Protest: Facebook hot – Twitter not?

Eben haben ich ein wenig auf campact rumgesurft. Ich wollte nachsehen, wie die Petition gegen die Aufhebung der Null-Toleranz-Regel für Gentechnik in Futtermitteln so läuft (ich kann übrigens nur darum bitten, mitzumachen). Dabei fiel mir etwas auf: Für alle Petitionen gibt es Share-Buttons für Twitter und Facebook. Aber weiterverbreitet wird offenbar 10- bis 44-mal häufiger auf Facebook als auf Twitter:

Woran mag das liegen? Ich habe drei Thesen:

1. Die Counter-Zahlen stimmen nicht.
Gerade bei den Twitter-Countern habe ich häufig das Gefühl, dass viele Tweets, die nicht über den Button abgeschickt werden, nicht oder erst spät gezählt werden.

2. Die Leute nutzen zur Verbreitung lieber Facebook.
Ein Grund: Bei Facebook hat man eher echte Freunde, die man glaubt auch zum unterzeichnen bewegen zu können. Auf Twitter hingegen hat man deutlich mehr Kontakte, die man nicht persönlich kennt.

3. Deutlich mehr Leute in Deutschland nutzen Facebook als Twitter.
Dieser Punkt ist wohl unzweifelhaft. Ob er allein für die Zahlen verantwortlich ist? Möglich. Dafür spicht, dass Campact etwa 10-mal mehr Leute hat, denen die Campact-Facebook-Seite “gefällt”, als Follower auf Twitter (ca.11.000 zu 1.250).

Facebook setzt sich einmal mehr durch.

Die Revolution frisst ihre Attribute

Iran war die Twitter-Revolution. Zumindest bis man das Wort Revolution streichen musste. Dann kamen Tunesien und Ägypten. Diese Länder haben ihre Machthaber zumindest gestürzt. Und weil die ganze Welt daran teilhaben konnte, zumindest wenn sie nicht deutsches TV sah, wollte man doch auch irgendwie Teil davon sein.

Wir im Netz waren dabei, wir gehören zu den Ägyptern. Wir haben Mubarak mit gestürzt, weil wir immer alles wissen wollten und auf Facebook mit kommentierten. Facebook ist westlich. Seht ihr, ohne uns, hättet ihr noch immer eine Diktatur (die wir übrigens erst so nannten, nachdem unser Urlaubsland mit Protesten in den Medien auftauchte).

Ägypten ist die Facebook-Revolution. Das Internet war lange Zeit aus? Egal! Die Frage an einige Demonstranten oder „Experten“ inwiefern ihnen Facebook geholfen habe („Ja, war sicher hilfreich“) reicht als Indikator. Hat jemand einen Demonstranten gefragt, wie das überwiegend gute Wetter geholfen hat?

Ägypten die Schön-Wetter-Revolution?

Klingt eher nach Deutschland. Aber halt: Es wird ja tatsächlich von Klima-Revolution geschrieben.

Ich persönlich möchte all jene Faktoren als Teilaspekte nicht ausschließen. Sicher können sie unterstützend wirken. Aber wenn wir westliche Menschen schon als Teilauslöser gelten wollen, sollte man einen anderen Gedanken Aufmerksamkeit schenken:

Ägypten ist die Tourismus-Revolution.

Der Tourismus könnte seinen Teil beigetragen haben. Vielleicht mehr noch als über Facebook bekommen junge Ägypter über den Tourismus in ihrem Land regelmäßig Kontakt zu westlichen Gedankengut und Lebensstil. Sie sehen, wie wir leben, schließen Freundschaft (auch auf Facebook). Ich denke, friedlicher und respektvoller Tourismus kann langfristig Gesellschaften umwälzen.

Natürlich nicht allein. In Ägypten wäre auch wenig gegangen ohne Al Jazeera. Erleben wir gerade die Al Jazeera-Revolutionen? Zumindest bringen sie dem Sender weltweite Beachtung.

x,y,z-Revolution: Vielleicht ist alles ein Teil, vielleicht alles richtig. Vielleicht aber auch maßlos übertrieben. Revolutionen können historisch betrachtet meist erst einige Jahrzehnte später richtig eingeordnet werden. Nicht von Journalisten oder Kommentatoren, sondern von Historikern.

Bis dahin sollten wir die Revolution in Ägypten von Zwangsehen mit von außen herangetretenen Attributen verschonen und abwarten. Abwarten, ob die Revolution überhaupt eine ist.

PS: Die Oktober-Revolution fand übrigens im November statt, die Februar-Revolution im März.

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Die selbsterfüllende Prophezeiung eines Spiegel Online Artikels

Vergangenen Freitag erschien mein Artikel „Die digitale Parallelgesellschaft“ auf Spiegel Online. Darin führte ich einige Anzeichen für folgende These auf:

Das Web 2.0 beschäftigt sich in erster Linie mit sich selbst

Unter anderen die deutschen Blogcharts und die Rivva-Leitmedien zog ich dafür zugrunde. Für mehr siehe den Artikel im Original.

Nun ist mir natürlich bewusst, dass die Aussage provokativ gewählt war und ich hatte auch mit kritischen Stimmen gerechnet. Und es gab Einwände: Zum Beispiel, dass die im Artikel erwähnte Untersuchung alles andere als flächendeckend ist.

Aber irgendwo scheine ich trotzdem einen Nerv getroffen zu haben.

Der Artikel Weiterlesen

Kleines Experiment: Wen wählst du bei der Landtagswahl und warum?

An dieser Stelle möchte ich ein kleines Experiment wagen. Im Bezug auf die Landtagswahl hatte ich mir ursprünglich eine kleine Blogparade vorgestellt (“Ich wähle XY, weil”). Das hat leider nicht geklappt. Aber vielleicht möchtest du auf 140 Zeichen ihre Wahlentscheidung nennen und begründen?

Wenn ja das ganze bitte als @reply über Twitter an mich -> @youdaz

Ich sammel und stelle die gesammelten Zeilen als Blogbeitrag online. Natürlich nur, wenn es sich lohnt. Daher könnt ihr die Aktion gerne weiter verbreiten.

Vermutlich werden in erster Linie parteinahe Twitterer schreiben, aber es wäre dennoch interessant zu sehen, wie die Wahl mit 140 Zeichen begründet wird. Persönlich erwarte ich am ehsten Antworten von Piraten, aber vielleicht irre ich mich ja auch.

Das ganze wird natürlich nicht repräsentativ. Spannend sein und zu Diskussionen anregen, könnte es aber allemal!

6 Punkte zum TV-Duell

tvd1Am Tag danach. Eine Nacht drüber geschlafen, die Berichterstattung und Partei-Propaganda weitestgehend ignoriert und darüber nachgedacht, was vom TV-Duell hängen geblieben ist. Hier sind meine 6 Punkte und meine Tweets von Gestern:

1. Steinmeier hat das Duell gewonnen
Steinmeier war klar der bessere Diskutant. Das lag aber weniger an der „TV-Duell-Kompetenz“ der Beiden, die etwa gleich ist, sondern daran, dass Steinmeier besser vorbereitet wirkte, zum Beispiel Zahlen im Kopf hatte. Weiterlesen

Fail-Whale-Watching

fw1Als ich als Kind in Kanada im Urlaub war gab es für mich immer ein besonderes Highlight: Whale-Watching, also mit einem Schifferboot auf das Meer hinausfahren, und Wale sehen. Die vergangenen beiden Tage, konnte man global Fail-Whale-Watching betreiben. Der geneigte Internetnutzer weiß bereits Bescheid: Ich rede vom Ausfall von Twitter. Weiterlesen

Hashtag: Twitter im Sportverein

pfungtwittIch glaube es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen wollen zum Teufel nochmal keine Artikel über Twitter mehr hören, vor allem keine, die Twitter erklären. Die anderen hatten noch nie mit Microblogging zu tun und sehen auch gar keinen Nutzen darin.

Wie ich darauf komme? Vor kurzem habe ich mich entschlossen die Pressearbeit der Leichtathletik-Abteilung meinest Sportvereins (um genau zu sein, eines meiner beiden Sportvereine) ein wenige durch einen Twitter-Account aufzubessern. Gesagt-getan. Die Updates hat der Webmaster unserer Homepage zusätzlich auf die Startseite eingebettet. Weiterlesen

Kommunalwahl-Hickhack in NRW

Ursprünglich sollte die Kommunalwahl in NRW zeitgleich mit der Europawahl am 7. Juni statt finden, so die Planung der NRW-Landesregierung aus CDU und FDP. Doch heute entschied das Landesverfassungsgericht, dass dieser Termin nicht rechtens sei. Das Gericht gab damit einer Klage von SPD und Grünen recht. Die Begründung: Die Amtszeit der amtierenden Lokalpolitiker in Städten und Kreisen endet erst im Oktober, so dass zwischen Wahl und Amtsantritt vier Monate gelegen hätten. Das Ergebnis wäre vergleichbar zur „lame duck“ in den USA gewesen. So (lahme Ente) bezeichnet man dort Präsidenten, wenn der Nachfolger schon bestimmt, aber noch nicht vereidigt ist.

Das Urteil des Landesverfassungsgerichtes steht in einer Reihe von Niederlagen der Regierung. Vier mal war dabei der Innenminister, Ingo Wolf, im Zentrum der Kritik. Dies ist besonders bedenklich, weil er als Innenminister für die Verfassung verantwortlich ist. Sogar aus den eigenen Reihen kommt daher nun Kritik auf. Die politischen Kontrahenten, SPD und Grüne, gehen noch weiter: Sie fordern den Rücktritt von Ingo Wolf.

Neuer Wahltermin der 30. August?
Als neuen Wahltermin favorisieren CDU und FDP nun den 30. August. An diesem Termin findet sonst keine Wahl statt. Der ursprüngliche Gedanke, die Wahlbeteiligung zu erhöhen und die Kosten zu senken, könnte auch durch einen anderen Termin erreicht werden: Dem 27. September, Tag der Bundestagswahl.

Der 27. September läge zudem näher am Amtsantritt der neuen Bürgermeister und Landräte. Auch aus diesen Gründen tritt die Opposition für dieses Datum als Wahltermin ein. Der NRW-Regierung ist laut eigenem Bekunden jedoch die Gefahr zu groß, die Bundestagwahl könne die Entscheidung bei der Kommunalwahl beeinflussen. Die Kosten für eine separate Kommunalwahl liegen laut Grünen bei ca. 50 Millionen Euro. Die SPD spricht von 42 Millionen.

Ich persönlich glaube nicht, dass eine Zusammenlegung mit der Bundestagswahl die Wahlentscheidung des Einzelnen beeinflussen würde. Lediglich die Wahlbeteiligung wäre höher. Davor scheinen CDU und FDP Angst zu haben, was nicht von Selbstvertrauen spricht. Wenngleich eine mit der Europawahl zusammengelegte Stimmabgabe eine gute Alternative gewesen wäre, finde auch ich, dass vier Monate zwischen Wahl und Amtsantritt zu lange gewesen wäre. 

In meinen Augen wäre die Zusammenlegung mit der Bundestagswahl die beste Alternative. Allen voran, weil sonst zusätzlichen Kosten von über 40 Millionen Euro aufkommen würden. Auch der Gedanke innerhalb kurzer Zeit drei Mal wählen gehen zu dürfen mutet etwas seltsam an. Ein vierter Termin bleibt jedoch aus, denn die Stichwahl bei NRW-Kommunalwahlen wurde von CDU und FDP 2007 abgeschafft. Eigentlich eine Geschichte für sich, wenn man bedenkt, dass bei den letzten Kommunalwahlen in 30(!) Fällen CDU-Kandidaten in der Stichwahl verloren, die im Hauptwahlgang einen Stimmvorsprung hatten!

Twitter und Youtube sind dabei
Auffällig im Umfeld der heutigen Entscheidung ist der Umgang der SPD und Grünen mit neuen Medien. Die Grünen berichteten live via Twitter, auch die SPD äußerte sich hier. Hannelore Kraft, Landesvorsitzende der NRWSPD, meldete sich in einem Youtube-Video zu Wort. Darin fordert sie den Rücktritt von Ingo Wolf und ruft die Bürger auf, für den 27. September als Wahltermin einzutreten.