Neues zum offenen Brief an den DLV (Mitzeichnung läuft)

Vor eineinhalb Wochen stellte ich hier auf meinem Blog eine erste Textversion für einen offenen Brief an den DLV zur Diskussion. Seit dem hat sich noch einiges getan und mittlerweile ist er in seiner aktuellen Form auf openpetition.de zu finden, wo man ihn mitunterzeichnen kann, wozu ich herzlich aufrufe. Ohne große Werbung ist bereits das erste Dutzend voll.

Was hat sich inhaltlich noch geändert? Viel ist es nicht. Neben einigen sprachlichen Dingen haben vor allem zwei Dinge noch ihren Weg in den Text gefunden: Zum einen eine kleine Kritik an der Art der Siegerehrungen, die nur noch Platz 1-3 beinhaltet. Das passt thematisch in die Problematik “Meisterschaften nur noch für die erste Reihe?”. Zum anderen habe ich mich bemüht, auch die Diskussion um die Geher zumindest zu erwähnen, die nämlich ganz aus dem Programm gestrichen werden sollen. Der Text sollte (und konnte aufgrund der Vorgaben von Openpetition) nicht zu lang werden, weshalb nicht alles in der ganzen Breite beschrieben werden kann. Aber die allgemeine Diskussion soll durch den Brief auch nicht beendet werden, sondern angeregt mit neuen Aspekten.

In einem Mailverkehr zum Offenen Brief schrieb ich, dass der vermutlich beste Weg eine ständige Interessenabwägung ist – und dafür muss man Interessen logischer Weise äußern. Ein entgegengebrachtes Argument – die zweite Reihe hätte kein Interesse an den Meisterschaften – habe ich daher in folgenden Absatz noch im Brief erwähnt:

Klar läuft auch von Athleten- und Vereinsseite einiges schief. Viel zu häufig wird Meldungen nicht nachgekommen. Daraus ein generell fehlendes Interesse der zweiten Reihe zu schließen, ist trotzdem falsch. Zudem könnte man hier die Frage stellen, was zuerst da war: Huhn oder Ei.

Dass die zweite Reihe Interesse an den Deutschen hat, wird hoffentlich auch der Brief zeigen. Die Voraussetzungen wären da: Ich habe in den vergangenen eineinhalb Wochen fast ausschließlich Zustimmung vernommen. Viele verbreiteten den Entwurf bereits in Social Networks weiter. Es gab viele Kommentare auf Facebook, Mails und auch Gespräche auf Wettkämpfen. Nun hoffe ich, dass diese Zustimmung auch deutlich gemacht wird, in dem der Brief mitgezeichnet wird. Mehr noch: Ich bitte auch darum, Andere darauf anzusprechen. Soll der Brief etwas bewirken, müssen möglichst viele mitmachen, dafür sind Netzwerkeffekte notwendig. Eine entsprechende, offene Facebook-”Veranstaltung” ist bereits erstellt. In den kommenden Tagen werde ich darüber einladen. Aber das kann auch jeder andere tun, gerne bereits jetzt.

Leider ist dieser Schritt immer der schwerste. Die Leute signalisieren ihre Zustimmung, für die wenigen Klicks haben sie dann aber doch “keine Zeit” oder vergessen es. Gelegentlich spielen auch Datenschutzbedenken eine Rolle. Mit seinem echten Namen zu einer Sache zu stehen, sollte in unserer Demokratie aber nichts schlechtes sein. Ganz im Gegenteil. Und wer wirklich etwas erreichen will, sollte auch dazu bereit sein, mit seinem Namen dazu zu stehen. Mit den Angaben wir kein Schindluder getrieben. Es ist sogar möglich so zu unterzeichnen, dass nur der Absender (ich) und der Empfänger des Briefes (DLV) den Namen innerhalb der Liste sehen kann – letzterer offline.

Eingeladen mit zu machen sind zwar in erster Linie Leichtathleten, aber ich habe versucht den Brief bewusst so zu halten, dass auch Trainer, Zuschauer, Helfer, Familienmitglieder und Freunde mitzeichnen können. Die Zeichnungsfrist läuft bis Ende September. Das ist nicht lang, hat aber einen Grund: Ab dem 28.09. findet in Kienbaum die DLV Spitzensport-Tagung statt, bei der ich hoffe, dass unser Brief Gehör findet. Sicherlich wird zumindest dort über die DM-Reform gesprochen.

So, genug der Worte. Gerne bin ich zu Diskussionen rund um den Inhalt bereit. Stimmt ihr einer Sache auf keinen Fall zu? Ist etwas unklar? Nur raus mit der Sprache! Habt ihr noch Fragen?

Nachfolgend noch einmal die Links:

Gebt den Sportlern die Deutschen Meisterschaften zurück! (Offener Brief an DLV und LV)

An Wochenende war ich (leider nur als Zuschauer) in Kassel bei den Deutschen Meisterschaften. Wie bereits im Vorjahr sind mir einige Dinge negativ aufgefallen. Zudem ist derzeit eine Reform im Gespräch, die droht, einiges noch schlimmer zu machen. Ich habe mich mit einigen Athleten und Leichtathletik-Freunden unterhalten, die meine Meinung teilen. Daher haben wir uns entschlossen, offen dazu Stellung zu nehmen – in Form eines offenen Briefes, den jeder mitzeichen kann. Begleitet von entsprechender Berichterstattung auf Facebook und Kommentare von möglichen prominenteren Unterzeichnern. Bei ausreichender Beteiligung könnte man den Brief offiziell bei der Tagung in Kiembaum überreichen. Nachfolgend der Entwurf für den offenen Brief.
In den nächsten Tagen würde ich gerne noch weiteres Feedback einfangen.Verbesserungsvorschläge sind willkommen. Außerdem suche ich noch weitere Leute, die als Erstunterzeichner mitmachen wollen. Diese können mich gerne in den Kommentaren oder per E-Mail kontaktieren.

Hier der Text-Entwurf:

Gebt den Sportlern die Deutschen Meisterschaften zurück!

Die Deutschen Meisterschaften sind zunehmend ein Produkt geworden, designt nach Vorgaben des Fernsehens und der Sponsoren. Das ist traurig, denn eigentlich sind die Sportler das Wichtigste. Sie geraten jedoch immer mehr ins Hintertreffen, zumindest wenn sie nicht der ersten Reihe angehören.

Das fängt schon mit vermeintlichen Kleinigkeiten, wie der Vorstellung der Athleten, an. Häufig werden nur die Stars vorgestellt, die weiteren Teilnehmer nicht. Gerade für Athleten, die das ganze Jahr über gemeinsam mit Trainern und weiteren Unterstützern große Anstrengungen auf sich nehmen, nur um als Saisonhöhepunkt bei den Deutschen Meisterschaften dabei zu sein, ist das ein Zeichen von Geringschätzung. Sie werden vielleicht nie Deutscher Meister sein. Dennoch sind sie nicht einfach nur Leute, die auch auf der Bahn oder auch im Ring stehen.

Diese Missachtung schmerzt nicht nur die Athleten selbst. Auch für ihre Vereine ist die Namensnennung wichtig. Klubs wie Bayer Leverkusen oder Eintracht Frankfurt hört man jetzt noch häufig. Aber der kleine Dorfverein, der vielleicht nur einen Athleten zu den Deutschen Meisterschaften bringt, möchte auch zumindest einmal bei der Laufeinteilung genannt werden. So erfahren die Zuschauer, dass er existiert und (einen) Athleten auf deutschem Spitzenniveau hat. Es ist die geringste Form von Anerkennung und Dank, die man den vielen Helfern und Trainern zollen kann, die in diesen Vereinen tätig sind und den Start der jeweiligen Athleten erst möglich machen – in den meisten Fällen übrigens mit vielen Stunden ehrenamtlichem Einsatz. Es sind nur ein paar Silben, die der Stadionsprecher sprechen müsste, nur ein paar Sekunden, die dafür nötig sind. Doch nicht einmal diese Sekunden werden den Athleten der zweiten Reihe gegönnt.

Von was für einem Sportverständnis zeugt es, wenn man einerseits den Breitensport unterstützt, indem man einen Sternlauf veranstaltet und deren Teilnehmer ins vollbesetzte Station einlaufen lässt, auf der anderen Seite aber Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften verschweigt oder ihnen sogar durch Reformen oder mangelnder Flexibilität die Möglichkeit nimmt, zu starten?

Denn es geht noch weiter. Der DLV möchte, so liest man, die Teilnehmerzahlen begrenzen und den Qualifikationsmodus ändern. Künftig soll es eine feste Anzahl von maximal zugelassenen Athleten geben: 24 Aktive bei den Kurzstrecken, in den technischen Disziplinen sogar nur deren 14.

Was ein solches Qualifikationsverfahren über die Bestenliste angeht gibt es sicherlich Gründe, die dafür sprechen. Genauso gibt es aber auch Gründe, die dagegen sprechen, beispielsweise die Planungssicherheit für die Athleten und Vereine. Bleibt es bei den aktuellen Planungen sieht es so aus, als würden für viele Aktive die Chancen, bei den Deutschen Meisterschaften zu starten, ab 2012 deutlich geringer und unkalkulierbarer.

Ziel sollte es eigentlich sein, die Teilnehmerzahlen zu erhöhen, statt zu senken. Aktuell heißt die Devise aber: Die Wettkämpfe sollen schneller durchgeführt werden können (so zu lesen auf leichtathletik.de am 23.07). Hat man jedoch nur noch 14 Athleten dabei, werden die Sportler ab Platz 15, zum Teil vermutlich sogar Landesmeister, womöglich mittelfristig die Motivation verlieren, diesen Sport weiter zu betreiben. Ihnen würde schlichtweg der Saisonhöhepunkt genommen. Sollten sie die Sportschuhe sogar ganz an den Nagel hängen, werden sie und ihre Freunde in vielen Fällen auch als Helfer in den Vereinen fehlen.

Dabei gibt es auch jetzt schon genug Zeit für mehr – nicht weniger – Aktive: Ein Beispiel: Bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel gab es am Samstag eine mehrminütige Phase lang ein Animationsprogramm mit Felix Moese von Hitradio FFH. In dieser Zeit sollte das Publikum im Wechseln in die Hände klatschen. Das hätte es in der gleichen Zeit doch besser bei weiteren Vorlaufen in den einzelnen Disziplinen gemacht. Hätte man die Animation weggelassen, wäre hierfür Zeit frei geworden.

Die Deutschen Meisterschaften werden von vielen Helfern für die Zuschauer, für den Sport, aber in erster Linie für die Teilnehmer möglich gemacht. Deshalb sollte man die Frage wie und in welchem Rahmen die Veranstaltung durchgeführt wird, dringend auch mit den aktuellen und potentiellen Teilnehmern besprechen. Und zwar nicht nur denen, die Gold, Silber und Bronze holen, sondern auch mit denen, die auf die Hundertstelsekunde oder auf den Zentimeter genau die Qualifikation erfüllt haben oder sich das für die kommende Saison vorgenommen haben.

Denn es stellen sich immer dringender einige Fragen:

  • Ist es sportlich, wenn einige Athleten beim Saisonhöhepunkt verschwiegen werden?
  • Ist es sportlich, wenn ganze Disziplinen auf Nebenplätze abgeschoben werden, so dass sogar Weltrekorde irgendwo im nirgendwo geworfen werden?
  • Ist es sportlich, wenn lieber Zeit geschaffen wird für Animationsprogramme als für weitere Athleten?
  • Ist es sportlich, wenn die Sportler zum Spielball von Medienpartnern und Sponsoren werden?

Kurzum: Ist es überhaupt noch Sport, wenn der Sport nur das Beiwerk zur Vermarktung ist? Und sind die Deutschen Meisterschaften als nationaler Höhepunkt dann noch eine Sportveranstaltung?

Wir befürchten immer mehr ein „nein“ auf diese Fragen und sagen deshalb:

Gibt uns Sportlern die Deutschen Meisterschaften zurück!

Update: Der Brief ist mittlerweile ich leicht angepasster Fassung an anderer Stelle online, wo er mitgezeichnet werden kann. Zu finden hier…

Die Serienmörder

In den USA laufen einige Serienmörder frei herum. Zu ihren Opfern gehören gern gesehene Menschen, wie Daniel Jackson, Mark Benford, Laura Daughtery, Rodney McKay und Nicolas Rush. Die Serienmörder sitzen in den Führungspositionen der Unterhaltungssender ABC, Syfy und NBC, sicher auch anderswo. Auch die Liste der Opfer lässt sich um einiges erweitern.

Nun, zum Glück ist kein Blut geflossen. Auch gibt es keine trauernden Angehörigen. Die Personen, die von uns gingen sind nämlich nur fiktiv. Trauer hinterlassen hat ihr Abgang aber dennoch.

Wovon rede ich? Ich rede, wie der Titel sagt, von Serien, genauer TV-Serien. Die werden in den letzten Jahren nämlich geschlachtet, wie ein gemästetes Kalb: Zunächst wird ordentlich Kraftfutter in Form von kostspieligen Produktionsmitteln und viel Werbung hineingepumt, und dann wird das seelisch nicht einmal ausgewachsene Tier frühzeitig getötet.

Beispiele sind Serien, wie die oben bereits indirekt erwähnten Stargate (SG-1, Atlantis und zuletzt Universe), Flash Forward oder Surface. Bekamen die Stargate-Serien immerhin zehn, respektive fünf, respektive zwei Staffeln, war bei Surface und Flash Forward nach Season One bereits Schluss. Caprica, Heroes, Dollhouse, Invasion und Jericho sind weitere Beispiele für früh abgesetzte Serien.

Dass man in Falle von Stargate nach zehn oder fünf Staffeln aufhört ist eigentlich akzeptabel. Aber nur eigentlich. Da SG-1 und SG Atlantis über Jahre zum Leben der Fans gehörten, trifft hier eines noch mehr zu, als bei den deutlich früher „ermordeten“ Serien:

Es kommt drauf an, wie man eine Serie beendet!

Genau dies ist nämlich das Kernproblem heutzutage. Die Drehbuchautoren konzipieren bei guten Serien einen Handlungsverlauf, der sich über viele Folgen, meist mehrere Staffeln hinwegzieht. Um die Leute an die Serie zu klammern wird vor Pausen (zur Midseason und vor allem am Staffelende) meist ein Cliffhanger gemacht. Das bedeutet: Die Geschichte bricht mitten an der spannendsten Stelle ab – „Fortsetzung folgt“.

Leider folgt die Fortsetzung häufig nicht. Der Zuschauer wird allein gelassen.

Die Sender, die die Serien beauftragen, lassen sich durch offene Handlungsstränge nicht erpressen. Sie schauen nur auf die Quote und den Gewinn. Das Problem: Auch Serien, deren Einschaltquote über dem Senderdurchschnitt liegt, werden abgesetzt. Warum? Weil eine Kosten-Nutzen-Rechnung gemacht wird.

Dumm nur: Die meisten Serien werden immer teurer, durchaus auch bedingt durch den Kampf um Aufmerksamkeit. Wenn ständig neue Serien hervorsprießen, muss man besonders auffallen. Hinzukommt, dass immer mehr Leute Serien on-demand schauen, sprich im Internet.

Manchmal geschehen auf Druck der Fans kleine Wunder: Dann werden die Sender-Bosse noch einmal umgestimmt oder es springen andere Sender ein, wenn ihnen das erlaubt wird. Oder es wird noch eine Miniserie oder ein Film (vielleicht auch nur direct-on-DVD) drangehangen, die oder der die wesentlichen Rätsel auflöst. So ist es zum Beispiel bei Stargate SG-1 geschehen (Film: Stargate –The ark of truth).

So ist es in möglich, den Fans einen versöhnlichen Abschied zu geben. Fans, die sich auf die neue Folge freuen, die über die Handlung diskutieren, die sich mit den Akteuren identifizieren, kurzum: für die die Serie ein angenehmer Teil des Lebens geworden ist.

Für uns in Deutschland ist die schwierige Lage bei Serien direkt doppelt unbefriedigend. Denn in den meisten der Fällen ist der US-Markt entscheidend, weil für ihn produziert wird. Läuft eine Serie dort nicht, bringt es meist nur wenig, wenn sie später in der Synchronfassung Spitzenwerte erzielt. Und selbst wenn der Wille da ist: Nach einer Verzögerung ist es meist unmöglich, den Cast wieder komplett zusammen zu bekommen. Die Schauspieler verdienen sich dann ihre Brötchen oft schon in anderen Produktionen.

Ich als Zuschauer habe oft schon gar keine Lust mehr, eine neue Serie anzuschauen, weil ich befürchten muss, dass irgendwann mittendrin Schluss ist, und ich wieder sauer bin. Und man kann ja auch nicht jedes Mal Nüsse verschicken.

Was bleibt? Zwei Dinge: Zum einen die Hoffnung, dass die Sender-Bosse sich darauf besinnen, dass sie Unterhaltung liefern sollen und nicht nur Geld machen. Vielleicht sollten sie ihr TV-Programm häufiger selbst schauen (dann liefe vielleicht auch weniger Schrott), damit sie merken, dass Serien nicht nur Beiwerk zu Werbezeit sind, sondern auch Lebensgefühl.

Das andere das bliebt, ist der Rat an die Produzenten: Erpressung mit Cliffhangern funktioniert nicht (mehr). Vielleicht sollte man mutiger sein und die Serien selbst beenden, vielleicht auch mal nach bereits einer Staffel, mit einem guten Ende. Vielleicht schaut dann auch mal der Sender-Boss dumm und merkt, wie es ist, wenn eine Serie zu früh endet.

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Vorschau aufs Kanzler-TV-Duell

tv-duellAm Sonntag (13. September) um 20:30 Uhr ist es soweit: Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Steinmeier treten zum ersten und einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl an. Eine Runde mit allen Spitzenkandidaten gibt es vermutlich nicht, weil Merkel „keine Zeit“ habe.

Im TV-Duell werden die beiden Kontrahenten übrigens stehen, Merkel hätte das Duell lieber im Sitzen ausgetragen. Das hätte dem TV-Duell dann endgültig den Charakter eines Kaffekränzchens verliehen, den man bei Merkel und Steinmeier sowieso erwartet, denn wirkliche Redner sind beide nicht. Das sind die Situationen, in denen man Gerhard Schröder vermisst, denn gleich was man von ihm halten mag, Schwung in ein TV-Duell bringen konnte er. Nun wird es erstmals ein Kanzler-Duell ohne ihn geben. Wie könnte es verlaufen? Hier drei mögliche Szenarien inklusive Konsequenzen: Weiterlesen

Warum sind so viele Politiker im ZDF-Fernsehrat?

Die Debatte um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff. Ich will an dieser Stelle nichts zur Person Brender oder den mutmaßlichen Motiven von Roland Koch und co. schreiben, da dazu schon genug verfasst wurde. Unter anderem folgende Texte, die ich empfehlen kann:

Was in der ganzen Debatte bisher etwas untergeht, ist die Frage „Warum hat die CDU eine Mehrheit in ZDF-Fernsehrat und ZDF-Verwaltungsrat?“. Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich die Zusammensetzung dieser Räte genau zu betrachten.

Theoretisch setz sich der Fernsehrat aus Vertretern verschiedener Bevölkerungsgruppen (z.B. Kirchen, Sport, Arbeitnehmer) zusammen. Dies soll „Binnenpluralität“, also Ausgewogenheit des Programms garantieren. Außerdem entsendet der Fernsehrat acht Vertreter in den Verwaltungsrat, welcher darüber hinaus aus fünf Vertretern der Länder und einem des Bundes besteht. Nun sind die Vertreter von Ländern und Bund aus nachvollziehbaren Gründen in der Regel Politiker. Schaut man nun auf die Fernsehratsvertreter kommen weitere Politiker hinzu! Um dies herauszufinden, ist jedoch ein wenig Recherche nötig, da Parteizugehörigkeit leider nicht transperent gemacht wird! 

Besteht das Abbild der Bevölkerungsgruppen also nur aus CDU und SPD Politikern? Beileibe nicht. Aber in den Fernsehrat kommen viele Politiker über Umwege. Einige Beispiele

  • Vertreterin Deutscher Städtetag:
    Petra Roth (CDU)
  • Vertreter Zentralverband des Deutschen Handwerks:
    Hanns-Eberhard Schleyer (CDU)
  • Vertreter Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände:
    Reinhard Göhner (CDU)
  • Gewerkschaftsvertreter:
    Michael Sommer (SPD)
  • Vertreter des Bundes der Vertriebenen:
    Erika Steinbach (CDU)

Hinzu kommen Vertreter des Bundes und der Länder (klar, Politiker) und –überrascht es noch irgendwen- Vertreter der Parteien (wohlbemerkt je vier aus Union und SPD, jedoch nur je einer aus FDP, Grünen und Linke). Natürlich gibt es auch ZDF-Fernsehratsmitglieder, die keiner Partei angehören, aber nur vergleichbar wenige.

Ob die ZDF-Fernsehratsmitglieder mit Parteibuch jeweils ihre Partei oder ihre eigentliche Rolle vertreten, kann man natürlich nur schwer sagen. Eine solche Häufung von Politikern ist aber mindestens bedenklich. Ich möchte jeden einladen, sich selbst ein Bild zu machen. Die Mitglieder sind öffentlich einsehbar. Schaut wer euch da (angeblich) repräsentiert. Und solche Räte gibt es natürlich nicht nur im ZDF, sondern in allen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten!

Quelle Zusammensetzung der Räte: www.unternehmen.zdf.de
Anmerkung: Wikipedia gibt eine stark abweichende Form an!