Der Drohnenkrieg der Liebe

Der nachfolgende Text ist das Vorwort zu einer Hausarbeit, die ich in den vergangenen Tagen im Rahmen meines Studiums geschrieben habe

„Sex ist eine Schlacht, Liebe ist Krieg“, heißt es im Rammstein-Song „Wollt ihr das Bett in Flamen sehen“. Ein Vergleich, der passender ist, als man denken mag. Vor allem dann, wenn man die Entwicklung der Kriegstechnologien betrachtet und die Entwicklung der Liebe. Beide verfolgen den gleichen Trend: Durch den Einsatz von Technologie wird versucht, die Distanz zwischen den Akteuren zu erhöhen und das eigene Risiko zu minimieren.

Wenn man so will ist die Urform eines jeden Kampfes der Nahkampf. So kämpfen die meisten Tiere auch heute. Der „Nahkampf der Liebe“ ist das persönliche Gespräch oder zumindest die unmittelbare Kommunikation miteinander, die auch nonverbal auskommen kann. Sieg oder Niederlage entscheiden sich häufig unmittelbar und vor allem an Ort und Stelle. Die Gefahr der Niederlage ist daher unmittelbar. Der Kämpfer kann in der Aktion sterben, der Flirtende in der Öffentlichkeit seine Absage erhalten.

Der Mensch hat deshalb relativ früh Distanzwaffen erfunden. Mit Pfeil und Bogen ist es möglich, den Feind aus dem Hintergrund anzugreifen. Im besten Fall ist man dabei selbst in sicherer Distanz, kann auch bei einem ausbleibenden Treffer noch unbemerkt entkommen, ohne selbst Schaden davon zu tragen.

Was im Kampf Pfeil und Bogen, ist in der Liebe die Schrift. Mit der Schrift und wenn man so will der Einführung der Briefpost war auch die Möglichkeit zum Flirt aus der Distanz geschaffen. Beides sind frühe Formen des Distanz“kampfes“. Sie erfordern ein gewisses sich „heranschleichen“. Der Bogenschütze hat eine beschränkte Reichweite und der Autor des schmachtenden Liebesbriefes wird seine Angebetete zuvor auch irgendwo getroffen haben, ihren Namen und ihre Anschrift in Erfahrung gebracht haben. Gerade letzteres macht ziemlich klar deutlich: Die Aktion bedingt zunehmende Vorbereitung.

Nun bedeutet eine zunehmende Spezialisierung der Gesellschaft auch, dass Vorbereitung zum Teil in Arbeitsteilung geschieht. Pfeil und Bogen können von jemand produziert werden, ein Weiterer späht den Feind vielleicht aus. Und im anderen Fall verrät mir vielleicht ein Freund den Namen der attraktiven Arbeitskollegin.

Die Weiterentwicklung von Pfeil und Bogen wird vermutlich die Feuerwaffe sein und irgendwann kommen wir bei Interkontinentalraketen und Drohnen-Kriegsführung an. Im Bereich des „emotionalen Kampfes“ lautet die Entwicklungslinie vermutlich grob Telefon-Mobiltelefon-Social Networks (Internet).

Die bereits zuvor festgestellten Entwicklungen haben hier ihre Fortsetzung gefunden. Die Arbeitsteilung ist immer stärker. Wohl kaum einer von uns könnte selbst eine Atomrakete bauen, Facebook programmieren würde ebenfalls den meisten schwer fallen. Auch die Distanz nimmt zu. Die moderne Kriegsführung ermöglicht es, Menschen zu töten, die man nie zuvor gesehen hat. Partnersuchen mit Hilfe von neueren Kommunikationstechnologien zeigen einen ähnlichen Weg. Hier steigt vor allem die Effizienz und Zielgenauigkeit. Am Telefon werde ich auf die Date-Anfrage deutlich wahrscheinlicher direkt eine Antwort bzw. überhaupt eine Antwort bekommen, als per Brief und bleibe dennoch in der Distanz.

Social Networks haben zuletzt die Hemmschwelle gesenkt. Eine Kontaktaufnahme unter der Voraussetzung gemeinsamer Freunde wirkt weniger aufdringlich in Zeiten des WWW. Mehr noch: Es gibt die Möglichkeit Leute „anzusprechen“, die man gar nicht kennt. Weil man gemeinsame Interessen hat zum Beispiel. Die Digitalisierung übernimmt weitere Aufgaben, oder kann es zumindest.

In der Kriegsführung wird die nächste Stufe aller Voraussicht nach die Kriegsführung mit Drohnen sein. In dieser Arbeit soll es um ein, um im Bilde dieses Vorworts zu bleiben, Äquivalent in der Partnersuche gehen. Zunächst jedoch ein genauerer Blick auf den Status quo in Sachen Social Networks und Partnerbörsen.

Das ist ja kein Zustand…

…hier bei mir im Blog. Der letzte Beitrag ist über 2 Wochen her. Und auf Twitter war ich zuletzt auch recht faul. Wirklich, so kann es nicht weiter gehen. Zu meiner Verteidigung möchte ich anmerken, dass ich in den letzten Wochen nicht faul war. Die Uni klopft mit dem Semesterabschluss, sprich den Klausuren an die Tür, die Leichtathletik-Saison ist voll im Gange und… ok, ich merk schon. Interessiert nicht… Über EHEC habe ich bewusst nicht geschrieben… Schon besser? Ok… Aber auch nicht so der Knüller. Ich verspreche Besserung.

Aber dieses Internet ist derzeit eh seltsam. Spiegel Online wird immer mehr zu Bild.de, CARTA macht Pause, nachdem es zuletzt nicht optimal lief und von vielen schon abgeschrieben wurde. Ich hoffe zu Unrecht. Kino.to wird gestürmt und der vermutlich treffenste Artikel dazu schickt sich an, erster Satire-Artikel auf Platz 1 der deutschen Flattr-Charts zu werden. Überhaupt Flattr: Zuletzt gingen bei mir die Flattr-Klickzahlen wieder hoch und auch der Klickwert stieg an. Letzterer sogar deutlich, wenn es um datenjournalistische Projekte ging. Aber im Allgemeinen wird Flattr, so mein Eindruck, derzeit eher als stagnierend angesehen. Oder sogar auf dem Rückzug. Ich hoffe, es ist nicht so…

Und weiter? Richard Gutjahrs Blog mausert sich zu einer richtigen Goldgrube, wie ich finde, während netzpolitik mehr bloggt als andere twittern. Mir ist das etwas zu viel, aber andererseits muss man auch erst einmal so viel finden, wie die Jungs. In den deutschen Blogcharts sind sie auf jeden Fall nur noch auf Platz zwei. Welch eine Revolution! Bricht ein neues Zeitalter an? Vorne ist nun stadt-bremerhaven.de. Von mir nie gelesen. Und in meinem Umfeld habe ich auch keinen gefunden, der das tut. Vielleicht sollte ich mal damit anfangen… Ach ja, und Rivva ist wieder da (bin ich da eigentlich noch drin?).

Sehr zufriedenstellend entwickelt sich das von mir gestartete Projekt YOUdaz.com (auch ein Grund, weshalb auf meinem Blog zuletzt etwas mehr Ruhe herrschte). Ich empfehle hier einfach noch mal zwei jüngst erschienene Interviews zum Thema Datenjournalismus. Eines, das ich mit Lorenz Matzat geführt habe (Interview mit Lorenz Matzat: „Bei Redaktionen gilt häufig der Glaubenssatz „Keine Experimente“.“) sowie eines meines Kollegen Sebastian mit der dpa-Redakteurin Christina Elmer (Interview mit Christina Elmer: “Viele Redakteure unterschätzen die Relevanz”). Natürlich ist auch jeder dazu eingeladen, YOUdaz.com auf Twitter zu folgen und/oder bei Facebook zu liken.

Und was haben meine Leser so gemacht, während ich hier nicht geschrieben habe, wenn ich das mal so direkt fragen darf? Spezielle Seiten, die man in den Feed-Reader aufnehmen sollte?

OpenLeaks und der Widerstand der Wikileaks-Anhänger

Donnerstag stellte taz.de (und z.B auch netzpolitik) das geplante Enthüllungs-Portal OpenLeaks vor. Es wird unter anderen von Daniel Domscheid-Berg geplant, der früher bei Wikileaks aktiv war. OpenLeaks will einige Dinge bewusst anders angehen als Wikileaks. Die beiden in meinen Augen Hauptunterschiede sind folgende:

  • Man will (so sagt man zumindest) sich nicht auf die „großen“ Stories allein konzentrieren
  • Man will kein neuer Gatekeeper sein. Die Informanten sollen selber entscheiden können, wer die Dokumente erhält (welcher Medienpartner)

Beides finde ich zunächst einmal gut. Der Ansatz lässt vermuten, dass es keine großen Pressekonferenzen geben soll, auf denen sich ein „Gründer“ inszeniert. Auch, dass nicht OpenLeas bestimmen soll, wohin die Daten gehen, sehe ich als einen Fortschritt. Zwar könnte betrogen werden und auch hier könnte der Dienst die Zusammenarbeit aufkündigen, wenn ihm die Berichterstattung des Medienpartners nicht gefällt, doch die Macht wäre ungleich kleiner.

Zusammengefasst: In Meinen Augen also ein guter Ansatz, den es weiter zu verfolgen gilt.

Das Feedback, dass auf taz.de und netzpolitik in den Leserkommentaren auftauchte, hat mich jedoch überrascht. Sehr viel Negatives war dabei. Eine kleine Auswahl:

Leakplattformen die sich auf Journalisten verlassen sind verlassen. Da brauch man sich nur frühere große Leaks von WL anschauen, wo ähnlich vorgegangen wurde.

Ein Mitläufer von WikiLeaks möchte an dem Hype profitieren. Erst wenn da vorzeigbare Ergebnisse vorhanden sind wäre es interesant darüber zu berichten.

OpenLeaks von, zum Teil realitätsfremde Idealisten, aufgezogen wird die selbe Entscheidungsgeschwindigkeit haben wie die großen Diskussionsfreudige Studentenbewegungen.

Sehr schönes Projekt aber es geht den Macher um Eitelkeiten und verletzten Stolz. Und nicht um die Sache an sich.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt! Das finde ich wirklich voll idiotisch. Es scheint, der Abtrünnige ist nicht weniger egomanisch als sein ehemaliger Chef.

Vor allem der zuletzt zitierte Kommentar bringt die teilweise vorhandene Ablehnung auf den Punkt: Domscheit-Berg als “Abtrünniger”. Manchmal wirkt es auf mich, als seien im Internet derzeit viele „Anhänger“ oder „Fanboys“ unterwegs, die Wikileaks vollkommen kritiklos hinterher hecheln. Auch die DDoS-Attacken passen in diese Reihe. Manchmal nimmt das Ganze schon religiöse Züge an. Andererseits: Es wird nur halb so warm gegessen, wie kommentiert ;)

Zurück zum OpenLeaks-Konzept: Viele Kommentatoren kritisieren zudem, OpenLeaks würde die Authenzität nicht überprüfen (können), wie Wikileaks. Ein Beispiel:

Wikileaks hat sich gewissermaßen durch selbst auferlegte Qualitätsstandards eine recht gute Reputation erarbeitet – übermittelte Dokumente werden und wurden soweit ich weiß erst eingehend gesichtet und auf ihre Glaubwürdigkeit und Authentizität geprüft bevor sie veröffentlicht wurden. […] ob “freie” Leak-Projekte diese Qualitätsstandards durchweg aufrechterhalten könnten, da darf man schon ein bißchen skeptisch sein.

Solange wir nicht wissen, wie die Wikileaks-Leute arbeiten, wie viele es z.B. sind und wie lange sie arbeiten, welchen Hintergrund sie haben, sind wir darauf angewiesen, Wikileaks zu glauben. So wie ich es verstanden habe, lief auch bei Wikileaks die entscheidende Sichtung und Aufbereitung über die Medienpartner.

Ich würde mich freuen, wenn durch OpenLeaks Whistleblowing dezentralisiert wird und somit weniger machtvoll. Ich hoffe, dem Dienst wird von Whistleblowern und Wikileaks-Anhängern eine Chance gegeben (derzeit kann man bei Wikileaks übrigens eh nichts über die Seite einsenden).

Am liebsten wäre mir freilich weiterhin, es bräuchte keine Zwischeninstanz zwischen Informant und journalistischem Medium.

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Gedanken zum Netzpolitischen Kongress der Grünen #nk10 (Teil 1 Workshop Menschenrechte)

Freitag und Samstag war ich beim netzpolitischen Kongress der Grünen. Nein, ich bin nicht Parteimitglied geworden oder so – die Geschichte war offen für jeden. Das Interessanteste dabei waren die dialogischen Formen.

An zwei Workshops habe ich teilgenommen. Einen zu Menschenrechtsfragen im Zusammenhang mit Social Media und eines grob gesagt zum Medienwandel. An dieser Stelle möchte ich kurz einige Gedanken dazu bloggen. Weiterlesen

Die selbsterfüllende Prophezeiung eines Spiegel Online Artikels

Vergangenen Freitag erschien mein Artikel „Die digitale Parallelgesellschaft“ auf Spiegel Online. Darin führte ich einige Anzeichen für folgende These auf:

Das Web 2.0 beschäftigt sich in erster Linie mit sich selbst

Unter anderen die deutschen Blogcharts und die Rivva-Leitmedien zog ich dafür zugrunde. Für mehr siehe den Artikel im Original.

Nun ist mir natürlich bewusst, dass die Aussage provokativ gewählt war und ich hatte auch mit kritischen Stimmen gerechnet. Und es gab Einwände: Zum Beispiel, dass die im Artikel erwähnte Untersuchung alles andere als flächendeckend ist.

Aber irgendwo scheine ich trotzdem einen Nerv getroffen zu haben.

Der Artikel Weiterlesen

Es sind Online-Journalismus Gedanken, und sie sind zu zehnt gekommen (2/2)

Und weiter geht es. Gedanken, Anregungen, Vorschläge zu Journalismus im Internet bzw. Online-Journalismus. Ich freue mich auf Reaktionen.

Was bisher geschah:

01) Erst gab es Musketen, dann gab es Schnellfeuerwaffen – Erst gab es Print, dann gab es online
02) Divorce your darlings
03) Redigiere humanum est
04) Haltet den Dieb! – Ne stopp, er hat was hier gelassen
05) Bitte machen Sie sich mit der Lage der Notausgänge vertraut.

und nun: Die Fortsetzung Weiterlesen

Es sind Online-Journalismus Gedanken, und sie sind zu zehnt gekommen (1/2)

Ich steh ja so ein bisschen auf Diskussionsgrundlagen. So ist auch dieser Beitrag zu verstehen. Zehn Gedankengänge zu Journalismus im Internet bzw. Online-Journalismus. Abwechslungsreich und vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, dafür aber locker statt todernst formuliert. Here we go:

01) Erst gab es Musketen, dann gab es Schnellfeuerwaffen – Erst gab es Print, dann gab es online Weiterlesen

Umfragen im Internet: Meinungsmacher, keine Meinungseruierer

Umfragen sind ein beliebtes Instrument im Internet – aber repräsentativ sind sie nie gewesen. Spätestens seit Twitter, Facebook und ähnlichen Anwendungen ist es damit endgültig aus. Zwei Beispiele:

Als in der Schweiz die Volksabstimmung zu Minaretten vorbei war, gab es auf vielen deutschen Nachrichtenseiten Umfragen zum Thema. Meist war der Tonus „Sollten Minarette auch in Deutschland verboten werden?“. So auch bei SPIEGEL-ONLINE. Diese Umfrage hielt sich nicht lange. Sie wurde entfernt mit folgendem Hinweis: Weiterlesen