Rudelbildung – Die EM-Kolumne (17): Bayern-Wusel

Raus, raus, raus, das Spiel ist aus. Und wieder gegen Italien verloren.

Und dabei hat Jogi Löw alles richtig gemacht: Er hat im Sturm auf den Bomber der Nation gesetzt, der eine Zweikampf-Niederlage schon durch sein Fehlen im Duell unmöglich macht. Er hat allen Kritikern zum Trotz Bastian Schweinsteiger gebracht – einen Spieler, der stets für eine Überzahl im Mittelfeld sorgen kann, da er zeitgleich neben dem Gegner und neben sich steht. Er hat mit Jerome Boateng einen Mann gebracht, der weiß wie man auch spät in der Nacht noch medienwirksam einen rein machen kann. Ja, er hat sogar Toni Kroos auflaufen lassen, die Dreifaltigkeit aus Mensch gewordenen Rückpass, vollkommener Entschleunigung und Reinkarnation von Michael Ballack. Nur ein solcher Spieler kann im rechten Mittelfeld einen zentral spielenden Quasi-Libero manndecken.

Warum das alles, mögen sich uninformierte Zuschauer gedacht haben. Der Bundestrainer wusste genau was er tat, als er sieben Bayernspieler starten ließ. Die werden bekanntlich immer Zweite und somit musste der Einzug ins Finale glücken, wo er dann mit anderen Spielern das Schicksal ausgetrickst hätte.

Doch es hat dennoch nicht geklappt. Schuld sind die Medien. Die haben behauptet: Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel. Klar, dass unser Bayern-dominiertes Team dann bereits im Halbfinal-Endspiel Zweiter wird…

Und zum Abschluss noch die wichtigste Frage, mit täglich frisch angepasster Antwort:
Wer wird Europameister? Italien

Rudelbildung – Die EM-Kolumne (3): Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben

Sieg. Tor. Souveränes Rumgegurke zum 1:0 gegen Ronaldo. Wenn sogar Gomez trifft, kann uns nichts mehr aufhalten. Deutschland wird Europameister. Juhu!

Und wieder einmal bewahrheitet sich: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Schon am Vorabend. Da gewinnt Dänemark trotz 1:201 Torschüssen mit 1:0 (laut Jogi Löw sogar mit 3:0). Astreiner europäischer Spitzenfußball. Also von Dänemark jetzt: Nur für das einzige Tor die eigene Hälfte verlassen, mit großer Gelassenheit Herrn Robben den Pfosten abschießen lassen und schauen, wie sich spielerisch überlegene Spieler dabei übertreffen am Ball vorbeizurutschen oder aufs Maul zu legen.

Aber was bei Chelsea noch unwürdiger Verweigerungsfußball war (böse Londoner, so gegen Bayern zu spielen), ist bei Dänemark aufopferungsvoll und erfrischend kämpferisch (sauber, lasst die bösen Wohnwagen-Käse-Menschen mit Müllabfuhr-Trikots sich blamieren).

Und am Abend dann der grandiose deutsche Sieg:

Minute 1-10: Guter Beginn, gleich geht’s richtig los.
Minute 10-24: Schaut mal wie toll die sich den Ball hin und her schieben können.
Minute 25-42: Tja, hm… Etwas mehr hätte man schon erwartet.
Minute 43-45: Etwas glücklich ist das nun schon.
Minute 45-48: Jetzt kommen sie besser ins Spiel, das wird bestimmt was.
Minute 49-65: Jetzt muss es über den Kampf gehen.
Minute 65-71: Gleich kommt Klose, dann wird es besser,
Minute 72: Die portugiesische Abwehr fälscht unabgesprochen eine Flanke so auf den „Schädel“ von Gomez ab, dass selbst der Chancentod der Nation den Ball nicht mehr neben das Tor gelenkt bekommt.
Minute 73-90: Es ging hier nur ums gewinnen. So ein Start ins Turnier ist immer schwer. Beim nächsten Spiel werden die Deutschen schon ganz anders auftreten.

Wir haben gewonnen. Juhu. Jippey. Super Mario. So sehen Sieger aus. Wer redet jetzt noch über das Schweiz-Spiel? Wer über die Liebensnacht von Jerome Boateng? Das war doch mit dieser Julija Tymoschenko, oder?

Selbst die deutschen Fans sind die besten. Die ersten mit eigener Choreografie: Ein Bild aus vielen Papierkügelchen, nach Anpfiff feinstens abgestimmt nacheinander auf die Portugiesen geworfen. Das ist deutsche Perfektion, das ist Effizienz. Das ist Schlaaaaaaaaaand.

Und zum Abschluss noch die wichtigste Frage, mit täglich frisch angepasster Antwort:
Wer wird Europameister? Niederlande (jetzt guckt ihr)

Die re publica als Konferenz gewordene Filter-Bubble

Ist die re publica in ihrer jetzigen Form noch zeitgemäß? Das frage ich als jemand, der vergangene Woche nicht dabei war. Und ich frage es aus den Gründen, weswegen ich nicht da war.

Es ist mir zunächst ein Anliegen zu erwähnen, dass ich die Arbeit der Veranstalter nicht schlecht reden will, ganz im Gegenteil. Ich kann mir vorstellen, was für eine große Mühe dahinter steckt und man muss auch sagen: Sonst tut es ja keiner. Und ich kritisiere an dieser Stelle auch nicht, weil mein Sessionvorschlag nicht angenommen wurde (wenngleich ich es schade finde, weil ich mitbekam, dass dieses Thema am Rand eines Beitrags heiß diskutiert wurde).

Sascha Lobo forderte in seinem Vortrag, dass das Blog eine Renaissance erleben solle. Zu diesem Punkt hat Daniel Rehn einen empfehlenswerten Beitrag verfasst. Vor kurzem gab es zudem auf Diskurs lesenswerte Gedanken zur deutschen Blogosphäre.

Man muss feststellen, dass die Vernetzung in Deutschland nicht gerade hoch ist. Vor allem, wenn sie außerhalb von Berlin stattfinden soll. Es gibt nur eine Hand voll Blogs mit hohen Zugriffszahlen. Getreu dem Motto „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ sollten diese Blogs – vielleicht in Form von Linkempfehlungen wie 6 vor 9 im Bildblog - Aufmerksamkeit an kleinere Blogs verteilen. Da aber auch die großen Blogs nur Bruchteile der Klickzahlen der großen Nachrichtenseiten erreichen, wäre es sehr wünschenswert, wenn auch diese die Blogosphäre im Auge halten und entsprechend verlinken. Wir müssen einander auch etwas gönnen können, wie es Daniel Rehm ausdrückt. In diesem Fall sind es vor allem Leser und Aufmerksamkeit.

Was hat das nun mit der re publica zu tun? Die re publica ist die – man sollte nicht sagen größte, sondern einzige – Bloggerkonferenz in Deutschland. Hier werden Kontakte geknüpft, hier wird sich ausgetauscht, hier werden gemeinsame Pläne geschmiedet. Es finden jedoch vor allem die „Großen“ der Szene Beachtung, sowie sehr viele Speaker aus anderen Regionen der Welt. Doch ist das die Blogosphäre? Ja und nein zugleich!

Die re publica – so mein Eindruck von außen – läuft Gefahr in die gleiche Filter Bubble zu geraten, wie die Blogosphäre als solche. Netzpolitik, Spreeblick, Lawblog, Lobo und Freunde. Doch das deutsche Netz ist mehr. Sascha Lobo sagte in seinem Vortrag auch, dass die re publica die große Community der durchaus netzaffinen YouTube-Vloger nicht erreiche. Ich denke, die aktive Netzlandschaft wird allgemein sehr unrepräsentativ erreicht. Das hat zwei Gründe.

Viele der führenden Blogs kommen aus Berlin, aber nicht das gesamte Internet kommt aus Berlin. Es wäre schön, wenn man auch mal in Hamburg, München, Leipzig oder im Rhein/Main- oder Ruhrgebiet die re publica veranstalten würde. Warum sollen nicht mal die Berliner ihre Kollegen besuchen? Klar verstehe ich, dass die Organisatoren aus Berlin kommen und weiß nicht, ob etwas anderes als Berlin daher umsetzbar ist. Aber ein wechselnder Ort könnte wechselnde Impulse mit sich bringen. Die Fahrt nach Berlin ist für viele mit viel Aufwand (und auch Kosten) verbunden. Man muss lobend hervorheben, dass zum Beispiel eine Kooperation mit der Bahn ermöglich wurde und auch Live-Streams zumindest eine teil-Teilhabe ermöglichten. Aber das ist nicht das Gleiche.

Natürlich kann man auch sagen: Andere Regionen könnten selbst eine solche Konferenz auf die Beine stellen. Zum Teil wird dies ja auch getan. Und zum Teil wird es verschlafen. Dennoch sind weitere Konferenzen in gewisser Weise Konkurrenz und würden im schlechtesten Fall die Community aufspalten („gehst du zur rp oder zur XY, beides schaff ich nicht!?“).

Wie erwähnt kosten Fahrt und Übernachtung auch eine Stange Geld und da wären wir beim nächsten Punkt. Auch die re publica selbst ist alles andere als billig. Ebenso wie nicht das gesamte Internet aus Berlin kommt, kann nicht das gesamte Internet mal eben  über 100 Euro (plus Fahrt und Übernachtungen dann 300 bis 400 Euro) für drei Tage berappeln. Das überlegt man sich schon mehrfach. Und wenn man lange überlegt, weil man zum Beispiel erst wissen will, ob einen das Programm anspricht, sind die billigeren Tickets schon weg. Ohnehin sind die Early-Bird Tickets gefühlt nur verfügbar, wenn man vom letzten #npbb her weiß, wann der VVK startet um in diesem Moment online ist. Wünschenswerter als Early Bird-Tickets wären wie bei anderen Konferenzen üblich Sozialtickets für weniger Verdienende sowie Studenten.

Ich denke, mit solchen Aktionen könnte man weitere Zielgruppen erschließen und ein wenig aus der Filter Bubble „Berlin/Alphablogger/eigenesEinkommen“ heraus kommen und neue Impulse gewinnen. Bestimmt wären in anderen Städten Deutschlands auch Leute bereit, die Planung der Konferenz zu unterstützen. Für mich persönlich waren (neben privaten Gründen) vor allem der Aufwand und die Kosten der Faktor, weshalb ich nicht zur re publica gefahren bin, obwohl ich sehr große Lust dazu hatte. Ich habe lange mit mir gerungen, bin dann aber zu dem Entschluss gekommen, dass die Kosten/Nutzen-Rechnung mir nein sagt. Und ich kenne in meinem Umfeld der Blogger aus Rhein/Main und der Online-Journalismus-Studenten aus Darmstadt viele, die ebenso entschieden.

Ich bin dafür, die Blogosphäre stärke zu vernetzen (siehe dazu auch die Bloggertreffen Südhessen) und hoffe, dass die Diskussion, die Sascha Lobo angestoßen hat und Daniel Rehm ausgeführt hat, nicht verebbt. Wichtig dafür ist aber, dass die Diskussionen mit möglichst vielen geführt werden und nicht, wie leider auch viel zu viele Links in unserer Blogosphäre, in einem engen Zirkel verbleiben. Dafür könnte es auch sinnvoll sein, die Gestalt der Bloggerkonferenz in Deutschland für die Zukunft etwas zu überdenken. Immerhin ist laut Lobo 2013 das “entscheidende Jahr”. Meine Anmerkungen in diesem Beitrag seien daher als Anregungen zu verstehen und nicht als Kritik. Eine Diskussion darüber ist erwünscht, auch wenn ihr mir widersprecht.

Die Sinuskurve der deutschen Politik

Es ist noch nicht so lange her, da wurde in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gewählt. Vor allem letztgenanntes Bundesland sorgte mit seinem Wahlergebnis für Furore: Die Grünen stellen nun den Ministerpräsidenten – eine Zäsur. Aber nur von der Oppositionsseite aus betrachtet. Denn: Ist es nicht so, dass die Parteien der Bundesregierung regelmäßig Wahlen in den Ländern verlieren, die Opposition im Bundesrat stärker wird, irgendwann die Bundesregierung stellt und dann der ganze Prozess – mit umgekehrten Vorzeichen – von vorne beginnt?

Diese These hatte ich und wollte sie zahlenmäßig belegen oder widerlegen.

Was habe ich gemacht? Zunächst habe ich den Zeitraum eingeschränkt und zwar auf die letzten 20 Jahre. In der Zeit gab es immerhin die Regierungswechsel von Kohl zu Schröder, von Schröder zu Merkel und von Merkel zu Merkel, sprich von Großer Koalition zu Schwarz-Gelb. Zudem kamen 1990 die neuen Bundesländer hinzu, womit jede längere Statistik an diesem Punkt ohnehin einen Bruch erlitten hätte.

Ich machte eine Tabelle, für jede Partei und jedes Jahr eine Zeile, für jedes Bundesland eine Spalte. Dann gab es eine 1, wenn die Partei in diesem Jahr in diesem Land den Ministerpräsident stellte, eine 0, wenn nicht. Wenn im betreffenden Jahr ein Regierungswechsel stattfand, gab es für jede der beiden Parteien eine 0,5. Dann stellte ich das Ganze als Bewegungsdiagramm da.

Weiterlesen auf YOUdaz.com…

(in diesem Blog hier funktionieren leider die Grafiken nicht)

Entwicklung der Studiengebühren in Deutschland (mit interaktiver Grafik)

Der Landtag von Nordrhein-Westfalen hat Gestern die Abschaffung der Studiengebühren ab dem kommenden Wintersemester beschlossen. Auch in Hamburg wird dieser Schritt nach dem Wahlerfolg der SPD erwartet. Damit sind die stets umstrittenen Studiengebühren eindeutig wieder auf dem Rückzug.

Als erstes Land hatte Hessen diese abgeschafft (durch die kurzzeitige rot-grün-roten Mehrheit). Hamburg hatte sie unter schwarz-grün immerhin schon herunter gefahren. Auch das Saarland schaffte die “Campusmaut” wieder ab. Hier setzten sich die Grünen in der Jamaika-Koalition durch. Seit dem Sommersemester 2010 gibt es keine Gebühren mehr.

Screenshot: Gebührensituation im Wintersemester 2007/2008 (studiengebuehren.andreasgriess.de)

Um die Entwicklung besser nachzuvollziehen habe ich eine Übersicht erstellt, wie hoch die Gebühren in den einzelnen deutschen Bundesländern waren, beginnend mit dem Sommersemester 2006, als es Deutschlandweit noch keine solchen Beiträge gab. Im darauffolgenden Semester wurden NRW und Niedersachsen die Pioniere. Den Höhepunkt erreichte die Gebührenwelle bereits ein Jahr später: Sieben Bundesländer erhoben im Wintersemester 2007/2008 Studiengebühren.

Danach folgte der bereits angesprochene Rollback: Rot-Grün-Rot schaffte die Gebühren in Hessen ab, in Hamburg verkleinerte Schwarz-Grün sie und verlagerte sie auf die Zeit nach dem Studium. Es folge die Abschaffung im Saarland und die in NRW, bald wohl auch die in Hamburg. Demnach dürften im kommenden Wintersemester 2011/2012 nur noch drei Bundesländer Gebühren erheben.

Screenshot: Voraussichtliche Gebührensituation im Wintersemester 2011/2012 (studiengebuehren.andreasgriess.de)

Aber das steht unter Vorbehalt: In Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen noch Landtagswahlen an. Änderungen bei den Gebühren könnten am ehesten in Rheinland-Pfalz (eventuell Einführung bei einer CDU-Regierung) oder in Baden-Württemberg (eventuell Abschaffung bei Regierungsbeteiligung von SPD und/oder Grünen) passieren. Den eines fällt auf: Es war bislang nie die gleiche Regierung, die Gebühren einführte und wieder abschaffte. Bürgerliche Mehrheiten hatten diese bislang eingeführt. Abgeschafft wurden sie dann unter Einwirken von SPD und/oder Grünen, teilweise unter Mithilfe der Linken.

Dennoch: Die Entwicklung lässt vermuten, dass die Gebühren in Deutschland vorerst gescheitert sind. Natürlich kann sich dies unter veränderten Rahmenbedingungen wieder ändern. Aber die Rücknahme der Gebühren in vielen Ländern –  hauptsächlich dadurch geschuldet, dass die Opposition das Thema nicht auf sich beruhen ließ – hat auch CDU-geführte Regierungen dazu gebracht, dass Thema mit mehr Abstand zu betrachten. Vor allem im Osten möchte man mit einer Sonderrolle keine potentiellen Studenten verschrecken.

Die Grafik musste ich leider extern speichern, da hier im Blog Java-Anwendungen nicht erlaubt sind. Per Klick auf den folgenden Screenshot kommt man zu ihr.

Angemerkt sei, dass die Grafik jedoch nur die Gebühren für das Erststudium in der Regelstudienzeit angibt. Es existieren jedoch viele Ausnahmen und Sonderfälle: In einigen Ländern wurden die Gebühren zunächst für das Erstsemester eingeführt (z.B. NRW), im Saarland lagen die Gebühren für die ersten beiden Semester bei 300 Euro, ab dem dritten Semester bei 500 Euro. In einigen Ländern können die Hochschulen entscheiden ob sie Gebühren erheben und ob sie dafür den Maximalsatz erheben.

Häufig gibt es Gebühren für Langzeitstudenten. Ab wann man ein Solcher ist, ist ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich. Einige Länder erhoben Gebühren nur, wenn man seinen Wohnsitz in einem anderen Land hatte. Auch Gebühren für ein Zweitstudium gibt es. Dazu kommen in der Regel Verwaltungskosten, die es überall gibt und die zwischen wenigen Euro und dreistelligen Summen variieren. Alle mir bekannten Ausnahmen habe ich bei den Rohdaten in den Anmerkungen vermerkt.

Wenn jemand Fehler entdeckt, bitte ich mich auf diese hinzuweisen.

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„Ich bin ja nicht rechts, aber…“

„Ich bin ja nicht rechts, aber…“, ist ein Standard-Satzanfang in Diskussionen und Leserbriefen zu Thilo Sarrazins Thesen. Warum sagt man, dass man etwas nicht ist? Meine Erklärung dafür: Weil das, was nach dem aber kommt sehr wohl „rechts“ ist. Der Ausdruck ist den Deutschen – zu Recht – nicht wirklich geheuer. Während das sonstige Europa die schwarz-gelbe Bundesregierung eine Mitte-Rechts-Koalition nennt, nennt Deutschland sie „bürgerlich“. Doch nur weil wir es anders nennen, wird es nicht anders: Deutschland ist in weiten Teilen rechts.

Das ist in diesem Zusammenhang nicht einmal eine Wertung, auch wenn ich politisch anders ticke. Es ist lediglich eine Feststellung und dass Weiterlesen

Thilo Sarrazin hat mir ein Stück Lebensqualität genommen

Vor einigen Jahren lief ich in der 4×400 Meter-Staffel der Jugend-Nationalmannschaft. Damals bekam ich unter anderen einen Rucksack. Darauf sind die Deutschland-Fahne und auch der Schriftzug „Deutschland“. Seit Studienbeginn ist dieser Rucksack mein Uni-Rucksack und auch nun im Praktikum nutze ich ihn. In den letzten Wochen war mir dabei etwas unwohl…

Seit die Äußerungen von Thilo Sarrazin öffentlich sind und seit der Wert „jeder zweite Deutsche stimmt zu“ durch die Zeitungen irrt, trete ich mit Unbehagen in die U-Bahn, wenn ich den Rucksack dabei habe. Ich habe nichts gegen Migranten. Problem: Das wissen die nicht. Sie denken sich vermutlich, es besteht eine 50-50 Chance ob ich sie rausschmeißen will oder nicht. Und dann trete ich so scheinbar patriotisch auf.

Ich habe das Gefühl, in den letzten Tagen zunehmend ängstliche oder missfällige Blicke von ausländisch(stämmigen) Personen auf mich zu ziehen.

Toll gemacht, Thilo! Muss ich wegen dir nun meinen Rucksack wechseln? Ich bin geneigt ihn die Frage als Leserbrief zu schicken, vielleicht zusammen mit einer Rechnung für einen Rucksack.

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Gekürzte Bildungsausgaben und kalkulierte Empörung

Wir Studenten in Hessen protestieren mal wieder. Und wir spielen damit wohlmöglich Roland Koch und seiner Regierungstruppe, gegen die der Protest eigentlich gerichtet ist, in die Karten. Das ist besonders traurig, denn der aktuelle Protest ist berechtigt. Mehr noch: Er ist zwingend notwendig: Das Land Hessen will die Bildungsausgaben kürzen. Und das nicht nur geringfügig: 30 Millionen Euro im Jahr sollen wegfallen.

Roland Koch sieht darin scheinbar sogar ein Vorbild für den Bund, forderte er doch unter anderen bei der Bildung Gelder zu kürzen. Ehrlich gesagt: Ich bekomme es mit dem Schrecken zu tun bei einem potentiellen Ersatz-Finanzminister, der so denkt.

Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was gerade passiert, und eins und eins zusammen zu zählen. Weiterlesen