarland wissen. Beide habe ich vor kurzem auf CARTA veröffentlicht:

Zunächst zur aktuellen Situation:

Und als Hintergrund:

Nützlich mag auch diese Grafik sein. Darauf werden die niederländischen Parteien in ihrer Ausrichtung dargestellt. Inhaltlich stammt sie vom Politologen André Krouwel.

Soweit zur „Vorgeschichte“, nun zur neusten Umfrage. Würde nun bereits gewählt, sähe die Lage laut Wahlforschern so aus: Weiterlesen

Mit welcher Arroganz…

erlauben es sich eigentlich derzeit zahlreiche Redakteure und Autoren aufgrund der Minarett-Verbot-Abstimmung in der Schweiz Volksabstimmungen als solche in Frage zu stellen? Natürlich haben sie Recht, wenn sie darauf hinweisen, dass man solche Ergebnisse befürchten muss. Aber der Grundtenor ihrer Argumentation ist doch immer: Lasst das Volk nicht abstimmen, es ist zu dumm. Daher soll besser weiter allein eine „Elite“ entscheiden. Warum jedoch ist diese vermeintliche Elite so laut, wenn es darum geht das Volk als dumm abzustempeln, aber so leise, wenn es darum geht, das Volk intelligenter zu machen? Stichworte: Toleranz, Aufklärung, Bildung(!), freie Presse. Jeder Kommentar gegen Volksentscheide ist verschenkte Zeit und verschenkter Platz für Kommentare die z.B. über den Islam aufklären, die Probleme in unserem Bildungssystem ansprechen oder – ebenfalls für Meinungsbildung zuständig – die zunehmende Aushöhlung der Presse- und Rundfunkfreiheit thematisieren.

Die Konsequenzen aus Saarmaika

saarmaikaEs scheint, als haben die Herren Matschie (SPD, Thüringen) und Ulrich (Grüne, Saarland) nichts verstanden. Oder zumindest nicht viel. Denn ihre Entscheidungen jeweils CDU-Regierungen an die Macht zu bringen, bzw. zu halten haben weitreichende Konsequenzen für die deutsche Parteilandschaft, eben nicht nur im (länder)lokalem Rahmen. Ganz deutlich gesagt: Wer keine CDU will kann nun nur noch die Linke wählen! Eine Situation die einem Angst bereiten sollte. Weiterlesen